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Aussagesuggestibilität von Kindern

Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklung eines psychodiagnostischen Verfahrens

Aussagesuggestibilität von Kindern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Gunda Wößner
  • Abgabedatum: April 1998
  • Umfang: 147 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Institution / Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0785-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0785-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0785-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wößner, Gunda April 1998: Aussagesuggestibilität von Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Glaubwürdigkeitsbegutachtung, Aussagesuggestibilität, Diagnostik von Aussagesuggestibilität

Diplomarbeit von Gunda Wößner

Einleitung:

Im Rahmen des Verdachts auf sexuellen Kindesmißbrauch rückt mehr und mehr die Frage danach in den Mittelpunkt, inwiefern suggestive Befragungsmethoden zu falschen Anschuldigen seitens des Kindes führen können. Der psychologische Sachverständige sieht sich im Rahmen der Begutachtung der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen häufig mit Äußerungen konfrontiert, von denen man nicht weiß, ob diese Anschuldigungen auf Suggestionen zurückzuführen sind.

Gang der Untersuchung:

Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird der aktuelle Forschungsstand der Aussagepsychologie dargestellt. Hierzu gehören Erkenntnisse zum Umgang mit dem Verdacht auf sexuellem Mißbrauch bei der sogenannten "Aufdeckungsarbeit", im Justizapparat sowie bei der forensisch-psychologischen Begutachtung. Dabei werden aktuelle Begutachtungskonzepte erläutert. Im Anschluß wird die Problematik der Suggestibilität erörtert. Es werden Faktoren, welche die Suggestibilität determinieren, vorgestellt bevor Überlegungen dazu angestellt werden, ob es sinnvoll sein könnte, ein psychometrisches Testinstrument zu entwickeln, anhand dessen man die individuelle Vulnerabilität für suggestive Methoden erfassen kann.

Im theoretischen Teil wird aufbauend auf den Ergebnissen des aktuellen Forschungsstandes eine Testvorform zu Erhebung individueller Suggestibilitätsdifferenzen konstruiert und einer klassischen Testitemanalyse sowie einer Faktorenanalyse zur Beurteilung einer möglichen Skalierung unterzogen. Im Anschluß daran wird eine Clusteranalyse durchgeführt, um zu verifizieren, ob es verschiedene Personen gibt, die sich hinsichtlich des Konstrukts so sehr ähneln, daß sie jeweils eine Klasse unterschiedlich suggestibler Personen darstellen. Hierfür wurden 75 Vorschulkinder untersucht, denen zu einer negativ emotional getönten Stimulusgeschichte diverse suggestive Fragen gestellt wurden. Die Ergebnisse deuten ein komplexes Bild des untersuchten Konstrukts Suggestibilität an. Eine vermutete Skalierung anhand diverser Fragetypen kann nur unter Berücksichtigung des Frageninhalts angegangen werden. Anhand eines aufgezeigten komplexen Bedingungsgefüges wird diskutiert, welche Faktoren bei der Beurteilung der Suggestibilität zu berücksichtigen sind, und ob es generell möglich ist, ein Testinstrument zur Erfassung der Aussagesuggestibilität zu konstruieren.

Inhaltsverzeichnis:

