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Arbeitszeitflexibilisierung als beschäftigungspolitsches Instrument zur Wiedererlangung der Vollbeschäftigung

Arbeitszeitflexibilisierung als beschäftigungspolitsches Instrument zur Wiedererlangung der Vollbeschäftigung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marc Podubrin
  • Abgabedatum: August 1994
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 584,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4675-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4675-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4675-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Podubrin, Marc August 1994: Arbeitszeitflexibilisierung als beschäftigungspolitsches Instrument zur Wiedererlangung der Vollbeschäftigung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitsmarkt, Beschäftigungsploitik, Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeitflexibilisierung

Diplomarbeit von Marc Podubrin

Einleitung:

Arbeitszeitpolitik und Arbeitszeitgestaltung haben seit Mitte der 70er Jahre in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion als Verhandlungsgegenstand der Tarifparteien sowie als Instrument staatlicher Sozial- und Beschäftigungspolitik einen immensen Bedeutungszuwachs erfahren. Den Hintergrund bildet die Massenarbeitslosigkeit als ein strukturell verhärtetes Arbeitsmarktungleichgewicht. Zwei wesentliche Pfeiler der „Arbeitsgesellschaft“ (Vollbeschäftigung und Expansion wohlfahrtsstaatlicher Leistungen) sind ins wanken geraten, da es sich nicht um kurzfristige und vorübergehende Erscheinungen, sondern um eine anhaltende Stagnation auf dem Arbeitsmarkt handelt. Die traditionellen wirtschaftpolitischen Problemlösungsinstrumentarien hatten sich als erfolglos erwiesen. Neue Theorien waren gefragt. Ein wesentlicher Gedanke war die Umverteilung des existierenden Arbeitsvolumens zwischen Arbeitenden und Arbeitssuchenden, um wieder mehr Menschen die Möglichkeit der Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Das Stichwort war Arbeitszeitverkürzung. Die in den 80er Jahren heftig geführte Debatte um die Verkürzung der Wochenarbeitszeit ist jedoch keine Erfindung dieser Jahre, so haben Gewerkschaften schon zu Beginn dieses Jahrhunderts in den meisten Industriebereichen für eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit gekämpft, so dass wenigstens der 10-Stunden-Tag Realität wurde. 1956 erreichte die IG-Metall den Einstieg in die 40-Stunden-Woche, indem sie die Reduzierung der Wochenarbeitzeit auf 45 Stunden vereinbarte. Anfang der 70er Jahre lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit dann bei 40 Stunden.

Da Arbeitszeitverkürzungen meist mit vollem Lohnausgleich einhergegangen sind, womit Kostensteigerungen für die Unternehmen unausweichbar wurden, verfolgten die Unternehmen mit ihren Investitionen auch deshalb hauptsächlich das Ziel einer technischen und organisatorischen Rationalisierung. Dies wiederum bedeutete den Abbau von Arbeitsplätzen, auch wenn die Produktion anstieg („jobless growth“). Gleichzeitig hielt sich der Staat lange Zeit in Bezug auf eine aktive Beschäftigungspolitik zurück.

In die Diskussion der Arbeitsumverteilungsstrategie durch Arbeitszeitverkürzung brachten vor allem die Arbeitgeber schon frühzeitig eine neue Variante, welche zunächst von den Gewerkschaften vehement abgelehnt wurde. Neben der linearen Arbeitszeitverkürzung für alle Beschäftigte kam die Flexibilisierung der Arbeitszeit als zweiter Schwerpunkt in die Diskussion. Die Diskussion um die Arbeitszeitflexibilisierung bildete ursprünglich den Gegenstandsbereich einer eher wissenschaftlichen als praktisch-(tarif)-politischen Debatte um die neue Arbeitszeitpolitik. In den Jahren rückte sie jedoch in den praktischen Bereich auf, da die Arbeitgeber offenbar an der Grenze ihres Willens auf Verkürzung der Arbeitszeit angelangt waren. War bislang die Frage der Dauer Gegenstand des Aushandlungsprozesses, so trat vermehrt die Frage der Arbeitszeitstrukturen in den Vordergrund. Die Auflösung festgefahrener Arbeitszeitstrukturen scheint heute in den Theorieentwicklungen als ein Segen für die Wirtschaft angesehen zu werden. So scheint in breiten Teilen der Literatur ein Einverständnis zwischen Unternehmen, den Beschäftigten und den Parteien zur Idee der Flexibilisierung zu herrschen. Die Vorteile für die Unternehmen, die Erfüllung der Wünsche und Interessen der Arbeitnehmer und die positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt beflügeln die Diskussion.

