Arbeitsmotivation in der Strafgefangenenarbeit
Eine explorative Studie zu Arbeitsmotiven und Arbeitsmotivation bei Strafgefangenen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Elke Goder
- Abgabedatum: November 2006
- Umfang: 164 Seiten
- Dateigröße: 915,4 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- Bibliografie: ca. 50
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0281-5
- ISBN (CD) :978-3-8366-0281-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Goder, Elke November 2006: Arbeitsmotivation in der Strafgefangenenarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Strafgefangener, Arbeitsmotivation, Motivation, Strafgefangenenarbeit, Justizvollzugsanstalt
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Magisterarbeit von Elke Goder
Einleitung:
Vor etwa 200 Jahren, bekam die Arbeit eine neue Bedeutung. War sie bisher für das einfache Volk unumgänglich, um zu überleben, so konnte man nun mit zielstrebiger und einfallsreicher Arbeit materiellen Reichtum und soziale Kompetenz erwerben. „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen seiner Mühe Preis“, heißt es in Schillers „Glocke“, und der erste Satz des Gothaer Programms von 1857 lautet „Die Arbeit ist Quelle allen Reichtums und aller Kultur“. Nach Pestalozzi sollte schon in den Schulen die Neigung zur Arbeit geweckt und das Arbeiten gelernt werden, weil es zur „Menschenbildung“ gehöre.
Sich diesen geschichtlichen Hintergrund vor Augen haltend, stellt auch die Gefangenenarbeit seit Jahrhunderten einen sehr wichtigen Pfeiler im Strafvollzug dar. Ursprünglich wurde die Arbeit, die ausschließlich harte körperliche Arbeit war, als Teil der Strafe verstanden und hatte durchwegs erniedrigenden, demütigenden und unterwerfenden Charakter.
Unter dem Einfluss der Industrialisierung wurden die Gefängnisse vielfach zu gut funktionierenden und - dank der geringen Löhne für die Gefangenen -gewinnbringenden Manufakturen umgestaltet. Die Vorstellung, dass Arbeit auch zu persönlichem Glück, zu Reichtum und sozialer Kompetenz verhelfen würde, ist für die Gefangenen allerdings Theorie geblieben. Geringe Löhne, Zwangsarbeit und miserable Arbeitsbedingungen bestimmten den Alltag in den Gefängnismanufakturen. Dieses äußert trüb anmutende Bild von früher hat sich Gott sei Dank aufgrund von gesetzlichen Reformen gewandelt. Die wesentliche Frage, die sich heute stellt, ist die, welchen Stellenwert nimmt die Gefangenenarbeit heute ein?
Shea (2004) sieht die Gefangenenarbeit im 21. Jahrhundert so: „Today in the Western world no inmate dies of malnutrition and exhaustion. Working conditions are generally adequate and bear comparison with outside standards. Work no longer means punishment but seen as a window of opportunity toward rehabilitation.” Es wird deutlich, dass sich der hohe soziale Stellenwert der Arbeit bis heute gehalten hat. In den Gefängnissen sind jene Menschen überrepräsentiert, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ausreichend in ein Berufsleben integrieren konnten.
Problemstellung:
Es soll nun im Rahmen dieser Arbeit aus ökonomischen und persönlichen Interesse der Frage nachgegangen werden, warum Gefangene in der Haft arbeiten und eine Erklärung gefunden werden, aus welchen Beweggründen sie dies tun. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das gesamte Arbeitswesen in den Justizanstalten ein ungeheurer Zuschussbetrieb, was bedeutet, dass in den meisten Betrieben alleine die Personalkosten für die Bediensteten höher als die gesamten Einnahmen sind.
Preusker (1988) nennt als Gründe, dass die Betriebe in den Vollzugsanstalten nicht gewinnbringend arbeiten können, unzureichende Motivation der Gefangenen, fehlendes betriebswirtschaftliches Know-How, Bürokratie und technologische Rückständigkeit. In den letzten Jahrzehnten hat sich im betriebswirtschaftlichen, technologischen und bürokratischen Bereich sehr viel zum Besseren gewandt, soviel steht fest, es handelt sich hier auch um tatsächlich überprüfbare Parameter. Als Beispiel für den Wandel im betriebswirtschaftlichen und bürokratischen Bereich kann hier die Einführung des NPM genannt werden.
„New Public Management (engl.: neues öffentliches Management; Abkürzung NPM) ist eine Richtung innerhalb der Verwaltungsreform und Staatsmodernisierung, die auf der Übernahme privatwirtschaftlicher Managementtechniken beruht. Ziel ist eine effizientere Verwaltung durch Einführung betriebswirtschaftlicher Effizienzkriterien.
