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Attribution und Bewältigung von nachlassender sexueller Appetenz in längeren Partnerschaften

Attribution und Bewältigung von nachlassender sexueller Appetenz in längeren Partnerschaften
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Monika Brzoza
  • Abgabedatum: Juni 2003
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6975-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6975-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6975-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brzoza, Monika Juni 2003: Attribution und Bewältigung von nachlassender sexueller Appetenz in längeren Partnerschaften, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sexualität, Ehe, Dauerpartnerschaften, Sexualforschung, Grounded Theory

Diplomarbeit von Monika Brzoza

Zusammenfassung:

Die Untersuchung beantwortet unter folgende Fragen:

Was genau wird beklagt, wenn von abnehmender Leidenschaft in längeren Partnerschaften berichtet wird? Handelt es sich eher um quantitative oder qualitative Einbußen?

Welche Auswirkung hat eine nachlassende sexuelle Attraktion auf die Partnerschaft und das persönliche Lebensglück?

Wie attribuieren die Betroffenen die nachlassende Leidenschaft bei sich selbst und bei ihrem Partner?

Welche Möglichkeiten werden gefunden, mit dem Phänomen der nachlassenden Leidenschaft umzugehen? Gibt es explizite Versuche, das Sexualleben wieder erfüllter zu gestalten, und wenn ja, mit welchem Erfolg?

Welche Implikationen ergeben sich aus diesen Ergebnissen für psychologische Interventionen?

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Fragestellung und Vorannahmen 4
1.1 Abgrenzung des Themas 6
1.2 Überblick über die Studie 6
2. Theorieteil 7
2.1 Stand der Forschung 7
2.2 Funktionen sexueller Aktivität 11
2.3 Erklärungsmodelle für nachlassende sexuelle Appetenz in Dauerpartnerschaften 13
3. Qualitative Methode 20
3.1 Methoden der Datenerhebung 20
3.2 Methoden der Datenauswertung 24
3.3 Gütekriterien 26
3.4 Modellbildung: Vom Codierparadigma zum Prozessmodell 28
4. Ergebnisdarstellung 30
4.1 Stellenwert der Sexualität zu Beginn der Partnerschaft 30
4.2 Wahrnehmung des Phänomens der nachlassenden sexuellen Attraktion 33
4.3 Auswirkungen der nachlassenden Leidenschaft 38
4.4 Attributionen 43
4.5 Einstellung zum Ideal einer dauerhaft erfüllten Sexualität 50
4.6 Vergleich mit anderen Partnern 54
4.7 Veränderungsstrategien 56
4.8 Bewältigung 61
4.9 Trennungsbarrieren 68
4.10 Einstellung zur Treue 70
5. Diskussion der Ergebnisse 74
6. Ausblick 75
7. Zusammenfassung 76
8. Bibliographie 79
9. Anhang 82

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wenn ein Mensch mit Partnerschaftsproblemen zu uns kommt, so beklagt er sich meist über das falsche Verhalten des anderen, manchmal läßt er sogar kein einziges gutes Haar an ihm. Nicht selten wird uns der Eindruck vermittelt, beim Partner müsse es sich um ein furchtbares Scheusal handeln. Haben wir Gelegenheit, den anderen auch zu sehen, so stellen wir manchmal fest, daß er den Spieß umkehrt und seinerseits den zuerst gekommenen Partner als mehr oder weniger gefährliches Monster hinstellt (S. 69). Die Interviewpartner dieser Untersuchung sehen die Ursachen für die nachlassende Leidenschaft zwar differenzierter, attribuieren aber auch eher external und zwar unabhängig davon, bei welchem Partner die Leidenschaft zuerst nachgelassen hat. Interessant ist, dass der gängige Geschlechtsrollen-Stereotyp der generell geringeren und in der Partnerschaft stärker nachlassenden Libido der Frau (Klusmann 2002) in dieser Untersuchung nicht bestätigt werden kann. Wie die folgende Übersicht zeigt, können sowohl Männer als auch Frauen in die Position des fordernden oder des ablehnenden Parts kommen: Übersicht 6: Bei wem ließ das sexuelle Interesse für den Dauerpartner zuerst nach? Untersuchungsperson Herr Frau A F D E Partner/Partnerin C B G [...]

