Aufstieg und Fall des Kirch-Konzerns
Eine medienökonomische Analyse
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Markus Preiß
- Abgabedatum: Juli 2002
- Umfang: 118 Seiten
- Dateigröße: 965,3 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Technische Universität Dortmund Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5749-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5749-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5749-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Preiß, Markus Juli 2002: Aufstieg und Fall des Kirch-Konzerns, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Premiere, Medien, Fernsehen, Film, Lizenz
In den Warenkorb
48,00 €
Diplomarbeit von Markus Preiß
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit versammelt eine große Menge bislang unbekannter Daten rund um den Kirch-Konzern, anhand derer Aufstieg und Fall des Unternehmens unter medienökonomischen Gesichtspunkten analysiert werden. Der Aufstieg des Leo Kirch und der Aufbau einer beinahe monopolartigen Stellung sind vor allem auf das Ausnutzen der Besonderheiten der Rundfunk-Inputproduktion zurückzuführen. Kirch nahm den Hollywood-Studios ihr durch die hohe Erfolgsunsicherheit der Medienproduktion typisches Risiko ab. Er kaufte in größeren Mengen Filme in den USA ein, als es ARD und ZDF getan hätten. Damit hatte er diese im Kampf um die attraktive, für die Sender nicht substituierbare Ware ausgestochen – er war der bessere Abnehmer für die Filmstudios.
Parallel schaffte er es trotzdem, über persönliche Kontakte den Absatz der erstandenen Ware bei ARD und ZDF zu sichern. Probleme bekam Kirch erst Mitte der 80er Jahre. Die Arbeit belegt, dass die Einführung des Privatfernsehens der zentrale Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte war. Sie sollte Kirch eigentlich nutzen. Neue Abspielstationen für seine Filme sollten entstehen, um die typische Fixkostendegression beim Vertrieb von Medienprodukten auszunutzen. Zugleich würden die neuen Sender für neue Nachfrage nach seinen Filmen und damit für höhere Preise sorgen.
Doch es kam anders, Kirch wurde vom Akteur zum Getriebenen: Die Rundfunkliberalisierung führte zum Eintritt vertikal integrierter Medienkonzerne in die deutsche TV-Landschaft – allen voran Bertelsmann mit der RTL-Gruppe. Diese hatte gegenüber dem mittelständischen Einzelunternehmer Kirch erhebliche Kostenvorteile beim Betrieb des Free-TV und war finanzkräftiger. Mit reichlich Kapital ausgestattet, kaufte das Unternehmen seine Hollywood-Ware direkt ein. Um im Bieterwettkampf bestehen zu können, war Kirch zur Verschuldung gezwungen. Parallel musste er versuchen, seine Kostensituation schnell der von Bertelsmann anzugleichen und sich ebenfalls vertikal, horizontal und diagonal zu integrieren: Pressebeteiligung, eigene Sender, Produktionsfirmen und Pay-TV – mit schnellem Wachstum sollte die Finanzkraft Kirchs gestärkt werden.
