Ausgewählte Erfolgsfaktoren bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland
Dargestellt anhand des Entsendungslandes Indien im Hinblick auf kulturelle, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nadja Israel
- Abgabedatum: Juli 2005
- Umfang: 112 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9073-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9073-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9073-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Israel, Nadja Juli 2005: Ausgewählte Erfolgsfaktoren bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Auslandsentsendung, Expatriate, Hofstede, Angestellte, international
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Diplomarbeit von Nadja Israel
Problemstellung:
Während die Situation am Weltmarkt immer komplexer wird, sich der internationale Wettbewerb verschärft, die Kundenanforderungen steigen und sich der Lebenszyklus der Produkte und Erzeugnisse verkürzt, wird es für Unternehmen immer wichtiger, weltweit einen gleichen Verfahrens- und Qualitätsstandard zu bieten, aber dennoch flexibel auf Kundenwünsche reagieren zu können.
Dies sind nur einige Aspekte, die Entsendungen von Mitarbeitern – so genannten Expatriates – notwendig machen, um Kundenkontakte und Auslandsgesellschaften aufzubauen, Aufträge abzuschließen und Projekte zu realisieren. Die hohe Bedeutung von Auslandsentsendungen ist in der Literatur vielfach bestätigt worden. Doch schätzen Experten, dass die Quote der vorzeitigen Abbrüche zwischen 10 – 40 % schwankt, in Entwicklungsländern wächst diese Zahl auf bis zu 70 % an. Dies deutet auf Mängel bei der Entsendungsgestaltung hin, die die Personalauswahl, die Vorbereitung und Betreuung vor Ort sowie die Wiedereingliederung im Stammunternehmen beinhalten.
Die Gestaltung der Entsendung orientiert sich an der Strategie des Unternehmens und ist u. a. abhängig von den Unternehmenszielen und der Marktpositionierung. Die Entsendung in ein anderes Land ist bis zu einer Dauer von drei Monaten i. d. R. unproblematisch und erfordert keinen besonderen Handlungsbedarf. Erst darüber hinaus können tiefgreifende Probleme auftreten, die den Erfolg der Entsendung maßgeblich beeinflussen.
Eines der Hauptproblemfelder beschäftigt sich mit der kulturellen Vielfalt innerhalb eines weltweit agierenden Unternehmens. Darum entstand der Begriff des “Diversity Managements“, der sich mit dem positiven Potenzial einer „multikulturellen“ Belegschaft auseinandersetzt. Diese Arbeitnehmerschaft unterscheidet sich durch Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion, Hautfarbe, Bildungsgruppe etc. Die Unterschiedlichkeit der Menschen kombiniert mit ihren verschiedenen Potenzialen, können den Unternehmenserfolg entscheidend bestimmen.
Die Kosten einer Auslandsentsendung werden vorrangig durch die Person des Expatriates, die Unternehmensziele und die Umweltbedingungen des Gastlandes bestimmt. Der Entsandte bestimmt mit seiner Gehaltsforderung einen Großteil der Kosten. Weiterhin werden entsprechend seiner Aufgaben und seinen Kenntnissen Maßnahmen nötig, um ihm das notwendige Know-how für seinen Einsatz zu verschaffen. Dazu gehören bspw. Sprachschulungen, interkulturelle Trainings als auch die Vermittlung von fachlichem Wissen. Auch der Faktor der Mitentsendung der Familie erhöht die Kosten erheblich.
Die Ziele der Entsendung bestimmen Umfang und Art der Aufgaben des Expatriates, die Dauer der Entsendung und die notwendigen Qualifikationen, über die er verfügen muss. Je anspruchsvoller die Aufgabe sich gestaltet und je länger die Entsendung dauert, desto höher sind die Kosten für Entgelt, Zulagen, Vorbereitung, Betreuung und Reintegration. Auch das Gastland beeinflusst einen Großteil der Kosten. Liegen die Lebenshaltungskosten bspw. über denen des Heimatlandes, ist ein entsprechender Zuschuss zu gewähren, um den gleichen Lebensstandard im Ausland wie im Heimatland gewährleisten zu können. Ein anderer Aspekt ist das Vorhandensein von Abkommen zwischen dem Heimat- und dem Gastland, da diese die steuer- und sozialversicherungsrechtliche Problematik erheblich vereinfachen bzw. kostenseitig verringern können.
