Ausgewählte Ansätze zur Erklärung der Marktbedeutung von Handelsmarken
Darstellung und kritische Analyse
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Dawid Melzer
- Abgabedatum: April 2003
- Umfang: 87 Seiten
- Dateigröße: 2,9 MB
- Note: 2,7
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7582-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7582-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7582-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Melzer, Dawid April 2003: Ausgewählte Ansätze zur Erklärung der Marktbedeutung von Handelsmarken, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: hybrider Konsument, Eigenmarke, Discount, Handelsmarketing, Herstellermarke
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Diplomarbeit von Dawid Melzer
Problemstellung:
Handelsmarken sind in Warengruppen wie Zigaretten, Waschpulver oder Fertiggerichte nicht vorstellbar.
Diese Aussage stammt von Konrad Mellerowicz aus dem Jahr 1963. Heute wissen wir, dass sie falsch ist. Die Handelsmarken sind inzwischen eine feste Größe, die nicht mehr wegzudenken ist. Ihre Entwicklung schreitet in Deutschland dynamisch voran. Der zweistellige positive Trend der vergangenen Jahre hat sich auch 2001 bestätigt. Insgesamt stieg der mit den Handelsmarken erzielte Umsatz um 17 Prozent. Damit hat sich ihr Marktanteil von 16,5 auf 19,2 Prozent in 2001 erhöht.
Wie lässt sich diese nachhaltig positive Entwicklung der Handelsmarken, die bereits in den 70er Jahren einsetzte, erklären? In der Literatur zur Handelsmarkenentwicklung lässt sich keine eindeutige Antwort auf diese Frage finden.
Die Parallelität des Aufschwungs der Handelsmarken mit dem Abschwung der Konjunktur und der Einkommensentwicklung veranlasst einige Autoren, den Erfolg der Handelsmarken mit der wirtschaftlichen Rezession zu verbinden (konjunkturbezogener Erklärungsansatz). Andere sehen die Gründe für die Entwicklung der Handelsmarken in den längerfristigen Veränderungen im Konsumentenverhalten (verbraucherbezogener Erklärungsansatz). Schließlich suchen die Vertreter des wettbewerbsbezogenen Erklärungsansatzes die Ursachen des Wachstums von Handelsmarken im Verhalten der übrigen Marktteilnehmer und insbesondere der Händler. Es existieren zahlreiche weitere betriebs- und volkswirtschaftliche Ansätze, die allesamt versuchen, die Marktentwicklung der Handelsmarken aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ausgewählte Ansätze zur Erklärung der Marktbedeutung von Handelsmarken kritisch zu analysieren, um so einen Hinweis darauf zu erhalten, welche Determinanten die Handelsmarkenentwicklung tatsächlich bestimmen.
Um eine begriffliche Basis für den weiteren Gang der Untersuchung zu schaffen, wird im Anschluss an dieses erste Kapitel der zentrale Begriff der Arbeit, die „Handelsmarke“, definitorisch abgegrenzt. Als Grundlage für die Handelsmarkendefinition wird in Kapitel 2.1.1 zunächst die Begriffskomponente „Marke“ definiert. Zudem wird im Abschnitt 2.1.2 ein Überblick über ausgewählte Erklärungsansätze zur Wesensbestimmung der Marke gegeben, auf deren Basis in Kapitel 2.2 die Handelsmarke von der Herstellermarke abgegrenzt werden kann. Abschließend können im Abschnitt 2.3 die vielfältigen Handelsmarkentypen vor dem Hintergrund der vorgenommenen definitorischen Abgrenzungen klassifiziert werden.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Handelsmarkenzielen. Dabei werden die Ziele in vier Kategorien eingeteilt, je nachdem zu welchen Marktteilnehmern sie Bezug nehmen. Die Erörterung der Handelsmarkenziele ist für die Arbeit insbesondere deshalb von hoher Relevanz, weil sie häufig fälschlicherweise als Einflussfaktoren der Handelsmarkenentwicklung genannt werden.
Kapitel 4 widmet sich als Hauptteil der Arbeit ausgewählten Ansätzen zur Erklärung der Marktbedeutung von Handelsmarken. Die Erklärungsansätze werden dargestellt, und es wird kritisch analysiert, inwieweit sie die Marktentwicklung der Handelsmarken tatsächlich erklären können. Die Analyse erfolgt anhand von Überprüfungen der Gültigkeit aufgestellter Hypothesen.
Die Arbeit beschränkt sich auf die drei Erklärungsansätze, die in der Literatur zur Handelsmarkenentwicklung am häufigsten genannt werden.
Im Abschnitt 4.1 wird der konjunkturbezogene Ansatz untersucht. Es wird überprüft, ob es zwischen der konjunkturellen Entwicklung und dem Marktanteil der Handelsmarken einen monokausalen Zusammenhang gibt.