Bei der Expansion unterliefen Kirch jedoch Fehler, die letztlich zur Zahlungsunfähigkeit führten. Zum einen unterschrieb er langfristige Output-Verträge zu hohen Preisen, die aber nur kurzfristig gegenfinanziert waren. Zum anderen schätzte er die Akzeptanz von Pay-TV auf dem mit 30 frei empfangbaren Programmen starken deutschen TV-Markt falsch ein. Hinzu kamen Managementfehler: Kosten wurden nicht kontrolliert, unübersichtliche Strukturen und unklare Hierarchien führten zu systematischen Verzerrungen bei Unternehmensentscheidungen. Trotz der Pleite, so stellt die Arbeit fest, verfügt die Insolvenzmasse der Kirch-Gruppe durchaus über attraktive Geschäftspotentiale. Insbesondere die ProSiebenSat.1 Media AG und Premiere sind lohnende Investments. Wahrscheinlich ist aus meiner (in der Arbeit begründeten) Sicht eine Fortführung der Free-TV-Sparte durch einen deutschen Zeitungsverlag. Premiere könnte von Murdoch übernommen werden. Insgesamt wird die Pleite Kirchs den Wettbewerb auf dem deutschen TV-Markt verschärfen und womöglich wieder zu einer stärkeren Regulierung durch die Medienpolitik führen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Der Kirch-Konzern | 7 |
| 2.1 | Firmenstruktur und Geschäftsfelder | 7 |
| 2.1.1 | Kirch Media GmbH & Co. KG | 7 |
| 2.1.2 | Kirch Pay-TV GmbH & Co. KG | 11 |
| 2.1.3 | Kirch Beteiligungs GmbH & Co. KG | 11 |
| 2.2 | Entstehung und Aufstieg des Unternehmen | 12 |
| 2.3 | Die Person Leo Kirch | 16 |
| 3. | Ökonomische Grundlagen | 19 |
| 3.1 | Besonderheiten der Ware Film | 19 |
| 3.1.1 | Nicht-Substituierbarkeit aus Abnehmersicht | 19 |
| 3.1.2 | Hohe Produktionskosten | 20 |
| 3.1.3 | Hohe Erfolgsunsicherheit | 21 |
| 3.1.4 | Knappheit und mangelnde Angebotselastizität | 22 |
| 3.1.5 | Homogenität der Filme als Ware | 24 |
| 3.2 | Resultierende Marktstruktur des Filmmarktes | 26 |
| 3.2.1 | Geringe Zahl von Anbietern mit hoher Marktmacht | 26 |
| 3.2.2 | Übliche Geschäftsmethoden auf dem Filmmarkt | 28 |
| 4. | Analyse der Marktstellung Kirchs | 34 |
| 4.1 | Die Funktion Kirchs: Filmvermittlung als kaufmännische Dienstleistung | 34 |
| 4.2 | Die Konkurrenz | 38 |
| 4.3 | Die Abnehmer | 45 |
| 4.4 | Fazit: Kirch als dominierende Firma | 49 |
| 4.5 | Neue Marktkräfte | 51 |
| 5. | Strategien des Kirch-Konzerns | 53 |
| 5.1 | Vertikale Integration | 53 |
| 5.2 | Horizontale Konzentration | 60 |
| 5.3 | Diversifikation bzw konglomerate Konzentration | 65 |
| 6. | Gründe für das Scheitern des Kirch-Konzerns | 72 |
| 6.1 | Rechteerwerb um jeden Preis | 72 |
| 6.2 | Pay-TV und Erwerb von Sportrechten | 78 |
| 6.3 | Managementprobleme | 83 |
| 6.3.1 | Führungsschwächen | 83 |
| 6.3.2 | Ineffiziente Organisation | 84 |
| 6.3.3 | Fehlende Kostenkontrolle | 85 |
| 6.4 | Mangelnde Konzentration auf das Kerngeschäft | 87 |
| 7. | Das Aus für den Kirch-Konzern | 89 |
| 7.1 | Ablauf und Stand der Insolvenz | 89 |
| 7.2 | Gläubiger des Konzerns | 92 |
| 7.3 | Geschäftspotentiale der Insolvenzmasse | 95 |
| 7.4 | Mögliche Investoren-Szenarien | 100 |
| 8. | Ausblick: Die Medienlandschaft ohne Kirch - Quo vadis? | 106 |
| 9. | Literaturverzeichnis | 111 |
| 10. | Quellenverzeichnis | 113 |
| 11. | Verzeichnis der Abkürzungen | 114 |
den Umsatzeinbußen bei ARD und ZDF schnell eigene Programme betreiben. Die verschiedenen Ebenen der vertikalen Integration bei Kirch sollen hier nun kurz beschrieben werden, wobei besonderes Gewicht auf der Vorwärtsintegration in den Veranstalterbereich liegt. a) TV-Veranstaltung Die Zulassung des privaten Rundfunks in Deutschland eröffnete Kirch große Geschäftspotentiale. Zum einen erhöhte sich die Zahl der Abnehmer für Filme aus seinem Bestand, was den Umsatz steigert. Zum anderen bedeutet die gestiegene Nachfrage auch Spielräume für Preiserhöhungen, was sich positiv auf den Gewinn auswirkt. Dementsprechend forcierte Kirch über Jahre die Zulassung von neuen Sendern, wobei er von seinen Duz-Freunden, den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel und Helmut Kohl auf Schützenhilfe zählen konnte.12 Profitieren wollte Kirch von den Sendern in erster Linie als Filmrechtehändler. Der sofortige Aufbau eines eigenen Senders wäre zu riskant gewesen, denn [...]
