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Ausbildung für die Arbeitslosigkeit

Strukturelle Defizite des Deutschen Dualen Systems der Berufsausbildung und Ansätze zur Modernisierung

Ausbildung für die Arbeitslosigkeit
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Ralf Werner
  • Abgabedatum: Mai 2006
  • Umfang: 83 Seiten
  • Dateigröße: 705,3 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • Bibliografie: ca. 110
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0213-6
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0213-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Werner, Ralf Mai 2006: Ausbildung für die Arbeitslosigkeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Deutschland, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Berufsausbildung, Duales System

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Staatsexamensarbeit von Ralf Werner

Einleitung:

Seit den frühen 70er Jahren lässt sich in den meisten OECD-Staaten ein Anstieg der Arbeitslosigkeit erkennen. Die Kontinuität und Dauer dieser Arbeitsmarktentwicklung verursacht auch in Deutschland wachsende individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme. Für die meisten Menschen hat der Verlust ihres Arbeitsplatzes eine Verminderung ihres Lebensstandards und psychische Probleme zur Folge. Eine hohe Arbeitslosigkeit hat destabilisierende Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ökonomisch betrachtet stellt sie eine grobe Verzerrung der Allokation von Ressourcen dar. Während einerseits ein großer Teil des Produktionsfaktors Arbeit ungenutzt bleibt und damit das tatsächliche Volkseinkommen hinter dem Möglichen zurückbleibt, werden andererseits die sozialen Sicherungssysteme erheblich belastet.

Die Arbeitsmarktentwicklung ist verbunden mit einem tief greifenden Strukturwandel der Wirtschaft, der zu einer deutlichen Verlagerung der Beschäftigungsentwicklung führt. Während die Zahl der Erwerbstätigen in produzierenden Tätigkeitsfeldern sinkt, steigt sie in tertiären Tätigkeitsfeldern kontinuierlich an. Dual ausgebildete Fachkräfte sind von dieser Entwicklung besonders betroffen. Aufgrund ihrer Ausbildung gelingt ihnen zwar ein vergleichsweise reibungsloser Übergang von der Schule in das Berufsleben. Diesem stehen aber wachsende Arbeitslosigkeitsrisiken in späteren Lebensjahren gegenüber. Das begründet die Vermutung, dass es den Absolventen dieses Bildungsweges weniger gut gelingt, sich den rasch wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes genügend anzupassen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die beobachtbare Arbeitsmarktentwicklung theoretisch fundiert und in Übereinstimmung mit den stilisierten Fakten zu erklären. Insbesondere geht es darum, den Wirkungszusammenhang zwischen dem strukturellen Wandel der Wirtschaft und der qualifikatorischen Beschäftigungsentwicklung auszuleuchten, um auf Grundlage dieser Analyse Ansätze zur Modernisierung des Dualen Systems der Berufsausbildung aufzuzeigen.

Gang der Untersuchung:

Um diesen Themenkomplex näher zu untersuchen, werden im Kapitel 2 zunächst die stilisierten aggregierten Merkmale der Arbeitsmarktentwicklung dargestellt. Durch den internationalen Vergleich der empirischen Fakten kann herausgestellt werden, dass eine allgemeine Entwicklung der Arbeitslosigkeit betrachtet wird. Für das Verständnis der zugrunde liegenden Prozesse werden anschließend die strukturellen Merkmale dieser Veränderungen dargestellt.

Das dritte Kapitel beginnt mit einem kurzen Überblick zu den Arbeitsmarkttheorien, die geeignet erscheinen die empirischen Fakten zu erklären. Es folgt eine vertiefende theoretische und empirische Diskussion dieser Erklärungsansätze. Dabei wird neben der „Hysterese-Hypothese“ und den „Insider-Outsider-Modellen“ auf den „Flow Approach to Labormarkets“ eingegangen, da der „Mismatch-Hypothese“ erhebliche Bedeutung zukommt.

