Ausländische Direktinvestitionen – illusionäre Wachstumshoffnungen für Lateinamerika?
Eine Analyse der Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern unter Berücksichtigung der aktuellen Verstaatlichungstendenzen in Lateinamerika
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Sarah Linde
- Abgabedatum: Mai 2007
- Umfang: 80 Seiten
- Dateigröße: 528,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Flensburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 77
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0591-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8366-0591-5 P - ISBN (CD) :978-3-8366-0591-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Linde, Sarah Mai 2007: Ausländische Direktinvestitionen – illusionäre Wachstumshoffnungen für Lateinamerika?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: FDI, Wirtschaftswachstum, Verstaatlichung, natürliche Ressourcen, Direktinvestitionen
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Bachelorarbeit von Sarah Linde
Einleitung:
Ausländische Direktinvestitionen gewinnen im internationalen Kapitalverkehr insbesondere seit Beginn der 80er Jahre zunehmend an Bedeutung. Dabei fließt mehr und mehr Geld von Nord nach Süd. Heute entfallen über 30% der weltweiten Direktinvestitionen auf Entwicklungsländer und bilden so deren größten Nettokapitalzufluss . Allein 2005 wurden hier rund 334 Mrd. US-Dollar an ausländischem Kapital investiert. Viele Entwicklungsländer erhofften sich aus dieser neuen Kapitalquelle positive Wachstumseffekte und liberalisierten ihre Märkte, um so ausländische Direktinvestitionen anzuziehen. In der wissenschaftlichen Diskussion werden jedoch sowohl positive als auch negative Auswirkungen von Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes erörtert. Wie die Analyse der Effekte ausländischer Direktinvestitionen auf makroökonomische Größen des Empfängerlandes zeigt, müssen FDI nicht zwangsläufig zu Wirtschaftswachstum oder Entwicklung führen.
Als Reaktion auf die ausbleibenden Wachstumseffekte der gemäß des neoliberalen Wirtschaftsmodells durchgeführten Privatisierungen werden in einigen lateinamerikanischen Staaten ehemals privatisierte Unternehmen wieder verstaatlicht. Angesichts dieser Entwicklungen lautet die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit, ob die Nationalisierungen womöglich einen größeren Beitrag zum Wirtschaftswachstum eines Entwicklungslandes leisten können, als es ausländische Direktinvestitionen vermögen. Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst die Verstaatlichung der Ölindustrie in Venezuela als Fallbeispiel betrachtet.
Der theoretische Analyserahmen basiert dabei auf dem Vergleich von quantitativen Daten ausgewählter, ökonomischer Indikatoren vor und nach der Nationalisierung der Ölförderung. Es soll anhand von ökonomischen Kennzahlen untersucht werden, ob die theoretischen Kosten und Nutzen einer Verstaatlichung auch am konkreten Beispiel der venezolanischen Ölindustrie belegt werden können. Da die Entwicklungen in Venezuela sehr aktuell sind, lassen die vorliegenden Daten noch keine Aussage über die langfristigen Auswirkungen der Nationalisierungspolitik zu. Daher werden in einer zweiten kurzen Fallstudie die Erfahrungen der seit 36 Jahren verstaatlichten chilenischen Kupferminen ausgewertet, um so einen Ausblick auf die möglichen zukünftigen Entwicklungen in Venezuela zu geben.
Auch wenn der Zusammenhang zwischen ausländischen Direktinvestitionen und dem Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes in zahlreichen empirischen Studien bereits nahezu erschöpfend analysiert wurde, kann diese Arbeit neue Erkenntnisse vermitteln, da sie im Gegensatz zur bereits vorhandenen Literatur auch die politischen Gegenmaßnahmen zur Privatisierungspolitik, namentlich die Verstaatlichungen in Lateinamerika, untersucht und bewertet. Da auf diesem Themengebiet entsprechend wenig Fachliteratur verfügbar ist, kann natürlich keine allumfassende Darstellung der Problematik gewährleistet werden. Ziel der Arbeit ist es daher sowohl einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion um die Auswirkungen von Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum des Gastlandes zu leisten, als auch neue Erkenntnisse über die ökonomischen Effekte von Verstaatlichungen zu gewinnen. Durch die Beantwortung der Fragestellung können Schlüsse für die künftige wirtschaftspolitische Ausrichtung der lateinamerikanischen Entwicklungsländer gezogen werden.