Die aktuelle Diskussion zeigt jedoch eindeutig, dass das Einverständnis offenbar nicht ausreichend für eine Durchführung bzw. Einführung der verschiedenen Modelle ist. Womit sich der Verdacht aufdrängt, dass die eigentliche Grundlage doch kontroverser ist, als es zunächst den Anschein hat. Angeregt durch die derzeitige Situation, die sich den Bürgern der Bundesrepublik momentan aufdrängt, habe ich die Diskussion um die Arbeitszeitflexibilisierung ein weiteres mal aufgegriffen und zum Thema meiner Diplomarbeit gemacht. In einer Hausarbeit beschäftigte ich mich bereits mit einigen Modellen und prüfte die Umsetzbarkeit sowie die Chancen und Risiken für klein- und mittelständische Unternehmen. Das „Superwahljahr 1994“ hat den Parteien offenbar den Anstoß gegeben, sich in einer Situation der Stagnation und der Massenarbeitslosigkeit wieder einmal vordergründig mit dem Thema der Beschäftigungspolitik zu befassen. Auch in den Verhandlungen der großen Tarifparteien erschien in diesem Zusammenhang immer häufiger der Begriff der Arbeitszeitflexibilisierung in den Medien.

Gang der Untersuchung:

Thema dieser Arbeit wird es sein, die verschiedenen Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung erneut aufzuarbeiten und die Auswirkungen der Modelle auf den Arbeitsmarkt zu erarbeiten. Zur Erfüllung dieses Zwecks wird es notwendig sein, zunächst die Entwicklung der Arbeitszeit im historischen Abriss darzustellen, die Beschäftigungsentwicklung zu beleuchten und eine Begriffsdefinition herzuleiten. Im Hauptteil der Arbeit werden die verschiedenen Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung dargestellt, die spezifischen Probleme ihrer Umsetzbarkeit angesprochen und daraus hergeleitet wird versucht, die möglichen Auswirkungen der einzelnen Modelle auf den Arbeitsmarkt zu quantifizieren. Der abschließende Teil soll versuchen, die Frage zu beantworten, ob Arbeitszeitflexibilisierung ein beschäftigungspolitisch wirksames Instrument zur Wiedererlangung der Vollbeschäftigung ist.

Inhaltsverzeichnis:

