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Aspekte zur männlichen Identität

Aspekte zur männlichen Identität
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sascha Bieser
  • Abgabedatum: Januar 2004
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 352,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8211-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8211-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8211-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bieser, Sascha Januar 2004: Aspekte zur männlichen Identität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gender, Geschlecht, Habitus, kritische Theorie, Foucault

Diplomarbeit von Sascha Bieser

Einleitung:

Lange Zeit war das Thema „Geschlecht“ in den Sozialwissenschaften ein askriptives Merkmal, welches als etwas natürlich Gegebenes angesehen wurde. Zwar mochte dem gesellschaftlichen Wandel zuzuschreiben sein, was jeweils in einer bestimmten Zeit als „männlich“ und „weiblich“ galt, die Dichotomie der Geschlechter allerdings war unverrückbar (vgl. DÖLLING/KRAIS 1997). Erst die Ausläufer der 68er-Bewegung gaben in Deutschland den Anstoß zur Initiierung von Frauenbewegungen, die die Gleichstellung der Frauen durch Frauenpolitik und Frauenforschung in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen einforderte und so das Patriarchat in Frage stellte.

Der Feminismus, mittlerweile eine breit gefächerte und weltweite Bewegung, hat Probleme von Frauen zum Thema gemacht und es wächst die Überzeugung, dass Frauenthemen auch Männerthemen sein müssen. Ungleiche Gehälter, geschlechtsbezogene Segregation von Arbeit, öffentliche Kinderbetreuung, gesonderte oder ungleiche Erziehung, ungleiche Gesundheitsversorgung, Vergewaltigung und häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung, Sexismus in den Medien, usf. Das alles sind Themen mit denen sich vornehmlich Frauen beschäftigen, die aber zentral die Praxis von Männern angehen.

Die feministische Theoriedebatte und die empirische Frauenforschung haben allmählich ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass die Kategorie „Geschlecht“ nicht nur als etwas historisch Entstandenes, sondern im alltäglichen Handeln als immer wieder neu Konstruiertes und Reproduziertes zu denken ist, keineswegs aber in einer biologischen Determinierung. Mittlerweile sind mit der Analyse des Forschungsgegenstands „Gender“, verstanden als soziales Geschlecht, neben den Sozialwissenschaften auch die Philosophie und die Literatur- und Kulturwissenschaften befasst. Gender ist eine vielschichtige Struktur und weitaus komplexer als dies die konventionelle Dichotomie der „Geschlechterrolle“ erahnen lassen. Die Struktur der Geschlechterverhältnisse ist hineinverwoben in Familie und Sexualität, Wirtschaft und Staat.

Neben der etablierten feministischen Frauenforschung durch Frauen hielten in den 90er Jahren auch vereinzelt kritische Männerforscher Einzug in die Debatte; Männerforschung ist aber bis dato in Deutschland noch kaum institutionell etabliert, dies zeigt ein Streifzug durch die Internetseiten der deutschen Universitäten. Allerdings kann nur eine Frauenforschung im Verbund mit dem Forschungsgegenstand „Mann“ sich als Geschlechterforschung begreifen und ausweisen, denn die Perspektive des Gender schließt sowohl Frauen als auch Männer ein; ebenso muss kritische Männerforschung inter- und transdisziplinär angelegt sein. Das Interesse und die Neugierde am Mann wächst. Auch in der Sozialen Arbeit werden geschlechtsspezifische Aspekte verstärkt bedacht und fokussiert, sich der besonderen Lebens- und Problemlagen von Männern und Frauen angenommen.

Um im Folgenden aufzuzeigen zu können wie ein biologischer Körper, ausgewiesen als Mann - denn hiervon handelt diese Arbeit - Träger von Zuschreibungen wird, ja wie ein Subjekt überhaupt erst hierdurch zu denken ist und sich begreifen kann, sollen verschiedene Aspekte exemplarisch ausgeführt werden.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 1
II. Sozialisation und Persönlichkeit 3
III. Die Psychoanalyse und die sexuelle Differenz 5
IV. Identität 11
V. Kapitalismus und persönliche Freiheit 15
VI. Der männliche Habitus 18
1. Kinderspiele 18
2. Pierre Bourdieu und sein Konzept des männlichen Habitus 19
2.1 Die Illusion und die soziale Genese der libido dominandi 21
2.2 Geschlecht und Klasse 24
2.3 Connells Konzept „hegemonialer Männlichkeiten“ 25
VII. Männlichkeit im Bild der reflexiven Modernisierung 32
1. Individualisierung und Pluralisierung 32
2. Intime Beziehungen 36
VIII. Selbstliebe – Intensitäten – Körperästhetik 39
1. Von der Selbstliebe 39
2. Intensitäten 41
3. Das Interesse an der Ästhetik am eigenen Körper 45
IX. Foucaults Philosophie und die Produktion der Subjekte 49
1. Der Diskursbegriff bei Foucault 49
2. Der Begriff der Macht 52
3. Bio-Macht als Vergesellschaftungsmodus 55
4. Das Dispositiv 58
5. Das Sexualitätsdispositiv 59
5.1 Freuds Abhandlung zur Sexualtheorie 61
5.2 Das Geständnis 64
5.3 Die rohe Erfahrung und „das Auge“ Batailles 66
5.4 Der Mensch als Gattungswese 68
5.5 Foucaults Rassismusverständnis 69
X. Thesen zur Subjektivation, Materialität und Performanz 71
1. Subjektivation 71
2. Materialität der Körper 73
3. Performanz des Geschlechts 74
3.1 Die Melancholie 75
3.2 Begehren vs. Sexualitätsdispositiv 76
XI. Ethische Gesichtspunkte im Umgang mit sich und Anderen 80
1. Zum Selbstbezug und der Sorge um sich 80
2. Die Sorge um den Anderen 85
3. Verantwortung und Mündigkeit 89
XII. Literaturverzeichnis 91