Die Durchführung einer Entsendung ist nicht nur eine kostspielige Angelegenheit, sondern auch sehr zeitaufwendig. Sie beginnt mit der Auswahl der zu entsendenden Mitarbeiter und der Entwicklung und Durchführung von vorbereitenden Trainings. Darüber hinaus schließt sie organisatorische Aufgaben, wie bspw. die Beschaffung von Visa und Arbeitserlaubnis sowie der Organisation der Unterkunft ein. Auch die Beschaffung von Informationen über das Gastland hinsichtlich politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Verhältnisse, Schulmodalitäten und medizinische Versorgung gehören zur Vorbereitung.
Weitere Aufgaben der Personalabteilung im Rahmen der Entsendung sind die Erstellung von Verträgen, die Abwicklung der Entgeltabrechnung, die Benennung eines Mentors und eines Paten sowie die Klärung steuerlicher und sozialversicherungsrechtlicher Fragen. Diese Aufgaben bereiten den Unternehmen im besonderen Schwierigkeiten, werden als die größten Herausforderungen gesehen und können kaum standardisiert werden. Die Entwicklung einer unternehmensweiten Entsendungsrichtlinie hingegen klärt grundsätzliche Fragen einer Entsendung und schafft einen Standard für alle zukünftigen Expatriates.
Im Folgenden werden die Hauptaspekte und Problemfelder von Auslandseinsätzen aufgezeigt sowie Lösungen vorgeschlagen. Zu den wichtigsten Aspekten gehören Motive und Strategien für Auslandseinsätze, aktuelle Trends, die Auswahl geeigneter Personen, deren Vorbereitung, Einsatz, Betreuung sowie Reintegration. In Kapitel 9 wird insbesondere auf die Spezifikationen Indiens eingegangen, die Entsendungen in dieses Land mit sich bringen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Motive der Unternehmen und der Entsendeten | 4 |
| 2.1 | Motive der Unternehmen | 4 |
| 2.1.1 | Beidseitiger Know-how-Transfer | 5 |
| 2.1.2 | Koordinations- und Kontrollfunktion | 5 |
| 2.1.3 | Personalentwicklungsmaßnahmen | 5 |
| 2.1.4 | Mangel qualifizierter Fach- und Führungskräfte | 6 |
| 2.1.5 | Veränderung der Motive | 6 |
| 2.2 | Motive der Entsendeten | 7 |
| 2.2.1 | Akzeptanzgründe | 7 |
| 2.2.2 | Ablehnungsgründe | 9 |
| 3. | Aktuelle Trends | 11 |
| 3.1 | Kurzfristige Entsendung | 12 |
| 3.2 | Internationales Pendeln | 13 |
| 3.3 | Vielflieger | 13 |
| 3.4 | Dual Careers | 14 |
| 3.5 | Auslandseinsatz von Frauen | 15 |
| 3.6 | Kosten-Nutzen-Überlegungen | 15 |
| 4. | Auswahl geeigneter Mitarbeiter | 18 |
| 4.1 | Besetzungsstrategien | 18 |
| 4.1.1 | Ethnozentrische Besetzungsstrategie | 19 |
| 4.1.2 | Polyzentrische Besetzungsstrategie | 20 |
| 4.1.3 | Geozentrische Besetzungsstrategie | 20 |
| 4.1.4 | Regiozentrische Besetzungsstrategie | 21 |
| 4.2 | Auswahlkriterien | 22 |
| 4.2.1 | Fachliche Kompetenz | 22 |
| 4.2.2 | Persönlichkeitsmerkmale | 23 |
| 4.2.3 | Interkulturelle Kompetenz | 23 |
| 4.2.4 | Familienverhältnisse | 24 |
| 4.3 | Beschaffungswege | 25 |
| 4.3.1 | Interne Beschaffung | 25 |
| 4.3.2 | Externe Beschaffung | 26 |
| 4.4 | Auswahlverfahren | 27 |
| 4.4.1 | Interview | 27 |
| 4.4.2 | Personalbeurteilung | 28 |
| 4.4.3 | Assessment-Center | 29 |
| 4.4.4 | Weitere Auswahlverfahren | 31 |
| 4.5 | Probleme und Lösungen bei der Personalauswahl | 31 |
