Ausländer als Werbezielgruppe
Betrachtung unter demographischen Gesichtspunkten, Markterfassung sowie Darstellung am Beispiel von Fernsehwerbung für Deutsch-Türken
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ingo Paulus
- Abgabedatum: September 2004
- Umfang: 148 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Mittweida (FH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8495-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8495-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8495-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Paulus, Ingo September 2004: Ausländer als Werbezielgruppe, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Ethno-Marketing, Migration, Integration, Mediennutzung, Religion
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Diplomarbeit von Ingo Paulus
Einleitung:
Die deutsche Wirtschaft ist geprägt von der Rezession vergangener Jahre, andauernder Konsumflaute sowie drastischen Umsatzeinbrüchen. Gleichzeitig vollzieht sich in der deutschen Gesellschaft ein grundlegender Strukturwandel: Wir Deutschen werden immer älter und vor allem weniger. Langfristig verlieren traditionelle Zielgruppenausrichtungen (insbesondere die Gruppe der 14 bis 49-Jährigen) an Bedeutung. Anstatt auf den gesellschaftlichen Wandel zu reagieren, neue Absatzmärkte zu erschließen und der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute auf diese Weise zu begegnen, warten die meisten Unternehmen auf bessere Zeiten. Zwar ist im Jahr 2004 mit einem positiven Wirtschaftswachstum zu rechnen, die Einbußen der letzten Jahre können allerdings nicht wettgemacht werden. Für einen nachhaltigen Aufschwung der Wirtschaftsleistung wären gesteigerte Konsumausgaben der Bevölkerung nötig, die jedoch bis heute ausbleiben. Die Angst um den Arbeitsplatz und steigende Preise blockieren private Investitionen. Slogans wie „Geiz ist geil“ oder „Kaufen! Marsch, marsch!“ spiegeln die momentane Situation treffend wieder. Die Sparquote ist hoch – mit negativen Auswirkungen vor allem für Unternehmen mit werbeintensiven Produkten und damit für die gesamte Werbewirtschaft: Die Werbeetats bleiben auf niedrigem Niveau.
Die meisten Unternehmen könnten ihren Absatzerfolg sowohl kurz-, als auch langfristig erhöhen, indem sie schon jetzt auf die gesellschaftlichen Änderungen reagieren und neue Märkte erschließen. Erst wenige Firmen berücksichtigen im Zielgruppen-Marketing bereits den demographischen Wandel. Die, die es dennoch wagen, setzen meist auf Seniorenmarketing und versuchen die so genannten „Best-Ager“, die Zielgruppe der über 50-Jährigen, für sich zu gewinnen. Schon heute zählt ein großer Teil der deutschen Bevölkerung zu dieser Zielgruppe. Für die gesamte Wirtschaft wird sie allerdings erst in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entscheidend an Bedeutung gewinnen.
Es existiert in Deutschland jedoch schon heute eine Zielgruppe, die bisher kaum beachtet wurde und im Grunde nur darauf wartet, gezielt angesprochen zu werden: Die ausländische Bevölkerung und hier im Speziellen die Deutsch-Türken. Die wenigsten Marketing-Abteilungen sehen in Ausländern auch Konsumenten. Ursache sind vor allem die Unwissenheit um die Zielgruppe an sich, deren Potenziale und bestehende Vorurteile. Hinzu kommt die mangelhafte Erforschung der ausländischen Bevölkerung. Bis heute sind erst wenige zielgruppenspezifische Studien erschienen und deutsche Fachliteratur ist kaum erhältlich.
