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Ausgestaltung und Bewertung strukturierter Finanzprodukte

Ausgestaltung und Bewertung strukturierter Finanzprodukte
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Mirja Schüler
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 102 Seiten
  • Dateigröße: 749,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5697-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5697-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5697-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schüler, Mirja September 2001: Ausgestaltung und Bewertung strukturierter Finanzprodukte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Optionen, Anleihen, Finanzinnovationen, Optionsbewertung, Discount-Zertifikat

Diplomarbeit von Mirja Schüler

Einleitung:

Die internationalen Finanzmärkte erlebten in den letzten Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel. Eine nahezu unüberschaubare Vielfalt von neuen, zum Teil sehr komplexen Finanzprodukten wurde entwickelt. Die Emittenten begründen das rasante Wachstum der innovativen Anlageformen mit den individuellen Bedürfnissen der Anleger, die durch speziell zugeschnittene Finanzinstrumente befriedigt werden sollen. Dadurch könnten vorhandene Marktlücken geschlossen werden. So existieren heute Finanzinnovationen, die es den Anlegern ermöglichen, an jeder erwarteten Kurs- bzw. Renditebewegung an den internationalen Finanzmärkten zu partizipieren.

Durch die zunehmende Komplexität von Finanzinnovationen entsteht das Problem, die mit den Konstruktionen verbundenen Chancen und Risiken richtig einzuschätzen und zu bewerten. Speziell die strukturierten Finanzprodukte, die in Phasen niedrigen Zinsniveaus von den Emittenten angeboten und von den Anlegern nachgefragt werden, verbergen hinter harmlosen Bezeichnungen wie z.B. Aktienanleihen bei einer deutlich über dem Marktzinsniveau liegenden Verzinsung hohe Risiken hinsichtlich der Rückzahlung. Den Emissionshäusern wird daher vorgeworfen, durch die mangelnde Transparenz der konstruierten Produkte die Beurteilung der Angemessenheit der Preise zu verhindern und somit höhere Margen einzupreisen.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, durch die Darstellung der Ausgestaltung und der Charakterisierung ausgewählter strukturierter Finanzinstrumente des deutschen Kapitalmarktes die den Produkten inhärenten Risiken aufzuzeigen und einen Bewertungsansatz zu liefern. Dabei basieren die Ausführungen auf standardisierten und börsengehandelten Finanzinnovationen und stellen die Sichtweise der Anleger dar.

Gang der Untersuchung:

Zunächst werden die in dieser Arbeit grundlegend verwendeten Begriffe „Finanzinnovationen“ und „strukturierte Finanzprodukte“ themenadäquat abgegrenzt und beispielhaft erläutert.

Die Entstehung von Finanzinnovationen wird anschließend aus zwei Blickwinkeln, der Darstellung veränderter Umweltbedingungen am Finanzmarkt sowie der Erläuterung der funktionalen Sichtweise innovativer Anlageformen, betrachtet.

Das dritte Kapitel behandelt die Ausgestaltung strukturierter Finanzprodukte. Nach einer Vorstellung der zu verwendenden Basiselemente ist zu prüfen, ob und wie sich durch die systematische Kombination einzelner Bausteine innovative Anlageformen ergeben. Es schließt sich die Charakterisierung der konstruierten Aktienanleihen, Discount-Zertifikate sowie Bull- und Bear-Anleihen an, die durch eine Darstellung der jeweiligen Sonderformen und aktueller Emissionen ergänzt wird.

Die Bewertung ausgewählter innovativer Produkte ist das Thema des vierten Kapitels. Dabei erfolgt die Wertbestimmung exemplarisch für Aktienanleihen, Discount-Zertifikate und Bull-Anleihen anhand am Finanzmarkt gehandelter Wertpapiere. Abgerundet wird die jeweilige Bewertung durch eine kurze Sensitivitätsanalyse hinsichtlich der Eingabeparameter und durch die Darstellung der auftretenden Bewertungsprobleme.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die Weiterentwicklung innovativer Finanzprodukte beschließen die Arbeit.

