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Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung im Industriegebiet - eine Bedarfsanalyse

Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung im Industriegebiet - eine Bedarfsanalyse
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Sandra Hecker
  • Abgabedatum: Januar 2008
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 3,6 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Duisburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 58
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2994-2
  • ISBN (CD) :978-3-8366-2994-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hecker, Sandra Januar 2008: Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung im Industriegebiet - eine Bedarfsanalyse, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Familie, Beruf, Kinderbetreuung, Familiensoziologie, Onlinebefragung

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Magisterarbeit von Sandra Hecker

Einleitung:

Diese Arbeit hat die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum Thema. Die Struktur der Arbeit teilt sich grob in zwei Abschnitte. Ersterer stellt die aktuellen Zusammenhänge ausgehend von der Vereinbarkeitsproblematik bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung dar. Im zweiten Teil wird die Mitarbeiterbefragung „Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung“, die in einem Industriegebiet durchgeführt wurde, vorgestellt. An dieser Stelle werden die erzielten qualitativen und quantitativen Ergebnisse aufgezeigt, erörtert und analysiert.

Während des Studiums der Sozialwissenschaften habe ich mich in unterschiedlichen Seminaren mit der gesellschaftlichen Unterscheidung von Frauen- und Männerrollen beschäftigt. Stets hatte ich ein besonderes Interesse für dieses Themenfeld. Vor allem mögliche Maßnahmen, die zu einer verbesserten Vereinbarung von Familie und Beruf führen könnten, weckten meine Neugier. Im Zuge einiger Seminare las ich viel über die Vereinbarkeitsproblematik für Akademikerinnen.

Die Beschäftigung mit diesem Thema hat mich allerdings dahin geführt, dass ich mich auch und vor allem für die Vereinbarkeitsprobleme derjenigen zu interessieren begann, die auf eine Erwerbsarbeit angewiesen sind. Dies betrifft Alleinerziehende und Personen, die über ein niedriges Einkommen verfügen. Denn eine Erwerbsunterbrechung während der Familiengründung ist auch für diesen Personenkreis häufig nicht oder nur in Verbindung mit großen Nachteilen möglich.

Während der Recherchen für andere Seminararbeiten stieß ich auf das Buch „Bedarfsgerechte Kinderbetreuung“. In diesem wird in einem Abschnitt auf das Engagement von Unternehmen im Bereich der Kinderbetreuung eingegangen. In diesem Engagement steckt aus meiner Sicht ein großes Potenzial für die Gesellschaft und im Besonderen für Familien.

Diese Informationen brachten mich auf die Idee, eine Mitarbeiterbefragung mit dem Thema „Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung“ durchzuführen, um Erkenntnisse über den vorhandenen Bedarf und die Einstellung der Mitarbeiter zu erlangen. Durch die Unterstützung von Herrn Professor Brandenburg bekam ich die Möglichkeit diese Befragung im Rahmen meiner Abschlussarbeit durchzuführen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis I
Teil I: Familie und Beruf - Aktuelle Rahmenbedingungen 1
1. Einleitung 1
1.1 Vorwort 1
2. Forschungsstand 2
3. Familie und Beruf heute 3
3.1 Begriffsdefinitionen 4
3.2 Wandel der Familienstruktur 4
3.3 Alltag zwischen Familie und Beruf 9
3.3.1 Erwerbstätigkeit von Müttern 10
3.4 Kinderbetreuung 14
3.4.1 Einstellung zur berufstätigen Mutter 15
3.5 Familienfreundliche Unternehmenspolitik 17
3.5.1 Mögliche Formen eines betrieblichen Engagements 20
3.6 Studien zum betrieblichen Engagement 23
3.7 Sozialpolitik und Kinderbetreuung 27
3.7.1 Rechtliche Rahmenbedingungen für Kinderbetreuung 29
3.7.2 Landesrecht 31
3.6.3 Stand des Ausbaus der Betreuungsplätze 32
4. Theoretische Bedarfsanalyse der Stadt Velbert 33
4.1 Betreuungssituation der Kinder in Velbert 34
Teil II: Mitarbeiterbedarfsbefragung „Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung im Industriegebiet“ 36
1. Methode und Vorgehensweise des Projektes „Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung“ 36
2. Recherche 37
2.1 Adressensuche 37
3. Kontaktaufnahme 38
3.1 Schriftliche Kontaktaufnahme 38
3.2 Telefonische Kontaktaufnahme 38
4. Gespräche 42
4.1 Gespräche vor und während der Kontaktaufnahme 42
4.2 Persönliche Gespräche 44
5. Fragebogenkonstruktion 49
6. Mitarbeiterfragebogen 51
7. Durchführung der Befragung 53
7.1 Pretest 53
7.2 Onlinebefragung 54
7.2.1 Besonderheiten der Onlinebefragung 54
7.2.2 Umsetzung der Onlinebefragung 56
7.3 Stichprobe und Teilnehmer 58
8. Statistische Ergebnisse 59
8.1 Inhaltliche Analyse 62
8.2 Detaillierte Bedarfsanalyse 68
8.3 Weiterführende Ergebnisse 76
9. Zusammenfassende Ergebnisse 83
10. Abschluss des Projektes 84
11. Fazit 85
11.1 Weiterführende Ergebnisse des Projektes 85
11.2 Folgen des Projektes 87
11.3 Persönliches Fazit 89
12. Literaturverzeichnis 91
Anhang 95
Anhang A: Auszug Tagesbetreuungsausbaugesetz 96
Anhang B: Brief Erstkontakt Unternehmen 98
Anhang C: ScreenshotsOnline-Umfrage Projektbeschreibung 99
Anhang D: Onlinefragebogen 101
Anhang E: Präsentation Umfrageergebnisse des Unternehmens XYZ GmbH 110

