Aufmerksamkeitsmessung mittels Eye-Tracking-per-Mouse-Verfahren
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Oliver Thienhaus
- Abgabedatum: Februar 2003
- Umfang: 147 Seiten
- Dateigröße: 5,9 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Wedel Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6764-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6764-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6764-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Thienhaus, Oliver Februar 2003: Aufmerksamkeitsmessung mittels Eye-Tracking-per-Mouse-Verfahren, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Werbewirkung, Blickmessung, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Werbeforschung
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Diplomarbeit von Oliver Thienhaus
Einleitung:
Die Messung der Aufmerksamkeit bei Konsumenten von TV-Werbespots soll grundsätzliche Erkenntnisse über die Werbewirkung der untersuchten Spots liefern. Es wird versucht, die Stärken und Schwächen einer audiovisuell umgesetzten Werbekonzeption zu ermitteln und anhand quantitativer Daten zu belegen.
Derartige Messungen haben in den letzten Jahren sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen. Während sich Marketingexperten primär für die aus den Aufmerksamkeitsmessungen gewonnenen Erkenntnisse in bezug auf Werbewirksamkeiten oder Usibility-Aspekte interessieren, beschäftigt sich die theoretische und angewandte Wissenschaft in erster Linie mit den eingesetzten Verfahren und deren Weiterentwicklung.
Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft hat bereits bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht, die sowohl einen wissenschaftlichen Fortschritt als auch einen praktischen Nutzen für die Wirtschaft bedeuten. Eine dieser wissenschaftlichen Weiterentwicklungen ist das hier vorgestellte Eye-Tracking per MouseÒ-Verfahren (ETM-Verfahren). Die Testpersonen klicken bei diesem Verfahren mit der Computermaus jeweils an die Stellen auf dem Bildschirm, auf die sie während der Betrachtung z.B. eines TV-Werbespots schauen. Der detaillierte Aufbau sowie Vor- und Nachteile dieser Technologie wird in der vorliegenden Arbeit explorativ untersucht und diskutiert.
Problemstellung:
Die meisten bisher eingesetzten Verfahren zur Messung von Aufmerksamkeiten zeichnen sich im Kern durch einen Fragebogen aus, d.h. die Testpersonen werden nach der Betrachtung eines TV-Werbespots zu ihren Gefühlen und Wahrnehmungen befragt und drücken diese dann verbal aus. Der gemeinsame Nachteil dieser Verfahren besteht darin, daß die eigentliche Datenerhebung nicht wahrnehmungssimultan erfolgt. Auf die erzielte Werbewirkung kann also nur indirekt geschlossen werden, ohne daß man quantifizierte Daten besitzt, die Aufschluß über audiovisuelle Auslöser und Zusammenhänge geben.
Andere Meßmethoden, die sich nicht auf einen Fragebogen stützen, setzen computergestützte Eye-Tracking-Technologien ein. Die Augenbewegungen der Probanden werden bei diesen Verfahren mittels videobasierter Sensortechniken erfaßt und können nach der Messung ausgewertet werden. Die Datenerfassung findet hier zwar wahrnehmungssimultan statt und bietet somit einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Fragebogentechnik, ist aber mit großem technischen Aufwand verbunden und dadurch sehr kostenintensiv.
Im Vergleich zu Untersuchungsansätzen, die sich mit statischen Bildvorlagen beschäftigten, erweitert die Messung von Aufmerksamkeiten bei dynamischem Untersuchungsmaterial (Videos) das Problemfeld der unterschiedlichen Testverfahren beträchtlich. Dynamisches Untersuchungsmaterial weist zusätzliche Eigenschaften auf, die in das Auswertungsverfahren mit einbezogen werden müssen. Dazu gehört insbesondere die Abfolge von Bildern in einem vorgegebenen Zeitkontext. Bestehende Testmethoden und Analyseverfahren können daher in der Regel nicht unmittelbar auf Videountersuchungen übertragen werden.
