Aushandlungen hegemonialer Männlichkeiten anhand der US-Sitcom "Two and a half men"
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Anke Jaeger
- Abgabedatum: Juni 2011
- Umfang: 48 Seiten
- Dateigröße: 313,6 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 18
- ISBN (eBook): 978-3-8428-2207-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jaeger, Anke Juni 2011: Aushandlungen hegemonialer Männlichkeiten anhand der US-Sitcom "Two and a half men", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Hegemoniale Männlichkeit, Two and a half men, Sitcom, Geschlechtlichkeit
28,00 €
PDF-eBook Download: 28,00 €
Bachelorarbeit von Anke Jaeger
Einleitung:
Im Rahmen meiner Recherchetätigkeiten für diese Arbeit stieß ich auf zahlreiche populäre Annahmen darüber, wie sich Geschlechtlichkeit definiert, was das Mann- und Frausein ausmacht. All diesen Annahmen lag dabei ein Verständnis von Geschlechtlichkeit als etwas Festgelegtem und natürlicherweise Gegebenem zu Grunde. Den oben angeführten Ausspruch habe ich ausgewählt, weil es auf eine andere Perspektive zur Geschlechtlichkeit hinweist, eine, die auch die Basis meiner weiteren Ausführungen darstellen soll. Demnach definiert sich Männlichkeit nicht aus sich selbst heraus, sondern manifestiert sich lediglich in einer Verortung zur Weiblichkeit und, wie es Folgenden darzulegen gilt, in einem homosozialen Raum, also gegenüber anderer Männlichkeiten. Diese grundlegende Annahme von Männlichkeit als eine Positionierung im Geschlechterverhältnis greift nicht auf essentialistische Argumentationsebenen zurück, sondern zeichnet sich durch eine Dynamik und historische Veränderbarkeit aus.
Bezugnehmend auf das Konzept der hegemonialen Männlichkeit von Carrigan, Connell und Lee liegt dieser Arbeit ein Forschungsinteresse an den Prozessen der Positionierung und Aushandlung verschiedener Männlichkeiten zu Grunde. Anhand drei Szenenanalysen der Sitcom ‘Two and a half men’ soll dabei der Frage nachgegangen werden, welche Formen von Männlichkeit in der Serie dargestellt und auf welche Weise interaktive Aushandlungsprozesse der Männlichkeit inszeniert werden. Als Forschungsobjekt bietet sich die Serie aufgrund ihrer Aktualität sowie einer konkreten Fokussierung der Aushandlungsprozesse von Männlichkeiten in besonderem Maße an. Bereits der Titel ‘Two and a half men’ verweist dabei auf die aufgegriffene Thematik um der stetigen Verortung verschiedener männlicher Weltanschauungen innerhalb der modernen, westlichen Gesellschaftsordnung.
Die Arbeit strukturiert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teilabschnitt. Zunächst werden die zu Grunde gelegten Annahmen über das Forschungsobjekt der Männlichkeit dargestellt, um eine Verständnisgrundlage zu schaffen. Darauf aufbauend soll sich die theoretische Basis eröffnen, indem die zentralen Ansätze des Konzeptes der hegemonialen Männlichkeit erläutert werden. Im Rahmen der Erklärungen zum verwandten Männlichkeitsbegriff sowie der Darstellung des zentralen Theorieansatzes gilt es, die elementaren Begrifflichkeiten und Zusammenhänge, welche diese Arbeit tragen, zu verdeutlichen. Daran anschließend werden die kritischen Auseinandersetzungen von Meuser und Scholz mit dem Konzept der hegemonialen Männlichkeit aufgezeigt, bevor diesen Connells eigene Reformulierungsvorschläge gegenüber gestellt werden. Diese Reihenfolge ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass sich Connell ihrerseits in Teilen auf die Ansätze von Meuser und Scholz bezieht. In dem sich anschließenden empirischen Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen dann, nach einer einleitenden Erklärung zur methodischen Vorgehensweise und dem zu Grunde gelegten Datenmaterial, auf konkrete Szenen der Serie ‘Two and a half men’ angewandt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Grundlegende Annahmen zur ‚Männlichkeit’ als Forschungsobjekt | 2 |
| 3. | Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit | 5 |
| 3.1 | Hegemoniale und andere Männlichkeiten | 7 |
| 4. | Kritik und Reformulierung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit | 10 |
| 4.1 | Zur Pluralisierung hegemonialer Männlichkeiten | 10 |
| 4.2 | Die hegemoniale Männlichkeit als generatives Prinzip | 12 |
| 4.3 | Zur Verbindung der Theorieansätze nach Connell und Bourdieu | 13 |
| 4.3.1 | Der Habitusbegriff nach Bourdieu | 14 |
| 4.3.2 | Der homosoziale Wettbewerb | 15 |
| 4.3.3 | Männerbünde als Stützen der hegemonialen Männlichkeit | 16 |
| 4.4 | Die Reformulierung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit nach Connell | 17 |
| 4.4.1 | Bestätigungen des ursprünglichen Konzepts | 17 |
| 4.4.2 | Reformulierungsansätze | 18 |
| 5. | Aushandlungen hegemonialer Männlichkeiten anhand der US-Sitcom ‚Two and a half men’ | 20 |
| 5.1 | Empirie: Methodisches Vorgehen | 20 |
| 5.2 | Inhaltsangabe ‚Two and a half men’ Staffel 1-4 | 21 |