Gang der Untersuchung:
Der erste Teil der vorliegenden Abhandlung beschäftigt sich mit den definitorischen Grundlagen und der Klassifizierung ausländischer Direktinvestitionen. Dieser Abschnitt bildet den Ausgangspunkt für die nun folgende umfassende Darstellung der Auswirkungen von FDI auf makroökonomische Größen, wie Einkommen, Lohn oder Zahlungsbilanz des Empfängerlandes. Die Ergebnisse der Analyse werden im Kapitel IV der Arbeit zusammengeführt. Nach einem kurzen Einblick in die Wachstumstheorie werden die zuvor einzeln betrachteten Effekte der ausländischen Direktinvestitionen auf ihre Gesamtwirkung auf das Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anhand von empirischen Studien belegt. Dabei richtet sich der Fokus dieser Arbeit auf die Wachstumswirkungen ausländischer Direktinvestitionen in Entwicklungsländern, und insbesondere in Lateinamerika.
Im fünften Teil der Arbeit wird nun der Frage nachgegangen, ob Verstaatlichungen mehr Wachstumsimpulse als ausländische Direktinvestitionen schaffen und somit eine sinnvolle Option für die Ausrichtung der lateinamerikanischen Wirtschaftspolitik darstellen. Es werden Hypothesen über die Effekte der Nationalisierungspolitik herausgearbeitet und es wird versucht diese anhand von quantitativen Wirtschaftsdaten zu bestätigen, bzw. zu widerlegen. Dazu dienen die Fallbeispiele der venezolanischen Ölindustrie und der chilenischen Kupferminen. Durch die Methodik der Fallstudie können neue Hypothesen generiert und kausale Zusammenhänge entdeckt werden. Schließlich werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit in einem Fazit zusammengefasst und darauf aufbauend Anregungen für weitere Forschungsarbeiten gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Motivation und Fragestellung | 1 |
| 2. | Zum Begriff der Direktinvestition | 3 |
| 2.1 | Definition ausländischer Direktinvestitionen | 3 |
| 2.2 | Klassifizierung ausländischer Direktinvestitionen | 4 |
| 2.2.1 Substitutive und additive Direktinvestitionen | 5 | |
| 2.2.2 Horizontale, vertikale und konglomerate Direktinvestitionen | 5 | |
| 3. | Die Auswirkungen von Direktinvestitionen in Entwicklungsländern | 7 |
| 3.1 | Einkommens-, Zins- und Preiseffekte von ausländischen Direktinvestitionen | 7 |
| 3.2 | Effekte einer Kapitalstockausweitung | 14 |
| 3.3 | Effekte durch Technologietransfer | 17 |
| 3.4 | Effekte auf heimische Investitionen | 20 |
| 3.5 | Lohn- und Beschäftigungseffekte | 25 |
| 3.6 | Allokationseffekte | 31 |
| 3.7 | Effekte auf die Zahlungsbilanz und den realen Wechselkurs des Gastlandes | 33 |
| 4. | Direktinvestitionen und Wachstum | 35 |
| 4.1 | Zum Begriff des Wirtschaftswachstums | 35 |
| 4.2 | Beurteilung der Wachstumswirkungen von Direktinvestitionen | 36 |
| 4.3 | Empirische Studien | 38 |
| 5. | Nationalisierung - eine erfolgversprechende Alternative für Lateinamerika? | 45 |
| 5.1 | Einführung | 45 |
| 5.2 | Das Fallbeispiel Venezuela | 47 |
| 5.2.1 Historischer Überblick über die Verstaatlichungspolitik Venezuelas | 48 | |
| 5.2.2 Beurteilung von Kosten und Nutzen der Verstaatlichungen | 49 | |
| 5.3 | Erfahrungen aus der chilenischen Kupferindustrie | 58 |
| 5.3.1 Von der Verstaatlichung bis zur Pinochet – Piñera Doktrin | 59 | |
| 5.3.2 Beurteilung von Kosten und Nutzen der Verstaatlichung | 61 | |
| 5.3.3 Die Koexistenz von staatlichen und privaten Unternehmen | 63 | |
| 6. | Fazit | 65 |
| Literaturverzeichnis | 68 | |
| Anhang | 75 |
Textprobe:
Kapitel 3.7, Effekte auf die Zahlungsbilanz und den realen Wechselkurs des Gastlandes:
Ausländische Direktinvestitionen stellen eine wichtige Kapitalquelle für Entwicklungsländer dar. Sie bilden mit US$ 334 Milliarden den größten Anteil der Nettokapitalströme . In den Jahren 1996–2000 entfielen mehr als drei Viertel der Kapitalimporte von Entwicklungsländern auf Direktinvestitionen .