Kapitel 1: Die Entwicklung der Arbeitszeit, der Beschäftigung und der „neuen Arbeitszeitpolitik“
1. Die Entwicklung der Arbeitszeit
1.1 Die Verkürzung der Wochenarbeitszeit
1.2 Sonstige Arbeitszeitverkürzungen
2. Die Entwicklung der Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit
2.1 Phase des Wiederaufbaus von 1948-59
2.2 Phase der Arbeitskräfteknappheit von 1959-73
2.3 Phase der strukturellen Umbrüche seit 1973
Exkurs: Zur Teilzeitarbeit und Erwerbstätigkeit von Frauen
2.4 Zusammenfassung
3. Entwicklung einer „neuen Arbeitszeitpolitik“
3.1 Grundsätzliche Begriffsentwicklung in der Arbeitszeitdiskussion
3.2 Die „neue Arbeitszeitpolitik“
3.3 Entwicklung einer Definition der Arbeitszeitflexibilisierung – Definition
Kapitel 2: Die Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung, die verschiedenen Interessengruppen und die möglichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
1. Die verschiedenen Modelle
2. Die verschiedenen Interessengruppen als Entscheidungsträger
3. Die Modelle und ihre möglichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
3.1 Teilzeitarbeit
3.1.1 Job sharing
a) job pairing
b) job splitting
c) split-level-sharing
3.1.2 Regelmäßige Teilzeitarbeit
a) Halbtagsarbeit
b) Teilzeitarbeit im wöchentlichen Wechsel
c) Teilzeitschichten
d) Bandbreitenmodell
e) Baukastenmodelle
3.1.3 Unregelmäßige Teilzeitarbeit
a) Rollierrendes System
b) Jahresarbeitszeitverträge
c) Kapazitätsorientierte Variable Arbeitszeit (KAPOVAZ)
d) Arbeit auf Abruf
3.1.4 Möglichkeiten und Probleme der Teilzeitarbeit
3.1.4.1 Einsatzmöglichkeiten von Teilzeitarbeit
3.1.4.2 Teilzeitarbeit aus Sicht des Arbeitgebers
3.1.4.2.1 Job sharing
3.1.4.2.2 Regelmäßige Teilzeitarbeit
3.1.4.2.3 Unregelmäßige Teilzeitarbeit
3.1.4.2.4 Beurteilung der Teilzeitarbeit durch die Praxis
3.1.4.3 Teilzeitarbeit aus Sicht der Arbeitnehmer
3.1.4.3.1 Job sharing
3.1.4.3.2 Regelmäßige Teilzeitarbeit
3.1.4.3.3 Unregelmäßige Teilzeitarbeit
3.1.4.4 Teilzeitarbeit aus Sicht der Gewerkschaften
3.1.5 Mögliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
3.2 Gleitende Arbeitszeit
3.2.1 Möglichkeiten und Probleme der Teilzeitarbeit
3.2.2 Vor- und Nachteile der Gleitenden Arbeitszeit
a) Vorteile aus Sicht des Arbeitnehmers
b) Nachteile aus Sicht des Arbeitnehmers
c) Vorteile aus Sicht des Arbeitgebers
d) Nachteile aus Sicht des Arbeitgebers
3.2.3 Mögliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
3.3 Flexibler und gleitender Ruhestand
3.3.1 Möglichkeiten und Probleme des flexiblen und gleitenden Ruhestandes
3.3.2 Vor- und Nachteile des flexiblen und gleitenden Ruhestandes
a) Arbeitgebersicht
b) Arbeitnehmersicht
3.3.3 Mögliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
3.4 Überarbeit/Mehrarbeit
3.4.1 Möglichkeiten und Probleme der Überarbeit/Mehrarbeit
3.4.2 Vor- und Nachteile der Überarbeit/Mehrarbeit
a) Arbeitgebersicht
b) Arbeitnehmersicht
3.4.3 Mögliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
3.5 Sonstige Modelle
selbstbestimmte Arbeitszeit
Temporärarbeitszeit
komprimierte Wochenarbeitszeiten
Beurlaubungsmodelle
Kapitel 3: Arbeitszeitflexibilisierung - Ein wirksames Konzept?
Problemfeld I: Die Arbeitnehmerbefragungen
Problemfeld II: Die Arbeitgeberentscheidungen
Problemfeld III: Die Arbeitsmarktstatistik
Fazit
Literatur

Automatisiert erstellter Textauszug:

Teilzeitstellen sind jedoch im Verhältnis sowohl zu den männlichen als auch zu den weiblichen Vollzeitbeschäftigten, wie angesprochen, geringer qualifiziert und dementsprechen geringer bezahlt. Es ist daher davon auszugehen, "...daß zur Zeit weder von der Qualität noch von der Bezahlung her Teilzeitarbeitsplätze existieren, die einen Wechsel des als Hauptverdiener in der Familie vollbeschäftigten Mannes in eine Teilzeitbeschäftigung attraktiv machen..."55 . Der Wertewandel als Auslöser für den Wunsch nach einer Teilzeitstelle ist damit wohl nur zum Teil richtig. Sicherlich ist er ein Grund für den Wunsch nach kürzerer Arbeitszeit aber somit nur für einige wenige Modelle des Job sharing, bei denen die Arbeitszeit beispielesweise nur um zwei Stunden täglich verkürzt wird, zutreffend. Die in der Literatur überwiegend diskutierten Gründe der Arbeitnehmer, einen Arbeitsvertrag mit einer kürzeren als der betriebsüblichen Arbeitszeit abzuschließen, zeigen jedoch verstärkt auf, daß Teilzeitarbeit noch immer als Domäne weiblicher Arbeitskräfte angesehen wird: - Fehlende Fähigkeit/Bereitschaft zur Vollzeitarbeit - Erzielung zusätzlicher finanzieller Mittel - Finanzielles Unabhängigkeitstreben bei Frauen - Suche nach Sozialkontakten - Streben nach Selbstverwirklichung - Rückkehr in den Beruf56 Zusätzlich zu den Motiven muß in diesem Teil selbstverständlich auch die Akzeptanz der Arbeitnehmerschaft, welche sich wiederum aus den Vor- und Nachteilen der Modelle ergeben, geprüft werden. Aus dieser Prüfung läßt sich d enn eventuell auch ableiten, ob Vollzeitkräfte unter bestimmten Voraussetzungen bereit wären, in einen Teilzeitbereich zu wechseln und damit zusätzlichen Raum für neue Arbeitsplätz zu schaffen. [...]