Kapitel 4.2 widmet sich zwei Hypothesen, die dem verbraucherbezogenen Erklärungsansatz zugeordnet werden. Als erstes wird in 4.2.1 der Zusammenhang zwischen dem „hybriden Konsumenten“ und der Handelsmarkenentwicklung kritisch hinterfragt. Die Analyse erfolgt vor dem Hintergrund der Theorie des knappen Budgets, mit der das Phänomen des „hybriden Konsumenten“ erklärt wird. Anschließend wird im Abschnitt 4.2.2 untersucht, welchen Beitrag die Agency-Theorie zur Erklärung der Marktentwicklung von Handelsmarken leisten kann. Dabei wird insbesondere die Wirkung des Vertrauens auf das Kaufverhalten der Konsumenten überprüft.
In Kapitel 4.3 wird der wettbewerbsbezogene Ansatz dargestellt und analysiert. In diesem Zusammenhang wird als erstes im Abschnitt 4.3.1 auf die Veränderungen der Wettbewerbsbedingungen eingegangen. Dabei wird insbesondere der Einfluss der zunehmenden Konzentration im Handel und der zunehmenden Bereitschaft der Industrie zur Produktion von Handelsmarken auf die Marktentwicklung der Handelsmarken untersucht. Anschließend befasst sich Kapitel 4.3.2 mit der Frage, inwiefern der Marktanteil der Handelsmarken von der zunehmenden Professionalisierung des Handelsmarkenmanagements beeinflusst wird.
Eine komprimierte Zusammenfassung der wichtigsten in der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse sowie ein daraus abgeleiteter Ausblick in die Zukunft in Kapitel 5 bilden den Abschluss der Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Problemstellung und Gang der Untersuchung | 1 |
| 2. | Definitorische Abgrenzungen | 3 |
| 2.1 | Der Markenbegriff | 3 |
| 2.1.1 | Zeichen- vs. objektorientierter Markenbegriff | 3 |
| 2.1.2 | Ein Überblick über Erklärungsansätze zur Wesensbestimmung der Marke | 4 |
| 2.2 | Der Handelsmarkenbegriff | 7 |
| 2.3 | Handelsmarkentypologie | 10 |
| 3. | Funktionen und Ziele von Handelsmarken | 14 |
| 3.1 | Unternehmensinterne Handelsmarkenziele | 15 |
| 3.2 | Kundenbezogene Handelsmarkenziele | 16 |
| 3.3 | Konkurrenzbezogene Handelsmarkenziele | 17 |
| 3.4 | Herstellerbezogene Handelsmarkenziele | 18 |
| 4. | Ausgewählte Ansätze zur Erklärung der Marktbedeutung von Handelsmarken | 19 |
| 4.1 | Der konjunkturbezogene Erklärungsansatz | 19 |
| 4.2 | Der verbraucherbezogene Erklärungsansatz | 25 |
| 4.2.1 | Die Theorie des knappen Budgets | 26 |
| 4.2.1.1 | Darstellung des theoretischen Hintergrunds | 26 |
| 4.2.1.2 | Der Einfluss des „hybriden Verbrauchers“ | 27 |
| 4.2.2 | Die Agency-Theorie | 29 |
| 4.2.2.1 | Darstellung des theoretischen Hintergrunds | 29 |
| 4.2.2.2 | Der Einfluss des Vertrauens | 34 |
| 4.3 | Der wettbewerbsbezogene Erklärungsansatz | 44 |
| 4.3.1 | Veränderungen der Wettbewerbsbedingungen | 44 |
| 4.3.2 | Veränderungen im Handelsmarkenmanagement | 50 |
| 4.3.2.1 | Marktforschung und Marktkenntnis | 51 |
| 4.3.2.2 | Produktpolitik | 53 |
| 4.3.2.3 | Distributionspolitik | 57 |
| 4.3.2.4 | Sortimentspolitik | 58 |
| 4.3.2.5 | Kommunikationspolitik | 59 |
| 4.3.2.6 | Preispolitik | 63 |
| 5. | Fazit der Untersuchung | 66 |
31 delsmarken in Warengruppen wie Mehl, Zucker oder Backzutaten sehr hohe Marktanteile auf. Die meisten Güter sind jedoch Produkte mit einem hohen Anteil an Erfahrungseigenschaften (experience qualities). Hier kann die Qualität entweder durch die Produktverwendung nach dem Kauf oder durch eine intensive Informationsbeschaffung vor dem Kauf beurteilt werden (z.B. Obstkonserven). Diese Informationsbeschaffung ist allerdings mit hohen Opportunitätskosten verbunden, da die Zeit, die für die Informationsbeschaffung verwendet wird, nicht mehr für den Einkommenserwerb zur Verfügung steht.103 Schließlich kann der Konsument die Qualität der Güter mit einem hohen Anteil an Vertrauenseigenschaften (credence qualities) weder vor noch nach dem Kauf beurteilen (z.B. Obst aus biologischem Anbau). Mit dem Grad der Informationsasymmetrie steigt das Qualitätsrisiko eines Gutes. Dennoch werden Konsumenten beim Erwerb einer Gemüsekonserve und beim Kauf eines Autos nicht das gleiche Risiko empfinden, obwohl es sich bei beiden um Güter mit einem hohen Anteil an Erfahrungseigenschaften handelt. Daher muss der Begriff des „wahrgenommenen Kaufrisikos“ näher untersucht werden. Das wahrgenommene Risiko kann definiert werden als die vom Konsumenten nicht sicher vorhersehbaren, nachteilig aufgefassten Folgen seines Verhaltens. Aus der Definition wird deutlich, dass das wahrgenommene Risiko auf zwei Komponenten zurückgeht: die negativen Konsequenzen, also die wahrgenommenen möglichen Folgen des Kaufs, und die wahrgenommene Unsicherheit über das Eintreten dieser Folgen. Zur Berechnung des wahrgenommenen Risikos werden diese Werte multiplikativ verknüpft. Die erwarteten negativen Konsequenzen können finanzieller (z.B. Geldverschwendung), funktioneller (z.B. schlechter Geschmack), psychischer (z.B. Ärger) oder sozialer Art (z.B. fehlende Anerkennung Dritter) sein. Überschreitet das vom Konsumenten wahrgenommene Risiko eine individuelle Toleranzschwelle, wird er versuchen das Risiko zu reduzieren, indem er seine Informationsdefizite abbaut. Bis zu einem individuellen Toleranzniveau wird das Risiko allerdings nicht verhaltenswirksam.104 [...]
