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Ausbildung und Gesundheit

Eine empirische Analyse zum Gesundheitsverhalten und Gesundheitserleben von Auszubildenden

Ausbildung und Gesundheit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Elisa Jurczyk
  • Abgabedatum: September 2008
  • Umfang: 92 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 16
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2455-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jurczyk, Elisa September 2008: Ausbildung und Gesundheit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gesundheitsförderung, Auszubildende, Gesundheitsverhalten, Krankheit, Ausbildung

Diplomarbeit von Elisa Jurczyk

Einleitung:

Im Zeitalter des „demographischen Wandels“, der von rückläufigen Geburtenraten und steigender Lebenserwartung geprägt ist und eine kontinuierliche Bevölkerungsabnahme zur Folge hat, wird es zukünftig immer weniger junge Menschen geben und die Bevölkerung daher kontinuierlich altern. Die weitreichenden Auswirkungen auf das Wirtschafts- und Sozialsystem in den kommenden Jahrzehnten zeigen bereits jetzt deutlichen Handlungsbedarf. Aufgrund dessen ist es für die Unternehmen sowie für die Sozialpolitik von großer Bedeutung, die Erwerbsfähigkeit der Menschen bis in ein relativ hohes Alter sicherzustellen und gesundheitsfördernde Maßnahmen sowohl im Betrieb als auch im Privatleben zu entwickeln und zu fördern. Ein weiterer Kernaspekt, welcher die Notwendigkeit betrieblicher Gesundheitsförderung unterstreicht, ist neben der Berücksichtigung des demographischen Wandels auch die Bekämpfung zunehmender Berufskrankheiten und steigender arbeitsbedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen.

Während die „herkömmliche Schulmedizin“ sich mit nachträglichen Behandlungen von bereits existierenden Krankheitsbildern auseinandersetzt, befasst sich die betriebliche Gesundheitsförderung hingegen mit präventiven Maßnahmen.

Neben der präventiven Bekämpfung diverser Berufskrankheiten steht hierbei besonders die Schaffung einer umfassenden Grundlage für psychisches-, physisches- und soziales Wohlbefinden am Arbeitsplatz im Vordergrund. Diese Zielsetzungen sind für alle Altersschichten der Arbeitnehmer von großer Bedeutung, im besonderen Maße jedoch für Jugendliche bzw. Auszubildende, für die sich der Übergang von der Schule in den Beruf als besondere Herausforderung darstellt. Gerade in der Jugendphase ist es wichtig ein grundlegendes Bewusstsein für Gesundheit und eine Basis für gesundes Leben am Arbeitsplatz zu schaffen, um ein nachhaltiges positives Gesundheitsverhalten bereits zum Einstieg in die Berufswelt zu erzielen. Die betriebliche Gesundheitsförderung kann daher einen wesentlichen Beitrag leisten.

Es ist nicht untypisch, dass bereits Kinder und Jugendliche an psychischen- und physischen Störungen leiden. Sie können jedoch durch frühzeitige Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention Bewältigungsverhalten erlernen, welche sich in spätere Lebensphasen übertragen lassen.

Die vorliegende Arbeit behandelt insbesondere die Themenbereiche der Gesundheitsförderung sowie das Gesundheitserleben und das Gesundheitsverhalten von jugendlichen Auszubildenden. Der Wechsel vom gewohnten Schulalltag in die Berufswelt stellt für Auszubildende zunächst eine ungewohnte Situation dar. Gerade dieser Situationswechsel kann bei Jugendlichen zu gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen führen, welche auch die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen negativ beeinflussen kann. Viele Auszubildende sind von Beginn an erhöhten psychischen- und physischen Belastungen ausgesetzt. Zu diesen Belastungen zählen u. a. Stress, hoher Leistungsdruck sowie auch ungewohnte körperliche Belastungen.