Gekennzeichnet ist das NPM durch Schlagworte wie Projektmanagement, flache Hierachien, Kundenorientierung, Zielvereinbarungen, Umbau des Beamtenstatus, Entpolitisierung der Verwaltung durch englische Ausdrücke wie zum Beispiel schlankes Managment („lean management“), dessen Grundprinzip die Ausmerzung jedweder Art von Verschwendung in Bezug auf Material, Umwelt, Kosten und Arbeitskraft ist. Die Hälfte von allem soll genügen. Das involviert eine gründliche Reorganisation von Produktionsabläufen, von Entwicklung, Herstellung und Vermarktung des Produktes.
Diese organisatorischen Veränderungen weisen den Blick in die wirtschaftliche Zukunft einer Justizanstalt. Mit der Einführung des NPM gibt es seit ca. 3 Jahren für eine Justizanstalt die Möglichkeit im Rahmen eines Projektes mehr an Eigenverantwortung übertragen zu bekommen. Es nennt sich dies: „Flexibilisierungsklausel“. Mit dieser gesetzlichen Grundlage ist es einer Anstalt möglich, mit einem Grundbudget eigenständig zu wirtschaften. Die Gewinne, die aus effektivem Wirtschaften (dazu zählen natürlich auch die Betriebe, die qualitativ hochwertige Produkte produzieren sollen) erzielt werden, können in die Anstalt wieder einfließen.
Die Rahmenbedingungen für den organisatorischen Ablauf einer Justizanstalt werden immer härter und alle systemischen Abläufe müssen effektiver funktionieren. So kam mir nun die Idee den Blick auf die vielen arbeitenden Menschen in einer Justizanstalt zu richten – in diesem Falle einmal nicht auf die Bediensteten, sondern auf die Insassen, die in den zahlreichen Betrieben den diversesten Arbeitstätigkeiten nachgehen. Sie sind nämlich der Grundstein für die Aufrechterhaltung der Produktion in den Betrieben in einer Justizanstalt.
Doch wie sieht es mit der Motivation von Gefangenen aus? Sind diese noch immer unzureichend zur Arbeit motiviert, so wie Preusker 1988 bemerkt hat? Tatsache ist es jedenfalls, so konnte auch Shea (2004) in ihrer Untersuchung feststellen, dass in jeder von ihr untersuchten Anstalt in den Ländern Deutschland, England und Frankreich mehr Gefangene arbeiten wollten, als überhaupt Arbeitsplätze zur Verfügung standen. Sind die Insassen also doch motiviert, einer Arbeit in Haft nachzugehen?
Die Befunde und Erkenntnisse über die Wirkung von Arbeitsmotivation eignen sich dazu, eine Basis für praktische Maßnahmen zur Personalpflege (Gesundheit, Arbeitssicherheit, Mitarbeiteranwesenheit) und zum Management von Produktivität (Leistung, Qualität) zu gewinnen. Was veranlasst die Gefangenen einer Arbeit in Haft nachzugehen? Welche Motive stecken dahinter? Wie sehen die Gefangenen ihre Arbeit? Welchen Einfluss hat das System auf die Arbeit eines Gefangenen? All das sind Fragen, die im Rahmen dieser explorativen Studie zur Arbeitsmotivation in Haft nachgegangen werden soll.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Teil dieser Arbeit – dem theoretischen Teil – wird, um einen Überblick über die organisatorischen Rahmenbedingungen in einer Justizanstalt zu bekommen, das Wesen einer totalen Institution erklärt. Im nächsten Kapitel werden die Aspekte beleuchtet, die, aus ökopsychologischer Sicht auf den Gefangenen, der sich in einer Haftanstalt befindet, einwirken können.
Um den Leser sodann auf die eigentliche Thematik der Motivation zur Gefangenenarbeit hinzuführen, werden im nächsten Kapitel die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen unter denen Gefangenenarbeit in Österreich vollzogen wird, präsentiert.
In Kapitel 5 wird zu Beginn das Phänomen der Motivation erklärt und dann eine Auswahl an Motivationstheorien präsentiert, die für die folgende Untersuchung als relevant angesehen wurden.