Das zunehmende Nebeneinander von offenen Stellen und Arbeitslosigkeit ist mit dem Strukturwandel der Wirtschaft verbunden, der in Kapitel 4 erläutert wird. Hier wird die Verlagerung der qualifikatorischen Struktur der Arbeitsnachfrage vor dem Hintergrund der Tertiarisierung der Wirtschaft beschrieben. Im Vergleich zu dem schrumpfenden Bereich der Produktion erfordern die expandierenden tertiären Tätigkeitsbereiche andere und höhere Qualifikationen von den Beschäftigten. Das qualifikatorische und berufsbedingte Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt wird in erheblichem Umfang durch das Ausbildungssystem verursacht, welches die Fachkräfte nur unzureichend auf die sich ändernden Anforderungen vorbereitet.

Welche Ansätze zur Modernisierung für das von rund 60 Prozent aller Schulabgänger nachgefragte Duale Berufsausbildungssystem in Betracht kommen, soll in Kapitel 5 diskutiert werden. Dabei erfolgt eine Konzentration auf drei Forschungsrichtungen. Zunächst wird die Früherkennungsforschung thematisiert. Sie versucht Veränderungen des künftigen Qualifikationsbedarfs vorherzusagen, um die berufliche Bildung zu aktualisieren. Das Potenzial der diskutierten Modularisierungskonzepte liegt in der Flexibilisierung, Differenzierung und Individualisierung des Ausbildungssystems.

Den Befürwortern des Lernfeldkonzeptes geht es schließlich um eine kompetenzbasierte Wende, da die traditionellen Qualifikationen nicht geeignet erscheinen, um sich in der Dynamik des Wandels zurechtzufinden.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS: IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS: V
TABELLENVERZEICHNIS: VI
ZUSAMMENFASSUNG 1
1. EINFÜHRUNG 2
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG 2
1.2 AUFBAU DER ARBEIT 3
2. STILISIERTE EMPIRISCHE FAKTEN DER ARBEITSLOSIGKEIT 4
2.1 MERKMALE DER AGGREGIERTEN ARBEITSMARKTENTWICKLUNG 4
2.1.1 Anstieg der aggregierten Arbeitslosigkeit 4
2.1.2 Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit 5
2.1.3 Verlagerung der Beveridge-Kurve 7
2.2 STRUKTURELLE MERKMALE DER ARBEITSMARKTENTWICKLUNG 8
2.2.1 Relativ geringe Jugendarbeitslosigkeit 8
2.2.2 Entwicklung der relativen Bildungsbeteiligung 9
2.2.3 Relativ hohes Arbeitslosigkeitsrisiko in späteren Lebensjahren 10
2.2.4 Geringe relative Weiterbildungsbereitschaft 11
2.2.5 Beschäftigungsentwicklung nach Sektoren 12