Um diesen Auswirkungen adäquat zu entgegnen, ist es für Unternehmen wichtig, jungen Berufseinsteigern entsprechende gesundheitsfördernde Maßnahmen aufzuzeigen. Dazu gehört auch innerhalb der beruflichen Ausbildung die Jugendlichen zu unterstützen eigene Verhaltensweisen zu entwickeln, um belastende Situationen angemessen zu bewältigen. Dies erfordert seitens eines Unternehmens beispielhaftes Vorangehen und Umsetzung gesundheitsfördernder Verhaltensweisen. Ein weiteres Thema dieser Arbeit bildet der Bereich des Gesundheitserleben- und verhalten von Auszubildenden, deren gezielte Betrachtung sich insbesondere der daher als notwendig ergibt, weil die Kindes- und Jugendphase sich auch durch ein riskantes Gesundheitsverhalten auszeichnet. Da entsprechendes Sicherheits- bzw. gesundheitsförderndes Verhalten bei jungen Menschen noch nicht vorhanden oder ausgeprägt ist, sollte spätestens im Verlauf der Berufsausbildung die Gesundheitsförderung, besonders durch das Aufzeigen und Erlernen von Präventionsmaßnahmen, die notwendige Beachtung erfahren.

Die vorliegende Arbeit unterteilt sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil, deren Aufbau im Folgenden erläutert wird.

Der theoretische Teil befasst sich zunächst grundlegend mit den Aspekten der Gesundheit, der Gesundheitsförderung, der Jugend und Gesundheit sowie der Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter. Hierbei wird an den bisherigen Lebenserfahrungen der Jugendlichen angeknüpft, um anhand von durchgeführten Studien zum Thema körperliche, psychische und soziale Gesundheit, das Gesundheitserleben und Gesundheitsverhalten zu beleuchten. Die Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter findet besondere Beachtung, da sich die überwiegende Mehrheit von Auszubildenden in der Jugendphase befindet und erst im Verlauf der Ausbildung oder im anschließenden Berufsleben den Erwachsenenstatus erlangt. Die Gesundheitsförderung im Jugendalter dient besonders der Vermeidung der Festigung riskanter Verhaltensweisen.

Basierend auf den theoretischen Konzepten folgt im empirischen Teil der vorliegenden Arbeit die Analyse einer umfangreichen Untersuchung zum Gesundheitsverhalten und Gesundheitserleben von Auszubildenden. Dabei wurden die Auszubildenden im Rahmen einer Projektarbeit anhand eines schriftlichen Fragebogens zu diesem Thema befragt. Ziel der Analyse ist es die Ergebnisse mit den theoretischen Grundlagen zu vergleichen, das Gesundheitserleben und –verhalten von Auszubildenden am Arbeitsplatz zu verdeutlichen und im Anschluss daran Möglichkeiten für gesundheitsfördernde Maßnahmen zu schaffen. Darüber hinaus sollte die Befragung den Auszubildenden die Möglichkeit bieten, individuelle „Wünsche“ an das Unternehmen im Bereich der Gesundheit am Arbeitsplatz zu äußern sowie Vorschläge für eine Verbesserung zu unterbreiten.

Aufgrund dessen, dass ein Unternehmen nur durch motivierte und gesunde Mitarbeiter richtig und effizient bestehen kann, ist es wichtig, auch auf die „Wünsche“ der Mitarbeiter im Bereich der betrieblichen Gesundheit einzugehen sowie diese zu unterstützen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 4
2. Theoretische Grundlagen 7
2.1 Begriffsbestimmung Gesundheit 7
2.1.1 Positiver Gesundheitsbegriff 8
2.1.2 Das salutogenesische Modell der Gesundheit nach Aaron Antonovsky 9
2.1.2.1 Das Kohärenzgefühl (sence of coherence SOC) 10
2.1.2.1.1 Die Entwicklung des Kohärenzgefühls 12
2.2 Gesundheitsförderung 14
2.2.1 Die Festlegung der Gesundheitsförderung durch die WHO 17
2.2.2 Rahmenbedingungen betrieblicher Gesundheitsförderung 19
2.2.2.1 Methoden betrieblicher Gesundheitsförderung 24
2.2.2.1.1 Grundlegender Aufbau eines BGF-Projektes 25
2.3 Jugend und Gesundheit 29
2.3.1 Die Jugendphase 29
2.3.2 Der Gesundheitsstatus von Jugendlichen 32
2.3.2.1 Die Ergebnisse des WHO – Jugendgesundheitssurveys zur körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit von Jugendlichen 36
2.3.2.1.1 Allgemeiner- und körperlicher Gesundheitsstatus 37
2.3.2.1.2 Psychische Gesundheit 39
2.3.2.1.3 Soziale Gesundheit 42
2.3.2.2 Zusammenfassung der Ergebnisse sowie präventive Maßnahmen für die Gesundheitsvorsorge 43
2.3.3 Gesundheitsverhalten von Jugendlichen 45
2.3.3.1 Risikoverhalten 47
2.3.3.1.1 Gesundheitliches Risikoverhalten 48
2.3.3.2 Die Ergebnisse der HBSC-Studie zum Thema Gesundheitsverhalten von Jugendlichen 50
2.3.4 Gesundheitliche Belastungen im Kindes- und Jugendalter 51
2.3.4.1 Psychische Belastungen 51
2.3.4.1.1 Stress 52
2.3.4.1.1.1 Die kognitiv-transaktionale Stresstheorie 53
2.3.4.1.2 Stresserleben im Kindes- und Jugendalter 56
2.4 Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter 58
2.4.1 Schulische Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung 59
2.4.1.1 Maßnahmen 61
2.4.2 Prävention und Gesundheitsförderung im Jugendalter 63
2.5 Gesundheitsförderung mit Auszubildenden 64
3. Empirische Analyse 67
3.1 Die schriftliche Befragung anhand eines Fragebogens 69
3.1.1 Aufbau des Fragebogens 70
3.1.2 Auswertung 71
3.1.3 Erläuterung der Ergebnisse sowie Bezug zur Theorie 80
4. Resümee 84
Literaturverzeichnis 86
Abkürzungsverzeichnis 88
Abbildungsverzeichnis 89
Anhang 91