In diesem Abschnitt erfolgt zunächst die Definition des Begriffes der „Finanzinnovationen“ und darauf aufbauend die der „strukturierten Finanzprodukte“.

Finanzinnovationen sind „...neue, bisher an den Geld-, Kredit- und Kapitalmärkten nicht oder zumindest in dieser Kombination oder zu diesen Konditionen oder für diese Marktteilnehmer nicht verfügbare Anlage- oder Finanzierungsinstrumente ... , Märkte oder Prozesse ... „. Damit werden drei verschiedene Bereiche möglicher Innovationen im Finanzwesen zusammengefasst. Die Finanzmarktinnovationen umfassen neue Märkte und Organisationsformen für die Abwicklung von Wertpapiergeschäften wie z.B. die Einführung der Terminbörse EUREX und die Implementierung der elektronischen Handelsplattform XETRA. Zu den Finanzprozessinnovationen zählen neben den neuen Techniken hinsichtlich der Abwicklung und Finanzierung von Transaktionen, wie u.a. die Einführung der Verbriefung von Forderungen in Wertpapierform (Sekuritisierung), die technologisch bedingten Neuerungen, z.B. das Internet.

Für den weiteren Verlauf der Arbeit sind die als Finanzinnovationen im engeren Sinne geltenden Produktinnovationen relevant. Diese können in Finanzierungs- und Sicherungsinstrumente sowie spezifische Finanzdienstleistungen wie bspw. Portfolio-Management eingeteilt werden. Unter den Sicherungsprodukten sind u.a. Derivate zu verstehen, die von den elementaren Anlageformen des Kassamarktes, den Aktien- und Zinstiteln, abgeleitet werden. Die Konstruktion neuer Finanzierungsinstrumente ist durch die Umgestaltung bereits existierender Produkte gekennzeichnet. Dieser Innovationsprozess wird als Financial Engineering bezeichnet und besteht in der Aufspaltung komplexer Produkte in ihre elementaren Bestandteile (engl.: Unbundling) und in der Kombination einzelner Bausteine zu neuen Produktpaketen (engl.: Bundling).

Diesem Bereich der Innovationen gehören die strukturierten Finanzprodukte an, deren Definition in der Literatur bisher sehr uneinheitlich behandelt worden ist. Im Rahmen dieser Arbeit gelten zusammengesetzte Produkte, die aus mehreren Bausteinen bestehen, als strukturierte Finanzprodukte. Neben dem Recht auf Nominalverzinsung und Tilgung klassischer festverzinslicher Anleihen erhalten diese Finanzinnovationen weitere Wahlrechte und Pflichten, die sich durch die Kombination standardisierter originärer und derivativer Basiselemente ergeben.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
SYMBOLVERZEICHNIS IX
A. EINLEITUNG 1
I. PROBLEMSTELLUNG UND GANG DER UNTERSUCHUNG 1
II. BEGRIFFLICHE ABGRENZUNG 2
B. DIE ENTSTEHUNG VON FINANZINNOVATIONEN 4
I. UMWELTBEDINGUNGEN AM FINANZMARKT 4
II. DIE ÖKONOMISCHE FUNKTION VON FINANZINNOVATIONEN 8
C. AUSGESTALTUNG STRUKTURIERTER FINANZPRODUKTE 11
I. BASISELEMENTE 11
1. Kassageschäfte 12
2. Termingeschäfte 14
II. SYSTEMATISCHE KOMBINATION DER BASISELEMENTE 19
1. Zinstitel und Optionen 19
2. Aktientitel und Optionen 23
3. Zusammenfassung der Kombination der Basiselemente 26
III. CHARAKTERISIERUNG DER STRUKTURIERTEN PRODUKTE 28
1. Aktienanleihen 28
a) Traditionelle Aktienanleihen 28
b) Sonderformen 29
2. Discount-Zertifikate 31
a) Traditionelle Discount-Zertifikate 31
b) Sonderformen 32
3. Bull-Anleihen 33
a) Traditionelle Bull-Anleihen 33
b) Sonderformen 35
4. Bear-Anleihen 36
5. Weitere strukturierte Finanzprodukte 36
a) KickStart-Zertifikate 37
b) Cheapest-to-deliver-Zertifikate 38
IV. RECHTLICHE BEHANDLUNG STRUKTURIERTER FINANZPRODUKTE 38
D. BEWERTUNG STRUKTURIERTER FINANZPRODUKTE 41
I. DARSTELLUNG DES DUPLIKATIONSANSATZES 41
II. WERTERMITTLUNG DER BASISELEMENTE 43
III. AKTIENANLEIHEN 45
1. Allgemeiner Bewertungsansatz 45
2. Beispiel 45
a) Ermittlung der Eingabeparameter 45
b) Bewertung der 15% Deutsche Telekom-Aktienanleihe 47
c) Sensitivitätsanalyse und Bewertungsprobleme 49
IV. DISCOUNT-ZERTIFIKAT 52
1. Allgemeiner Bewertungsansatz 52
2. Beispiel 52
a) Ermittlung der Eingabeparameter 53
b) Bewertung des SAP-Discount-Zertifikates 54
c) Sensitivitätsanalyse und Bewertungsprobleme 55
V. BEWERTUNG VON BULL-ANLEIHEN 56
1. Allgemeiner Bewertungsansatz 56
2. Beispiel 57
a) Bestimmung der Eingabeparameter 57
b) Bewertung der DAX-Partizipations-Anleihe 58
c) Sensitivitätsanalyse und Bewertungsprobleme 60
E. SCHLUSSBETRACHTUNG 63
ANHANG XII
QUELLENVERZEICHNIS XXVIII