Entwicklungsländer mit fixen Wechselkurssystemen sind auf das ausländische Kapital angewiesen, um ihre häufig defizitäre Leistungsbilanz auszugleichen. Durch den Zufluss ausländischer Direktinvestitionen verbessert sich zunächst die Kapitalbilanz des Empfängerlandes. Dies kann zu positiven Wachstumseffekten führen, indem z.B. mit den zusätzlichen Devisen wichtige Produktionsinputs aus dem Ausland beschafft werden können und so eine effizientere Nutzung der inländischen Produktionsfaktoren gewährleistet wird. Als Folge werden weitere Investitionen getätigt, die erst durch die Einfuhr bestimmter ausländischer Rohstoffe oder Zwischengüter Profit erwirtschaften können . Der Devisenzufluss kann also sowohl eine steigende Faktorproduktivität, als auch eine höhere Sachkapitalbildung bewirken. Übersteigt der Kapitalimport das auszugleichende Leistungsbilanzdefizit, kann das Land durch einen Ankauf von Devisen seine Währungsreserven erhöhen. Dadurch erhält die Zentralbank mehr Spielraum zur Beeinflussung des Wechselkurses. In Ländern mit flexiblen Wechselkursen sorgt die Anpassung des Wechselkurses für den Ausgleich der Zahlungsbilanz, so dass die obigen Ausführungen hier nicht zutreffen.
Um die langfristigen Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf die Zahlungsbilanz des Gastlandes zu untersuchen, unterscheidet Hemmer zwischen auslandsbezogenen und inlandsbezogenen FDI . Bei auslandsbezogenen Direktinvestitionen orientiert sich die Niederlassung im Empfängerland auf den Exportmarkt. Oft werden nur Standortvorteile anderer Länder, wie z.B. billigere Arbeitskräfte, für die Produktion genutzt, während sich der bediente Markt nicht ändert. Bei dieser Form der ausländischen Direktinvestition ist der Nettoproduktionswert des Unternehmens gleichbedeutend mit einem Devisenzufluss in gleicher Höhe, denn die exportierten Waren werden mit Devisen bezahlt. Dadurch vergrößert sich der Bestand an Währungsreserven eines Landes. Wird durch die Investitionen jedoch exportierende einheimische Industrie verdrängt, können sich die Deviseneffekte umkehren.
Inlandsorientierte ausländische Direktinvestitionen werden mit dem Ziel der inländischen Marktdurchdringung durchgeführt. Die im Gastland hergestellten Güter werden nicht exportiert, sondern auf dem eigenen Markt abgesetzt. Dadurch können einerseits Devisen eingespart werden, da bislang importierte Güter nun im Inland produziert werden. Andererseits kommt es durch den Import von benötigten Produktionsinputs und die Repatriierung erwirtschafteter Gewinne zu negativen Effekten auf die Devisenbilanz. So muss der Einspareffekt durch die Importsubstituierung gegen die Devisenabflüsse aus dem Gewinntransfer und dem Import von Produktionsfaktoren abgewogen werden, um den Nettodeviseneffekt zu ermitteln.
Auch die empirische Evidenz kommt zu keinem eindeutigen Ergebnis über die Wirkungsweise von Deviseneffekten. Bülow stellt in seiner Untersuchung des Fallbeispiels Indien fest, dass mit zunehmender ausländischer Kapitalbeteiligung auch die Exporteinnahmen der jeweiligen Industrie ansteigen . Dies deutet darauf hin, dass ausländische Direktinvestitionen überdurchschnittlich stark exportorientiert sind. Laut Bülow weisen allerdings alle indischen Industrieunternehmen seit der Liberalisierung des Außenhandels in den 70er Jahren eine negative Nettodevisenbilanz auf. Dies ist beispielsweise möglich, wenn der Import von benötigten Produktionsfaktoren die Exporterlöse übertrifft.