Der zweite Teil dieser Arbeit umfasst die Untersuchung in der Justizanstalt Suben, wobei zuerst die Rahmenbedingungen unter denen die Untersuchung durchgeführt wurde, erläutert werden. In weiterer Folge werden die Methoden ausführlich behandelt, die Ergebnisse dargelegt und letztendlich im Hinblick auf die Theorien beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die totale Institution aus Sichtweise Goffman’s (1973) | 4 |
| 3. | Ökopsychologische Aspekte haftmässiger Unterbringung | 6 |
| 4. | Allgemeines zur Gefangenenarbeit | 9 |
| 4.1 | Organisation der Gefangenenarbeit in Justizanstalten | 10 |
| 4.2 | Problematik der Arbeitspflicht | 10 |
| 4.3 | Arten von Gefangenenarbeit | 11 |
| 4.4 | Ein wesentlicher Punkt - Die Entlohnung | 12 |
| 5. | Motivation/Begriffsbestimmung/Theorien | 14 |
| 5.1 | Unterscheidung Intrinsische und Extrinsische Motivation | 15 |
| 5.2 | Der Begriff der Arbeitsmotivation | 17 |
| 5.3 | Der Unterschied zwischen Inhaltstheorien/Prozesstheorien | 18 |
| 5.4 | Die Inhaltstheorien der Arbeitsmotivation | 19 |
| 5.5 | Die Prozesstheorien der Arbeitsmotivation | 24 |
| 6. | Das Untersuchungsdesign | 27 |
| 6.1 | Die Arbeit in der Justizanstalt Suben | 27 |
| 6.2 | Die Richtung der Analyse | 30 |
| 6.3 | Analyse der Entstehungssituation und Fragestellung | 31 |
| 6.4 | Durchführung der Untersuchung | 32 |
| 6.4.1 | Die Stichprobe | 32 |
| 6.4.2 | Die Interviews | 33 |
| 6.4.3 | So wurden die Interviews durchgeführt | 34 |
| 6.4.4 | Auffälligkeiten bei der Durchführung der Interviews | 35 |
| 6.4.5 | Zur Auswertung der gewonnenen Daten | 35 |
| 6.4.6 | Festlegung des Materials | 36 |
| 6.4.7 | Ablaufmodell der Analyse | 37 |
| 6.6.8 | Die Entwicklung des Kategoriensystems | 38 |
| 7. | Die Ergebnisse der Untersuchung | 42 |
| 7.1 | Allgemeine Feststellungen | 42 |
| 7.2 | Aus welchem Grund arbeiten Gefangene in Haft? | 43 |
| 7.2.1 | Das Leistungsmotiv | 43 |
| 7.2.2 | Das Anschlussmotiv | 49 |
| 7.2.3 | Das Machtmotiv | 52 |
| 7.2.4 | Arbeit als Sinnvermittler in Haft | 55 |
| 7.2.5 | Arbeit als Vermittler von Freiheit | 56 |
| 7.2.6 | Arbeiten um fürsorglich zu sein- Fürsorgemotiv | 56 |
| 7.3 | Wie sehen Insassen das Anforderungspotential der Arbeit? | 57 |
| 7.3.1 | Wie Vielfältig ist die Arbeit eines Gefangenen? | 57 |
| 7.3.2 | Was bedeutet die Arbeit für einen Insassen? | 59 |
| 7.3.3 | Können sich Insassen mit ihrer Aufgabe identifizieren? | 60 |
| 7.3.4 | Können Gefangene autonom arbeiten? | 62 |
| 7.3.5 | Die Rückmeldung aus der Arbeit selbst | 62 |
| 7.4 | Anreizwerte extrinsischer Belohnung | 63 |
| 7.4.1 | Transparentes leistungsbezogenes Lohnsystem | 63 |
| 7.4.2 | Wahlmöglichkeiten bei der Entlohnung | 64 |
| 7.4.3 | Anreizwert der materiellen Belohnung | 65 |
| 7.5 | Der Wert der sozialen Anerkennung/sozialen Unterstützung | 66 |
| 7.5.1 | Das Lob | 66 |
| 7.5.2 | Soziale Unterstützung | 67 |
| 8. | Sichtweise der Ergebnisse im Hinblick auf die Theorien | 68 |
| 8.1 | Ergebnisse im Hinblick auf die Rahmenbedingungen | 68 |
| 8.2 | Beweggründe zur Arbeit | 70 |
| 8.3 | Sichtweise von Arbeit | 71 |
| 8.4 | Die Arbeitsmotivationstheorien und Gefangenenarbeit | 72 |
| 8.5 | Anwendbarkeit der Methode | 73 |
| 9. | Eigene Gedanken und Ausblick | 74 |
| Literaturverzeichnis | 75 |