| 5. | Vorbereitung auf den Auslandseinsatz | 34 |
| 5.1 | Interkulturelle Vorbereitung | 36 |
| 5.1.1 | Kulturdimensionen nach Hofstede | 38 |
| 5.1.1.1 | Machtdistanz | 39 |
| 5.1.1.2 | Unsicherheitsvermeidung | 40 |
| 5.1.1.3 | Femininität versus Maskulinität | 41 |
| 5.1.1.4 | Individualismus versus Kollektivismus | 42 |
| 5.1.1.5 | Konfuzianische Dimension | 42 |
| 5.1.1.6 | Vergleich deutsch-indischspezifische Ergebnisse | 43 |
| 5.1.1.7 | Kritik an der Hofstede-Studie | 45 |
| 5.1.1.8 | Praktische Umsetzung der Hofstede-Studie | 46 |
| 5.1.2 | Interkulturelle Dimensionen | 48 |
| 5.1.2.1 | Affektive Dimension | 48 |
| 5.1.2.2 | Kognitive Dimension | 49 |
| 5.1.2.3 | Verhaltensbezogene Dimension | 49 |
| 5.1.3 | Interkulturelle Kompetenzen | 50 |
| 5.1.3.1 | Informationstraining | 51 |
| 5.1.3.2 | Simulationskonzepte | 52 |
| 5.1.3.3 | Interaktionskonzepte | 52 |
| 5.2 | Organisatorische Vorbereitung | 53 |
| 5.3 | Arbeitsvertragliche Regelungen | 55 |
| 5.3.1 | Vertragsverhältnisse | 55 |
| 5.3.1.1 | Dienstreise | 56 |
| 5.3.1.2 | Abordnung (Short-Term Assignment) | 57 |
| 5.3.1.3 | Delegation (Long-Term Assignment) | 58 |
| 5.3.1.4 | Versetzung (Long-Term Assignment) | 58 |
| 5.3.1.5 | Übertritt | 59 |
| 5.3.2 | Internationale Entgeltfindung | 60 |
| 5.3.2.1 | Heimatlandansatz (Home Country Approach) | 60 |
| 5.3.2.2 | Gastlandansatz (Host Country Approach) | 61 |
| 5.3.2.3 | Geozentrischer Ansatz (Balance Sheet Approach) | 61 |
| 5.3.3 | Arbeitsvertragliche Inhalte | 62 |
| 5.3.4 | Auslandsbedingte Zulagen | 63 |
| 5.3.5 | Betriebsverfassungsrechtliche Aspekte | 66 |
| 5.4 | Sozialversicherungsrechtliche Entsendung | 67 |
| 6. | Einsatz und Betreuung | 68 |
| 6.1 | Anpassungsphasen an die fremde Kultur | 68 |
| 6.1.1 | Honeymoon | 69 |
| 6.1.2 | Crisis | 69 |
| 6.1.3 | Recovery | 70 |
| 6.1.4 | Adjustment | 70 |
| 6.2 | Betreuung der Expatriates | 70 |
| 6.3 | Betreuung der Familie | 71 |
| 6.4 | Leistungsbeurteilung während des Einsatzes | 73 |
| 7. | Beendigung und Rückkehr | 75 |
| 7.1 | Beendigungsgründe | 75 |
| 7.2 | Reintegration | 77 |
| 7.2.1 | Vorbereitung einer Reintegration | 77 |
| 7.2.2 | Reintegrationsphasen | 78 |
| 7.2.2.1 | Erste Phase | 78 |
| 7.2.2.2 | Zweite Phase | 79 |
| 7.2.2.3 | Dritte Phase | 79 |
| 7.2.3 | Reintegrationsprobleme | 79 |
| 7.2.4 | Karriereprobleme | 80 |
| 7.2.5 | Reintegrationsmaßnahmen | 82 |
| 7.2.6 | Know-how-Transfer | 83 |
| 8. | Gestaltung einer Entsendungsrichtlinie | 84 |
| 8.1 | Probleme der Entsendeten und deren Familien | 85 |
| 8.2 | Probleme der Unternehmen | 85 |
| 8.3 | Konsequenz - Entwicklung einer Entsendungsrichtlinie | 86 |
| 9. | Kulturschock Indien | 88 |
| 9.1 | Indien in Zahlen | 89 |
| 9.2 | Indische Arbeitsweisen | 90 |
| 9.3 | Kulturelle und soziale Unterschiede | 91 |
| 9.4 | Vorbereitung auf den Auslandseinsatz in Indien | 93 |
| 9.5 | China versus Indien | 94 |
| 10. | Zusammenfassung | 96 |
| 11. | Literaturverzeichnis | 98 |