2.2.6 Beschäftigungsentwicklung nach Tätigkeitsgruppen 14
2.3 ZUSAMMENFASSUNG 15
3. ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZUR ARBEITSLOSIGKEIT 16
3.1 EIN ÜBERBLICK 16
3.2 HYSTERESE 19
3.2.1 Zentrale Annahmen und Hypothesen 19
3.2.2 Empirische Evidenz und Kritik 20
3.3 INSIDER-OUTSIDER-MODELLE 21
3.3.1 Zentrale Annahmen und Hypothesen 21
3.3.2 Empirische Evidenz und Kritik 21
3.4 THE FLOW APPROACH TO LABOUR MARKETS 23
3.4.1 Zentrale Annahmen und Konzept 23
3.4.2 Ein einfaches Modell 23
3.4.3 Die Beveridgekurve 26
3.4.4 Empirische Evidenz 27
3.5 ZUSAMMENFASSUNG 29
4. STRUKTURWANDEL DER WIRTSCHAFT 30
4.1 GRUNDLINIEN UND DETERMINANTEN DER TERTIARISIERUNG 30
4.1.1 Produktivitäts-Bias und Nachfrage-Bias 30
4.1.2 Strukturveränderungen auf der Angebotsseite 31
4.1.3 Strukturveränderungen auf der Nachfrageseite 33
4.1.4 Globalisierung von Märkten und Unternehmensstrukturen 34
4.1.5 Strukturveränderungen in der Arbeitsnachfrage 36
4.2 INNOVATIONSPOTENTIALE DER TERTIARISIERUNG 36
4.2.1 Veränderungen in der Unternehmensorganisation 37
4.2.2 Veränderung der Arbeitsverhältnisse und -organisation 38
4.2.3 Veränderung der globalen Marktstrukturen 38
4.2.4 Veränderung der Qualifikationsanforderungen 40
4.3 BESCHÄFTIGUNGSPOTENTIALE DER TERTIARISIERUNG 41
4.3.1 Projektionen des Arbeitskräftebedarfs 41
4.3.2 Qualifikationsdefizite in dienstleistungsintensiven Branchen 42
4.3.3 Qualifikationsdefizite in IuK-Technologie intensiven Branchen 44
4.3.4 Anforderungen an die Flexibilität des Arbeitsmarktes 45
4.3.5 Sektorale bzw. qualifikatorische Mobilität und Lohndifferenzierung 48
4.3.6 Bildung von Humankapital für Beschäftigung und Wachstum 49
4.4 ZUSAMMENFASSUNG 49
5. MODERNISIERUNG DER DUALEN BERUFSAUSBILDUNG 50
5.1 EIN ÜBERBLICK 50
5.2 AKTUALISIERUNG UND FLEXIBILISIERUNG DER BERUFSAUSBILDUNG 51
5.2.1 Früherkennung von Qualifikationsprofilen 51
5.2.2 Modularisierung der Berufsausbildung 52
5.3 KOMPETENZEN UND IHRE FÖRDERUNG IM LERNFELDKONZEPT 54
5.3.1 Der Kompetenzbegriff in der Deutschen Wirtschaftspädagogik 54
5.3.2 Handlungsorientierung als didaktisch methodisches Konzept 56
5.3.3 Lernen in komplexen Lehr-Lernarrangements 57
5.3.4 Das Lernfeldkonzept als curricularer Modernisierungsansatz 58
5.4 ZUSAMMENFASSUNG 59
6. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK 60
ANHANGVERZEICHNIS 62
LITERATURVERZEICHNIS 66