Automatisiert erstellter Textauszug:

Nicht-Organische ist, das strukturelle Korrelat, die Ergänzung einer angehäuften Geschichte der individuellen subjektiven Verfasstheit, die allerdings ebenso unter dem selben Druck wie die Körper stehen, „zerfleddert, (...) heruntergekommen auf Fetzen, Pfützen, verleimte Fragmente, ein Nicht-Ensemble von Partialobjekten, einem kakophonischen Wunder gleich zusammengenäht (- einfach schön, S. B.).“ (ebd., S. 91) Behaupten will ich, dass Körper als medialer Schein fungieren, ihnen eine Totalität zugewiesen wird, zentrifugale kulturelle Kräfte auf ihn wirken, die Gesetzmässigkeiten der Anziehung und Abstossung, einer Dualität erzeugen, hierdurch den Bereich des Intelligiblen und auch des sinnlich zu Erfassenden bestimmen und somit im Feld der symbolischen Ordnung des Sozialen (BOURDIEU), und nach wie vor unter diesen Gesichtspunkten als praktischen Sinn und nicht anders als unter dieser Bedingung bewertet und empfunden werden können. Wir kommen also auch im Bereich der Körper aus der Repräsentation, der Intention kaum heraus in einen Bereich der Intensität, der nicht dem Körper-Habitus und dem Habituellen an sich entspricht und die Kontiguität zu einer hierarchischen Differenz in persona schlechthin impliziert. Wenn also auch das Habituelle verschieblich wird, die Grundstruktur einer Differenz bleibt [...]

Hier können wir aber wieder in den Bereich der LYOTARD`schen Intensitäten gehen. Auch in der Repräsentation der Körper, wie in denen der Subjekte, lässt sich vor allen Dingen das „künstlich Verformte“ erkennen, die Repräsentation eines verrohten kulturindustriell erzeugten Willens, der das Unmittelbare und Wahrhaftige des Deformierten und Demarkierten ausschließt, eine veränderte „Äußerlichkeit in Bezug auf jede Form.“ (LYOTARD, a.a.O., S. 93) Bildhafter wird dies vielleicht in der Anekdote als Picasso den Auftrag eines Herrn bekam, seine Frau zu malen und dieser, das bildnerische Resultat betrachtend, entrüstet war darüber, wie „verunstaltet“ er seine Frau ansehen musste. Das sei nicht seine Frau, seine Frau sei doch viel schöner. So malte Picasso diese Frau, es sei ihm hiermit unterstellt, in Bereichen höherer Intensität, stellte das für ihn „Unaussprechliche“ dar. Will sagen, dass der Körper gerade das [...]

zurückgeworfen ist, möchte ich versuchen, es konkret für die Beziehungen der Geschlechter unter hegemonialen Gesichtspunkten zu nutzen. Meines Erachtens befinden wir uns mitten in einem individualökonomischen Prozess, - an anderer Stelle habe ich bemerkt, dass das geschlechtsspezifisch Habituelle persistiert, es aber nicht als eine einzementierte Konstante zu sehen ist -, indem es zukünftig um das Bekleiden hegemonialer Positionen als Repräsentanz im Öffentlichen geht, die zunehmend geschlechtsunspezifischer werden und auch situativen und nomadischen Charakters sein können. Das Individuum an sich fungiert und ist Gattungswesen, auf die Politik in einer universalen Ökonomie abzielt und projiziert. Durch eine Politik, die zunehmend auf ein, in vielen Bereichen „geschlechtsloses“ Massensubjekt gerichtet ist, werden die zwischengeschlechtlichen Kampfzonen aber nicht befriedet werden, sondern es wird vielmehr im Gegenteil eine Ausweitung derer stattfinden, denn wenn die Bedingungen zunehmend angeglichen werden, was wie ich hoffe nicht dergestalt mißverstanden wird, daß ich dies torpedieren wolle, die Frauen aber lange Zeit in stiller Übereinstimmung das patriarchale System offensiv durch das Ausleben ihrer vermeintlich weiblichen Neigung gestützt haben und dies punktuell (willentlich und unwillentlich) noch tun in leiser werdender Opposition, wird das Kampffeld um die Positionierungen in den sozialen Räumen in keinem Lebensbereich ausgespart bleiben, vielmehr dauerhaft und stetig umkämpft sein. Was also ermöglicht wird, sind nicht Intensitäten, sondern Repräsentationen und eine gerechtere Verteilung in Ausübungsmöglichkeiten des Motivs „Macht“ über die Person im Angesicht. Intensitäten hingegen sind keine Inszenierung und sie kennen keine Differenz. Die Differenz aber – das Spiel um Macht/Repräsentation - als Struktur kehrt wieder, ist das Gleiche und bleibt sesshaft und „bildet Blöcke von: Objekten und Subjekten, Dispositiven und Aufzeichnungen, Quantitäten und Regelabständen, Strukturen und Repräsentationen.“ (LYOTARD, a.a.O., S. 20) NIETZSCHE, die Und diese Gleichheit ist es, die LYOTARD in Anlehnung an [...]

Arbeit zitieren:
Bieser, Sascha Januar 2004: Aspekte zur männlichen Identität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gender, Geschlecht, Habitus, kritische Theorie, Foucault

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