Der Artushof in den mittelhochdeutschen Tristandichtungen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Daniela Bach
- Abgabedatum: März 2010
- Umfang: 98 Seiten
- Dateigröße: 468,3 KB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 38
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1897-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bach, Daniela März 2010: Der Artushof in den mittelhochdeutschen Tristandichtungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gottfried von Straßburg, Heinrich von Freiberg, Eilhart von Oberge, Mittelalter, Intertextualität
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Magisterarbeit von Daniela Bach
Einleitung:
Wenn der Titel dieser Arbeit ‘Der Artushof in den mittelhochdeutschen Tristandichtungen’ lautet, stehen ganz am Anfang zwei Fragen: Was ist mit ‘der Artushof’ gemeint und welche mittelhochdeutschen Tristandichtungen gibt es überhaupt?
Der Begriff Artushof steht hier stellvertretend für all jene Personen, Schauplätze und Konzepte, die in den höfischen Artusromanen des Hochmittelalters mit diesem in Verbindung gebracht wurden: Artus und die Artusritter sowie die Tafelrunde und ihre Ideale, wie sie in den Artusromanen dargestellt bzw. behandelt werden. Auch die Struktur der Artusromane und das Thema Âventiure werden am Rande angesprochen. Fairerweise muss gleich an dieser Stelle erwähnt werden, dass ich zum Vergleich im Wesentlichen die so genannten ‘klassischen’ Artusromane Hartmanns von Aue ‘Erec’ und ‘Iwein’ und Wolframs von Eschenbach ‘Parzival’, sowie den altfranzösischen ‘Lancelot’ Chrétiens de Troyes heranziehe.
Bei der Frage nach den mittelhochdeutschen Tristandichtungen stehen zwei Fassungen in erster Reihe: Das Fragment Gottfrieds von Straßburg, vermutlich zwischen 1200 und 1210 entstanden, dem in den letzten zwei Jahrhunderten die größte Wertschätzung zuteil wurde, und die älteste vollständig überlieferte Tristanfassung, jene des Eilhart von Oberge, entstanden wohl irgendwann zwischen 1170 und 1190, die im Mittelalter größere Wirkung hatte als Gottfrieds Fassung. Bereits diese beiden Werke unterscheiden sich in einem für diese Arbeit wesentlichen Punkt: Während in Eilharts ‘Tristrant’ Artus und die Ritter der Tafelrunde zumindest in einer Episode auftauchen, fehlen sie bei Gottfried völlig. Auch die beiden Fortsetzer des Gottfried-Fragments lassen sich nach diesem Aspekt einteilen: Ulrich von Türheim, dessen Fortsetzung um 1235 entstand, verzichtet auf ein Einbeziehen des Artushofes, während Heinrich von Freiberg, dessen Fortsetzung auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert wird, den Artushof sogar umfangreicher einbezieht als Eilhart.
Die Tatsache, dass der Artushof nur in einigen der mittelhochdeutschen Tristandichtungen auftaucht, bedeutet nun aber nicht, dass nur jene Gegenstand dieser Arbeit sind. Es wird sich im Gegenteil zeigen, dass der Artushof in den Tristanerzählungen wesentlich vielfältiger präsent ist als nur in der direkten Erwähnung. Auf König Artus und seine Ritter der Tafelrunde, aber auch die Themen und Struktur der höfischen Artusromane wird angespielt, sie werden reflektiert und kritisiert, auch und vielleicht gerade bei Gottfried. Daher wird Gottfrieds ‘Tristan’ in dieser Arbeit neben Eilhart und Heinrich eine gleichberechtigte Stellung einnehmen, während Ulrichs Fortsetzung tatsächlich praktisch keine Erwähnung finden wird. An einigen Stellen wird es interessant sein, auch auf die altfranzösischen Tristandichtungen von Thomas von Britannien (zwischen 1155 und 1180) und Beroul (zwischen 1160 und 1190) zu schauen, u.a. da Gottfried Thomas als seine Quelle nennt und Beroul und Eilhart der gleichen Erzähltradition zugeordnet werden.