Abstract 1
Einleitung 2
I. Theoretischer Teil: "State of the Art" 3
1. Sexueller Mißbrauch von Kindern - Möglichkeiten und Grenzen des diagnostischen Vorgehens 3
1.1 Sexueller Mißbrauch von Kindern - historischer Abriß, Definition und Epidemiologie 3
1.2 Die Problematik der "Aufdeckung" sexuellen Kindesmißbrauchs 6
1.3 Die Rolle des forensisch-psychologischen Sachverständigen 10
1.4 Exkurs: Das Kind im Strafverfahren - rechtliche Rahmenbedingungen 14
2. Die Glaubwürdigkeit kindlicher Zeugenaussagen 18
2.1 Historischer Abriß der Aussagepsychologie 18
2.2 Neuere Ergebnisse der Aussageforschung 20
2.2.1 Bedingungsgefüge glaubwürdiger Aussagen 21
2.2.1.1 Phantasie 22
2.2.1.2 Gedächtnis 23
2.2.1.3 Wissen 26
2.2.1.4 Sprache 27
2.3 Aktuelle Konzepte zur Glaubwürdigkeitsbegutachtung 28
2.3.1 Die Kriterienorientierte Aussageanalyse 28
2.3.2 Interviewtechniken 32
2.3.2.1 Das Kognitive Interview 33
2.3.2.2 Andere Interviewtechniken und -leitfäden 35
2.3.2.3 "Faustregeln" für Interviews 37
2.3.3 Multifaktorielle Konzepte der Glaubwürdigkeitsbegutachtung 41
3. Die Suggestibilität kindlicher Zeugenaussagen 46
3.1 Was ist Suggestibilität? 47
3.1.1 Begriffsbestimmung: Suggestibilität, Suggestion und Suggestivität 47
3.1.2 Definitionsversuche des Begriffs Suggestibilität 47
3.1.3 Theorien zur Suggestibilität 48
3.1.4 Arbeitsdefinition 49
3.2 Determinanten der Aussagesuggestibilität 50
3.2.1 Kognitive Faktoren 51
3.2.1.1 Differenzierungsfähigkeit zwischen Phantasie und Realität 51
3.2.1.2 Gedächtnis 52
3.2.1.3 Wissen 54
3.2.1.4 Sprache 55
3.2.2 Soziale und motivationale Faktoren 56
3.2.3 Weitere Determinanten der Suggestibilität 58
3.3 Aussagesuggestibilität als altersabhängige Variable? 59
3.4 Suggestibilität im Kontext aussagepsychologischer Konzepte 61
3.5 Kriterien für die Erstellung eines psychodiagnostischen Verfahrens zur Erfassung der Aussagesuggestibilität 63
II. Empirischer Teil 69
1. Fragestellung und Methodik 69
1.1 Fragestellung und Hypothesen 69
1.2 Untersuchungsplanung: Operationalisierung der Hypothesen, Untersuchungs-material, Stichprobe 70
1.2.1 Untersuchungsdesign und -material 70
1.2.2 Operationalisierung Suggestibilität und Beschreibung des Erhebungsinstruments 71
1.2.3 Kontrollvariablen 74
1.3 Datenerhebung 75
1.4 Probanden 76
1.5 Überlegungen zur methodischen Vorgehensweise 76
2. Datenauswertung und Ergebnisse 77
2.1 Beschreibung der Stichprobe 77
2.2 Analyse und Beurteilung des Fragenkatalogs als Testversion 77
2.2.1 Rohwerteverteilung der Items 77
2.2.2 Itemanalyse 80
2.2.2.1 Trennschärfe 80
2.2.2.2 Itemschwierigkeit 82
2.2.2.3 Homogenität 83
2.2.2.4 Zusammenfassende Beurteilung der Itemanalyse 84
2.2.3 Testgütekriterien 86
2.2.3.1 Objektivität 86
2.2.3.2 Reliabilität 87
2.2.3.3 Validität 87
2.2.4 Faktorenanalytische Auswertung der Items 88
2.3 Personen- und gruppenspezifische Suggestibilitätsausprägungen 97
2.3.1 Individuelle Differenzen: Versuch einer Klassifizierung von Personen 97
2.3.2 Geschlechtsdifferenzen 101
2.3.3 Die Abhängigkeit der individuellen Suggestibilitätsausprägung von der Reproduktionsleistung. 102
2.3.4 Ergebnisse unter Berücksichtigung der Kontrollvariablen 104
3. Zusammenfassung und Diskussion 108
Literatur 121
Anhang 131

Automatisiert erstellter Textauszug:

früheren Viktimisierung von Sexualdelikten durchgeführt werden, resultieren methodische Mängel oftmals aus der sogenannten Stichprobenselektion; d.h. der Fragebogenrücklauf wird zum größten Teil von viktimisierten Befragten getragen, wohingegen Befragte, die nicht Opfer einer besagten Straftat wurden den Fragebogen meist ohnehin nicht zurückschicken. Zudem sind Hintergründe über sexuellen Mißbrauch, die zu einer sinnvollen Schätzung oder Berechnung seiner wahren Prävalenz herangezogen werden könnten, noch zu wenig bekannt (ROEMER & WETZELS 1991). Tabelle 1 gibt einen Überblick über die bundesweit in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) berichteten Fällen sexuellen Kindesmißbrauchs nach §176 StGB (s. Kap. 1.4) für die Jahre 1974 bis 1996. Tabelle 1: Sexueller Mißbrauch von Kindern (Angaben der PKS) [...]