Die gemessene Dimension Maskulinität liegt in beiden Ländern über dem weltweiten Durchschnitt von 51 Punkten. Doch während Indien (56 Punkte) nur 5 Punkte darüber liegt wird bei Deutschland (66 Punkte) bereits eine Differenz von 15 Punkten gemessen. Beide Länder werden mit ihren Werten eher der maskulinen Dimension zugeordnet. Mit 65 Punkten liegt Deutschland im weltweiten Durchschnitt aller untersuchten Länder bezüglich der Dimension Unsicherheitsvermeidung und weist demnach eine starke Unsicherheitsvermeidungstendenz 204 auf, während Indien (40 Punkte) eine große Toleranz gegenüber unsicheren Situationen besitzt und eine Vielfalt von Einstellungen akzeptiert. Dies zeigt sich auch in der Kulturenvielfalt, wie sie in Indien seit langem friedlich existiert. [...]
Die größte Differenz wurde bei der Machtdistanz mit 42 Punkten gemessen. Während die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland (35 Punkte) eine geringe Machtdistanz aufweisen, wird in Indien (77 Punkte) ein hohes Ausmaß von Machtungleichgewicht innerhalb der Gesellschaft akzeptiert. 200 In der Studie fand Hofstede heraus, dass es eine gleichgerichtete positive Korrelation zwischen der hinduistischen Religion eines Landes und dem Machtindex gibt. Demnach ist die Tatsache, dass der Großteil der indischen Bevölkerung Hindus sind, ein Beleg für das hohe Ausmaß des Machtindexes.201 Der weltweite Durchschnitt entspricht mit 56,5 Punkten ebenso dem Durchschnitt der beiden Länder Deutschland und Indien. Die zweitgrößte Distanz zwischen der deutschen und der indischen Kultur liegt in der konfuzianischen Dimension. Der Durchschnitt aller Länder liegt bei 48 Punkten, wobei Indien (61 Punkte) mit 13 Punkten darüber zu den langfristig orientierten Kulturen 202 und Deutschland (31 Punkte) mit 17 Punkte weniger den kurzfristig orientierten Kulturen zugeordnet wird. Der Wert Indiens zeigt die Bedeutung von Beharrlichkeit und Sparsamkeit und geht konform mit dem hinduistischen Glauben an Wiedergeburt. 203 [...]
lungen erinnern an die Lehren von Konfuzius, weshalb die Dimension auch konfuzianische Dimension genannt wird. 194 Innerhalb der langfristigen Orientierung werden insbesondere Werte wie Sparsamkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit sehr hoch bewertet. 195 Wichtig ist diesen Kulturen auch die Bereitschaft der Mitmenschen, sich einem Zweck unterordnen zu können sowie die Akzeptanz einer vorhandenen Rangordnung, die sich Statussymbolen bedient. Langfristig orientierte G esellschaften passen Traditionen an moderne Gegebenheiten an, empfinden Respekt für soziale und Statusverpflichtungen innerhalb bestimmter Grenzen und verfügen über eine hohe Sparquote. 196 Die Länder mit der höchsten langfristigen Orientierung sind ausnahmslos Länder in Südostasien, wie China, Hongkong, Taiwan, Japan und Südkorea. 197 Dem entgegen legen kurzfristig orientiere Kulturen viel Wert auf die Wahrung von Traditionen, persönliche Ausdauer und Stabilität. Sie sind aufrichtig und versuchen einen möglichen Gesichtsverlust zu vermeiden, indem sie u. a. Wert auf Grußformeln, G eschenke sowie Gefälligkeiten legen. 198 [...]
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Arbeit zitieren:
Israel, Nadja Juli 2005: Ausgewählte Erfolgsfaktoren bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Auslandsentsendung, Expatriate, Hofstede, Angestellte, international