Das anonyme Episodengedicht ‘Tristan als Mönch’ (Mitte des 13. Jhs.), das ebenfalls zu den mittelhochdeutschen Tristandichtungen gehört und in dem der Artushof eine Rolle spielt, soll in dieser Arbeit aus Platzgründen keine Beachtung finden und sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Zum besseren Verständnis der Verbindungen zwischen dem Artus- und dem Tristanstoff sollen hier kurz die Entwicklungen der beiden Stofftraditionen grob umrissen werden. Beide werden für gewöhnlich zur ‘matière de Bretagne’ gezählt, dies v.a., um sie von antiken und nationalfranzösischen Stoffen abzugrenzen. Die Ursprünge der Tristanerzählungen liegen trotz umfangreicher Forschungsarbeit zu dem Thema noch immer weitgehend im Dunkeln. Peter Stein fasst die wohl in den Tristanstoff eingeflossenen Elemente bündig zusammen:
‘Im ‚Tristan’ spielen keltische Elemente eine Rolle. Einen keltischen ‚Tristan’ allerdings gibt es nicht. […] In die ‚Tristan’-Romane eingegangen sind auch international verbreitete Märchen-, Novellen- und Schwankmotive, Elemente aus der antiken Sage und dem spätantiken Roman, sowie aus orientalischen Quellen’.
In einigen keltischen Texten findet sich eine Verbindung Tristans mit König Artus. Das Problem mit (fast) allen keltisch-sprachigen Quellen sowohl zu Tristan als auch zu Artus ist jedoch, dass sie in Manuskripten frühestens aus dem 13. Jahrhundert überliefert sind. Man kann zwar teilweise nachweisen, dass ihre Ursprünge deutlich früher liegen, aber es bleibt schwer zu bestimmen, für welche Teile das gilt, ob also nicht z.B. die Erwähnung von Tristan und Artus beieinander erst nach Entstehen der höfischen Romane hinzugefügt wurde. Als gesichert gilt, dass Teile der uns heute bekannten Tristanerzählung mündlich tradiert und immer wieder verschieden zusammengefügt wurden, sodass den Dichtern, die ab der Mitte des 12. Jahrhunderts schrieben, mehrere Fassungen bekannt waren. Daraus erklärt sich sicherlich zum Teil die Beteuerung schon der frühen Tristandichter Thomas und Eilhart, die wahre Geschichte erzählen zu wollen, sowie ihr Verweis darauf, dass es vielfältige Versionen der Geschichte gibt.
Der Name ‘Artus’ ist wohl römischen Ursprungs. Eine Erwähnung des späteren Königs Artus findet sich zunächst in lateinischen Chroniken der britischen Inseln, das erste Mal um 800 in der Nennius zugeschriebenen ‘Historia Brittonum’, wo Artus ein erfolgreich gegen die sächsischen Invasoren kämpfender Feldherr ist. Berühmtheit erlangte König Artus dann durch die enorm erfolgreiche ‘Historia Regum Britanniae’ des Geoffrey of Monmouth (um 1138). Bei Geoffrey wird Artus mit vielen Ereignissen, Orten und Personen verbunden, mit denen er auch später immer wieder auftaucht (z.B. Tintagel und Caerleon, sowie erste Ritter der Tafelrunde). Adaptiert wird Geoffreys ‘Historia’ u.a. von Wace (‘Roman de Brut’, um 1155), der die höfischen Elemente um Artus noch weiter ausbaut. Diese Fassungen dürfen als den höfischen Artusdichtern bekannt angenommen werden.
Eine Eigenschaft des Namens Artus, die sich schon in früher keltischer Tradition findet, und auf die John Bollard hinweist, mag Aufschluss geben, warum Tristan in Verbindung mit Artus auftaucht:
‘Within a generation or two after his death, Arthur has become an ideal warrior to whom others are compared, and we can see here the beginnings of the long-lasting tradition by which other heroes were glorified and their tales enhanced simply by coupling them with the name of Arthur’.