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS: IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS: V
TABELLENVERZEICHNIS: VI
ZUSAMMENFASSUNG 1
1. EINFÜHRUNG 2
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG 2
1.2 AUFBAU DER ARBEIT 3
2. STILISIERTE EMPIRISCHE FAKTEN DER ARBEITSLOSIGKEIT 4
2.1 MERKMALE DER AGGREGIERTEN ARBEITSMARKTENTWICKLUNG 4
2.1.1 Anstieg der aggregierten Arbeitslosigkeit 4
2.1.2 Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit 5
2.1.3 Verlagerung der Beveridge-Kurve 7
2.2 STRUKTURELLE MERKMALE DER ARBEITSMARKTENTWICKLUNG 8
2.2.1 Relativ geringe Jugendarbeitslosigkeit 8
2.2.2 Entwicklung der relativen Bildungsbeteiligung 9
2.2.3 Relativ hohes Arbeitslosigkeitsrisiko in späteren Lebensjahren 10
2.2.4 Geringe relative Weiterbildungsbereitschaft 11
2.2.5 Beschäftigungsentwicklung nach Sektoren 12
2.2.6 Beschäftigungsentwicklung nach Tätigkeitsgruppen 14
2.3 ZUSAMMENFASSUNG 15
3. ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZUR ARBEITSLOSIGKEIT 16
3.1 EIN ÜBERBLICK 16
3.2 HYSTERESE 19
3.2.1 Zentrale Annahmen und Hypothesen 19
3.2.2 Empirische Evidenz und Kritik 20
3.3 INSIDER-OUTSIDER-MODELLE 21
3.3.1 Zentrale Annahmen und Hypothesen 21
3.3.2 Empirische Evidenz und Kritik 21
3.4 THE FLOW APPROACH TO LABOUR MARKETS 23
3.4.1 Zentrale Annahmen und Konzept 23
3.4.2 Ein einfaches Modell 23
3.4.3 Die Beveridgekurve 26
3.4.4 Empirische Evidenz 27
3.5 ZUSAMMENFASSUNG 29
4. STRUKTURWANDEL DER WIRTSCHAFT 30
4.1 GRUNDLINIEN UND DETERMINANTEN DER TERTIARISIERUNG 30
4.1.1 Produktivitäts-Bias und Nachfrage-Bias 30
4.1.2 Strukturveränderungen auf der Angebotsseite 31
4.1.3 Strukturveränderungen auf der Nachfrageseite 33
4.1.4 Globalisierung von Märkten und Unternehmensstrukturen 34
4.1.5 Strukturveränderungen in der Arbeitsnachfrage 36
4.2 INNOVATIONSPOTENTIALE DER TERTIARISIERUNG 36
4.2.1 Veränderungen in der Unternehmensorganisation 37
4.2.2 Veränderung der Arbeitsverhältnisse und -organisation 38
4.2.3 Veränderung der globalen Marktstrukturen 38
4.2.4 Veränderung der Qualifikationsanforderungen 40
4.3 BESCHÄFTIGUNGSPOTENTIALE DER TERTIARISIERUNG 41
4.3.1 Projektionen des Arbeitskräftebedarfs 41
4.3.2 Qualifikationsdefizite in dienstleistungsintensiven Branchen 42
4.3.3 Qualifikationsdefizite in IuK-Technologie intensiven Branchen 44
4.3.4 Anforderungen an die Flexibilität des Arbeitsmarktes 45
4.3.5 Sektorale bzw. qualifikatorische Mobilität und Lohndifferenzierung 48
4.3.6 Bildung von Humankapital für Beschäftigung und Wachstum 49
4.4 ZUSAMMENFASSUNG 49
5. MODERNISIERUNG DER DUALEN BERUFSAUSBILDUNG 50
5.1 EIN ÜBERBLICK 50
5.2 AKTUALISIERUNG UND FLEXIBILISIERUNG DER BERUFSAUSBILDUNG 51
5.2.1 Früherkennung von Qualifikationsprofilen 51
5.2.2 Modularisierung der Berufsausbildung 52
5.3 KOMPETENZEN UND IHRE FÖRDERUNG IM LERNFELDKONZEPT 54
5.3.1 Der Kompetenzbegriff in der Deutschen Wirtschaftspädagogik 54
5.3.2 Handlungsorientierung als didaktisch methodisches Konzept 56
5.3.3 Lernen in komplexen Lehr-Lernarrangements 57
5.3.4 Das Lernfeldkonzept als curricularer Modernisierungsansatz 58
5.4 ZUSAMMENFASSUNG 59
6. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK 60
ANHANGVERZEICHNIS 62
LITERATURVERZEICHNIS 66