Es sind eine Reihe von Anpassungen notwendig, die sowohl die technischen Rahmenbedingungen als auch die inhaltlichen Aspekte betreffen. Die Frage nach der technischen Realisierung, die damit verbundenen Schwierigkeiten und deren Lösungsmöglichkeiten bildet den ersten Teil der Problemstellung dieser Arbeit. Die Frage nach der Qualität der Ergebnisse, also die Beurteilung der gewonnenen Erkenntnisse im Hinblick auf die Einstufung von Werbewirksamkeiten einzelner TV-Spots bildet den zweiten Teil. Diese zweigeteilte Problemstellung soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 1.1 | Vorbemerkung | 7 |
| 1.2 | Problemstellung | 7 |
| 1.3 | Einschränkungen und Abgrenzungen | 8 |
| 1.4 | Informationsbedarf der MediaAnalyzer Software & Research GmbH | 10 |
| 1.4.1 | Wie kann das Verfahren auf bewegte Bilder übertragen werden? | 10 |
| 1.4.2 | Produziert das Verfahren bei bewegten Bildern sinnvolle Ergebnisse? | 10 |
| 1.5 | Aufbau der Arbeit | 11 |
| 2. | Grundlagen zur Messung von Aufmerksamkeiten | 13 |
| 2.1 | Neurobiologische Grundlagen | 13 |
| 2.1.1 | Aufbau der Netzhaut im menschlichen Auge | 13 |
| 2.1.2 | Fixationen und Sakkaden | 14 |
| 2.2 | Wahrnehmungspsychologische Grundlagen | 16 |
| 2.2.1 | Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit | 17 |
| 2.2.2 | Zusammenhang zwischen Aktivierung und Aufmerksamkeit | 18 |
| 2.2.3 | Bildkommunikation im Zeitbezug | 21 |
| 2.3 | Aufmerksamkeit im werbepsychologischen Kontext | 25 |
| 2.4 | Methodische Grundlagen für die Aufmerksamkeitsmessung bei TV-Werbespots | 26 |
| 2.4.1 | Einfluss der strategischen Werbeziele auf Bildinhalte | 27 |
| 2.4.2 | Semantische Klassifizierung von Bildinhalten | 30 |
| 2.4.3 | Schnittfrequenz und Bewegungen innerhalb einer Szene | 33 |
| 2.4.4 | Kopplung von Bild und Ton | 34 |
| 2.5 | Eigenschaften von Zielgruppen im Werbekontext | 37 |
| 2.5.1 | Altersspezifische Eigenschaften | 38 |
| 2.5.2 | Unterschiede in der Affinität zum Fernsehmedium | 39 |
| 2.5.3 | Auswirkung von persönlichen Einstellungen und Erfahrungen | 40 |
| 2.6 | Beschreibung des ETM-Verfahrens | 41 |
| 2.6.1 | Methodischer Ansatz des Messverfahrens | 42 |
| 2.6.2 | Wissenschaftliche Validität der Meßmethode | 42 |
| 2.6.3 | Positionierung des Verfahrens | 45 |
| 2.7 | Testsoftware MediaAnalyzer AT | 46 |
| 2.7.1 | Merkmale der Testpersonen | 46 |
| 2.7.2 | Definition von Regionen | 47 |
| 2.7.3 | Visualisierung der Klicks | 49 |
| 2.7.4 | Export der Messdaten nach MS-Excel | 50 |
| 2.7.5 | Interpolierte Aufmerksamkeit | 51 |
| 2.7.6 | Spezielle Dateiformate | 52 |
| 3. | Aufbau und Durchführung der Aufmerksamkeitsmessung | 53 |
| 3.1 | Auswahl der TV-Spots | 53 |
| 3.2 | Vorbereitung der Untersuchung | 54 |
| 3.2.1 | Definition von Zielgruppen | 54 |
| 3.2.2 | Anzahl und Auswahl der Testpersonen | 56 |
| 3.2.3 | Konzeption der ergänzenden Nachbefragung | 58 |
| 3.2.4 | Konfiguration der Testsoftware MediaAnalyzer AT | 60 |
| 3.3 | Erfassung der Daten mittels ETM-Verfahren | 61 |
| 3.4 | Befragung der Testpersonen | 62 |
| 4 | Auswertung der Messdaten | 63 |
| 4.1 | Vorbemerkung | 63 |
| 4.2 | Aufbereitung der Klickdaten | 63 |
| 4.2.1 | Separation der Testvideos | 64 |
| 4.2.2 | Export der Daten nach MS-Excel | 65 |
| 4.3 | Einfluss der Mausklicks auf die Aufmerksamkeit | 67 |
| 4.4 | Quantitative Auswertung | 70 |
| 4.4.1 | Klickverhalten im Zeitverlauf | 71 |
| 4.4.2 | Geographische Verteilung der Aufmerksamkeit | 75 |
| 4.4.3 | Verhältnis zwischen Klickzahl und Szenenlänge | 78 |
| 4.4.4 | Verhältnis zwischen Klickrate, identischen Klicks und Szenenlänge | 81 |
| 4.4.5 | Normierte Aufmerksamkeitsfokussierung | 84 |
| 4.5 | Qualitative Auswertung anhand eines Beispiel-Spots | 92 |
| 4.5.1 | Interpretation der Marker- und Heatmap-Videos | 93 |
| 4.5.2 | Einfluss von Szenenschnitten auf die Aufmerksamkeit | 93 |
| 4.5.3 | Aufmerksamkeitsanteile semantischer Objekte | 99 |
| 4.5.4 | Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsanteilen und Erinnerungsvermögen | 111 |
| 4.5.5 | Aufmerksamkeitsanteile im Zeitverlauf | 116 |
| 4.6 | Problematiken bei der Auswertung | 119 |
| 5. | Abschlussbetrachtung | 123 |
| 5.1 | Übersicht über die Ergebnisse | 123 |
| 5.2 | Abgeleitete Ergebnisse für die MediaAnalyzer Software & Research GmbH | 127 |
| 5.2.1 | Wie kann das Verfahren auf bewegte Bilder übertragen werden? | 127 |
| 5.2.2 | Produziert das Verfahren bei bewegten Bildern sinnvolle Ergebnisse? | 129 |
| 5.3 | Ausblick und Anregungen | 130 |
| Anhang I | Beschreibung der TV-Spots | 132 |
| Literaturverzeichnis | 147 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 149 |
In diesem Abschnitt soll untersucht werden, welche geographischen Bildbereiche die höchste Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ob wiederkehrende Verteilungsmuster festgestellt werden können. Es gibt bereits einige Studien zu dieser Thematik, durchgeführt sowohl mit videobasiertem Eye-Tracking, als auch mit dem ETM-Verfahren. Die Ergebnisse einer Studie, in der die Titelblätter von mehreren Zeitschriften mittels ETM-Verfahren untersucht wurden69, bringt folgende Erkenntnisse hervor: 1. Das linke Drittel eines Titelblattes wird stärker betrachtet als die übrigen Teile der Seite. 2. Die oberen und unteren Teile eines Titelblattes werden ungefähr gleich stark betrachtet. 3. Frauen schenken dem linken Teil einer Seite mehr Aufmerksamkeit, Männer hingegen eher der Bildmitte und dem rechten Teil. [...]