Ob das Auftauchen des Artushofes in den Tristanerzählungen nun aber eine ‘alte’, der Tradition entspringende Zutat, oder aber eine ‘neue’ Hinzufügung der höfischen Autoren ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Forschung hat lange Zeit die Fassungen Eilharts und Berouls, in denen Artus auftaucht, als ‘spielmännische’ und ‘ältere’ Fassungen bezeichnet, jene von Gottfried und seiner Vorlage Thomas als ‘höfische’ und ‘neuere’ Fassungen. Die Kategorisierungen spielmännisch und höfisch werden heute für gewöhnlich als veraltet betrachtet und auch bei der Einteilung in ältere und neuere Version wird darauf hingewiesen, dass diese Begriffe keinen Aufschluss über die Entstehungsreihenfolge geben. In der Tat ist die Datierung der ältesten überlieferten Tristanfassungen von Beroul, Thomas und Eilhart so unsicher, dass ihre Entstehungsreihenfolge nicht eindeutig festzulegen ist. Ebenso ungeklärt ist, welche Quellen diese Dichter benutzten, auch der Glaube an einen Ur-Tristan, die sog. ‘Estoire’, ist inzwischen ins Wanken geraten. Eindeutig ist nur die Reihenfolge Gottfried, Ulrich, Heinrich, wobei letztere Gottfried mit Sicherheit und Eilhart wahrscheinlich kannten.
Ich werde daher die Forschung zur Entstehungsreihenfolge und Quellenlage anderen überlassen und weder die Begriffe höfisch und spielmännisch, noch die Teilung in ältere und neuere Fassungen benutzen. Ich betrachte als gesichert, dass alle mittelhochdeutschen Tristandichter auf jeden Fall die Wahl hatten, ob sie Artus in ihre Fassung einbauen oder nicht, ihnen also beide Varianten der Erzählung bekannt waren. Daher betrachte ich das Auftauchen oder Fehlen von Episoden mit Artus nicht als sich aus der Quelle ergebender Zwang, sondern als bewusste Wahl (der entsprechenden Quelle).
In jedem Fall ergibt sich aus der Beobachtung, dass es mittelhochdeutsche (und französische) Tristandichtungen ‘mit’ und ‘ohne’ König Artus und seine Ritter gibt, dass die Verbindung zwischen Tristan und Artus anscheinend nicht so unauflöslich ist wie jene zwischen z.B. Gawain, Lanzelot oder Parzival und Artus. Warum das so ist, wird sich nicht endgültig klären lassen, liegt aber sicher nicht zuletzt in der gesellschaftssprengenden Kraft der Tristanliebe begründet.
Ebenfalls gilt, dass der Artushof selbst dort, wo er effektiv auftaucht, Episode bleibt, in keiner Tristanfassung ist Artus eine die gesamte Erzählung begleitende oder umfassende Figur wie in den Artusromanen. Cora Dietl sieht die Beziehung von Tristan zum Artushof als eine stets als problematisch empfundene, sowohl Artus- als auch Tristanroman sind sich bewusst, ‘dass Tristan zum Artuskreis gewisse Verbindungen hat, aber doch nicht problemlos in ihn einzufügen ist’.
Wie die Dichter der mittelhochdeutschen Tristanfassungen die Verbindung der Tristanerzählung als Ganzes zum Artushof sehen und darstellen, bzw. welche Unterschiede und Abgrenzungen sie anhand von Reflektionen und Andeutungen auf den Artushof herstellen, ist Thema dieser Arbeit. Zunächst soll es dabei um jene Stellen gehen, an denen Artus und/oder sein Hof direkt auftauchen. Bei Gottfried, Eilhart und Heinrich wird an bestimmten Stellen der Name Artus erwähnt und steht dabei für bestimmte Konzepte, diese Stellen behandelt das erste Kapitel. Im anschließenden Hauptteil dieser Arbeit betrachte ich Tristans Zeit mit Artus und seinem Hof, wie sie bei Eilhart und Heinrich dargestellt wird. Abschließend wird der Blick auf Parallelen zwischen den Figuren Tristans und Markes mit Artus und den Artusrittern gerichtet, die an vielen Stellen angedeutet, aber auch oftmals ganz bewusst von den Dichtern wieder verworfen werden.