| 5.3 | Szenenanalyse I | 23 |
| 5.4 | Szenenanalyse II | 26 |
| 5.5 | Szenenanalyse III | 29 |
| 6. | Fazit | 33 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 35 |
| 8. | Anhang | 37 |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Hegemoniale und andere Männlichkeiten:
Wie bereits verdeutlicht, werden die konkreten Merkmale und Ausgestaltungen der hegemonialen Männlichkeit oftmals nur in ihrer Abgrenzung gegenüber anderen Konzepten der Männlichkeit offenbar. Dabei zeigt sich das grundlegendste Merkmal der westlichen hegemonialen Männlichkeit in der Negation homosexueller Lebensentwürfe durch die gesellschaftliche Anerkennung und Privilegierung heterosexuellen Begehrens, welches sich in der Ehe institutionalisiert. Die Ehe dabei als eine Institution zur Kontrollausübung über die reproduktiven Fähigkeiten der Frau verstanden, ermöglicht eine männliche Machtausübung im kleinen, familiären Rahmen. Im Zuge der Aufrechterhaltung dieser Ideologie wurden Ende des 19. Jahrhunderts mit der Typisierung des ‘Homosexuellen’ homophobe Praktiken der Abwertung und Ausgrenzung im individuellen sowie staatsrechtlichen Sinne konstruiert. An diesem Beispiel zeigt sich bereits die historische Entwicklungsfähigkeit der hegemonialen Ideologie sowie der gesamten Gesellschaftsordnung. So ist die hegemoniale Männlichkeit, um milieuübergreifende Anerkennung und Gültigkeit zu erlangen, auf die Verkörperung oder Reproduktion ihrer Werte und Normen durch die gesellschaftliche Elite, welche sich ebenfalls in höchstem Maße historisch entwickelt, angewiesen.
Ohne an dieser Stelle umfassender auf die vielfältigen geschichtlichen Strömungen, welche die hegemoniale Männlichkeit bis heute geprägt haben, eingehen zu können, sollen dennoch Connells Annahmen über die derzeitige Ausgestaltung der hegemonialen Männlichkeit dargestellt werden. So formuliert Connell die These, dass sich die moderne hegemoniale Männlichkeit anhand der Milieus des technokratischen Managements sowie der wissenschaftlichen Professionen ausrichtet. Hierbei steht, zum Ersten, interpersonelle Dominanz, Wissen und Expertise, zum Zweiten, gegenüber.
Die hegemoniale Männlichkeit funktioniert nicht automatisch und ist auf eine ständige Reproduktion ihrer Ideologie angewiesen. Dennoch verkörpern, wenn überhaupt, die allerwenigsten Männer eine hegemoniale Männlichkeit in vollem Umfang. Es stellt sich demnach die Frage, wodurch sich die aktuelle Gesellschaftsordnung aufrechterhalten lässt, wenn doch die hegemoniale Männlichkeit kaum oder gar nicht verkörpert wird. Innerhalb von Systemen der Ungleichheit entstehen unterschiedliche Interessen, die einerseits an der Aufrechterhaltung und andererseits an der Veränderung der aktuellen Zustände interessiert sind. Ebenso verhält es sich bei der hierarchischen Geschlechterordnung, welche eine männliche Dominanz gegenüber Konzepten der Weiblichkeit vorsieht. Die meisten Männer, egal in welcher Weise sie sich zur hegemonialen Männlichkeit positionieren, profitieren in vielfältiger Weise von einer Unterordnung der Frauen und sind demnach an der Aufrechterhaltung des derzeitigen Modells interessiert. Von Connell als ‘patriarchale Dividende’ bezeichnet, ergeben sich für viele Männer auf der Basis der Geschlechterhierarchie Privilegien in Bezug auf einen Zugewinn an Achtung, Prestige, Befehlsgewalt sowie materiellen Werten. Aus dieser allgemeinen Teilhabe resultiert ein hohes Maß an Konsens mit der aktuellen Geschlechterordnung und darauf aufbauend vielfache Reproduktionen der hegemonialen Männlichkeit. Eine der deutlichsten Formen der Reproduktion aktueller Geschlechterverhältnisse zeigt sich, abgesehen von Verkörperungen der hegemonialen Männlichkeit selbst, in der männlichen ‘Komplizenschaft’. Dabei werden die Normen der hegemonialen Männlichkeit aufrechterhalten, ohne sie in vollem Maße zu verkörpern, so zum Beispiel in Form eines Mannes, der finanziell nicht in der Lage ist, allein die Familie zu unterhalten, sich aber dennoch als Familienernährer versteht. In der modernen westlichen Gesellschaftsordnung kann davon ausgegangen werden, dass das Eheleben, anders als früher, grundsätzlich Kompromisse hinsichtlich der Geschlechterordnung einfordert, welche eine absolute männliche Dominanz über die Frau nicht vorsehen. Mit der komplizenhaften Männlichkeit formuliert Connell ein Männlichkeitskonzept, welches im Rahmen der patriarchalen Dividende von der aktuellen Geschlechterordnung profitiert, ‘sich aber nicht den Spannungen und Risiken an der vordersten Frontlinie des Patriarchats aussetzen’ will.
28,00 €
PDF-eBook Download: 28,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842822078
Arbeit zitieren:
Jaeger, Anke Juni 2011: Aushandlungen hegemonialer Männlichkeiten anhand der US-Sitcom "Two and a half men", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Hegemoniale Männlichkeit, Two and a half men, Sitcom, Geschlechtlichkeit