In den letzten Jahren erlangte das Thema sexueller Kindesmißbrauch mehr und mehr Medienaufmerksamkeit. Dabei rückte die Frage nach suggestiven Einflüssen bei Anschuldigungen insbesondere durch die großen Prozesse wie dem „Montessori-“ oder dem „Mainzer Verfahren“ in den Vordergrund. Doch nicht nur bei solch spektakulären Fällen wird die Frage aufgeworfen, inwiefern suggestive Befragungsmethoden zur Aufklärung eines Verdachts die Aussagen von Kindern determinieren können. Zahlreiche, durch die immer größere Fokussierung des Themas initiierten, Forschungsarbeiten kamen dabei - wie noch zu zeigen sein wird - zu dem Ergebnis, daß sich manche Kinder sexuellen Mißbrauch durchaus „einreden“ bzw. suggerieren lassen, andere wiederum nicht. Mit dieser Arbeit soll untersucht werden, ob diese Unterschiede ausschließlich auf situative Determinanten oder eventuell sogar methodische Artefakte zurückzuführen sind oder ob sich ein Persönlichkeitsmerkmal Suggestibilität als die individuell unterschiedlich ausgeprägte Vulnerabilität für suggestive Einflüsse herauskristallisieren läßt. Parallel hierzu wird die Möglichkeit der Entwicklung eines testdiagnostischen Verfahrens zur Erfassung potentieller interindividueller Suggestibilitätsdifferenzen empirisch untersucht und erste Ergebnisse hierzu im Rahmen bisheriger Forschungsbefunde diskutiert. Den Anstoß zur Bearbeitung dieser Fragestellung gab mir Herr Prof. Dr. Helmut Kury, bei dem ich mich für die Überlassung des Themas sowie seine konstruktiven Anmerkungen und stete Diskussionsbereitschaft an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Sehr profitiert habe ich von den zahlreichen informellen Gesprächen und Diskussionen mit meinen Kolleginnen und Kollegen des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg, wo ich parallel zur Entstehung dieser Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft in der Forschungsgruppe Kriminologie tätig war. Wichtige Anregungen erhielt ich von meinen Kolleginnen und Kollegen Dipl.Psych. Harald Arnold, Ulrich Baumann, Daniela Kirstein und Dipl.Päd. Michael Würger. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch bei Herrn Ref. Oliver Kipper für seine kritischen Anmerkungen zum Exkurs über rechtliche Rahmenbedingungen. Von unschätzbarem Wert waren die fachlichen Auseinandersetzungen mit meinem Kollegen Herrn Dipl.Psych. Joachim Obergfell-Fuchs, der mit seiner unermüdlichen Diskussionsbereitschaft wesentlich zum Gelingen dieser Arbeit beitrug. Desweiteren sei Frau Dr. Pohle-Hauß gedankt, die mir aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung als forensisch-psychologische Gutachterin im Bereich der Glaubwürdigkeitsbegutachtung wichtige praktisch relevante Hinweise geben konnte. Für ihre Kooperationsbereitschaft möchte ich mich auch bei den Erzieherinnen und Erziehern sowie den Kindern folgender Freiburger Kindergärten bedanken, die sich zur Teilnahme an der Studie bereit erklärten: Dem Kindergarten der Petrusgemeinde, dem Christuskindergarten, dem Kindergarten der Friedensgemeinde sowie dem Kindergarten St. Barbara. Mein ganz besonderer Dank gilt schließlich meinem Mann Dr. Martin Bek, der mir durch seine geduldige Unterstützung bei der Überwindung der Hürden, die in den Monaten der Entstehung dieser Arbeit auftraten, Beistand leistete. Ihm und meinem neugeborenen Sohn Leonard sei diese Arbeit gewidmet. [...]

Im Rahmen des Verdachts auf sexuellen Kindesmißbrauch rückt mehr und mehr die Frage danach in den Mittelpunkt, inwiefern suggestive Befragungsmethoden zu falschen Anschuldigen seitens des Kindes führen können. Der psychologische Sachverständige sieht sich im Rahmen der Begutachtung der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen häufig mit Äußerungen konfrontiert, von denen man nicht weiß, ob diese Anschuldigungen auf Suggestionen zurückzuführen sind. Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird der aktuelle Forschungsstand der Aussagepsychologie dargestellt. Hierzu gehören Erkenntnisse zum Umgang mit dem Verdacht auf sexuellem Mißbrauch bei der sogenannten „Aufdeckungsarbeit“, im Justizapparat sowie bei der forensisch-psychologischen Begutachtung. Dabei werden aktuelle Begutachtungskonzepte erläutert. Im Anschluß wird die Problematik der Suggestibilität erörtert. Es werden Faktoren, welche die Suggestibilität determinieren, vorgestellt bevor Überlegungen dazu angestellt werden, ob es sinnvoll sein könnte, ein psychometrisches Testinstrument zu entwickeln, anhand dessen man die individuelle Vulnerabilität für suggestive Methoden erfassen kann. Im theoretischen Teil wird aufbauend auf den Ergebnissen des aktuellen Forschungsstandes eine Testvorform zu Erhebung individueller Suggestibilitätsdifferenzen konstruiert und einer klassischen Testitemanalyse sowie einer Faktorenanalyse zur Beurteilung einer möglichen Skalierung unterzogen. Im Anschluß daran wird eine Clusteranalyse durchgeführt, um zu verifizieren, ob es verschiedene Personen gibt, die sich hinsichtlich des Konstrukts so sehr ähneln, daß sie jeweils eine Klasse unterschiedlich suggestibler Personen darstellen. Hierfür wurden 75 Vorschulkinder untersucht, denen zu einer negativ emotional getönten Stimulusgeschichte diverse suggestive Fragen gestellt wurden. Die Ergebnisse deuten ein komplexes Bild des untersuchten Konstrukts Suggestibilität an. Eine vermutete Skalierung anhand diverser Fragetypen kann nur unter Berücksichtigung des Frageninhalts angegangen werden. Anhand eines aufgezeigten komplexen Bedingungsgefüges wird diskutiert, welche Faktoren bei der Beurteilung der Suggestibilität zu berücksichtigen sind, und ob es generell möglich ist, ein Testinstrument zur Erfassung der Aussagesuggestibilität zu konstruieren. [...]

Arbeit zitieren:
Wößner, Gunda April 1998: Aussagesuggestibilität von Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Glaubwürdigkeitsbegutachtung, Aussagesuggestibilität, Diagnostik von Aussagesuggestibilität

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