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Auktionen als alternative Preisfeststellungs- und Plazierungsverfahren bei Aktienemissionen?

Eine ökonomische Analyse unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der Emittenten und der potentiellen Anleger

Auktionen als alternative Preisfeststellungs- und Plazierungsverfahren bei Aktienemissionen?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sebastian Reiff
  • Abgabedatum: Januar 2001
  • Umfang: 79 Seiten
  • Dateigröße: 990,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4872-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4872-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4872-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reiff, Sebastian Januar 2001: Auktionen als alternative Preisfeststellungs- und Plazierungsverfahren bei Aktienemissionen?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: IPO, Aktienemission, Auktionsverfahren, Bookbuildingverfahren, Underpricing

Diplomarbeit von Sebastian Reiff

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit dient der Erörterung der Frage, ob die Anwendung von Auktionsmechanismen zur Preisfeststellung und Plazierung im Rahmen von Aktienemissionen Verbesserungen für die beteiligten Interessengruppen, insbesondere Emittenten und potentielle Investoren, erwarten läßt.

Dazu werden in Kapitel 2 die theoretischen Grundlagen von Aktienemissionen bzw. Emissionsverfahren erläutert. Als zentrale und für die vorliegende Arbeit maßgebliche Aspekte eines Emissionsverfahrens werden die Preisfeststellung, die Plazierung und die Zuteilung identifiziert, wobei der Aspekt der Plazierung neben der reinen Distribution der Titel vor allem die Übernahme der Preis- und Plazierungsrisiken beinhaltet.

Das mittlerweile tradierte Festpreisverfahren ist in der Vergangenheit vermehrt in die Kritik geraten: bei Emittenten aufgrund der nicht marktgerechten Preisfixierung, bei Investoren wegen des meist intransparenten Zuteilungsprocederes. Als Standardverfahren ist heute in Deutschland das Bookbuilding-Verfahren etabliert. Die frühzeitige Einbeziehung der Preis- und Mengenvorstellungen der Nachfrager hat das Pricing deutlich verbessert.

Die mehrfach überzeichneten IPOs mit Zeichnungsgewinnen von zum Teil über 200% zum Ende der 90er Jahre offenbaren jedoch die verfahrensbedingten Schwächen des Bookbuilding-Verfahrens. Das Preisfeststellungsverfahren ist trotz Bookbuilding-Spanne nach wie vor nicht auf den Ausgleich von Angebot und Nachfrage ausgelegt, da die Grenzen des Intervalls auf mehr oder weniger traditionellen Unternehmensbewertungsverfahren beruhen. Die zum Teil recht kleinen Emissionsvolumina und die ungeheure Nachfrage nach IPOs, insbesondere am Neuen Markt, führten teilweise zu erheblichen Repartierungen der Zeichnungsaufträge, was Unmut bei vielen Privatanlegern stiftete. Forderungen nach (mehr) Gerechtigkeit bei der Börseneinführung von Aktien erwecken den Eindruck, bei IPOs gebe es Zeichnungsgewinne geschenkt und Zeichner hätten darauf auch noch einen rechtmäßigen Anspruch. Aktien-Experten wie WENGER oder VON ROSEN setzen sich daher für ein alternatives Emissionsverfahren ein: das Auktions- bzw. Tenderverfahren.

Die in Kapitel 3 vorgestellten Grundlagen der Auktionstheorie, insbesondere die Eigenschaft von Auktionsverfahren, eine effiziente Ressourcenallokation und Preisbildung zu gewährleisten, bilden die Ausgangsbasis für einen kritischen Vergleich der drei Emissionsverfahren in Kapitel 4.