Textprobe:

Kapitel 4.2, Persönliche Gespräche:

Ich bereitete mich auf die Gespräche mit den Personalverantwortlichen vor, indem ich noch einmal die wichtigste „Überzeugungs“-Literatur las. Aus diesen Texten verfasste ich ein Gesprächsleitfaden und notierte die zentralen Fakten zur Umsetzung und zeitlichen Planung auf ein Paper, dass ich dem Gesprächspartner überlassen wollte. Den ersten Termin hatte ich bei der größten Firma im Industriegebiet, bei jenem Unternehmen, das mich am Tag nach der Versendung der Anschreiben anrief und eine Teilnahme zusagte.

Die Mitarbeiterzahl lag im Jahr 1998 bei 1 350 Personen. Bis 2006 hat sich die Anzahl der Beschäftigten auf 2 550 erhöht. Davon arbeiten ca. 1 500 Mitarbeiter am Velberter Standort. Das Unternehmen hat seine Fertigungsabteilung direkt im Industriegebiet und die Verwaltung sowie einige andere Abteilungen haben ihren Sitz etwa 800 Meter vom Industriegebiet entfernt. Der Umsatz des Unternehmens hat sich in der Zeitspanne von 1998 bis 2006 verdreifacht. Somit ist die Firma stark expandiert und hat dadurch viele unternehmensinterne Probleme, wie zum Beispiel die Vermittlung der Corporate Identity und die gemeinsame Berufung auf eine Unternehmenskultur. Durch die Standorte im Ausland ist die Firma gezwungen sich wesentlich offener und internationaler aufzubauen, hierfür benötigen sie in Zukunft viele gut ausgebildete Techniker und Ingenieure.

Während des Gespräches wies der Personalchef auf eine zurückliegende Befragung im Jahr 2005 hin. Zu dieser Zeit ergab sich ein Bedarf, allerdings scheiterte nach seiner Aussage eine Umsetzung am Betriebsrat. Daraufhin erklärte ich die geplante Mitarbeiterbefragung. Das Ziel der Befragung ist, dass ein genaues Bild über den vorhandenen Kinderbetreuungsbedarf und über die Einstellungen der Mitarbeiter vorliegt. Weiter erklärt ich, dass nur mit dieser Grundlage eine mögliche Umsetzung der Kinderbetreuung sinnvoll sei.

Da sich dieses Unternehmen schon vor dem Gespräch mit dem Thema „Arbeitsplatznaher Kinderbetreuung“ auseinandergesetzt hatte, zählte ich ihm nur kurz die Vorteile auf, die sich aus dieser speziellen familienfreundlichen Maßnahme ergeben können. Kinderbetreuung kann einen Imagegewinn nach innen und außen erzielen und auch große betriebswirtschaftliche Vorteile für das Unternehmen und dessen Zukunftsfähigkeit ergeben. Auch die in der Literatur erwähnten Nachteile wie lange Einarbeitungszeit in das Thema, aufwendige Fragebogenkonstruktion und die mit der Befragung verbundenen Kosten erwähnte ich. Doch mein Gesprächspartner erwiderte, dass alle Nachteile von mir als durchführende Person kanalisiert würden und diese somit für ihn und die Firma nicht ins Gewicht fallen.