Die vorliegende Diplomarbeit bietet einen grundlegenden Überblick über die Zielgruppe Ausländer und betrachtet detailliert die Gruppe der Deutsch-Türken. Sie geht auf Missverständnisse, Vorurteile und Wissenslücken ein. Für die Erkenntnis, dass Ausländern eine enorme marketingrelevante Bedeutung zukommt, ist das Wissen um die demographische Entwicklung in Deutschland ausschlaggebend. Da die Demographie in der deutschen Bevölkerung eher zu den unbeachteten Wissenschaften gehört, stellt die Diplomarbeit demzufolge den gesellschaftlichen Wandel und seine Auswirkungen ausführlich dar. Den größten Teil der vorliegenden Arbeit nimmt die Markterfassung ein. In diesem Bereich werden die Ausländer allgemein und die deutsch-türkische Bevölkerung im Speziellen betrachtet und analysiert. Abschließend zeigt das Beispiel der Fernsehwerbung für Deutsch-Türken, wie Werbung für diese Zielgruppe grundsätzlich funktionieren kann. Es werden Richtlinien vermittelt, die unbedingt für erfolgreiche Werbung in diesem Bereich nötig sind.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 5 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 2. | Demographischer Umbruch und Konsequenzen | 9 |
| 2.1 | Demographie: Begriff und Geschichte | 9 |
| 2.2 | Bevölkerungsentwicklung in Deutschland | 11 |
| 2.2.1 | Von der Pyramide zum Pilz | 13 |
| 2.2.2 | Migration | 17 |
| 2.2.3 | Deutschland bis zum Jahr 2050 | 23 |
| 2.3 | Folgen des demographischen Wandels | 25 |
| 2.4 | Zukunftsfrage Zuwanderung | 28 |
| 2.4.1 | Problemlöser mit Hindernissen | 28 |
| 2.4.2 | Streitpunkt Zuwanderungsgesetz | 32 |
| 2.4.3 | Multikultur, Parallelgesellschaft und Integration | 35 |
| 2.5 | Demographie spricht für Zielgruppe Ausländer | 39 |
| 3. | Zielgruppe Ausländer: Markterfassung | 41 |
| 3.1 | Ethno-Marketing | 41 |
| 3.1.1 | Begriff und Abgrenzung | 41 |
| 3.1.2 | Ethno-Marketing in Deutschland | 43 |
| 3.1.3 | Interkulturelles Marketing in den USA | 45 |
| 3.2 | Ausländische Bevölkerung in Deutschland | 46 |
| 3.2.1 | Datenüberblick | 46 |
| 3.2.2 | Wohnbevölkerung | 49 |
| 3.2.3 | Schulbildung | 55 |
| 3.2.4 | Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt | 58 |
| 3.3 | Ausländer und Religion | 62 |
| 3.3.1 | Islam: Glaube und Grundsätze | 64 |
| 3.3.2 | Muslime in Deutschland: Anschauung und Situation | 66 |
| 3.4 | Die größte ausländische Gruppe: Deutsch-Türken | 71 |
| 3.4.1 | Traditionelle Familienkultur | 72 |
| 3.4.2 | Generationen- und Wertewandel | 75 |
| 3.4.3 | Zentrale Segmentierung: Lab One-Studie | 79 |
| 3.4.4 | Sprachkompetenz und Integrationstypen: BPA Studie | 82 |
| 3.4.5 | Finanzielles Potenzial: Einkommen und Konsum | 86 |
| 3.5 | Spätaussiedler/Russlanddeutsche | 91 |
| 4. | Deutsch-Türken und Medien | 93 |
| 4.1 | Mediale Parallelwelt | 93 |
| 4.2 | Bemühungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten | 95 |
| 4.3 | Mediennutzung der Deutsch-Türken | 99 |
| 4.3.1 | Hörfunk | 101 |
| 4.3.2 | Zeitungen | 103 |
| 4.3.3 | Internet | 105 |
| 4.3.4 | Fernsehen – Data 4U vs. BPA-Studie | 108 |
| 5. | Fernsehwerbung für Deutsch-Türken | 114 |
| 5.1 | Grundsätze erfolgreicher Werbung für Deutsch-Türken | 114 |
| 5.1.1 | Werbekonsum und Sprachauswahl | 115 |
| 5.1.2 | Erfolg durch Respekt und Glaubwürdigkeit | 116 |
| 5.1.3 | Zielgruppenspezifische Gestaltung | 118 |
| 5.2 | Werbezeitenvermarkter ARBOmedia | 120 |
| 5.3 | Agenturen | 123 |
| 6 | Fazit | 124 |
| Abbildungsverzeichnis | 129 | |
| Tabellenverzeichnis | 130 | |
| Literaturverzeichnis | 131 |
Der Islam ist die Gesamtheit von Glaube, Gehorsam und Lebenspraxis der Anhänger Mohammeds. Islam bedeutet grundsätzlich, sich Gott zu unterwerfen und begründet sich auf dem Glaubensbekenntnis: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter“.134 Während das Christentum Jesus als fleischgewordenen Sohn Gottes ansieht, ist dem Islam diese Vorstellung fremd. Allerdings werden auch im Islam Abraham, Mose, Jesus und andere biblische Personen als Propheten anerkannt. Im Gegensatz zum Christentum heißt es im Islam jedoch, dass die Offenbarungen der Propheten von ihren Anhängern verzerrt dargestellt werden. Mit Mohammed wurde schließlich ein letzter Prophet berufen, da die Offenbarungen der anderen Propheten verändert wurden.135 [...]
