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Ausprägung des Flow-Erlebnis beim Internetsurfverhalten

In Abhängigkeit von persönlichen und situativen Faktoren

Ausprägung des Flow-Erlebnis beim Internetsurfverhalten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Robert Tzanetakis
  • Abgabedatum: März 2001
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 5,5 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4115-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4115-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4115-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Tzanetakis, Robert März 2001: Ausprägung des Flow-Erlebnis beim Internetsurfverhalten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Flowerlebnis, WWW, Psychologie

Diplomarbeit von Robert Tzanetakis

Einleitung:

Die Studie befasst sich mit der Implementierung und Validierung von „Flow“ im Internet. Inwiefern ist es dem User möglich „Flow“ zu erleben und wovon hängt dies ab? Der von Csikszentmihalyi geprägte Begriff des „Flow-Erlebnisses“ – also im Fluss sein, Begeisterung, freudiges Aufgehen in einer Handlung – ist seit den 70er Jahren zentraler Begriff der intrinsischen Motivationsforschung und wurde seitdem in einer Vielzahl von Populationen, untersucht. In meiner Diplomarbeit untersuchte ich eine Stichprobe von n=71 mit dem Flow-Fragebogen (einer Adaption von Csikszentmihalyis Experience Sampling Method) zu vier Meßzeitpunkten. Im Anschluss wurde eine Testbatterie zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen (wie Kontrollüberzeugung, Kohärenzgefühl, Spielerische Grundhaltung) und Surfverhalten (Interneterfahrung, Internetsucht) vorgelegt. Dabei wurde einerseits versucht, das Flow-Konstrukt (erstmals) im „virtuellen Raum“ zu validieren, also auf seine Gültigkeit zu überprüfen. Es spielen sämtliche Dimensionen von Flow eine entscheidende Rolle: „positiver Affekt“, „Balance zwischen Aufgabenschwierigkeit und Fertigkeiten“, „Gefühl der Kontrolle“, „involviert sein“, „Konzentration“, „Zeitverzerrung“, „Erwartung“ und „Zielorientierung“.

Andererseits wurde Flow mit sämtlichen persönlichen und situativen Variablen in Beziehung gesetzt. Ziel dieser Arbeit war es zu überprüfen, ob der/die Internetsurfer(in) tatsächlich unter bestimmten Umständen leichter in den Zustand des Flow kommt. Und zwar abhängig von eben seiner/ihrer Persönlichkeit (z.B. interne vs. externe Kontrollüberzeugung) und gewissen äußeren Gegebenheiten (z.B. ob die Person zuhause oder in einem Computerhörsaal surft, Webpagegestaltung, Verweildauer auf der Website, Tätigkeit im Netz).

Allgemein gesehen entsprechen die meisten Ergebnisse durchaus den Erwartungen. So konnte in dieser Untersuchung die innere Konsistenz von Flow (unter Ausschluß von zwei Faktoren) bestätigt werden. Das „korrigierte Flow“ besteht somit aus den sechs Faktoren autotelische Erfahrung (positiver Affekt), Zielorientierung, Konzentration, Kontrolle, Involvement und Erwartung, die zueinander hoch konsistent sind. Somit können diese zu „Flow“ zusammengefaßt werden. Die Validität des Konstrukts innerhalb eines gewissen Settings (hier: Internet) ist wiederum Voraussetzung um mit diesem Berechnungen durchführen zu können.

In der Überprüfung des Einflusses von situativen Variablen konnten der Großteil der Erwartungen bestätigt werden. Wie im „realen Leben“, zeigt sich auch im virtuellen Raum, dass eine längere Beschäftigung mit einer Tätigkeit, sowie eine subjektiv gute Struktur der Aufgabe/des Umfeldes, der Wahrscheinlichkeit des Eintretens und des Ausmaßes der Intensität von Flow förderlich sind. Eine weitgehende Unabhängigkeit von der Tätigkeit (es reicht, wenn etwas aktiv „getan“ wird) des Flow-Erlebnisses bestätigt sich auch im Intenet. Ich vermute, dass generell Internetsurfen, als interaktive Tätigkeit, Flow eher zuläßt, im Gegensatz zu passiven Tätigkeiten, wie fernsehen etc. Doch dies zu bestätigen bedarf eigener Untersuchungen, und bleibt vorerst reine Spekulation.

Ebenso konnte in der Studie die Haupthypothese bestätigt werden, nämlich eine kausale Abhängigkeit des Flow vom Ausmaß an Wahlfreiheit. Es zeigte sich, das die Gruppe mit viel Wahlfreiheit / wenig soziale Kontrolle (Surfen zuhause) weit höhere Werte von Flow erreichte, als die Gruppe mit wenig Wahlfreiheit/ großer sozialen Kontrolle (Surfen im überfülltem Computerhörsaal). Das Ergebnis deckt sich mit dem einer Untersuchung mit Musikern, die in der Kontrollbedingung in Anwesenheit und auf Kommando des Versuchsleiters musizierten und in der Versuchsbedingung allein bei sich zuhause musizierten, wobei das Stück auf Tonband aufgenommen wurde, jedoch der Zeitpunkt der Spiels frei wählbar war. Wie zu erwarten notierten die Teilnehmer der Versuchsgruppe (Wahlfreiheit) signifikant höhere Werte von Flow.

