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Ausbildung für den Kulturgutschutz

Europäische Ausbildungsmodelle der Denkmalpflege im Vergleich

Ausbildung für den Kulturgutschutz
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Alexandra Jeberien
  • Abgabedatum: Juli 2002
  • Umfang: 56 Seiten
  • Dateigröße: 560,0 KB
  • Note: 2,1
  • Institution / Hochschule: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6694-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6694-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6694-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jeberien, Alexandra Juli 2002: Ausbildung für den Kulturgutschutz, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kulturgüter, Denkmalschutz, Schweden, Restaurierung, Konservierung

MA-Thesis / Master von Alexandra Jeberien

Zusammenfassung:

„Nicht restaurieren - wohl aber konservieren!“ lautet Georg Dehios berühmter Ausspruch zu den historisierenden Rekonstruktionsmaßnahmen der denkmalpflegerischen Arbeit im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert. Neben dem klaren Hinweis auf die Gegensätze in den der Denkmalpflege zu Grunde liegenden Theorien weist dieses Zitat auch auf zwei der vielen Aufgabenbereiche der Denkmalpflege, sowie auf zwei der mit denkmalpflegerischer Arbeit betreuten Professionen hin. Die Denkmalpflege umfasst neben dem Konservieren und Restaurieren eine große Fülle von Arbeitsgebieten, in denen sehr viel mehr Berufsgruppen als nur Konservatoren und Restauratoren tätig sind. Da sich die Denkmalpflege keiner einzelnen Wissenschaft wie Kunst-, Geschichts- oder Naturwissenschaften allein zuordnen läßt, wird sie von einer Vielfalt von Berufsgruppen, wie den Kunst- und Baugeschichtswissenschaftlern, den Archäologen und Historikern, den Architekten und Bauingenieuren sowie den Stadt- und Landschaftsplanern ausgefüllt. Die Ausbildungswege dieser Berufsgruppen qualifizieren in ihrer ursprünglichen Ausrichtung nicht zur Betreuung des kulturellen Erbes. Dennoch arbeiten in der Denkmalpflege viele engagierte Personen, die über keine spezielle Ausbildung für den Kulturgutschutz verfügen und sich ihre Kenntnisse häufig erst bei und neben der praktischen Tätigkeit in der Denkmalpflege erworben haben.

Zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der identitätsstiftende Wert des kulturellen Erbes der Länder und Staaten erkannt und seine Erhaltung erstmals durch europäische Gremien (z.B. Europarat) wie auch internationale Organisationen (z.B. UNESCO) aktiv gefördert. In diesem Zusammenhang wurde die Forderung nach geschultem Fachpersonal für den Kulturgutschutz formuliert. Als Reaktion wurden auf nationaler Ebene die bereits bestehenden Ausbildungswege überarbeitet oder neue eingerichtet. Aufgrund der nationalen Unterschiede in den Bildungssystemen setzen die Ausbildungsmodelle für den Kulturgutschutz jedoch unterschiedliche Schwerpunkte hinsichtlich der Ausbildungsinhalte und der Gewichtung von Theorie und Praxis. Entsprechend lässt sich der Qualifizierungsstand des mit dem Kulturgutschutz befaßten Personals nur schwer vergleichen. Zudem stellt die Weiterentwicklung und Verbesserung der Ausbildungsmodelle auf ein den internationalen Anforderungen entsprechendes Mindestniveau eine schwierige Aufgabe dar.

Vor diesem Hintergrund erscheint es um so notwendiger, die Ausbildungssysteme für den Kulturgutschutz und die Denkmalpflege in den einzelnen europäischen Ländern hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit den internationalen Forderungen zu untersuchen. Darüber hinaus sollten Vorstellungen entwickelt werden, wie die Grundlagen für eine bessere Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Kulturgutschützern und Denkmalpflegern in Europa beschaffen sein sollten.

Anhand einer umfassenden Recherche relevanter Fachpublikationen sollen in der vorliegenden Arbeit verschiedene Ausbildungswege für den Kulturgutschutz zweier europäischer Länder – Deutschland und Schweden – dargestellt und verglichen werden.

Die Unterschiede in den Ausbildungsmodellen der beiden Länder resultieren unter anderem aus den jeweiligen historischen Entwicklungen in der Denkmalpflege. Schweden kann auf eine lange und kontinuierliche Herausbildung einer institutionalisierten Denkmalpflege zurückblicken, mit der die frühe Etablierung spezialisierter Ausbildungswege in engem Zusammenhang steht. Deutschland besitzt ebenfalls eine lange Tradition der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes. Allerdings wurde die Formulierung von Gesetzen und die Schaffung von Institutionen zum Schutz der Kulturgüter hier vergleichsweise spät und weniger konsequent umgesetzt. Entsprechend existiert in Deutschland eine Vielzahl unterschiedlichster Ausbildungswege für die Arbeit im Kulturgutschutz.