Automatisiert erstellter Textauszug:

durch den zweiten Basispreis wird durch einen geringeren Kupon im Gegensatz zu den herkömmlichen Aktienanleihen abgegolten.1 „Break-Aktienanleihen“2 stellen eine weitere Innovation im Bereich der Aktienanleihen dar, deren Besonderheit in einem zweiten Basispreis besteht, der bei Emission über dem Aktienkurs liegt. Wird diese Kursschwelle während der Laufzeit erreicht oder überschritten, wandelt sich die Break-Aktienanleihe, unabhängig vom Aktienkurs am Bewertungstag, in eine normale Kuponanleihe, die am Laufzeitende zum Nennbetrag getilgt wird. Auch hier wird die Risikoreduktion durch einen im Vergleich zur traditionellen Aktienanleihe niedrigeren Kupon erkauft.3 Vorwiegend im Jahr 1999 wurden sog. Step-Down-Aktienanleihen emittiert, die sich von den herkömmlichen Aktienanleihen lediglich in der Zinszahlung unterschieden. Für 1999 wiesen diese strukturierten Produkte einen sehr hohen Kupon auf, für das folgende Jahr einen sehr geringen. Damit sollte der Halbierung des Freibetrages für Kapitalerträge ab dem Jahr 2000 Rechnung getragen werden.4 2. Discount-Zertifikate a) Traditionelle Discount-Zertifikate Discount-Zertifikate5 sind rechtlich Schuldverschreibungen, bei denen der Emittent am Laufzeitende das Wahlrecht besitzt, entweder das Zertifikat zum Höchstbetrag (engl.: Cap) zurückzuzahlen oder den Basiswert gemäß des in den Ausstattungsmerkmalen festgelegten Bezugsverhältnisses zu liefern bzw. eine dem Kurswert ent- [...]