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die totale Institution aus Sichtweise Goffman’s (1973) | 4 |
| 3. | Ökopsychologische Aspekte haftmässiger Unterbringung | 6 |
| 4. | Allgemeines zur Gefangenenarbeit | 9 |
| 4.1 | Organisation der Gefangenenarbeit in Justizanstalten | 10 |
| 4.2 | Problematik der Arbeitspflicht | 10 |
| 4.3 | Arten von Gefangenenarbeit | 11 |
| 4.4 | Ein wesentlicher Punkt - Die Entlohnung | 12 |
| 5. | Motivation/Begriffsbestimmung/Theorien | 14 |
| 5.1 | Unterscheidung Intrinsische und Extrinsische Motivation | 15 |
| 5.2 | Der Begriff der Arbeitsmotivation | 17 |
| 5.3 | Der Unterschied zwischen Inhaltstheorien/Prozesstheorien | 18 |
| 5.4 | Die Inhaltstheorien der Arbeitsmotivation | 19 |
| 5.5 | Die Prozesstheorien der Arbeitsmotivation | 24 |
| 6. | Das Untersuchungsdesign | 27 |
| 6.1 | Die Arbeit in der Justizanstalt Suben | 27 |
| 6.2 | Die Richtung der Analyse | 30 |
| 6.3 | Analyse der Entstehungssituation und Fragestellung | 31 |
| 6.4 | Durchführung der Untersuchung | 32 |
| 6.4.1 | Die Stichprobe | 32 |
| 6.4.2 | Die Interviews | 33 |
| 6.4.3 | So wurden die Interviews durchgeführt | 34 |
| 6.4.4 | Auffälligkeiten bei der Durchführung der Interviews | 35 |
| 6.4.5 | Zur Auswertung der gewonnenen Daten | 35 |
| 6.4.6 | Festlegung des Materials | 36 |
| 6.4.7 | Ablaufmodell der Analyse | 37 |
| 6.6.8 | Die Entwicklung des Kategoriensystems | 38 |
| 7. | Die Ergebnisse der Untersuchung | 42 |
| 7.1 | Allgemeine Feststellungen | 42 |
| 7.2 | Aus welchem Grund arbeiten Gefangene in Haft? | 43 |
| 7.2.1 | Das Leistungsmotiv | 43 |
| 7.2.2 | Das Anschlussmotiv | 49 |
| 7.2.3 | Das Machtmotiv | 52 |
| 7.2.4 | Arbeit als Sinnvermittler in Haft | 55 |
| 7.2.5 | Arbeit als Vermittler von Freiheit | 56 |
| 7.2.6 | Arbeiten um fürsorglich zu sein- Fürsorgemotiv | 56 |
| 7.3 | Wie sehen Insassen das Anforderungspotential der Arbeit? | 57 |
| 7.3.1 | Wie Vielfältig ist die Arbeit eines Gefangenen? | 57 |
| 7.3.2 | Was bedeutet die Arbeit für einen Insassen? | 59 |
| 7.3.3 | Können sich Insassen mit ihrer Aufgabe identifizieren? | 60 |
| 7.3.4 | Können Gefangene autonom arbeiten? | 62 |
| 7.3.5 | Die Rückmeldung aus der Arbeit selbst | 62 |
| 7.4 | Anreizwerte extrinsischer Belohnung | 63 |
| 7.4.1 | Transparentes leistungsbezogenes Lohnsystem | 63 |
| 7.4.2 | Wahlmöglichkeiten bei der Entlohnung | 64 |
| 7.4.3 | Anreizwert der materiellen Belohnung | 65 |
| 7.5 | Der Wert der sozialen Anerkennung/sozialen Unterstützung | 66 |
| 7.5.1 | Das Lob | 66 |
| 7.5.2 | Soziale Unterstützung | 67 |
| 8. | Sichtweise der Ergebnisse im Hinblick auf die Theorien | 68 |
| 8.1 | Ergebnisse im Hinblick auf die Rahmenbedingungen | 68 |
| 8.2 | Beweggründe zur Arbeit | 70 |
| 8.3 | Sichtweise von Arbeit | 73 |
| 8.4 | Die Arbeitsmotivationstheorien und Gefangenenarbeit | 75 |
| 8.5 | Anwendbarkeit der Methode | 77 |
| 9. | Eigene Gedanken und Ausblick | 78 |
| Literaturverzeichnis | 80 |
Textprobe:
Kapitel 6.2, Die Richtung der Analyse: Ich hatte die Idee die Gefangenen zu befragen warum sie überhaupt einer Arbeit in Haft nachgehen, obwohl trotz der gesetzlich vorgesehenen Arbeitspflicht ja nicht alle Insassen arbeiten („wo kein Kläger, da kein Richter“), oder der ganze Stand an Gefangenen sowieso nicht beschäftigt werden kann, weil gar nicht so viele Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.