In der Überprüfung des Einflusses von Persönlichkeitsvariablen stimmen die Ergebnisse nur teilweise mit den Erwartungen überein. Eine interne Kontrollüberzeugung, eine weitgehende Unabhängigkeit von Zufallseinflüssen, hohes Selbstvertrauen, handlungsorientierung, die Tendenz eine (schwierige) Situation als Herausforderung wahrzunehmen korrelieren hoch mit der Fähigkeit Flow zu erleben. Dies konnte in einer Reihe von Studien bestätigt werden. Hingegen zeigt sich kein Zusammenhang zur augenscheinlichen „spielerischen Grundhaltung“, eine Skala die jedoch eher die Vorliebe für Freizeitaktivitäten und –verhalten im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mißt, anstatt Spannungsfreiheit und Lockerheit zu beleuchten. Überraschend auch das Ergebnis, dass es überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Flow, Interneterfahrung und Internetsucht gibt.

Bezüglich der Validierung und Messung von Flow sei anzumerken, dass neuerdings eine Vielzahl von Studien über Flow mit posthoc-Befragungen vermeintliche Flowerlebnisse erfassen. Dabei sei anzumerken, dass eine einmalige direkte Abfrage von Erlebnissen „..die vom Probanden als flow-ähnlich eingestuft werden (Hoffman, 1999)“ mit sogenannten „Flowbögen“ nicht in diesem Maße gültig sind, wie Zeitstichprobentagebücher, da sich der Betroffene in der Regel kaum an alle Flow-Aktivitäten erinnern kann, oft gar nicht weiß was mit „Flow“ gemeint sei und zudem Flow schwer mit gewissen Tätigkeiten oder Situationen in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Experience Sampling Method und, ganz allgemein, die Methode der Zeitstichprobentagebücher kann Flow dagegen direkt an der Tätigkeit und mit einer „höheren Auflösung“ messen. Daher sind nach meiner Meinung die Überprüfung und Messung von Flow nur mit dieser zulässig.

Meines Wissens sind Untersuchungen von Flow, dem Zustand zwischen Langeweile und Angst, im Internet sehr rar. Da die Zahl der User von Tag zu Tag steigt und dieses Medium ein tragende Rolle in unserer Gesellschaft zu übernehmen beginnt, ist intensivere Forschung in diesem Bereich angebracht.

Diese im deutschsprachigen Raum, erstmalig mit Zeitstichprobenaufzeichnungen, durchgeführte Studie zum Thema „Flow im Internet“ soll sowohl dem eMarketing (insbesondere den Webpagedesignern), als auch den Forschern des Mediums, speziell jenen, die sich mit den gesundheitspsychologischen Auswirkungen beschäftigen, neues Wissen, Erkenntnisse und Denkanstöße vermitteln.

Inhaltsverzeichnis:

I. THEORETISCHER TEIL 1
1. DAS FLOW-KONZEPT 3
1.1 Flow-Erlebnis 3
1.2 Komponenten des Flowerlebens 4
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUM FLOWERLEBEN 5
2.1 Gemeinsamkeiten zu anderen Theorien 5
2.2 Intrinsische Motivation und Flow 6
2.3 Das 8-Kanal-ModelI von Flow 9
2.4 Flow und „optimale Erfahrung“ 12
3. ESM, DAS MESSINSTRUMENT 13
3.1 Items der ESM 13
3.2 Dimensionen 13
3.4 Entwicklung der ESM 15
3.5 Gütekriterien der ESM 16
4. FERNSEHSUCHT UND INTERNETABHÄNGIGKEIT 17
4.1 Flow, Sucht und biochemische Prozesse 17
4.2 Fernsehsucht 18
4.3 Internetdependenz 20
5. FLOW-ERLEBNIS UND SITUATIVE VARIABLEN 23
5.1 Welche Tätigkeiten führen zu Flow? 23
5.2 Welche Situationen führen zu Flow? 23
6. FLOW-ERLEBNIS UND PERSÖNLICHKEITSVARIABLEN 25
6.1 Die autotelische Persönlichkeit 25
6.2 Optimales Aktivierungsniveau 26
6.3 Flow und Selbstbeobachtung 27
6.4 Kontroll- und Kompetenzüberzeugung 27
6.5 Das Kohärenzgefühl: Sense of Coherence 28
7. STUDIEN ZU FLOW-ERLEBNIS UND INTERNET 32
7.1 Webpagedesign und Flow 32
7.2 Flow beim User – das Modell von Hoffman, Novak & Yung 34
7.3 Computerspiele und Flow 37
II. EMPIRISCHER TEIL 38
8. METHODE 41
8.1 Stichprobe 41
8.2 Operationalisierung des Flow-Erlebnisses 41
8.3 Versuchsdesign der Diplomarbeit 42
8.4 Versuchsdurchführung 43
8.5 Beispiel: Instruktion (KG) 44
9. HYPOTHESEN 45
10. ERGEBNISSE 50
A. HYPOTHESEN ZUR INTERNEN KONSISTENZ 50
B. HYPOTHESEN ZU DEN SITUATIONSVARIABLEN 57
C. HYPOTHESEN ZU DEN PERSÖNLICHKEITSVARIABLEN 65
11. INTERPRETATION UND DISKUSSION 72
12. ZUSAMMENFASSUNG 80
13. LITERATURVERZEICHNIS 82
ANHANG I: TABELLEN 84
ANHANG II: GRAFIKEN 91
ANHANG II: UNTERSUCHUNGSINSTRUMENT 93

Arbeit zitieren:
Tzanetakis, Robert März 2001: Ausprägung des Flow-Erlebnis beim Internetsurfverhalten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Flowerlebnis, WWW, Psychologie

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