Neben den bereits in vorigen Kapiteln erläuterten Währungseffekten implizieren ausländische Direktinvestitionen auch Konsequenzen für die Wechselkurspolitik eines Landes . Im Wettbewerb um FDI ist eine stabile, bzw. aufwertende Währung eine wichtige Determinante für Investitionsentscheidungen. Sie garantiert, dass ausländische Investoren ihre erwirtschafteten Gewinne verlustfrei transferieren können. Sichert die Zentralbank jedoch durch ihre Interventionen diese Voraussetzung, verliert sie die Möglichkeit die Währung als Wettbewerbsinstrument einzusetzen, um z.B. die Exportindustrie zu fördern. Auch wenn Direktinvestitionen als relativ langfristige, stabile Kapitalströme gelten, können ihr zyklisches Verhalten und ihre Volatilität den Ökonomien der Entwicklungsländer schaden. Bei flexiblen Wechselkursen kann der starke Zufluss ausländischer Direktinvestitionen zu einer Überbewertung der Währung führen. Dies wirkt sich negativ auf die Leistungsbilanz des Landes aus und kann so eine nachträgliche Abwertung bewirken. Die finanzielle Instabilität hat wiederum negative Effekte auf makroökonomische Größen, wie Produktion und Beschäftigung.
Kapitel 4., Direktinvestitionen und Wachstum:
Kapitel 4.1, Zum Begriff des Wirtschaftswachstums:
Dieses vierte Kapitel analysiert die Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes. Dazu müssen zunächst alle zu untersuchenden Variablen definiert werden. In den vorherigen Abschnitten wurde bereits der Begriff der ausländischen Direktinvestitionen näher erläutert. Ähnliches soll an dieser Stelle mit dem Terminus des Wirtschaftswachstums erfolgen.
Wirtschaftswachstum bedeutet die quantitative Zunahme der verfügbaren Menge an Gütern in einer Volkswirtschaft . Dies wird durch eine Ausweitung oder eine bessere Nutzung der vorhandenen Produktionskapazitäten erreicht. Der hier gemessene Wert entspricht eigentlich dem Volkseinkommen. Auf Grund von Erfassungsproblemen wird in den meisten Wachstumsberechnungen jedoch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes verwendet. Die Wachstumsrate wird daher als prozentualer Zuwachs des realen BIP pro Jahr definiert. Terminologisch lässt sich zwischen extensivem und intensivem Wachstum unterscheiden. Bei extensivem Wachstum wird lediglich ein Anstieg des BIP der gesamten Ökonomie verzeichnet, während die Güterversorgung pro Kopf unberücksichtigt bleibt. Orientiert man sich dagegen an letzterer, so spricht man von intensivem Wachstum. Messwert des intensiven Wirtschaftswachstums ist das Pro-Kopf-Einkommen (PKE) einer Volkswirtschaft. Eine erhöhte Wirtschaftsleistung ist jedoch nicht mit einer Verbesserung der Wohlfahrt der Bevölkerung gleichzusetzen. Diesen Mangel versucht das Konzept des qualitativen Wachstums zu beheben. Es zielt auf ein durch Nachhaltigkeit und soziale Verträglichkeit gekennzeichnetes Wirtschaftswachstum ab. In dieser Arbeit ist nur der quantitative Aspekt des Wachstums, gemessen als Erhöhung des BIP, von Bedeutung.
4.2 Beurteilung der Wachstumswirkungen von Direktinvestitionen Um eine abschließende Beurteilung der Wachstumseffekte ausländischer Direktinvestitionen in den Empfängerländern formulieren zu können, sollen zunächst die Ergebnisse, der in Kapitel III ausführlich erläuterten Auswirkungen von Direktinvestitionen, zusammengefasst werden um so den Nettoeffekt von FDI auf die Ökonomien der Entwicklungsländer einschätzen zu können.
Ausländische Direktinvestitionen können vor allem durch den Technologietransfer positive Externalitäten für das Gastland erzeugen. Zahlreiche empirische Fallstudien auf der Mikro- und Makroebene belegen Effizienzgewinne der heimischen Wirtschaft auf Grund von Wissens- und Technologie-Spill-overs von multinationalen Unternehmen . Jedoch lassen sich in der Fachliteratur auch genügend Gegenbeispiele finden, in denen keine Übertragung von Technologien der FDI-Projekte auf die inländische Industrie festgestellt werden konnte. Diese Beobachtung ist darauf zurückzuführen, dass in dem Empfängerland bereits ein gewisses Entwicklungsniveau in Form von technologischem Fortschritt oder Humankapital vorhanden sein muss, um die neue Technologie zu absorbieren. Dies ist jedoch gerade bei vielen LDCs nicht der Fall. Ausländische Direktinvestitionen können also nicht per se mit der Bereitstellung neuen Sachkapitals oder Know-hows für die inländische Industrie gleichgesetzt werden. Vielmehr sollte durch eine entsprechende Politik versucht werden, Direktinvestitionen gezielt in die Wirtschaftsbereiche zu locken, in denen sie auch positive Wachstumseffekte bewirken können. So schaffen kapitalintensive Investitionen in die Rohstoffförderung meist nur wirtschaftliche Enklaven mit begrenzter Wirkung auf die lokale Ökonomie, während Investitionen in den Dienstleistungssektor oder die arbeitsintensive Textilindustrie positive Wachstumsimpulse für die gesamte Volkswirtschaft eines Entwicklungslandes generieren können.
