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Ausgewählte Aspekte der politischen Kultur von Fidschi

Ausgewählte Aspekte der politischen Kultur von Fidschi
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stephanie Jakobitsch
  • Abgabedatum: Oktober 2005
  • Umfang: 122 Seiten
  • Dateigröße: 866,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9322-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9322-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9322-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jakobitsch, Stephanie Oktober 2005: Ausgewählte Aspekte der politischen Kultur von Fidschi, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Fidischi, Pacific Way, Tradition, Häuptling, Macht

Diplomarbeit von Stephanie Jakobitsch

Einleitung:

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die politische Kultur von Fidschi. Es mag die Frage aufkommen, wieso ich für diese Untersuchung gerade Fidschi gewählt habe. Mit Sicherheit gibt es auch andere Länder, deren Erforschung und Darstellung höchst interessant ist. Fidschi findet sich in den Medien, die uns tagtäglich überfluten, so gut wie gar nicht wieder, trotzdem ist es (nicht nur politikwissenschaftlich betrachtet) ein äußerst interessantes Land, dessen politische Kultur es mir persönlich wert ist, näher betrachtet zu werden.

Was meint nun aber der Begriff „politische Kultur“? Inzwischen ist der Begriff wohl zu so etwas wie einem gängigen Schlagwort geworden, vor allem wenn es um Fragen des politischen Stils oder um Formen der politischen Auseinandersetzung geht.

Die Politikwissenschaft versteht darunter aber etwas anderes. Es handelt sich hierbei um einen Oberbegriff, der für Einstellungen, Handlungen und Werte im Hinblick auf die jeweilige Politikebene erfasst werden kann. In der Fachliteratur besteht die Konzentration des Begriffes hauptsächlich auf politisches Verhalten, politisches Interesse, Vertrauen an Institutionen durch die Bevölkerung usw., die empirisch untersucht und verarbeitet werden. Möchte man ein demokratisches Land auf Stabilität und Festigung überprüfen, so wird man unweigerlich an der politischen Kulturforschung nicht vorbeikommen. Denn die Frage der Legitimität des politischen Systems, also der Anerkennung durch seine Bürger, ist ausschlaggebend für die Stabilität und Sicherheit eines Staates.

Politische Kultur ist ein Set von Orientierungsmustern in Bezug auf politisches Handeln, in die jedes politische System eingebunden ist. Damit ist auch schon deutlich gemacht, dass politische Kultur weder mit dem politischen System kongruent ist noch das gleiche bezeichnet wie der Begriff „Kultur“.

Auf der Basis der angesprochenen Punkte habe ich konkrete, forschungsleitende Fragestellungen und Hypothesen entwickelt, die im Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden sollen. Dabei bin ich ganz allgemein von folgenden Fragen ausgegangen:

Was macht die Besonderheit der politischen Kultur Fidschis aus? Was unterscheidet sie demnach von anderen, westlichen Konzeptionen politischer Kultur? Hat Fidschi überhaupt noch eine eigene politische Kultur oder ist sie das Ergebnis von aufgezwängten, westlichen Werten während und nach der Kolonialisierung?

Von diesen Fragen ausgehend habe ich sozusagen als Leitfaden für den Aufbau der Untersuchung und die einzelnen Kapiteln drei Fragen ausgearbeitet, die mit Hilfe der nachstehenden Hypothesen beantwortet werden sollen.

1. Was muss in der fidschianischen Bevölkerung geschehen und welche Maßnahmen müssen seitens der Elite ergriffen werden, um die Modernität nicht als Verfall der eigenen Kultur und Traditionen darzustellen?

Um in Fidschi eine Pattsituation in Zukunft zu verhindern, weil die Gesellschaft zwischen dem Festhalten an Traditionen und dem Wandel hin zu Modernität gespalten ist, muss in der Bevölkerung ein Umdenken stattfinden. Dabei spielen die Chiefs die tragende Rolle, da sie als Vorreiter maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft haben und ihre momentane Stellung zum Teil ausschlaggebend für diese Situation ist. Nur mithilfe von zunehmender Bildung wird in den nächsten Generationen eine Bewusstseinserweiterung stattfinden und somit die Modernität nicht als Hindernis sondern als Unterstützung zur Positionierung der eigenen politischen Kultur gesehen werden.

2. Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit ein Konfliktlösungskonzept wie der Pacific Way in einer kollektivistischen Gesellschaft mit streng hierarchischen Machtstrukturen erfolgreich sein kann?

Wenn zur Lösung von Konflikten in Fidschi der Ansatz des Pacific Ways angewendet wird, ist es unerlässlich, die lokale Ebene, also die gesamte Gesellschaft, in diese Konsensentscheidung miteinzubeziehen. Um eine stabile Demokratie und weiters Konflikte für die Zukunft verhindern zu können, ist im Rahmen des Konfliktmanagements in Fidschi der Ansatz des „conflict resolution“ (Konfliktlösung) der Geeignetste, da dieser auf einen nachhaltigen Frieden abzielt und somit in Kauf nimmt, dass eine Lösung nicht möglichst schnell gefunden wird, sondern eine, die von der Bevölkerung akzeptiert und auch mitgetragen wird.

3. Die Frage der Macht und Herrschaft in Fidschi ist zweigleisig, da viele der starken Führungspersönlichkeiten abgetreten sind bzw. abgewählt wurden und die nachkommende Führungselite sich nicht über die Herrschaft einig ist. Keiner will freiwillig auf Macht verzichten oder gar im eigenen Interesse einen anderen Machthaber unterstützen. Wer sind in Fidschi die wahren Machthaber, die die Fäden ziehen und die auch Unterstützung seitens der Bevölkerung erhalten?

Wenn die elitären, mittelständischen Machthaber sich in Zukunft nicht einigen werden, wie die Herrschaft in Fidschi aussehen soll und vor allem wer Herrschaft ausüben soll, wird es langfristig nur einen Gewinner geben, nämlich das Militär. Obwohl auch das Militär einige Abspaltungen erfahren hat, bildet es im gesamten gesehen immer noch eine einigermaßen homogene Gruppe, die in sich sehr stark ist und zu einer großen Unsicherheit in Fidschi beiträgt.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, dass ich meinen eigenen Weg einer Analyse der politischen Kultur von Fidschi in Anlehnung an die Fachliteratur ausarbeite sowie versuche, anhand ausgewählter Beispielen einen umfassenden Ansatz des Forschungszweiges politischer Kultur umzusetzen. Ich habe demnach die politische Kultur als ein empirisches Forschungskonzept verwendet, so dass es einfacher ist, nationalbezogene Charakteristiken und Politiken besser zu verstehen. Dem sozialwissenschaftlichen Ansatz von politischer Kultur liegt zugrunde, dass der Ablauf von Politik nicht allein aus den vorgegebenen Normen und Verfahrensvorschriften sowie aus den Institutionen heraus verstanden werden kann.

In der politischen Kulturforschung steht es außer Zweifel, dass eine empirische Studie vor Ort am zielführendsten ist, jedoch habe ich (wegen mehrerer Gründe) nicht darauf zurück greifen können und musste mich daher auf die zahlreiche Literatur über Fidschi verlassen. Dies vor allem deswegen, weil ich während meiner Diplomarbeit keine Möglichkeit hatte, vor Ort zu reisen und selbst Feldforschung zu betreiben. Ich glaube durchaus, dass ich durch die Analyse der zahlreichen, vorliegenden Literatur mir ein Bild machen konnte, das natürlich durch Beobachtungen während meines Aufenthaltes in Fidschi komplimentiert wurde.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit ist in fünf Kapitel gegliedert und schließt mit einer Konklusio ab. Die Einteilung hat sich in Folge meiner Suche nach Erklärungen für die aktuelle politische Kultur in Fidschi ergeben. Der Ausgangspunkt und somit das erste Kapitel nach der Einleitung stellt kurz einige wichtige Merkmale des Landes und der Einwohner dar. Ich habe dieses einleitende Kapitel mit Absicht sehr kurz gehalten, da es sich hier um keine Darstellung des Landes in allen Details handelt und ich es voraussetze, dass der Leser dieser Arbeit sich mit Fidschi beschäftigt oder bereits beschäftigt hat.