Textprobe:

Kapitel 2.3.2 Der Gesundheitsstatus von Jugendlichen: Bis vor einigen Jahren hatte man der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen keine große Beachtung geschenkt, da dieser Altersbereich im Gegensatz zu anderen immer als „gesund“ empfunden wurde. Eine mögliche Ursache dieser Empfindung sind die geringen Erkrankungshäufigkeiten dieser Altersgruppe, weshalb sich die gesundheitspsychologische Forschung noch nicht ausreichend mit dieser Thematik auseinandergesetzt hatte. Es zeigt sich insbesondere im Jugendalter eine tendenziell negative Entwicklung von Gesundheit, verstärkt im Bereich der Unfälle sowie Suiziden.

Nach Schubert lassen sich zwei „historische Entwicklungen“ zum Gesundheitsstatus im Kindes- und Jugendalter feststellen. Die erste beobachtete Entwicklung bezieht sich auf die Abnahme der Häufigkeit von Infektionskrankheiten, welche auf die Verbesserung der medizinischen Versorgung zurückzuführen ist. Die zweite Entwicklung bezieht sich auf die Zunahme von gesundheitlichen Beeinträchtigungen Jugendlicher. Die Ursachen werden auf die veränderten Lebensgewohnheiten und Umweltbedingungen zurückgeführt, welche sich z.B. durch chronische Erkrankungen, psychosomatische Krankheiten sowie psychische Störungen äußern.

Im Bereich der Mortalität zeigt die Statistik des Bundesamtes für das Jahr 2001, dass mit dem Jugendalter die Mortalität dramatisch ansteigt. Die Statistik des Jahres 2001 verzeichnet bei 15- bis 20- Jährigen 43 Todesfälle auf 100.000 Jugendliche und eine bei männlichen Jugendlichen im Vergleich zu Weiblichen doppelt so hohe Sterblichkeitsrate. Unterschiede zwischen dem Kindes- und Jugendalter gibt es auch bei den Todesursachen. Während im Säuglingsalter die Todesursachen auf Schwangerschaftskomplikationen oder Atemstörungen etc. zurückzuführen sind, so sind die Todesursachen im Jugendalter überwiegend auf Verletzungen und Vergiftungen zurückzuführen, die meistens durch Unfälle geschehen. Dem Statistischen Bundesamt zufolge stehen Unfälle und Vergiftungen bei den 15- bis 20- Jährigen an erster Stelle.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der der Morbidität, welcher die Krankheitshäufigkeiten im Kindes- und Jugendalter beschreibt. Die „WHO-Vergleichsstudie Health Behaviour in school-aged Children“ (HBSC) hat sich mit den gesundheitlichen Beschwerden im Jugendalter befasst und eine Befragung im Jahre 2002 mit Jugendlichen aus 35 Ländern wie West-, Zentral- und Osteuropa sowie aus Nordamerika und Israel unternommen. Bei der deutschen Teilstichprobe ergab sich ein Stichprobenumfang von 5.640 Jugendlichen. Bei der Befragung zu körperlichen und psychosomatischen Beschwerden ging es um die Ermittlung der Häufigkeiten bestimmter Symptome wie z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Nacken- oder Schulterschmerzen. Nebenbei wurde ebenfalls die Befindlichkeit für diesen Zeitraum erhoben wie z.B. Gereiztheit, Schlafschwierigkeiten, Nervosität, Ängstlichkeit und Erschöpfung. Aus diesen einzelnen Aspekten, den sogenannten Einzel-Items wurde ein Gesamtindex erarbeitet, welcher „präzise“ Aussagen über den Geschlechts- sowie Alterseffekt erlaubt. Das Ergebnis zeigte, dass Mädchen mehr über Beschwerden klagen und dass diese im Laufe des Jugendalters zunehmen. Häufigste Symptome waren Müdigkeit und Erschöpfung; 25% fühlen sich „fast täglich“ oder „mehrmals in der Woche“ müde oder erschöpft, 21% erleben diese nach eigenen Angaben „fast jede Woche“.