Das Gegenstück zur Integration ist die Beziehung der notwendigen Leistungen über den Markt. Für eine Integration spricht oft, „dass eine interne Durchführung dieser Funktionen [manchmal] kostengünstiger, weniger riskant oder einfacher zu koordinieren ist.“ (Porter 1992, S. 376) Die Vorteile des Marktes wurden bereits erläutert. Der Kirch-Konzern hat die Wertschöpfungskette seit Mitte der 80er erheblich ausgebaut. Ausgehend vom Kerngeschäft des Rechtehandels setzte zunächst (schon vor dem Auftreten neuer Konkurrenten) eine Rückwärtsintegration ein: Mit dem Aufbau von Produktionsfirmen stellte Kirch einen Teil der benötigten Vorprodukte (nämlich TV-Produktionen) selbst her. Entscheidender aber ist die andere Richtung, in die sich Kirch integrierte: Als Mitte der 80er Jahre der Weg für das Privatfernsehen frei wurde, reichte es nicht mehr, nur Rechte an Sender zu verkaufen. Sondern Kirch musste aufgrund des Markteintritts von Bertelsmann und [...]
Mit der Veranstaltung eigener Programme (Sat.1. und Pro7) verstieß Kirch gegen eine Regelung, die ARD und ZDF mehrfach ausgesprochen hatten: Kirch komme nicht mehr als Rechtelieferant in Frage, wenn er den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern Konkurrenz macht. Zwar wurde dieser Bruch nicht sofort vollzogen, wohl aber sukzessive. Heute werden nur noch geringe Anteile am öffentlich-rechtlichen Programm von Kirch zugeliefert. Damit war letztlich durch die Einführung des Privatfernsehens die gesamte Monopolsituation Kirchs zusammengebrochen: Er war nicht mehr alleiniger Rechteinhaber und hatte zudem seine Kunden verloren, die zuvor fast 100 Prozent der Film- und Serienrechte abgenommen hatten. Schon aus diesem Grund war Kirch gezwungen, die eigene TV-Veranstaltung zu forcieren. d) neue Kostenstrukturen in der Branche Dieses ist der wichtigste Punkt. Insbesondere mit RTL erwuchs Kirch ein Konkurrent, der zumindest anfänglich stärker vertikal integriert war als Kirch selbst, der Mittelständler hatte es mit einem Großkonzern zu tun. Über die Beteiligung an Pearson, dem führenden TVProduzenten Europas (Financial Times vom 2.6.2000) produzierte der RTL eigene Inhalte, CLT begann die Arbeit als Rechtehändler und RTL selbst hatte bereits umfassende Erfahrung in der Programmveranstaltung. Insgesamt bedeutete dies Kostenvorteile für RTL, das sein Programm billiger produzieren konnte, da die Gewinne der einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette innerhalb des Unternehmens blieben und es zudem über mehr Know-how verfügte. Zugleich ist anzunehmen, dass RTL zumindest in der Anfangsphase Quersubventionen von Bertelsmann erhielt. Der Gütersloher Konzern war schon zum damaligen Zeitpunkt deutlich finanzkräftiger als Kirch: durch die Absicherungen im Verlagsgeschäft verfügte Bertelsmann über eine gut gefüllte Kriegskasse. CLT und RTL mussten daher nicht, wie Kirch, gewaltige Kredite aufnehmen, um Filmrechte erwerben zu können. Diese Kostenvorteile musste Kirch früher oder später ausgleichen, um nicht auch im Bereich Rechtehandel von CLT-Ufa attackiert und verdrängt werden zu können. Das Ergebnis: Kirch versuchte, wie Bertelsmann zu werden. [...]
In den Warenkorb
48,00 €