Das dritte Kapitel bildet ein theoretischer Teil, mit dessen Hilfe politische Kultur besser verstanden werden soll. Voraussetzung für ein Verständnis ist dabei die Definition im politikwissenschaftlichen Sinne. Anschließend werden von den Anfängen der Erforschung politischer Kultur durch Almond und Verba und dem einstellungsorientierten Ansatz über weitere Entwicklungen in der Literatur schließlich einige wichtige Aspekte der politischen Kultur Fidschis dargestellt. Auf diese Weise soll die Anwendung auf ein konkretes Beispiel ermöglicht werden.

Die Themen der drei restlichen Kapitel habe ich nach meinen Präferenzen und vor allem nach dem, was meiner Meinung nach die politische Kultur Fidschis am stärksten beeinflusst, ausgewählt. Dabei beginne ich im vierten Kapitel mit Traditionen, wobei das Hauptaugenmerk auf die Häuptlinge gelegt werden soll. Die Häuptlinge oder chiefs sind, ganz allgemein ausgedrückt, im Zwiespalt zwischen Tradition und Modernität. Dies spiegelt sich in vielen Lebensbereichen wider. Dabei steht grundsätzlich die Frage im Vordergrund, ob sie dem Wandel der Zeit ein Hindernis darstellen oder ob sie als identitätsstiftendes Merkmal des Landes gelten.

Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit den ethnischen Konflikten innerhalb Fidschis und den dazugehörenden Mitteln des Konfliktmanagements. Dabei wird untersucht ob es in dieser Situation überhaupt möglich ist, Spannungen abzubauen und mit welchen Mitteln, die bereits angewandt werden, Erfolge erzielt werden können. Dies soll mithilfe der Konflikttheorie der conflict resolution geschehen. Conflict resolution versucht, die politischen Streitfragen zu einem Abschluss zu bringen und durch eine konstruktive Vereinbarung die den Konflikt verursachenden Probleme zu lösen. Ein Schlagwort, das in dieser Region in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist der „Pacific Way“. Damit ist in diesem Zusammenhang nicht nur die Lebensweise gemeint, deren Begriff von Ratu Sir Kamisese Mara geprägt wurde, sondern vor allem ein Mittel um Konflikte einzudämmen und die verschiedenen Ethnien gewaltfrei näher zu bringen.