Zum Forschungsstand sei noch angemerkt, dass sich zwar relativ häufig mit Anspielungen in den verschiedenen Tristanfassungen auf die Artusromane befasst wurde, insbesondere im Hinblick auf Struktur, Genre und Grundthematik, aber erstaunlich wenig mit den tatsächlichen Artusszenen. Letzteres wird seine Ursache unter anderem darin haben, dass die Gottfried-Fortsetzer noch immer wenig Beachtung finden und selbst Eilhart noch immer im Schatten Gottfrieds steht. Diese Arbeit ist deshalb ganz wesentlich zwei Autoren verpflichtet: William C. McDonald, der eine ausführliche Analyse sämtlicher arthurischer Verweise in den deutschen Tristandichtungen liefert (anders als hier nach Werken geteilt) und Silke Grothues, die Heinrichs Tristan als arthurischen Roman analysiert (wobei ihr Fokus auf dem Bezug der Dichtung zu Heinrichs politischem Umfeld liegt).
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Artus als Name | 6 |
| 1.1 | Die Mehlstreuszene | 6 |
| 1.2 | In der Minnegrotte | 10 |
| 1.3 | Die Vorstellung der Tafelrunde bei Heinrich | 18 |
| 1.4 | Isoldes Krone | 27 |
| 2. | Artus und sein Hof | 28 |
| 2.1 | Tristan am Artushof | 28 |
| 2.1.1 | Ankunft und Aufnahme | 30 |
| 2.1.2 | Die Kämpfe der Artusritter, ihre Regeln und Folgen | 34 |
| 2.1.3 | Männer und Frauen, Freude und Trauer | 44 |
| 2.2 | Der Artushof bei Marke | 48 |
| 2.2.1 | Empfang und List | 50 |
| 2.2.2 | Gegenlist – die Reaktion des Artushofes | 53 |
| 2.2.3 | Versöhnung und Abschied | 60 |
| 3. | Reflexion und Rollentausch: Die Figuren | 65 |
| 3.1 | Artus und Marke | 65 |
| 3.1.1 | Das Gottesurteil | 70 |
| 3.1.2 | Artus und Tristan | 72 |
| 3.2 | Tristan als Artusritter | 73 |
| 3.3 | Die Entführung der Königin | 83 |
| Fazit | 88 | |
| Literaturverzeichnis | 92 |
Textprobe:
Kapitel 2, Artus und sein Hof:
Bei Eilhart und Heinrich bleibt es nicht bei einer Nennung Artus’, sondern er und sein Hof tauchen auch konkret auf, Artus wird somit zu einem Teil der Erzählwelt. Tristan gerät an den Artushof, verbringt dort eine Zeit und gelangt schließlich durch die Vermittlung Gawains zusammen mit dem Artushof zu Marke. Dort findet ein Wiedersehensabenteuer mit Isolde, die Wolfsfallenepisode, statt, nach der sich Tristan wieder vom Artushof trennt. Dieses Kapitel übernimmt die von den Dichtern gemachte Zweiteilung in eine Zeit Tristans am Artushof und eine Zeit Tristans mit dem Artushof am Markehof, da beide einen ganz eigenen Charakter haben.
Vorweg sei noch gesagt, dass trotz aller gebotenen Vorsicht bei Quellenzuweisungen mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass Heinrich Eilharts Artusepisode kannte. Er hat sich deutlich auf diese bezogen, aber ebenso offensichtlich eigene Änderungen vorgenommen, die der Umsetzung seiner von Eilhart oft abweichenden Erzählabsichten dienen.