27 Die Steigung der Budgetgeraden misst das Verhältnis, zu dem der Markt bereit ist, Gut 1 für Gut 2 zu substituieren. Wenn der Konsument somit mehr von einem der Güter konsumieren möchte, so muss er dafür den Konsum des anderen Gutes einschränken. Die Wahl des Konsumbündels erfolgt dabei, indem der Konsument seinen Präferenzen entsprechend den Nutzen maximiert.89 Wie lassen sich diese Ausführungen nun auf das Konsumentenverhalten und speziell auf das Phänomen des „hybriden Verbrauchers“ übertragen? Das soll im Folgenden geklärt werden. 4.2.1.2 Der Einfluss des „hybriden Verbrauchers“ In den neuesten Untersuchungen zum Konsumentenverhalten finden sich durchgehend Begriffe wie das „Streben nach Genuss“ oder der „Wunsch, sich etwas zu gönnen“.90 Offensichtlich gibt es einen Trend zu neuen Lebenswerten. In einzelnen Konsumbereichen werden Schwerpunkte gesetzt und qualitativ hochwertige, hochpreisige Waren gekauft. Die Konsumenten suchen verstärkt nach erlebnisorientierten Stimulanzen.91 Karmasin unterscheidet dabei zwischen „Needs“ (Was man braucht) und „Wants“ (Was man sich wünscht).92 Um diese Entwicklung des Konsumentenverhaltens in die Theorie des knappen Budgets einordnen zu können, muss zunächst die Annahme zweier Güter erweitert werden. Daher werden die Güter 1 und 2 im Folgenden als zwei Güterklassen interpretiert. Die Güterklasse 1 ( g1 ) umfasst alle Leistungen, die der Verbraucher zur Befriedigung seines „Genussstrebens“ konsumiert („Wants“). Die Güterklasse 2 ( g 2 ) steht für alle Güter, die der Konsument erwerben möchte, mit Ausnahme von g1 . Da sich g1 aus hochpreisigen Gütern zusammensetzt und die Budgetbeschränkung weiterhin gilt, steht ein vermindertes Budget für den Konsum von g 2 zur Verfügung. Dem Konsumenten bieten sich nun zwei Möglichkeiten an. Entweder er verzichtet auf einen Teil seines Konsums aus der Güterklasse 2 oder er weicht auf Güter mit einem niedrigeren Preis aus. Die Ergebnisse der Verhaltensforschung der letzten Jahre zeigen, dass die Konsumenten die zweite Möglichkeit präferieren, was dazu führt, dass ein Bewegen von Marktschichten in Richtung der beiden Extrempunkte oberes und unteres Segment [...]
26 Rückgriff auf die „Theorie des knappen Budgets“ und die „Agency-Theorie“ beantwortet werden. 4.2.1 Die Theorie des knappen Budgets Die ökonomische Theorie des Konsumenten ist einfach: die Konsumenten wählen das beste Güterbündel, das sie sich leisten können.88 Was heißt aber in diesem Zusammenhang „sich leisten können? Die Theorie des knappen Budgets versucht diese Frage zu beantworten. 4.2.1.1 Darstellung des theoretischen Hintergrunds Was sich ein Konsument leisten kann, hängt zunächst im Wesentlichen von seinem Einkommen m ab. Zur Vereinfachung soll im Folgenden angenommen werden, dass m vollständig zu Konsumzwecken zur Verfügung steht, d. h. sonstige notwendige Zahlungen und Abzüge schon berücksichtigt sind. Des weiteren wird zu Vereinfachungszwecken lediglich der Zwei-Güter-Fall betrachtet, nämlich das Güterbündel des Konsumenten ( x1 , x 2 ). Die Preise für die beiden Güter werden als p1 und p 2 bezeichnet. Da der Verbraucher für die beiden Güter nur den Betrag ausgeben kann, der ihm zur Verfügung steht, unterliegt sein Konsum der folgenden Beschränkung: [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832475826
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