Im sechsten Kapitel geht es schließlich um Macht und Machtinhaber. Ich habe die Macht und Herrschaft deshalb gewählt, weil man dadurch gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Prozesse einfach besser verstehen und deren Ergebnisse besser zurückverfolgen kann, wenn man sich über das Entstehen und Auswirken von Macht im klaren ist. Politik ist seit jeher mit Macht verbunden. Politiker bzw. Interessensvertreter des Volkes brauchen Macht, um etwas verändern zu wollen. In der Politik führt die Macht der oder des einen allerdings oft zur Ohnmacht der oder des anderen, wenn sie der Macht unterworfen sind, deren Rahmenbedingungen sie selbst nicht mitbestimmen können. Je totaler und unbegrenzter die Macht, desto größer die Ohnmacht. In diesem Kapitel gehe ich von den Überlegungen aus, wer die wirklichen Machthaber in Fidschi sind. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf das Militär gelegt, da es großen Einfluss in der Politik hat und seit langem das Geschehen in Fidschi kontrolliert. Diese in sich relativ homogene Gruppe wird nicht zu selten unterschätzt und aufgrund vieler Berichte gehe ich davon aus, dass das Militär auch in Zukunft, wie bereits schon in der Vergangenheit, noch eine große Rolle spielen wird.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT 5
1. EINLEITUNG 6
2. FIDSCHI 11
2.1 Geographischer Überblick 12
2.2 Melanesisch oder Polynesisch? 12
2.3 Wirtschaft 13
2.4 Geschichtlicher Überblick 14
2.5 Heterogenität im Alltagsleben 20
2.6 Sprache 21
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 23
3.1 Politische Kultur - Eine Definition 23
3.2 Konzepte politischer Kultur 24
3.2.1 Der einstellungsorientierte Ansatz 24
3.2.2 Der umfassende Ansatz 26
3.3 Grund- und Mischtypen politischer Kultur 27
3.4 Dimensionen politischer Kultur 29
3.5 Methodischer Zugang 31
3.6 Resümee 31
4. TRADITIONEN MIT EINFLUSS AUF DIE POLITISCHE KULTUR 35
4.1 Tradition - der Versuch einer Definition 35
4.1.1 Die Identität und Dauer von Traditionen 37
4.2 Tradition und Moderne - Widerspruch oder Ergänzung? 38
4.3 Die chiefs zwischen Vergangenheit und Zukunft 40
4.3.1 Der Begriff des chiefs 41
4.3.2 Fidschis chiefs im stratifizierten Gesellschaftssystem 44
4.3.3 Neo-traditionelle Häuptlinge? 47
4.4 Missionierung als politischer Prozess 49
4.4.1 Verschiedene Religionen in Fidschi 49
4.4.2 Missionierung 51
4.4.3 Politische Motivation der Missionare 54
4.5 Bildung zur Wahrung der Traditionen 57
4.6 Resümee 60
5. KONFLIKTMANAGEMENT 62
5.1 Definition "Konflikt" 62
5.2 Definition "Krise" 64
5.3 Internationale und innerstaatliche Konflikte - Eine Unterscheidung 66
5.4 Der Begriff "Ethnie" und die Entstehung ethnischer Konflikte 68
5.5 Das Vereinheitlichte Krisen-Modell von Michael Brecher 72
5.6 Fidschi als Beispiel eines ethnischen Konfliktes? 76
5.7 Auserwählte Mittel zur Beilegung ethnischer Konflikte 77
5.7.1 Bilaterale Verhandlungen 79
5.7.2 Tri- bzw. multilaterale Verhandlungen 82
5.7.2.1 "Gute Dienste" und Mediation 83
5.7.2.2 Problemlösungs-Workshops 87
5.8 Traditionelles Konfliktmanagement in Fidschi 90
5.9 Resümee 95
6. MACHT UND HERRSCHAFT IN FIDSCHI 97
6.1 Definition von Macht und Herrschaft 97
6.2 Drei Typen der Herrschaft 100
6.3 Faktoren der Machtbildung in Fidschi 104
6.4 Frauen in Fidschi 106
6.4.1 Status und Rechte der Frauen 106
6.4.2 Frauen in der Politik 108
6.5 Das Militär als Machtfaktor 111
7. SCHLUSSBEMERKUNGEN 115
8. LITERATURVERZEICHNIS 117

Automatisiert erstellter Textauszug:

5.1 DEFINITION „KONFLIKT“ Konflikte entstehen nicht nur im privaten Bereich sondern auch zwischen und innerhalb von Staaten. Da hier die gesamte Bandbreite der verschiedenen Konflikte nicht wiedergegeben werden kann bzw. auch nicht wiedergegeben werden soll, da dies hier auch nicht von Bedeutung ist, wird nun im speziellen auf den politischen Konflikt eingegangen. In diesem Kapitel sollen lediglich wesentliche Merkmale politischer Konflikte sowie Krisen aufgezeigt werden um in der Folge auch Unterschiede zwischen diesen zwei miteinander verbundenen aber nicht synonymen Begriffen darzustellen. Konflikte werden als Interessengegensätze zweier Partien bezeichnet, bei denen es sich um nationale Werte wie territoriale Unabhängigkeit oder nationale Selbstbestimmung dreht. Diese Parteien können Staaten genauso sein wie Gruppierungen innerhalb eines Staates oder Organisationen, ihnen ist eines zumindest gemein und zwar dass sie entschlossen sind, die Konflikte zu ihren Gunsten zu entscheiden. Diese Konflikte können auf den unterschiedlichsten Ebenen stattfinden, auf der nationalen, der regionalen oder der internationalen.102 Obwohl Michael Brecher sich hauptsächlich mit Krisen und den Phasen einer solchen beschäftigt,103 differenziert auch er zunächst die Begriffe „Konflikt“ und „Krise“. Ein Konflikt ist demnach charakterisiert durch zwei oder mehr Parteien, die sich feindlich [...]