In der vorliegenden Arbeit soll eine repräsentative Auswahl von Ausbildungswegen in Schweden und Deutschland hinsichtlich ihres aktuellen Aufbaus und ihrer Übereinstimmung mit den international geforderten Standards bzw. Mindestanforderungen von ICOM, ICOMOS oder E.C.C.O. untersucht werden. Hierbei sollen die zahlreichen Schwerpunktstudiengänge und Vertiefungsmöglichkeiten im Fach Denkmalpflege der Architekturstudiengänge, die postgradualen Studienmöglichkeiten und die Studiengänge der Konservierung / Restaurierung zur Qualifizierung in der Arbeit des Kulturgutschutzes verglichen werden. Um den Vergleich auf eine übersichtliche Gruppe zu begrenzen und um den Forderungen, die Ausbildung für den Kulturgutschutz auf Ebene der Hochschulen zu etablieren, nachzukommen, werden die Ausbildungswege des Handwerks und des technischen Personals in der Denkmalpflege in dieser Arbeit nicht berücksichtigt.

Abschließend sollen, unter Verwendung der gewonnenen Erkenntnisse zu den Defiziten und Vorteilen des deutschen und des schwedischen Ausbildungsmodells für den Kulturgutschutz, Empfehlungen für deren Weiterentwicklung im Zuge einer einheitlicheren europäischen Linie der Ausbildung für den Kulturgutschutz skizziert werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Aufgabenstellung 5
1.2 Material/Literatur 6
1.3 Vorgehensweise 7
2. Die Denkmalpflege in Europa im 19. Jahrhundert 8
2.1 Ein kurzer geschichtlicher Abriss zur Denkmalpflege 8
2.2 Herausragende Persönlichkeiten der Denkmalpflege des 19. und frühen 20. Jahrhunderts 9
2.3 Denkmalschutz und Denkmalpflege in Deutschland 10
2.4 Denkmalschutz und Denkmalpflege in Schweden 13
3. Ausbildungsmodelle für den Kulturgutschutz 16
3.1 Forderungen an die Ausbildung für den Kulturgutschutz 16
3.2 Kriterienkatalog für die Bewertung von Ausbildungsmodellen für den Kulturgutschutz 18
3.3 Ausbildungswege für die Arbeit im Kulturgutschutz 21
3.3.1 Ausbildungswege für den Kulturgutschutz in Deutschland 21
3.3.2 Ausbildungswege für die Arbeit im Kulturgutschutz in Schweden 26
4. Vergleich und Analyse der Ausbildungsmodelle für den Kulturgutschutz in Deutschland und Schweden 30
4.1 Gegenüberstellung der Ausbildungswege für den Kulturgutschutz Deutschlands und Schwedens 30
4.2 Vergleichende Beschreibung der Ausbildungswege für den Kulturgutschutz Deutschlands und Schwedens 32
4.3 Analyse der Inhalte der Ausbildungswege für den Kulturgutschutz Deutschlands und Schwedens 33
5. Diskussion und Auswertung 35
6. Literatur 39
7. Anhang 44

Automatisiert erstellter Textauszug:

In den letzten 30 Jahren läßt sich eine Zunahme der Anzahl der Ausbildungswege in den denkmalpflegerischen Berufen beobachten. Die Führungsrolle in der Entwicklung und Verbesserung der Ausbildung hat seit den 70er Jahren das International Centre for the Study of the Preservation and the Restoration of Cultural Property, ICCROM in Rom übernommen. Daneben haben weitere Organisationen an der Verbesserung der Ausbildungsstandards gearbeitet. So hat 1984 der International Council of Museums, ICOM mit einer Definition der Ausbildung zum Konservator / Restaurator für bewegliches Kulturgut diesem Beruf ein Profil gegeben. Die Ausbildung im Bereich des baulichen Erbes wurde erst im Jahre 1993 in den TRAINING GUIDELINES des International Council on Monuments and Sites, ICOMOS festgelegt70. Nachfolgend wird ein Katalog von Kriterien vorgestellt, die bei der Erarbeitung der Inhalte von Ausbildungsgängen für den Kulturgutschutz zu berücksichtigen sind. Dieser Kriterienkatalog wird im nächsten Kapitel für die systematische Beurteilung der Ausbildungswege in Deutschland und Schweden herangezogen und stellt die Basis für den Vergleich der Ausbildungsmodelle der beiden Länder dar. Die, in den oben genannten internationalen Definitionen und Empfehlungen zu Ausbildung und Berufsbildern in der Denkmalpflege formulierten Aspekte, bilden die Grundlage für die Ableitung der einzelnen Kriterien des Kataloges. Bei der Katalogentwicklung sind auch die Erfahrungen der Autorin eingeflossen, die im Rahmen der eigenen denkmalpflegerischen Arbeit gesammelt wurden. Der gesamte Kriterienkatalog setzt sich aus acht Oberpunkten zusammen, von denen jeder wiederum in eine Reihe von Unterpunkten untergliedert ist. Zur Kennzeichnung der Quellen der jeweiligen Katalogpunkte ist der ICOM-Definition die Nummer 1, den ICOMOS-Guidelines die Nummer 2 und den E.C.C.O. Berufsrichtlinien die Nummern 3 zugeordnet. Mit der Nummer 4 sind nur diejenigen Unterpunkte gekennzeichnet, die in den anderen Quellen nicht enthalten sind, die jedoch nach Ansicht der Autorin bei der Entwicklung von Ausbildungswegen in der Denkmalpflege berücksichtigt werden sollten. [...]