Selbst wenn kein Technologietransfer in das Empfängerland stattfindet, wird die inländische Produktionsfunktion durch den zusätzlichen Kapitalzufluss um neue Inputfaktoren und Technologien erweitert, so dass sich die Produktionsmöglichkeiten und damit das potentielle Wirtschaftswachstum des Landes erweitern . Die Ausweitung des Kapitalstocks hat also langfristig positive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Diese können auch die in der kurzen Frist beobachteten negativen Einkommens-, Zins- und Preiseffekte überwiegen .
Ein wichtiger Faktor für die Wirkungsrichtung ausländischer Direktinvestitionen ist deren Effekt auf die heimische Produktion. Es ist entscheidend, ob FDI zusätzliche inländische Investitionen stimulieren oder heimische Anbieter vom Markt verdrängen . Beide Fälle wurden in empirischen Untersuchungen nachgewiesen. Dabei ergab sich keine eindeutige Tendenz. In einer Studie über die Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf heimische Investitionen in 52 Entwicklungsländern verzeichneten Kumar und Pradhan in 29 Staaten einen Netto-crowding out Effekt, während 23 Nationen von einem Netto-crowding in profitierten . Es zeigten sich jedoch starke regionale Unterschiede . Selbst bei Verdrängungseffekten durch die zunehmende Konkurrenz auf dem Inlandsmarkt können positive Wachstumseffekte durch die Schaffung von forward und backward linkages zwischen ausländischen Unternehmen und der lokalen Industrie erzielt werden. Letztendlich ist auch hier die Art der Direktinvestition ausschlaggebend für deren Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum im Gastland. Ausländische Direktinvestitionen, die auf die Produktion für den inländischen Markt abzielen und somit als Konkurrenz für die lokalen Betriebe auftreten, bewirken negative crowding out Effekte. Im Gegenteil dazu, stellen ausländische Investitionen für den Exportmarkt eine Ergänzung und Steigerung der inländischen Produktion dar und generieren so positive Wachstumseffekte.
Auch auf die Frage nach den Lohn- und Beschäftigungseffekten ausländischer Direktinvestitionen findet sich in der Fachliteratur keine eindeutige Antwort. Die ohnehin meist nur geringen Auswirkungen auf die heimische Beschäftigung werden aber stets von einer sich vertiefenden Lohnungleichheit in der Bevölkerung gefolgt, so dass der Nettoeffekt auf Lohn und Beschäftigung im Empfängerland insgesamt als negativ einzuschätzen ist.
Wie sich aus den obigen Ausführungen erkennen lässt, ist es unmöglich eine klare Aussage über die Wachstumseffekte ausländischer Direktinvestitionen in den Entwicklungsländern zu treffen. Die Art der Direktinvestition sowie die wirtschaftliche und politische Ausgangslage im Empfängerland sind wichtige Faktoren, die letztendlich die Wirkungsrichtung der FDI determinieren. Dies bestätigt auch die große Zahl an empirischen Fallstudien, die einzelne Länder oder Ländergruppen untersuchen, um so mögliche Wirkungsmechanismen zu analysieren, die dann eventuell auf andere Länder übertragen werden können. So bleibt also nur der Verweis auf die empirische Evidenz um die Wachstumseffekte ausländischer Direktinvestitionen in Entwicklungsländern, und insbesondere in Lateinamerika, darzustellen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836605915
Arbeit zitieren:
Linde, Sarah Mai 2007: Ausländische Direktinvestitionen – illusionäre Wachstumshoffnungen für Lateinamerika?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
FDI, Wirtschaftswachstum, Verstaatlichung, natürliche Ressourcen, Direktinvestitionen