wiederum besser verstanden und repräsentiert. Dass die Häuptlinge diesen Prozess hauptsächlich im eigenen Nutzen gebrauchten war ursprünglich nicht vorgesehen und weicht immer mehr vom eigentlichen Vorhaben ab. Stattdessen entfernen sie sich immer mehr von ihren Untertanen und setzen auf höchster Ebene nur die eigennützlichen Interessen durch. Folglich sollte in diesem Fall der Modernität Einhalt geboten werden und es ist wieder eine Rückbesinnung zu den Wurzeln notwendig. In jeder Gesellschaft ist Bildung die Voraussetzung für mehr Chancen und demnach höhere Lebensstandards. Diese Entwicklung nutzen zum einen auch in Fidschi sehr viele Junge, um eine Karriere anzustreben. Da jedoch die Möglichkeiten im eigenen Land begrenzt sind, findet ein großer Abgang ins Ausland statt. Zum anderen jedoch wird Bildung in Fidschi dazu benutzt, um sich und vor allem die Jugend wieder auf alte Traditionen rückzubesinnen. Damit soll ein Aufleben und ein Weiterführen der eigenen Kultur ermöglicht werden. In diesem Fall wird der Modernisierung jedoch entgegengewirkt und daher sehe ich meine Hypothese eins zumindest teilweise als falsifiziert. [...]

4.6 RESÜMEE Den Rassenkonflikt als Sündenbock für alle Konflikte in Fidschi heranzunehmen, ist schlichtweg zu simpel und führt nirgendwo hin. Nicht die indo-fidschianische Gemeinschaft stellt eine Bedrohung für die fidschianische Kultur dar, sondern der Fortschritt und die Modernität bringt sie vielmehr ins Wanken. Nach Asesela Ravuvu werden die chiefs in ihrer Autorität und Macht eingeschränkt, aufgrund der Gleichberechtigung und der Rechte des Einzelnen: „…the new political system emphasises equal opportunity and individual rights, which diminish the status and authority of chiefs. Equal opportunities in education and equal treatment under the law have further diminished the privileges which chiefs enjoyed under colonial rule and traditional life before…Although village chiefs are still the focus of many ceremonial functions and communal village activities, their roles and positions are increasingly of a ritualistic nature.“100 Das traditionelle System der Häuptlingsherrschaft in Fidschi basiert auf den hierarchisch strukturierten Gesellschaftsgruppen, die demzufolge sehr entscheidend für die Stärke bzw. Schwäche des Systems sein können. Der starke Widerstand gegen strukturelle Veränderungen in der Gesellschaft wird so gerne als „Erhaltung der kulturellen Eigenschaften“ Fidschis dargestellt.101 Ein großer Unsicherheitsfaktor in der Gesellschaft ist die zunehmende Modernisierung, zum Grossteil jedoch vor allem deswegen, weil diese stets als Bedrohung der eigenen Kultur präsentiert wird. Dabei ist es jedoch von größter Wichtigkeit sich als Land nicht auszugrenzen sondern im Gegenteil, ein gewisser Fortschritt ist nicht aufzuhalten und dem sollte auch nicht entgegengewirkt werden. Die chiefs müssen sich jedoch genau positionieren und nicht zur eigenen Machtbereicherung auf Staats- und Lokalebene tätig sein. Es besteht meiner Meinung nach kein Zweifel daran, dass es eine Notwendigkeit für das Land war, Häuptlinge in die Administration und die Politik einzubinden. Mit ihnen wurde der direkte Zugang zur „einfachen“ Bevölkerung geschaffen und diese fühlte sich [...]

Arbeit zitieren:
Jakobitsch, Stephanie Oktober 2005: Ausgewählte Aspekte der politischen Kultur von Fidschi, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Fidischi, Pacific Way, Tradition, Häuptling, Macht

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