Textprobe:

Kapitel 4.2.1, Strukturveränderungen auf der Angebotsseite: Die Existenz eines Produktivitäts-Bias ist für viele OECD-Länder wiederholt empirisch nachgewiesen worden. Problematisch war jedoch der Strukturwandel in Deutschland, denn in den siebziger und achtziger Jahren war der Produktivitätsfortschritt im deutschen Dienstleistungssektor ähnlich hoch wie im industriellen Sektor.

Gegenüber der Zeit vor 1990 hat die deutsche Wirtschaft jedoch ihre Sonderstellung im inter-nationalen Vergleich verloren. Denn seit der Wiedervereinigung ist auch für Deutschland ein ausgeprägter Produktivitäts-Bias festzustellen. Innerhalb des tertiären Sektors ist die Entwicklung allerdings sehr heterogen. Die unterschiedlichen Produktivitätspotentiale der verschiedenen Dienstleistungsbranchen lassen sich analytisch mit einer Klassifizierung von Bhagwati erfassen, der zwischen gebundenen und ungebundenen Dienstleistungen unterscheidet.

Gebundene Dienstleistungen sind auf die räumliche Nähe zum Kunden angewiesen, wobei je nach Branche der Konsument den Anbieter aufsucht oder umgekehrt. Ein Beispiel dafür sind Gesundheitsdienste. Der unmittelbare Arbeitseinsatz des Produzenten bildet den Kern der Dienstleistung, weshalb auch Automatisierungs- oder Rationalisierungspotentiale nur begrenzt bestehen. Ungebundene Dienstleistungen erfordern nicht unbedingt den persönlichen Kontakt bzw. die räumliche Nähe zwischen Leistungsnehmer und Leistungsanbieter. Hierzu gehören etwa Bank- und Versicherungsdienste. Für ungebundene Dienstleistungen bestehen mittlerweile durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien hohe Innovations- und Produktivitätspotentiale. Tatsächlich sind in Deutschland vor allem die Dienstleistungsbranchen expandiert, die als „ungebunden“ bezeichnet werden können. Deutliche Produktivitätsfortschritte durch Rationalisierungen haben Banken und Versicherungen sowie Verkehr und Nachrichtenübermittlung erzielen können. Fortschritte bei den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien haben hier vielfältige Innovationspotentiale eröffnet und dazu geführt, dass der Produktivitätsfortschritt in diesem Segment des Dienstleistungssektors mittlerweile deutlich über den der Industrie hinausgeht.

Bei den gebundenen Dienstleistungen ist hingegen der Produktivitätsfortschritt nach wie vor schwach. Aufgrund der relativ starken Streuung der einzelnen Ergebnisse und ihrer Schwankungen im Zeitablauf ist schwer abschätzbar, ob sich der diagnostizierte Produktivitäts-Bias für den gesamten Dienstleistungssektor auch künftig als stabil erweisen wird.

Die Strukturveränderungen auf der Nachfrageseite entwickeln sich ebenfalls nicht vollkommen modellkonform: Zwar gibt es einen ausgeprägten Nachfrage-Bias zu Gunsten der Dienstleistungen, doch diese Nachfrageverschiebung ist nur etwa zur Hälfte auf die vermehrte Dienstleistungsnachfrage der Haushalte zurückzuführen. Darüber hinaus hat der Dienstleistungssektor von einer vermehrten Vorleistungsnachfrage profitiert. Besonders stark expandierte die intrasektorale Vorleistungsnachfrage innerhalb des tertiären Sektors, was auf eine zunehmende Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Dienstleistungsbranchen hindeutet. Gestiegen ist aber auch die Vorleistungsnachfrage des primären und sekundären Sektors. Hierfür gibt es im wesentlichen zwei Erklärungshypothesen:

Die Externalisierungshypothese besagt, dass die Unternehmen vormals selbst erstellte Dienstleistungen, etwa in den Bereichen Marketing, Rechtsberatung und Finanzplanung, zunehmend von außen beziehen. Mit Hilfe dieser Outsourcing- und Lean-Management-Strategien versuchen die Unternehmen, die Spezialisierungs- und Größenvorteile der Dienstleistungsanbieter zur Steigerung der Unternehmenseffizienz zu nutzen. Nach der Innovationshypothese werden herkömmliche Güter zunehmend durch qualitativ neuartige Güter verdrängt, deren Produktion einen hohen Anteil tertiärer Aktivitäten erfordert. Die zunehmend differenziertere Nachfrage sowie verkürzte Produktlebenszyklen zwingen die Unternehmen dazu, vermehrt Dienstleistungen als Vorprodukte einzusetzen, um im Qualitäts- und Preiswettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. „Customizing“, das heißt die maßgeschneiderte Produktanpassung an den Kunden, ist hier das zentrale Schlagwort.

Einen Ansatz zur empirischen Prüfung dieser Hypothesen bietet der Mikrozensus, der vom Statistischen Bundesamt als jährliche, repräsentative Haushaltsstichprobe erhoben wird. In der Statistik über die Berufsgruppen der Erwerbstätigen wird die Verteilung der Beschäftigten auf rund einhundert verschiedene Berufe erhoben, welche sich relativ eindeutig den primären, sekundären und tertiären Tätigkeiten zuordnen lassen.

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Arbeit zitieren:
Werner, Ralf Mai 2006: Ausbildung für die Arbeitslosigkeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Deutschland, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Berufsausbildung, Duales System

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