Die Stärken des Auktionsverfahren, Aktienangebot und -nachfrage über marktgerechte Emissionspreise zum Ausgleich zu bringen, ist evident. Nicht ignoriert werden sollten jedoch auch die Schwächen dieses Verfahrens: An oberster Stelle steht hierbei das Preis- und Plazierungsrisiko. Dieses kann jedoch durch geeignete Vereinbarungen zumindest teilweise vom Emittenten an den Emissionsbegleiter übertragen werden. Andere Kritikpunkte, die in der Literatur vorgetragen werden, sind entweder nicht stichhaltig oder nur sehr schwach: Es ist schwer zu begründen, warum bei Aktien die Preisbildung zwar ab dem ersten Handelstag dem Marktmechanismus anvertraut wird, bei der Börseneinführung selber dieser jedoch ausgeschaltet oder wesentlich behindert wird.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
SYMBOLVERZEICHNIS VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Ziele der Arbeit 1
1.2 Gang der Untersuchung 2
2. Aktienemission 4
2.1 Begriffsdefinition 4
2.2 Beteiligte und ihre Ziele bei Aktienemissionen 5
2.2.1 Emittent 5
2.2.2 Investoren 7
2.2.3 Emissionsbegleiter 8
2.2.4 Staat 11
2.2.5 Zusammenfassung der Zielkonflikte der Beteiligten 12
2.3 Emissionsverfahren 13
2.3.1 Grundlagen 13
2.3.2 Preisfeststellung 14
2.3.3 Plazierung 15
2.3.3.1 Einführung 15
2.3.3.2 Selbstemission 15
2.3.3.3 Fremdemission 16
2.3.4 Zuteilung 19
3. Auktionstheorie 23
3.1 Grundlagen 23
3.2 Auktionsformen 24
3.3 Auktionsmodelle 27
3.4 Bietstrategien und optimale Auktionsform 29
3.5 Tenderverfahren 32
4. Kritischer Vergleich verschiedener Emissionsverfahren 36
4.1 Festpreisverfahren 36
4.1.1 Darstellung des Festpreisverfahrens 36
4.1.2 Underpricing-Phänomen 37
4.1.2.1 Einführung 37
4.1.2.2 Ursachen des Underpricing-Phänomens 39
4.1.2.2.1 Überblick 39
4.1.2.2.2 Underpricing als Signalmechanismus 40
4.1.2.2.3 Underpricing als Werbung 41
4.1.2.3 Zusammenfassung und Maßnahmen für ein verbessertes Pricing 42
4.1.3 Kritik 43
4.2 Bookbuilding-Verfahren 44
4.2.1 Grundlagen des Bookbuilding-Verfahrens 44
4.2.2 Ablauf 46
4.2.2.1 Pre-Marketing 46
4.2.2.2 Marketing 47
4.2.2.3 Zeichnung 48
4.2.2.4 Preisfestlegung und Zuteilung 48
4.2.2.5 Greenshoe 49
4.2.3 Kritik 50
4.3 Auktionsverfahren 52
4.3.1 Ausgestaltung des Auktionsverfahrens 52
4.3.2 Kritik 55
4.4 Fazit 60
5. Zusammenfassung 61
ANHANG 64
LITERATURVERZEICHNIS 66

Automatisiert erstellter Textauszug:

Reservationswert vi entspricht, kann der Bieter mit dem höchsten individuellen Wert v(n) das Auktionsobjekt zum Preis von v(n–1) ersteigern.122 Das Ergebnis läßt die Vermutung zu, daß die Englische Auktion und die Vickrey-Auktion zu demselben erwarteten Gewinn für den Verkäufer führen. Wie in Kapitel 3.2 gezeigt, ist es bei einer VickreyAuktion für jeden Bieter i optimal, sein Gebot bi genau in Höhe seines Reservationswertes vi abzugeben.123 Den Zuschlag erhält bei dieser Auktionsform der Bieter mit dem höchsten Gebot b(n) und damit dem höchsten Reservationswert v(n), während als Kaufpreis das zweithöchste Gebot b(n–1), das dem zweithöchsten Reservationswert v(n–1) entspricht, gezahlt werden muß. Die Englische Auktion und die VickreyAuktion sind trotz ihres recht unterschiedlichen Designs strategisch äquivalent.124 Sowohl bei der Holländischen Auktion als auch bei der Höchstpreisauktion muß jeder der n Bieter bereits vor dem Bietprozeß die Kalkulation seines Gebots durchgeführt haben, da er maximal ein Gebot nennen darf. Dieses bestimmt im Zuschlagsfall den Kaufpreis direkt.125 Für die Bietstrategie selbst ist es letztendlich irrelevant, ob die Gebote offen oder verdeckt abgegeben werden. Daher sind auch diese beiden Auktionsformen strategisch äquivalent. Während bei der Englischen bzw. Vickrey-Auktion ein Gebot in Höhe der tatsächlichen Zahlungsbereitschaft optimal ist, verhält es sich bei der Holländischen bzw. Höchstpreisauktion anders.126 Da der Gewinn im Zuschlagsfall vi – bi beträgt, führt ein Gebot von bi ≥ vi zu keinem Gewinn oder gar zu einem Verlust. Also wird ein Bieter ein Gebot unterhalb seines Reservationswertes abgeben, es gilt bi < vi. Die genaue Höhe des Gebots hängt von der Anzahl der Bieter n und den Überzeugungen hinsichtlich der möglichen Reservationswerte der anderen [...]