2.1, Tristan am Artushof:
Eilharts Tristan führt es nach seiner endgültigen Verbannung aus Cornwall und vor seiner Begegnung mit Isolde Weißhand an den Artushof. Auch wenn es heißt: ‘wann mit Kurnewal / rait der edel wygand / in Britania daß land’ scheint es doch beinahe Zufall zu sein, dass Tristan gerade an den Artushof gelangt, so als hätte dieser eben in der Nähe gelegen. Eine Motivation dafür, dass er sich zu Artus begibt, wird Tristan zumindest nicht gegeben. Artus erscheint als ein König unter mehreren, an deren Höfen sich Tristan auf seiner Suche nach Beschäftigung eine Zeit lang aufhält. So wie er zu dem König von Ganoje gelangt, eine Weile dort bleibt und dann auf Nimmerwiedersehen davon reitet, so gelangt er zu Artus, wird dort eine Weile bleiben und dann auf Nimmerwiedersehen davon reiten. Und hätte er anschließend bei König Havelin nicht Isolde Weißhand getroffen, hätte sich dort das Schema vermutlich auch wiederholt. Diese Reihung in sich abgeschlossener, paralleler Episoden hat McDonald dazu geführt, Eilharts Artusepisode als eine Âventiure Tristans zu verstehen. Schultz, auf den sich auch McDonald beruft, stellt fest, dass die Artusepisode bei Eilhart tatsächlich den Beginn einer für den Artusroman typischen Aneinanderreihung von Episoden bildet, die wenig Verbindung miteinander haben und weitgehend austauschbar sind. Dennoch darf an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass die Artusepisode eine der längsten dieser Episoden bildet und für das Verständnis von Eilharts ‘Tristrant’ besonders wichtig ist, weil sie eine Bewertung der Verhaltensweisen des Markehofes anhand des Vergleichs mit dem Artushof möglich macht.
Bei Gottfried findet sich genau an der Stelle, wo es Eilharts Tristan an den Artushof verschlägt, eine Bemerkung darüber, dass Tristan in seiner Zeit im Exil allerlei Taten begeht über die viel fabuliert wird, obwohl es schon reichlich aufwendig ist, nur die Wahrheit davon zu erzählen:
‘wan sollte ich alle sîne tât.
die man von ime geschriben hât.
rechen al besunder.
des maeres würde ein wunder.
die fabelen, die hier under sint.
die sol ich werfen an den wint.
mir ist doch mit der wârheit.
ein michel arbeit ûf geleit’.
Obwohl die Szene im Kontext von Tristans Aufenthalt in Deutschland steht, lässt doch sein expliziter Bezug auf alles, was über Tristan geschrieben steht, Glauchs Vermutung durchaus nahe liegend erscheinen, dass sich Gottfried hier (auch) von Eilharts Artusepisode abgrenzt. Diese würde demzufolge zu eben jenen Fabeln gehören, die er nicht beachten will, womit Gottfrieds Einstellung zur Verbindung von Artus- und Tristanwelt wieder einmal äußerst deutlich würde.
Bei Heinrich ist Tristan bereits mit Isolde Weißhand verheiratet, bevor er an den Artushof zieht. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass er als Fortsetzer Gottfrieds Tristans Begegnung mit Isolde Weißhand nicht einfach wieder rückgängig machen kann, führt aber zum anderen dazu, dass Tristan unter ganz anderen Umständen an den Artushof gelangt: Er ist nicht der Ritter im Exil, der eine Beschäftigung sucht, sondern ein Ehemann, der die Erlaubnis seiner Frau hat, zu gehen (womit er in einer ähnlichen Situation wie Iwein ist) und er gelangt alles andere als zufällig an den Artushof, sondern wird angelockt durch die Kunde von der Tafelrunde. Die Aussage, dass er nicht im Exil ist, muss natürlich dahingehend relativiert werden, dass er natürlich immer noch im Exil von Cornwall und damit seiner Isolde lebt, der er sich ja durch seine Reise zum Artushof auch wieder zu nähern sucht (in Form gelebter hoher Minne).
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842818972
Arbeit zitieren:
Bach, Daniela März 2010: Der Artushof in den mittelhochdeutschen Tristandichtungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Gottfried von Straßburg, Heinrich von Freiberg, Eilhart von Oberge, Mittelalter, Intertextualität