In einer weiteren Studie von Lohaus, Fleer, Freytag und Klein-Heßling wurden bei Sieben- bis Zehnjährigen Befragungen zu gesundheitlichen Beschwerden und Symptomen durchgeführt. Das Ergebnis ähnelte dem der Befragung der Jugendlichen; 36% der Kinder nannten Erschöpfung als Hauptsymptom, weitere 36% waren zu der Zeit einmal erschöpft. Außerdem gaben 30% der Befragten an, mehrmals- und 29% einmal in der Woche unter Einschlafschwierigkeiten zu leiden; 15% gaben mehrmals- und 29% einmal wöchentlich Kopfschmerzen- und 11% mehrmals- und 30% einmal wöchentlich Bauchschmerzen an. Im Allgemeinen ging hervor, dass bereits im Grundschulalter gesundheitliche Beschwerden bei Kindern deutlich zu erkennen sind.

Um gesundheitliche Beschwerden im Kindes- und Jugendalter mit präziseren Angaben zu untermauern, bieten neben den Selbstberichten auch Fremdberichte eine wichtige Grundlage zur Erhebung genannter Informationen. In einer Befragung von Stahl, Crijnen, Döpfner und Verhulst wurden die Eltern der 4- bis 17 jährigen Kinder und Jugendlichen zum Gesundheitszustand befragt. Hierbei stellten 14% der Eltern Kopfschmerzen bei ihren Kindern fest, 10% Bauchschmerzen, 9% Müdigkeit und 6% Schwindel. Auch wenn der Stichprobenumfang dieser Befragung geringer als der Umfang zu den Selbstberichten war, sind die geringeren Angaben der Ergebnisse der Fremdberichte nicht auf Unterschätzung der Eltern zurückzuführen, sondern Resultat des geringen Zusammenhangs zwischen Selbst- und Fremdberichten.

Neben den genannten Fremdberichten zeigen auch weitere Ergebnisse anderer Erhebungen die gesundheitlichen Beschwerden und Symptome im Kindes- und Jugendalter, wie z.B. die in folgender Abb. dargestellte Statistik des Bundesamtes aus dem Jahre 2003 zu den Krankheits- und Verletzungshäufigkeiten im Altersquerschnitt.

Hieraus geht ein kontinuierlicher Rückgang der Krankenstände von den jüngsten Altersgruppen bis hin zum frühen Jugendalter hervor. Sechs Prozent der Kinder unter fünf Jahren wurden während der Erhebungsphase als krank bezeichnet, bei den 10- bis 15 Jährigen hingegen wurde ein Rückgang von etwa zwei Prozent verzeichnet. Ab der mittleren Adoleszenz ist ein kontinuierlicher Anstieg der Krankheits- und Verletzungshäufigkeiten bei Jugendlichen dokumentiert.