Mein Gesprächspartner erklärte mir, dass er dieses Vorgehen als sehr gut beurteilt und dass die Firma in jedem Falle im vollen Umfang an der Befragung teilnehmen wird.

Ich legte ihm den Entwurf des Fragebogens vor und wir gingen die Fragen einzeln durch. Einige Verbesserungen, vor allem was die Begrifflichkeiten im Einleitungstext betraf, wurden erarbeitet. Er versicherte mir, dass die meisten Mitarbeiter nur sehr einfaches Deutsch verstehen würden und ich deshalb alle Fremdwörter durch einfachere Erklärungen ersetzen solle. Mit den Fragen war er einverstanden, bat mich aber auf noch eine Frage zur genauen Betreuungszeit hinzuzufügen. Ich fand diesen Vorschlag sehr produktiv und arbeitete diese Frage an geeigneter Stelle in den Bogen ein.

Im Anschluss erklärte ich ihm die formalen Bedingungen, unter denen die Befragung ablaufen sollte. Die Befragung soll selbstadministriert durchgeführt werden. Ich fragte, wie das Unternehmen sonstige interne Mitarbeiterbefragungen durchführen würde und er erklärte mir, dass sie die Fragebögen zur jährlichen Mitarbeiterbefragung in der Kantine und an anderen „öffentlichen“ Stellen in der Firma auslegen würden. Ich erzählte ihm von meiner Idee, die Befragung per Intranet durchzuführen und allen jenen, die keine PC-Arbeitsplätze hätten den Fragebogen in Papierformat zu übergeben. Diese Möglichkeit versprach er, mit der zuständigen Abteilung abzusprechen. Für weitere Gespräche zur technischen Umsetzung wollte er einen Termin mit der EDV-Abteilung vereinbaren.

Er war damit einverstanden, dass ich alle Mitarbeiter befragen wollte, auch jene, die keine Kinder im Betreuungsalter haben.

Als zeitlichen Rahmen habe ich den Beginn der Befragung auf Mitte bis Ende März angesetzt. Zehn Tage nach der Versendung bzw. Verteilung der Fragebögen sollte eine Nachfassaktion durchgeführt werden. Die genauen Modalitäten hierfür müssen noch einmal zeitnah verhandelt werden. Bei einer bis dahin immer noch zu geringen Rücklaufquote sollte eventuell noch einmal auf die Befragung hingewiesen werden. Ich eröffnete ihm die Möglichkeit den Fragebogen mehrsprachig zu übersetzen (türkisch, polnisch), allerdings reagierte er hierauf sehr negativ, denn obwohl seine Mitarbeiterschaft zu einem Großteil aus Migranten besteht, sei die Firmensprache deutsch und ein mehrsprachiger Fragebogen würde gegen das Firmenimage verstoßen.

Das Gespräch verlief zu meiner vollsten Zufriedenheit und nach einer Stunde verließ ich den Personalchef mit einer Verabredung für die nächste Woche, um gemeinsam über die technische Umsetzung der Befragung zu sprechen.

Am gleichen Tag fand das Gespräch mit dem Prokuristen einer Niederlassung eines internationalen Unternehmens statt. Der Hauptsitz dieser Firma befindet sich in Hessen, produziert werden unterschiedlichste KFZ-Komponenten. In Velbert werden die Bereiche Entwicklung und Vertrieb bearbeitet, außerdem gibt es ein Lager. In dem Unternehmen arbeiten 70 Mitarbeiter, die alle einen hohen Bildungsabschluss besitzen und nicht wie bei dem vorherigen Termin hauptsächlich in der Produktion arbeiten. Die Atmosphäre in der Empfangshalle war äußerst positiv und das Betriebsklima schien sehr offen und kameradschaftlich zu sein.

Zu Beginn des Gespräches wurde mir einiges über das soziale Engagement des Unternehmens erzählt, denn sie haben im letzten Jahr (2006) die Ehrenamtsagentur Velbert ins Leben gerufen und würden sich auch anderweitig engagieren. Wir sprachen noch längere Zeit über dieses Thema, bis ich ihm dann meine Intention vorstellte. Er war sofort begeistert und bestätigte die Wichtigkeit des Themas, durch einige Erfahrungen in Fortbildungen wie zum Beispiel Manager- und Head-Hunter-Seminaren. Auch er wollte die Befragung online durchführen, da von den 70 Mitarbeitern fast 60 einen Computerarbeitsplatz haben. Wir verabredeten, dass ich die zehn benötigten Papierfragebögen in den nächsten Wochen vorbeibringen würde und sobald die Onlinebefragung freigeschaltet sein würde ich von ihm den internen Verteiler erhalten würde, um die Befragung den Mitarbeitern zuzusenden.

