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Ausgewählte Beispiele zur japanischen Arbeits- und Sozialstruktur und deren Bezug zur Wirtschafts- und Sozialpolitik

Ausgewählte Beispiele zur japanischen Arbeits- und Sozialstruktur und deren Bezug zur Wirtschafts- und Sozialpolitik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claudia Goetz
  • Abgabedatum: November 1996
  • Umfang: 122 Seiten
  • Dateigröße: 685,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0986-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0986-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0986-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Goetz, Claudia November 1996: Ausgewählte Beispiele zur japanischen Arbeits- und Sozialstruktur und deren Bezug zur Wirtschafts- und Sozialpolitik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozial- und Arbeitsstruktur in Japan, Forschung in Japan, Japan-Wirtschaft

Diplomarbeit von Claudia Goetz

Einleitung:

Wenn man heute über Japan liest, tauchen viele unterschiedliche und unter Umständen auch widersprüchliche Bilder auf. Da ist Japan als wirtschaftliches Vorbild und man hat den Eindruck daß alles, was im "wirtschaftlichen Japan" passiert, unweigerlich von Erfolg gekrönt ist. Je nach politischer Intention des Verfassers hat dieser Erfolg andere Ursachen: Für die einen ergibt er sich als Folge des Fleißes und des unvergleichlichen Arbeitseinsatzes der Japaner oder (weniger freiwillig) aus deren Ausbeutung. Für andere ist die Cleverness und die Anpassungsfähigkeit der japanischen Manager verantwortlich oder die umsichtigen und vorausschauenden Planungen einzelner Behörden, insbesondere des sagenumwobenen MITI (Ministry for International Trade and Industry, siehe Anhang). Wieder andere sehen gar eine Verschwörung zwischen Regierung, Unternehmensleitung, gesellschaftlichen Gruppen und Arbeitern als Ursache für Japans Erfolg im Weltmarkt.

Wenn einem Japan als Vorbild präsentiert wird, bleibt häufig unberücksichtigt, daß wirtschaftliches Handeln in Japan auf gesellschaftlichen (und geschichtlichen) Grundlagen basiert, die es schwer machen, dieses Handeln einfach zu kopieren. Andererseits wird wirtschaftliches Handeln und der damit zusammenhängende Erfolg oft vorschnell mit Aspekten der Mentalität oder der Gesellschaftsordnung in Verbindung gebracht, ohne daß dies in irgendeiner Weise gerechtfertigt (oder gar belegbar) wäre.

Durch die sich daraus ergebenden "Japan-Mythen" entstehen Mißverständnisse, durch die der (wirtschaftliche) Kontakt zwischen Japan und westlichen Industrieländern sicherlich nicht einfacher wird.

Mit der folgenden Arbeit wird der Versuch unternommen, auch einige dieser "Japan-Mythen" zu durchleuchten und Zusammenhänge mit dem wirtschaftlichen Erfolg darzustellen, wo sie vermutet werden dürfen oder sie zu widerlegen, wo sie nicht zutreffend sind. Naturgemäß fällt es leichter, diese Zusammenhänge zu widerlegen, als sie zu untermauern. Ein endgültiger Beweis (im Sinne einer "Rechnung", die beliebig oft wiederholbar immer zu dem gleichen Ergebnis führt,) kann bei dieser Materie nicht erbracht werden. Man kann lediglich Vermutungen untermauern durch Vergleiche mit anderen Ländern und anderen Zeiten. Auf dieser Basis wurden einzelne Beispiele aus der Arbeits- und Sozialstruktur und vermutete Zusammenhänge zur Wirtschafts- und Sozialpolitik analysiert. Bei der Auswahl der einzelnen Beispiele habe ich einerseits versucht, einige der Themen aufzugreifen, die immer wieder mit einem "Japan-Mythos" behaftet in den Diskussionen auftauchen. Andererseits habe ich mich auch von meinen persönlichen Interessen leiten lassen.