3.1.4.2.4. Beurteilung der Teilzeitarbeit durch die Praxis Die Beurteiling der Teilzeitarbeit durch die Arbeitgeber in der Praxis ist recht unterschiedlich und reicht von einer euphorischen Stimmung bis zur vollständigen Ablehnung52 . Eine Untersuchung im Rahmen einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Augsburg (1981) hat zum Thema Teilzeitarbeit folgendes ergeben53 : Von den rund 1000 Firmen, die sich an der Umfrage beteiligten, praktizierte bereits jede achte Teilzeitarbeit, wobei die Halbtagsarbeit mit 68% der Unternehmen an der Spitz lag. Es folgte die Teilzeitarbeit im Tages- und Mehrtagesrhytmus mit 15%, Saisonbeschäftigungen mit 9% und Job sharing mit 5%. 10% der befragten Unternehmen berichteten von Schwierigkeiten, Teilzeitbeschäftigte zu finden. Wiederum 10% hält das Job sharing im gewerblich-technischen Bereich, d.h. in der Industrie, ohne Schwierigkeiten für praktizierbar. 26% meinen, daß Job sharing mit dem Betriebsablauf vereinbar sei, wenn auch mit gewissen organisatorischen Schwierigkeiten zu rechnen sei. In der Verwaltung, im Handel- und Dienstleistungsbereich glauben sogar 47%, daß Teilzeitarbeit und insbesondere Job sharing durchgeführt werden kann. Es zeigt sich also deutlich, daß die Unternehmen mit den Möglichkeiten und Problemen der Teilzeitarbeit durchaus vertraut sind. Man darf jedoch nicht außer acht lassen, daß einige Modelle in der Praxis weitgehend noch unerforscht sind und es von der Risikofreudigkeit der Unternehmer abhängt, ob solche Modelle einen breiten Einzug in die Praxis finden. [...]

3.1.4.2.2. Regelmäßige Teilzeitarbeit Bei den Modellen der regelmäßigen Teilzeitarbeit kommen grundsätzlich nur wenige Vorund Nachteile zu den genannten des Job sharing hinzu. Die genannten Aspekte kommen bei den einzelnen Modellen lediglich stärker oder schwächer zum tragen. Beim Bandbreitenmodell ist jedoch noch zu bemerken, daß der größte Vorteil darin besteht, auch geringfügige Arbeitszeitverkürzungen vorzunehmen. Da die Festlegung der Arbeitszeit in bestimmten Abständen (z.B. sechs oder zwölf Monate) erfolgt, ist sie auch reversibel und berücksichtigt damit den Sachverhalt, daß der Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit von zeitlich befristeten privaten Überlegungen abhängen kann. Das Unternehmen kann somit bewährte Mitarbeiter mit Flexibilisierungsbedürfnissen, welche eventuell nur von kurzer Dauer sind, halten. [...]

Arbeit zitieren:
Podubrin, Marc August 1994: Arbeitszeitflexibilisierung als beschäftigungspolitsches Instrument zur Wiedererlangung der Vollbeschäftigung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitsmarkt, Beschäftigungsploitik, Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeitflexibilisierung

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