Die Attributionstheorie beschäftigt sich mit den Versuchen „gewöhnlicher Menschen“ Ereignissen Sinn zu verleihen. Demnach schreiben Menschen Phänomenen und Erfahrungen Gründe und Ursachen zu, um Kontrolle zu gewinnen und unangenehme Zustände zu beenden. Menschen, die in unglücklichen Partnerschaften leben, sind demnach in besonderem Maße motiviert, Erklärungen für die unangenehme Situation zu finden. Hier zunächst einige Gedanken der Interviewpartner, als sie merken, dass die Sexualität in ihrer Partnerschaft ruhiger wird: Frau B: Dann stehst du erst einmal da und überlegst, was ist denn das jetzt, warum funktioniert das jetzt nicht. Und du willst die Situation wieder herbeirufen, wie sie am Anfang gewesen ist. Du willst das wieder genauso haben. Und das wird nie wieder so und du musst lernen, damit umzugehen. (B342) Frau G: Bei meiner ersten Partnerschaft war ich noch sehr jung. Da merkte ich nach einiger Zeit, dass mein Partner nicht mehr so häufig mit mir schlafen wollte. Ich hatte immer noch genauso viel Lust, aber mein Partner eben nicht. Wir sind dann abends ins Bett gegangen und haben noch gelesen oder so. Ich fand das eigentlich ganz schrecklich und habe mir schon Sorgen gemacht, dass er mich nicht mehr liebt oder nicht attraktiv findet. (G104) Dass Ursachenzuschreibungen nicht immer rational sind, sondern selbstwertdienlichen Verzerrungen unterliegen, wurde von der Attributionsforschung immer wieder nachgewiesen. Biases treten besonders dann auf, wenn die Personen emotional sehr involviert und in ihrem Selbstwertgefühl betroffen sind, also auch verstärkt bei Partnerschafts- und Sexualproblemen. Auch die Tendenz, in unglücklichen Partnerschaften Fehlverhalten des Partners internen Dispositionen zuzuschreiben und eigenes negatives Verhalten durch die besondere Situation zu entschuldigen, wurde immer wieder deutlich. Diese Verhalten erlebt Dominik Prodöhl (1979) auch in seiner Praxis als Paartherapeut: [...]

Frau B, E und G erfüllen sich ihre sexuellen Bedürfnisse mittlerweile außerhalb der Partnerschaft und erleben die Einbußen mit dem Dauerpartner daher gelassen: Frau B: Mir fehlt schon was, aber ich finde dann einen Weg, um das auszugleichen und dann geht es mir wieder gut. (B550) Frau E: Ich bin trotzdem glücklich gewesen und habe da nichts vermisst. (E062) Frau G: Ich würde niemals auf leidenschaftlichen Sex verzichten wollen. Ich brauche das, um glücklich zu sein. Es ist wunderbar, begehrt zu werden und auch selbst das Verlangen nach einem Mann zu spüren. Ich habe einfach Glück gehabt, dass ich beides haben kann, die feste Partnerschaft und die aufregenden Nebenbeziehungen. (G202) Herrn F konnten außerpartnerschaftliche Affären zunächst nicht über sexuelle Defizite in der Ehe hinwegtrösten. Mittlerweile lebt er aber bei einer Frau, mit der er sexuell glücklich ist. Seine Ehe betrachtet er trotzdem nicht als beendet: Herr F: Ich habe das auch als quälend empfunden, weil es nicht immer die Gelegenheit gab. (F234) Mit dieser anderen Frau ist es auf sexuellem Gebiet viel, viel schöner. Da haben sich mir andere Dimensionen eröffnet. Ich glaube, dass sie mir einfach mehr liegt auf dem Gebiet. (F221) Die geschilderten Folgen der nachlassenden Attraktion des Dauerpartners für die Partnerschaft und das eigene Wohlbefinden erzeugen einen mehr oder weniger großen Leidensdruck und damit die Motivation, das Phänomen erklären und verändern zu wollen. Willi (1991) schreibt: Findet Sex in der Ehe nicht statt, so ist oftmals die Beunruhigung nicht nur darin begründet, daß der sexuelle Trieb nicht regulär befriedigt werden kann, sondern auch in der Frage, welche Gründe der andere für sein sexuelles Desinteresse haben könnte oder welche Gründe er einem für die eigene sexuelle Zurückhaltung zuschreibt. Mache ich etwas falsch? Genüge ich dem Partner nicht? Geht er fremd? Quälende, oftmals nie beantwortete Fragen (S.104). Im nächsten Kapitel werde ich nun die subjektiven Erklärungsmodelle der Betroffenen für das Nachlassen der Leidenschaft darstellen und die psychologische Bedeutung der jeweiligen Attributionsformen herausarbeiten. Besonders wichtig war es mir zu erfahren, ob das Phänomen der geringer werdenden sexuellen Attraktion in einer Dauerbeziehung grundsätzlich für vermeidbar bzw. variabel gehalten wird. [...]

Arbeit zitieren:
Brzoza, Monika Juni 2003: Attribution und Bewältigung von nachlassender sexueller Appetenz in längeren Partnerschaften, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sexualität, Ehe, Dauerpartnerschaften, Sexualforschung, Grounded Theory

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