Quasi als Grundlage für die Erörterung der einzelnen Beispiele werden zunächst die Grundlagen der japanischen Wirtschaftspolitik und der sozialen Absicherung dargestellt. Bei der Darstellung der einzelnen Beispiele wird immer wieder auf diese grundlegenden Kapitel Bezug genommen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Darstellung des Themas und Aufbau der Arbeit 1
2. Grundlagen der japanischen Wirtschaftspolitik 3
2.1. Allgemeines 3
2.1.1. Steuersystem 3
2.1.2. Staatshaushalt 4
2.2. Wettbewerb und Wettbewerbspolitik 5
2.2.1. Unternehmenskonzentrationen und Wettbewerb 6
2.2.2. Die Bedeutung der Anti-Monopol-Behörde 8
2.3. Industriepolitik 9
2.3.1. Industriepolitik in der Hochwachstumsphase 10
2.3.2. Staatliche Hochtechnologieförderung 13
2.3.3. Industriepolitik für abflauende Wirtschaftszweige 20
2.4. Wirtschaftspolitischer Prozeß und wesentliche Ministerien 20
3. System der sozialen Absicherung 23
3.1. Darstellung der einzelnen staatlich organisierten Versicherungssysteme 23
3.1.1. Altersvorsorge und Rentensystem 25
3.1.2. Krankenversicherung 27
3.1.3. Arbeitslosenversicherung 28
3.1.4. Unfallversicherung 29
3.1.5. Soziale Dienste und freiwillige Wohlfahrt 29
3.1.6. Zusammenfassender Vergleich 30
3.2. Soziale Absicherung im Spiegel politischer Interessen 31
3.3. Darstellung ausgewählter Daten zu den Sozialstrukturen 33
4. Ausgewählte Beispiele der Arbeitsstruktur 45
4.1. Darstellung der "typischen Säulen" des industriellen Arbeitssystems in Japan 45
4.1.1. Lebenslange Beschäftigung 46
4.1.2. Senioritätsprinzip 48
4.1.3. Betriebsgewerkschaften 50
4.2. Frauen in der Gesellschaft und im Berufsleben 52
4.3. Arbeitszeit in japanischen Betrieben 63
4.3.1. Entwicklung der Arbeitszeitregelungen und Arbeitszeit allgemein 63
4.3.2. Urlaub 68
4.3.3. Krankheit und sonstige Fehlzeiten 71
5. Ausgewählte Beispiele der Sozialstruktur 74
5.1. Freizeitverhalten 74
5.2. Gesellschafts- und Familienstrukturen und die Bedeutung für die soziale Absicherung 77
5.3. Auswirkungen sozialer Normen und "Japan-spezifischen" Sozialverhaltens 82
5.3.1. Gewerkschaften 82
5.3.2. Wirtschaftliche Verbundgruppen 84
5.3.3. Verträge und Vertragsverhandlungen 90
5.3.4. Minderheiten 92
5.4. Das japanische Bildungssystem 95
5.4.1. Darstellung des Bildungssystems 95
5.4.2. Das Bildungssystem im zeitlichen Wandel und im Spiegel zukünftiger wirtschaftlicher Herausforderungen 101
5.5. Informelles Verwaltungshandeln (gyôsei shidô) als Besonderheit der japanischen Wirtschaftspolitik 106
6. Zusammenfassende Darstellung künftiger Anforderungen an die Wirtschafts- und Sozialpolitik 110
7. Bemerkung zu den Übersetzungen, Statistiken und Sekundärliteratur 113