Marketingfachleute unterscheiden sich davon nicht: „Sie sind wenig begeistert von den Mitbürgern mit anderem Pass und fremden Eigenheiten“.131 Auch dies ist ein Grund für vernachlässigtes EthnoMarketing in Deutschland. Marketing ist keine wertfreie Wissenschaft und folgt gesellschaftlichen Trends. Für Marketingexperten ist es demnach einfacher, auf bisherigen bekannten Gebieten mit alltäglichen Zielgruppen zu arbeiten, als ihre persönlichen Ansichten beiseite zu lassen und Werbung für Ausländer zu machen.132 Von den wenigen, die dennoch Ausländer ansprechen wollen, nehmen viele die Zielgruppe nicht ernst genug und verlassen sich auf ihr spärliches Halbwissen. Unkenntnis führt zu Fehlern und damit parallel zu Irritationen bei der Zielgruppe: der erwünschte Erfolg der durchgeführten Maßnahmen bleibt aus. Ein herausragendes Beispiel dafür ist der Siemens-Werbespot von 1997, in dem der Konzern den türkischen Mitbürgern ein frohes Weihnachtsfest wünschte. Das christliche Weihnachtsfest spielt bei Moslems allerdings nur eine untergeordnete Rolle.133 Um solchen Fehlern vorzubeugen wird der Islam im Folgenden erklärt und die Situation der Muslime in Deutschland betrachtet. [...]
beschäftigen, entwickeln sie sich langfristig weg von Familienbetrieben hin zu größeren Unternehmen. Die Mehrzahl beschäftigt bis zu drei Mitarbeiter, lediglich knapp zehn Prozent der Betriebe kommen auf zehn oder mehr Mitarbeiter. Die Zahl der Firmenneugründungen durch Türken steigt weiterhin. Von 1985 bis 2000 nahm die Zahl türkischstämmiger Selbständiger um 170 Prozent zu. Heute geht fast jede sechste gewerbliche Neugründung auf Ausländer zurück.126 1999 erwirtschafteten rund 55 Tsd. türkische Betriebe einen Jahresumsatz von 25 Mrd. Euro und beschäftigten 293 Tsd. Menschen. Im Jahr 2002 lag der Umsatz bereits bei 30 Mrd. Euro. Nach Vorausberechnungen des Verbandes Türkischer Unternehmer und Industrieller in Europa (ATIAD) wird die Zahl der türkischstämmigen Unternehmer bis 2010 auf 106 Tsd. steigen, der Umsatz wird sich auf 96 Mrd. Euro erhöhen und 650 Tsd. Menschen werden in den Firmen beschäftigt sein.127 Zurückzuführen ist die stetig steigende Zahl von türkischen Selbständigen vorwiegend auf die veränderte Zukunftsausrichtung der türkischen Bevölkerung in [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832484958
Arbeit zitieren:
Paulus, Ingo September 2004: Ausländer als Werbezielgruppe, Hamburg: Diplomica Verlag
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Ethno-Marketing, Migration, Integration, Mediennutzung, Religion