Die Höhe des erzielbaren Nominalzinses hängt dabei vorwiegend von der Korrelation1 der zugrunde liegenden Aktien, d.h. von den relativen Kursschwankungen der Aktien zueinander, ab. Je negativer die Börsenkurse der beiden Unternehmen miteinander korreliert sind, desto höher wird der Kupon der Anleihe festgelegt.2 Eine Weiterentwicklung der Doppel-Aktienanleihen ist in der Form vorstellbar, dass das Rückzahlungswahlrecht auf drei oder mehr Aktien ausgeweitet werden kann.3 Eine weitere innovative Variante der traditionellen Aktienanleihen in Kombination mit exotischen Optionen stellen die sog. Knock-In-Aktienanleihen4 dar, die trotz geringer Kursrückgänge des Basiswertes die Rückzahlung zum Nominalbetrag vorsehen. Neben den Ausstattungsmerkmalen der traditionellen Aktienanleihe besitzen diese strukturierten Anleihen einen zweiten Basispreis bzw. Schwellenwert (Knock-In), der weit unter dem herkömmlichen Ausübungspreis liegt. Das Wahlrecht des Emittenten in Bezug auf die Rückzahlung bei Fälligkeit richtet sich nun nach dem Kursverlauf des zugrunde liegenden Basiswertes während der Laufzeit. Wird der zweite Schwellenwert im Verlauf dieser Zeit nicht erreicht oder unterschritten, erfolgt die Rückzahlung der Knock-In-Aktienanleihe auch dann zum Nominalbetrag, wenn der Kurs des Basiswertes am Bewertungstag unter dem Ausübungspreis notiert. In diesem Fall handelt es sich bei Fälligkeit um eine normale Kuponanleihe. Eine Rückzahlung in Form von Aktien erfolgt nur, wenn der Basistitel am Bewertungstag unter dem Ausübungspreis notiert und der zweite Schwellenwert während der Laufzeit mindestens einmal erreicht oder unterschritten wurde. Ab dem Zeitpunkt des Knock-In entspricht diese Finanzinnovation einer traditionellen Aktienanleihe. Die zusätzliche Sicherheit [...]

des Emittenten und damit die Unsicherheit über die Rückzahlung am Laufzeit-ende wird dem Anleger durch einen deutlich über dem Marktzinsniveau liegenden Kupon vergütet, der unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes i.d.R. bei Fälligkeit gezahlt wird. Die maximal erzielbare Rendite der Aktienanleihe ist auf den Kupon und eventuelle Kursgewinne begrenzt. Dagegen kann bei einer negativen Kursentwicklung des zugrunde liegenden Titels ein maximaler Verlust in Höhe des eingesetzten Nominalbetrages abzüglich der Zinszahlung eintreten.1 Die Laufzeit von Aktienanleihen liegt regelmäßig zwischen ein und zwei Jahren. Die Rückzahlung erfolgt grundsätzlich nur zur Fälligkeit, allerdings findet während der Laufzeit ein börsentäglicher Handel statt.2 Der Emittent einer Aktienanleihe besitzt einen bestimmten Spielraum hinsichtlich der Variation der Ausstattungsmerkmale. So kann z.B. anstatt des fixen hohen Kupons ein über dem Marktzins liegender variabler Zinssatz gewährt werden. Dieser Konstruktion liegt entsprechend eine Floating Rate Note zugrunde.3 b) Sonderformen Während die traditionelle Aktienanleihe auf einer einfachen Option basiert, existieren am Markt andere strukturierte Anleihen, die mit exotischen Optionen ausgestattet sind. Durch die Kombination aus Rainbow-Optionen mit Anleihen entstehen DoppelAktienanleihen (Two Asset Reverse Convertibles). Diese beinhalten das Wahlrecht des Emittenten, am Laufzeitende entweder zum Nennbetrag oder alternativ durch Lieferung einer bestimmten Anzahl von Aktien eines von zwei zugrunde liegenden Basiswerten zu tilgen. Die Rückzahlung erfolgt in Aktien, falls der Börsenkurs mindestens einer der beiden Basistitel geringer als der jeweilige Ausübungspreis ist. Ist dies bei beiden Aktien der Fall, wird der Emittent das für ihn günstigere Unternehmen wählen. Im Vergleich zu traditionellen Aktienanleihen haben Doppel-Aktienanleihen einen deutlich höheren Kupon, der das doppelte Wahlrecht des Emittenten gegenüber dem Anleger reflektiert. [...]

Arbeit zitieren:
Schüler, Mirja September 2001: Ausgestaltung und Bewertung strukturierter Finanzprodukte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Optionen, Anleihen, Finanzinnovationen, Optionsbewertung, Discount-Zertifikat

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