Ebenfalls am selben Tag hatte ich das aus meiner Sicht schwierigste Gespräch mit dem Geschäftsführer des SKFM in Velbert. Wie in dem Abschnitt zu Rückrufaktion beschrieben, wurde ich von ihm telefonisch kontaktiert. Obwohl ich im näheren Sinne kein Interesse an einer Vermischung meiner Arbeit mit einem kirchlichen Träger hatte, entschied ich mich für ein Gespräch, da ich keine andauernde Konkurrenzsituation heraufbeschwören wollte. Wie ebenfalls im oberen Teil erwähnt, erkundigte ich mich zuvor beim Leiter des zuständigen Amtes der Stadt Velbert. Nachdem dieser mich über den Antrag in Kenntnisse setzte, frage ich ihn, warum er mir das nicht schon während der Recherche erzählt und er erklärte, dass über Pläne meist nicht gesprochen würde, bis diese endgültig bewilligt seien. Ich war etwas enttäuscht, denn mit diesem Vorwissen wäre es sinnvoll gewesen, eine Kooperation von der Kontaktaufnahme mit den Unternehmern einzugehen.

Der Geschäftsführer empfing mich und erzählte mir von der geplanten Großtagespflegestelle im Industriegebiet. Es sollen acht volle Plätze für Kinder zwischen null und drei Jahren geschaffen werden. Eröffnet werden soll diese Betreuung am 01.08.2007 im Gebäude eines IT-Unternehmens Mitten in der Industrielandschaft. Der Wunsch nach einer arbeitsplatznahen Kinderbetreuung würde vom SKFM lange gehegt, da sie sich der Zukunftsträchtigkeit dieser Betreuungslösung bewusst seien, und nun sei es an der Zeit diese Vorhaben umzusetzen. Ihr Plan ist, die Kinder sobald sie älter als drei Jahre sind in eine Kolpingkita in der Nähe des Industriegebiets zu übernehmen, sodass kein großer Bruch entsteht. Außerdem seien die Platzanzahl sowie die Altersgruppe der Kinder ausbaufähig.

Daraufhin erklärte ich ihm mein Vorhaben. Dies kam ihm sehr zupass und ich solle ihm die Daten anschließend übergeben, damit eine gute Grundlage für die weitere Planung vorliegt. Ich nahm diesen Einwand hin und fragte nach weiteren Einzelheiten und vor allen Dingen danach, welche Firmen schon Interesse an den wenigen Plätzen angemeldet hätten. Dabei stellte sich heraus, dass er noch keinen Kontakt zu den Firmen aufgebaut hatte und auch an diesem Punkt auf meine Recherche aufbauen wolle. Alle anderen Fragen konnte er nicht beantworten, verwies mich dann auf eine seiner Kolleginnen, die mich weiter informieren könne. Ich machte noch einen Termin mit dieser Frau aus und verabschiedete mich bis zur nächsten Woche.

Beim Gespräch mit der Angestellten stellte sich heraus, dass kein neues Konzept für die Kindertageseinrichtung im Industriegebiet entworfen wurde. Inhaltlich und organisatorisch wird sich diese Einrichtung an den Vorhandenen orientieren. Über eventuelle Zusatzmaßnahmen konnte sie mir keine Auskunft geben. Auf die Frage, wie sie sich die Gestaltung der täglichen Mahlzeiten vorstellten, antwortete sie, dass sie sich wahrscheinlich Essen von der ca. zwei Kilometer entfernten Kindertagesstätte liefern lassen. Denn das Gebäude, in dem die Einrichtung entstehen soll, wird lediglich eine Teeküche zur Verfügung. Als ich erfuhr, dass sich die Öffnungszeiten an den gängigen Kinderbetreuungseinrichtungen orientieren werden, kamen bei mir große Zweifel an der Bedarfsgerechtigkeit des Vorhabens auf.

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Hecker, Sandra Januar 2008: Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung im Industriegebiet - eine Bedarfsanalyse, Hamburg: Diplomica Verlag

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