wurden z.B. auf dem Kunsthistorikertag in Köln Empfehlungen für das Personal in der Denkmalpflege formuliert. Unter Punkt 6. Aus- und Fortbildungsprobleme heißt es: '...Es wird empfohlen zur Ausbildung für Denkmalpflege- und Inventarisationsfragen (archäologische Bauforschung) im Studiengang der Kunsthistoriker Architekten, Planer und geistliche Konservatoren zuzuziehen. Man vertritt die Auffassung, dass die Studenten der Kunstgeschichte mit den späteren Berufsaufgaben konfrontiert werden sollten....'67. Da sich das Personal der Denkmalpflege aus vielen Berufsbereichen zusammensetzt, wurden in zahlreichen Artikeln unterschiedlicher Herkunft die Mindestanforderungen an ein Profil und die Fähigkeiten des Personals formuliert. So sind aus Sicht der Denkmalpflege folgende Voraussetzungen an den in der Denkmalpflege tätigen Architekten festgeschrieben, er muß 1. 2. 3. das Grundlagenwissen der Denkmalpflege kennen und verstehen, die Methoden der praktischen Denkmalpflege, wie das Erkennen, das Erfassen und das Bewerten von Bauwerken beherrschen und anwenden können, die Zusammenhänge in der Denkmalpflege, welche durch Spezialgebiete im technischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Bereich gekennzeichnet sind, erfassen und 4. die denkmalpflegerischen Anliegen des Bewahrens mit den anderen Belangen des Bauens planerisch berücksichtigen und umsetzen können68. Ähnliche Anforderungen werden auch an den in der Denkmalpflege tätigen Restaurator gestellt. Er muß 1. über künstlerisches Einfühlungsvermögen in den ästhetischen Zusammenhang, sowie den geschichtlichen und kulturhistorischen Kontext des Denkmals verfügen, 2. zur Umsetzung konservatorischer und restauratorischer Maßnahmen anhand denkmalpflegerischer Fragestellungen befähigt sein und 3. über Kenntnisse aus historischer, kunsthistorischer und naturwissenschaftlichtechnischer Forschung der Denkmalpflege verfügen69. [...]

Mit der Entwicklung und Einrichtung einer spezialisierten Ausbildung in den Berufen der Denkmalpflege wurde bereits am Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich, in England, den deutschen Staaten und in Italien begonnen65. Doch die sozialen und politischen Entwicklungen des frühen 20. Jahrhunderts unterbrachen die konsequente Weiterentwicklung qualifizierter Ausbildungswege. Auch für die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg läßt sich keine deutliche Verbesserung der allgemeinen Ausbildungssituation in Deutschland wie auch den meisten europäischen Ländern feststellen. Erst nachdem die UNESCO 1972 im Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt die Anforderung formuliert hatte, '...die Errichtung oder den Ausbau nationaler oder regionaler Zentren zur Ausbildung auf dem Gebiet des Schutzes und der Erhaltung des Kultur- und Naturerbes in Bestand und Wertigkeit zu fördern...'66, wurden auf breiter politischer Ebene die Initiativen zur Einrichtung entsprechender Ausbildungswege der Berufe in der Denkmalpflege ergriffen. In der Regel wurde hierbei auch der Anspruch formuliert, dass die Ausbildung den von internationalen Institutionen / Gremien aufgestellten Forderungen genügen sollte. Hierzu [...]

Arbeit zitieren:
Jeberien, Alexandra Juli 2002: Ausbildung für den Kulturgutschutz, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kulturgüter, Denkmalschutz, Schweden, Restaurierung, Konservierung

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