Basierend auf den wahrnehmungspsychologischen Grundlagen68 sei an dieser Stelle daran erinnert, daß ein Mausklick im ETM-Verfahren mit einer visuellen Fixation gleichzusetzen ist. Eine Fixation wiederum ist gleichbedeutend mit der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen. Während einer Sakkade werden keine Informationen aufgenommen oder verarbeitet, ebenso produzieren Mehrfachfixationen keinen direkten Informationsgewinn. Aufbauend auf der Erkenntnis, daß die durchschnittliche Klickrate bei den weiblichen Testpersonen um fast 10 Prozent höher ist, als bei den männlichen Probanden, kann im ersten Schritt vermutet werden, daß weibliche Personen bei der Betrachtung von TV-Werbespots mehr Informationen aufnehmen und verarbeiten, als männliche Personen. Im zweiten Schritt läßt sich diese Vermutung zusätzlich durch die Tatsache stützen, daß die weiblichen Testpersonen einen geringeren Anteil an identischen Klicks aufweisen, demzufolge ein höheres Maß an unterschiedlichen Informationen aufnehmen. Abschließend kann nun vermutet werden, daß weibliche Personen bei der Betrachtung von TV-Spots über eine intensivere Wahrnehmung und eine erhöhte Informationsaufnahme verfügen. [...]
Im Gegensatz zu der Klickrate, die bei den ersten beiden Spots eines Testvideos noch relativ ähnlich war, zeigt sich bei dem Anteil der identischen Klicks von Beginn an eine deutliche Differenz zwischen Männern und Frauen. Diese Feststellung gewinnt noch zusätzlich an Bedeutung, wenn man die Erkenntnisse, die sich aus der geschlechtsspezifischen Untersuchung der Klickrate ergeben haben, in diese Teilanalyse mit einbezieht. Von diesen Erkenntnissen ausgehend läßt sich feststellen, daß die weiblichen Testpersonen bei einer höheren Klickrate gleichzeitig einen deutlich geringeren Anteil an identischen Klicks aufweisen. Die geschlechtsspezifischen Korrelationskoeffizienten der beiden Gruppen weisen auch bei dem Anteil der identischen Klicks eine Gegenläufigkeit auf, wobei diese im Vergleich zu der Klickrate deutlich geringer ausgeprägt ist.67 Allerdings ist ein genereller Zusammenhang zwischen dem prozentualen Anteil der identischen Klicks und dem Zeitverlauf der Testvideos sowohl bei der Gesamtheit aller Testpersonen, als auch bei den beiden Geschlechtergruppen kaum festzustellen. Der Anteil der identischen Klicks scheint im Verlauf eines Testvideos weder bei den weiblichen, noch bei den männlichen Testpersonen signifikant zu steigen oder zu sinken. Die Ergebnisse dieser Analyse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: 1. Die männlichen und weiblichen Testpersonen weisen bei der Klickrate im Zeitverlauf einen gegenläufigen Trend auf. Die Klickrate der Männer steigt im Verlauf eines Testvideos, die der Frauen sinkt. 2. Der gegenläufige Zusammenhang zwischen Klickrate und Zeitverlauf ist bei den männlichen Testpersonen stärker ausgeprägt, als bei den weiblichen. 3. Die Klickrate ist bei den weiblichen Testpersonen im Durchschnitt höher, als bei den männlichen Probanden (ca. 10 Prozent). 4. Insbesondere bei den weiblichen Probanden ist im siebten Spot eine Ermüdungsphase zu erkennen. 5. Bei den männlichen Testpersonen wird ein um durchschnittlich 40 Prozent höherer Anteil an identischen Klicks festgestellt. 6. Der Anteil der identischen Klicks bewegt sich sowohl bei den weiblichen als auch bei den männlichen Testpersonen im Zeitverlauf der Blickmessung auf einem relativ konstanten Niveau. [...]
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Arbeit zitieren:
Thienhaus, Oliver Februar 2003: Aufmerksamkeitsmessung mittels Eye-Tracking-per-Mouse-Verfahren, Hamburg: Diplomica Verlag
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