Für die Analyse des strategischen Bietverhaltens der Teilnehmer bei bestimmten Auktionsformen sollen folgende vereinfachende Annahmen getroffen werden: An der Versteigerung eines unteilbaren Objektes nehmen n risikoneutrale Bieter teil. Jeder Bieter i kennt seine eigene maximale Zahlungsbereitschaft vi, nicht jedoch die der anderen Bieter. Ihre individuellen Bewertungen sind statistisch unabhängige Größen, die alle gemäß einer einheitlichen Wahrscheinlichkeitsverteilung gezogen werden. Daher verhalten sich die Bieter symmetrisch; sie sprechen ihre Gebote bi auch nicht untereinander ab.120 Es liegt also eine einfache Form des Auktionsmodells bei Präferenzunsicherheit vor.121 In einer Englischen Auktion nimmt jeder Bieter so lange an der Versteigerung aktiv teil, bis seine maximale Zahlungsbereitschaft erreicht ist. Der Bieter i kann also bis maximal vi bieten, da bei einem Gebot darüber hinaus im Zuschlagsfall sein Gewinn bi – vi negativ wird. Da die n – 1 Bieter mit niedrigeren Reservationswerten vi spätestens dann aus dem Bietprozeß aussteigen, wenn das Bietniveau gerade ihrem [...]

späteren Verkauf zu Grunde gelegt würde, hat somit keinen Einfluß auf die Bewertung, nur die eigene Einschätzung bestimmt die Höhe des Gebotes. Bei Untersuchungen dieses Auktionsmodells steht üblicherweise die Frage nach der für den Verkäufer optimalen Auktionsform im Vordergrund. Im Auktionsmodell bei Qualitätsunsicherheit existiert hingegen für das Auktionsobjekt ein für alle Bieter einheitlicher (Markt-)Wert, den jedoch zum Zeitpunkt der Versteigerung noch niemand kennt. Jeder Bieter hat eine eigene Schätzung des wahren aber unbekannten Wertes, wobei diese Schätzungen stochastisch unabhängige Stichprobenzüge aus der für alle Bieter a priori gleichen bedingten Verteilung des wahren Wertes des zu versteigernden Objekts sind. Als Beispiele für dieses Modell werden die Versteigerung von Kunstobjekten, die später weiterverkauft werden sollen oder die Versteigerung von Ölquellen angeführt. Der exakte (Markt-)Wert eines Kunstobjektes zeigt sich erst bei einem Weiterverkauf, der Wert einer Ölquelle erst nach der vollständigen Förderung und dem Verkauf des Rohöls. Im Mittelpunkt des Interesses bei Untersuchungen dieses Auktionsmodells stehen die Fragen nach der Motivation der Bieter, trotz Informationskosten Informationen über die unbekannte Qualität des Auktionsgegenstandes nachzufragen. Weiter interessiert, welche Auswirkungen sich dadurch für das Bietverhalten ergeben, daß ein Käufer am Ende der Auktion einen höheren Informationsstand besitzt als noch bei Abgabe der Gebote.116 Sowohl das Auktionsmodell bei Präferenzunsicherheit als auch das bei Qualitätsunsicherheit können als extreme Ausprägungen eines allgemeineren Modells, des Milgrom-Weber-Modells, interpretiert werden. Während z.B. im common value model Informationen darüber, wie andere Bieter das Auktionsobjekt bewerten, wertvolle Anhaltspunkte für die eigene Einschätzung bieten, beeinflussen sie die Bewertung im independent private values model nicht.117 [...]

Arbeit zitieren:
Reiff, Sebastian Januar 2001: Auktionen als alternative Preisfeststellungs- und Plazierungsverfahren bei Aktienemissionen?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
IPO, Aktienemission, Auktionsverfahren, Bookbuildingverfahren, Underpricing

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