Die Dunkelziffer zur Morbidität von Kindern und Jugendlichen wird deutlich höher geschätzt als in erwähnten Krankenstatistiken nachgewiesen werden kann. So haben Bergmann, Bergmann und Kamtsiuris festgestellt, dass in nahezu jeder vierten Familie mindestens ein chronisch krankes Kind lebt. „Zu den häufigsten chronischen Krankheiten zählen dabei Allergien, Adipositas, Asthma, Neurodermitis und Kopfschmerzen.“ Im Bereich der psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter wurde festgestellt, dass Jugendliche stärker betroffen sind als andere Altersgruppen. Ab der Pubertät treten u.a. verstärkt folgende Störungen auf; „depressives Syndrom, Schizophrenien, Zwangsstörungen, Sozialphobien, Anorexia nervosa, dissoziales Verhalten, Drogenabhängigkeit und Suizidversuche“.

Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass bereits Kinder und Jugendliche unter psychosomatischen Symptomen leiden können, welche sich z. T. über das Jugendalter hinaus erstrecken. Hierdurch wird die Notwendigkeit zur Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen unterstrichen, um derartigen gesundheitlichen Störungen präventiv entgegen zu wirken.

Kapitel 2.3.2.1, Die Ergebnisse des WHO - Jugendgesundheitssurveys zur körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit von Jugendlichen: In der von der WHO unterstützten Studie „Health Behaviour in school-aged Children (HBSC)” wurde im Jahr 2002 durch diverse Befragungen die körperliche-, psychische- und soziale Gesundheit von Jugendlichen untersucht. „Im Rahmen der subjektiven körperlichen Gesundheit wurden daher folgende wichtige Bereiche in dem Fragebogen berücksichtigt: der selbsteingeschätzte allgemeine Gesundheitszustand, Alltagseinschränkende chronische Erkrankungen bzw. Behinderungen, behandlungsbedürftige Verletzungen, Allergien, Zahngesundheit, sexuelle Reife, Körpergewicht und -größe sowie körperliches Wohlbefinden.“ Aufgrund dieser Auswahl kann die körperliche Gesundheit von Jugendlichen relativ umfassend festgestellt werden, um hieraus Rückschlüsse auf notwendige Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen zu ziehen. In der HBSC-Studie wird das subjektive Gesundheitsempfinden im Kindes- und Jugendalter als ein entscheidender Aspekt für die Gesundheitsförderung betrachtet. Große Unterschiede finden sich dabei bei den Geschlechtern sowie beim Wohlstands- und Bildungsniveau. Es ist wichtig den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben ihre Gesundheit selbst einzuschätzen, denn nur durch subjektive Informationen können objektive Gesundheitsbezogene Ergebnisse vorhersagbar sein, die dann für die Gesundheit eine wichtige Rolle spielen.

Kapitel 2.3.2.1.1 Allgemeiner- und körperlicher Gesundheitsstatus: In der HBSC-Studie wurde anhand von Fragebogen ermittelt wie Jugendliche ihren Gesundheitszustand selbst einschätzen. In der folgenden Tabelle wird die Einschätzung des Allgemeinen Gesundheitsstatus nach Jahrgangsstufen und Geschlecht dargestellt.

85,2% der befragten Jugendlichen schätzten ihren allgemeinen Gesundheitszustand als ausgezeichnet oder gut ein. Hierbei wurden geschlechts- und altersabhängige Unterschiede festgestellt. 88,4% der Jungen und 82% der Mädchen bezeichneten ihren Gesundheitszustand als ausgezeichnet oder gut. Des Weiteren finden sich Unterschiede im Bereich der Klassenstufen. Dabei zeigte sich, dass jüngere Schüler und Schülerinnen ihren Gesundheitsstatus positiver beurteilten als ältere.

Bei den 5.-Klässlern beurteilten 88,6%-, bei den 7-Klässlern 84%- und bei den 9. Klässlern lediglich 82,8% ihren subjektiven Gesundheitszustand als ausgezeichnet oder gut.