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die folgende Aufstellung soll einen kurzen Überblick verschaffen über die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und die jeweiligen Auswirkungen für das Bild der Frau in der Gesellschaft und im Berufsleben. a) Verfassungsgrundlagen: 1946: Die Verleihung des aktiven und passiven Wahlrechts wurde bei den ersten Unterhauswahlen im Jahr 1946 in außerordentlichem Ausmaß genutzt. Das Ergebnis war eine sehr hohe Wahlbeteiligung und eine bemerkenswerte Zahl errungener Mandate. Die Frauen zogen sich allerdings im Laufe der Zeit immer mehr aus dem offiziellen politischen Bereich zurück und engagierten sich mehr in der Lokal- und Regionalpolitik und in Bürgerinitiativen, wie zum Beispiel gegen Militarismus und im Umwelt- und Verbraucherschutz.97 1947: Artikel 14 der Nachkriegsverfassung garantiert die rechtliche Gleichheit aller Bürger und verbietet jede Diskriminierung (siehe hierzu auch 5.3.4.). Weiterhin ist in Artikel 24 geregelt: „Die Ehe ... wird auf der Grundlage der [...]

Die Autorin Michiko Mae sieht in der alleinigen Verantwortung der Frauen für die Kindererziehung und die Belange der Familie und der geringen Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Hauptgrund für die Benachteiligung der Frauen im Berufsalltag.95 Damit müßte sich die berufliche Situation für Frauen verbessern, wenn ein verändertes Bild der Rolle der Frau in die gesellschaftlichen Normen Einzug fände oder wenn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorangetrieben werden würde, wobei eine veränderte Grundhaltung der Gesellschaft Voraussetzung ist für ein Interesse daran, die Unvereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit für Frauen zu beseitigen. Als 1989 die allgemeine Fertilitätsziffer (= Kennzahl der durchschnittlichen Geburten pro Frau) auf 1,57 sank, sprach man vom „1,57-Schock“. Man konstatierte, daß aufgrund der veränderten Lebensbedingungen immer weniger Frauen Kinder haben wollten.96 Das Engagement der Frauen für Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Kindern und beruflicher Tätigkeit ermöglichen, seien es nun eigene Arbeitsformen (siehe oben), der Ruf nach mehr Kindertagesstätten oder die Forderung an die Väter, mehr Verantwortung für die Kinder zu übernehmen, ist keineswegs Ausdruck eines rückläufigen Kinderwunsches. Die japanischen Frauen wollen Familie und Kinder, aber nicht mehr um jeden Preis, sprich zu den bisherigen Bedingungen. (Zur Entwicklung der Fertilitätsziffer siehe Darstellung 21.) [...]

Familienangehörigen, von denen mehr Selbständigkeit und Verantwortung für die Belange der Familie verlangt werden. Das veränderte Selbstbild der Frauen zeigt sich auch in anderen Bereichen. So wollen zum Beispiel immer mehr Frauen ihren Familiennamen nach der Heirat beibehalten. Im Jahr 1994 wurde ein politischer Konsens für eine Änderung des Gesetzes erreicht, wonach die Beibehaltung des bisherigen Familiennamens möglich wurde. Dieser Punkt mag auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, aber für die Frauen bedeutet es, daß sie nach der Heirat nicht nur als Ehefrau und Mutter von jemand anderem gesehen werden, sondern in ihrer eigenen Identität weiterleben können.94 Der Anteil der Studentinnen an den Kurzunis (Junior Colleges) und Universitäten zusammen beträgt im Jahr 1994: 41,76% (siehe auch Darstellung 20). Einschränkend muß hierzu allerdings gesagt werden, daß der Anteil der Studentinnen an den Kurzunis (91,75% der Studierenden an den Kurzunis sind Frauen) hier zu Buche schlägt. Der Anteil der weiblichen Studierenden an den Universitäten beträgt nur 31,27% (alle Zahlen im Jahr 1994). Darst. 20: Anteil der Studentinnen an japanischen Universitäten und Kurz-Unis [...]

Arbeit zitieren:
Goetz, Claudia November 1996: Ausgewählte Beispiele zur japanischen Arbeits- und Sozialstruktur und deren Bezug zur Wirtschafts- und Sozialpolitik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozial- und Arbeitsstruktur in Japan, Forschung in Japan, Japan-Wirtschaft

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