Im Bereich des körperlichen Gesundheitsstatus wurden 5650 Schülerinnen und Schüler zu möglichen Leiden an chronischen Krankheiten oder Behinderungen befragt Hierbei gaben 11,5% der Befragten an, an einer chronischen Krankheit oder Behinderung zu leiden, die sie auch im Alltagsleben beeinträchtigt. Somit fühlt sich etwa jeder Zehnte der Befragten in Deutschland aufgrund seiner chronischen Erkrankung oder Behinderung im Alltag beeinträchtigt. Auf die Art und den Schweregrad der Erkrankung und auf das Ausmaß der Einschränkung im Alltag lässt sich von den Ergebnissen jedoch nicht schließen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt zur körperlichen Gesundheit ist die Erhebung der Anzahl der behandlungsbedürftigen Verletzungen, da diese die körperliche Gesundheit mitbestimmen und beeinflussen. Wie auch schon im Kapitel 2.3.2 erläutert, sind die meisten Todesursachen bei Jugendlichen auf Unfälle zurückzuführen. Das Unfallrisiko ist im Jugendalter durch die hohe Anzahl von Sporttreibenden maximal. Bei der Befragung der HBSC-Studie ergab sich, dass bei über die Hälfte der Befragten keine behandlungsbedürftigen Verletzungen in den letzten 12 Monaten auftraten. Dennoch wurden auch hier geschlechtsspezifische Unterschiede festgestellt.

So ergab die Analyse der Befragung eine höhere Verletzungshäufigkeit bei Jungen. Im Bereich der Allergien wurde ein zunehmender Trend festgestellt. Bereits im Kindes- und Jugendalter ist ein hoher Anstieg von Allergien verzeichnet. Aufgrund dessen gewann die Befragung nach Allergien auch im Rahmen der HBSC-Studie an Bedeutung. Im Ergebnis gaben 40,6% der Mädchen und 34,5% der Jungen ein Leiden an einer Allergie an. Hierbei zählen zu den häufigsten Allergien: Heuschnupfen, Stauballergie und Allergien gegen Tierhaare oder Federn.

Bei der Zahngesundheit wurden hingegen eher positive Ergebnisse eruiert. Hierbei gaben 96,6% aller befragten Schülerinnen und Schüler an, sich mindestens einmal am Tag die Zähne zu putzen. Es sind weiterhin geschlechtspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Die Analyse geschlechtsspezifischer Unterschiede zeigte, dass sich Mädchen häufiger die Zähne putzen als Jungen. Aufgrund dessen sollte der „Risikogruppe“ der Jungen in Bezug auf relevante Präventionsmaßnahmen besondere Beachtung geschenkt werden.

Der Bereich des Körpergewichtes und der Körpergröße ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Befragung der HBSC-Studie. Seit einigen Jahren ist eine deutliche Zunahme des Köpergewichtes bei Kindern und Jugendlichen festgestellt worden. Bei dieser Umfrage musste jedoch auf die Objektivität der Daten (Körpergewicht u. -größe) verzichtet werden, da die Befragten den Fragebogen selbst ausfüllten eine genaue Messung durch Dritte nicht stattfand.

Im Bereich des körperlichen Wohlbefindens wurden die Schülerinnen und Schüler gefragt; „ob sie sich in der letzten Woche „krank gefühlt“ haben, „Kopf- oder Bauchschmerzen“ hatten, „müde und schlapp“ waren und ob sie „viel Ausdauer und Kraft“ hatten.“ Die Ergebnisse dieser Befragung zeigten erneut deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Demnach fühlten sich Jungen weniger häufig krank, müde etc. als Mädchen und fühlten sich dementsprechend auch subjektiv besser.

Zusammenfassend lassen sich bei der Betrachtung der Ergebnisse der HBSC-Studie signifikante Zusammenhänge zwischen den Variablen zur körperlichen Gesundheit feststellen. Jugendliche schätzen ihre Gesundheit besser ein, wenn sie nicht an chronischen Krankheiten leiden und in der jüngeren Vergangenheit keine Verletzungen erlitten. Die Ergebnisse verdeutlichen zudem bemerkenswerte Unterschiede in der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes zwischen den Geschlechtern sowie in Abhängigkeit des Alters. So bewerten sich ältere Jugendliche häufig schlechter als junge Schülerinnen und Schüler. Diese Erkenntnisse bilden eine wertvolle Grundlage zur Entwicklung gesundheitsförderlicher Maßnahmen, im Besonderen für Jugendliche in der Berufsausbildung.

In den Folgenden Kapiteln werden neben dem erwähnten allgemeinen und körperlichen Gesundheitsstatus die psychische und soziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen anhand der Ergebnisse der HBSC-Studie behandelt.

Arbeit zitieren:
Jurczyk, Elisa September 2008: Ausbildung und Gesundheit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gesundheitsförderung, Auszubildende, Gesundheitsverhalten, Krankheit, Ausbildung

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