Mit welcher Methode sollte am besten vorgegangen werden? Es wäre natürlich einfach zu sagen, ich erstelle einen Fragebogen, die arbeitenden Gefangenen werden dann in Bausch und Bogen befragt. Die Fragebögen würden dann abgesammelt, ausgewertet und somit hat man ein repräsentatives Ergebnis über die Motivationsfaktoren, die die Gefangenen dazu bewegen einer geregelten Arbeit in Haft nachzugehen.
Diese Vorgehensweise wählte ich nicht, weil ich glaube, dass in einem direkten Vier-Augen-Gespräch mehrere Fakten, die sich mit einem herkömmlichen schriftlichen Fragebogen nicht erheben lassen, zum Vorschein kommen können. Aus diesem Grunde entschied ich mich für eine qualitative Vorgehensweise.
Qualitative Forschung dient der Erkundung des Subjekts in seinem Kontext. Miles und Huberman (1994) betonen, dass es besonders die Erforschung von Menschen in ihrem natürlichen alltäglichen Umfeld ist, die, die qualitative Forschung interessiert. Das Ziel des Forschers ist es dabei einen ganzheitlichen Überblick und ein ganzheitliches Verständnis, das über bloße Quantifizierung hinausgeht zu verschaffen. Methoden werden dem jeweiligen Kontext angepasst, um ihn auch möglichst erfassen zu können.
Nach Weingarten und Hopf (1984) dient qualitative Analyse nicht der Überprüfung von Aussagen mit breitem empirischen Geltungsanspruch – dies ist eher das Gebiet der quantitativen Analyse. Vielmehr leistet sie einen Beitrag zur Deskription und zum Verständnis menschlichen Verhaltens (und wird dazu in vielen sozialwissenschaftlichen Disziplinen genutzt). Außerdem hilft sie bei der Theorie- und Hypothesenbildung und kann sinnvoll zur Theorieprüfung benutzt werden. Qualitative Analyse darf aber demnach kein wildes, nur durch Intuition gesteuertes Interpretieren von Texten sein. Im Gegenteil: je nachvollziehbarer der Prozess für Außenstehende ist und je unkomplizierter die Ablaufmodelle und Kategoriesysteme übernommen werden können, desto glaubhafter werden die Ergebnisse und Schlussfolgerungen qualitativer Untersuchung sein.
Als Werkzeug für die Datengewinnung wählte ich das Interview und als Werkzeug für die Auswertung der gewonnen Daten orientierte ich mich an den Vorgaben des Ph. Mayring, dessen Ausführungen zur qualitativen Inhaltsanalyse dafür als geeignet anzusehen waren.
6.3 Analyse der Entstehungssituation und die Fragestellung: Ich habe diese Arbeit ganz alleine verfasst, und die Untersuchung wurde von mir alleine durchgeführt. Der emotionale Hintergrund lässt sich daran festmachen, dass ich ja selbst im Justizvollzug tätig bin, sehr viel Kontakt zu Insassen habe, und natürlich auch zu meinen Justizkollegen, die als Betriebsleiter in den diversen Betrieben in der Justizanstalt Suben fungieren. Und wie es so ist, man spricht halt über den Job, über Erfolg und Misserfolg. Immer wieder tauchte bei Gesprächen, die ich mit den Betriebsleitern führte, der Aspekt auf, dass eben der einzige Grund, warum die Insassen arbeiten, darin gesehen werden kann, möglichst viel an Geld durch ihre Arbeit zu verdienen, und zudem die Arbeitsqualität schlecht ist, weil die Insassen zum größten Teil unqualifiziert und faul seien.
Ich wollte diesen Behauptungen, die, die Beamten über die arbeitenden Insassen aufstellen auf den Zahn fühlen und einmal versuchen herauszufinden, was einen Gefangenen in Haft zu arbeiten veranlasst. Es stellten sich darum die Fragen: Welche Motive veranlassen Insassen in einer Haftanstalt einer Arbeit nachzugehen?
Zum anderen interessierte mich aber auch noch wie die Gefangenen das Anforderungspotential der Arbeit in Haft sehen. Daraus ergibt sich die zweite Frage: Welche Anforderungen stellt die Arbeit in Haft an die Gefangenen?
6.4.1 Die Stichprobe: Bei dieser Untersuchung war es mir wichtig, möglichst alle Bereiche von Arbeitsbetrieben, die es in der Justizanstalt Suben gibt, zu repräsentieren. Die Betriebe sind oben schon ausführlich beschrieben worden. Damit die Interviews nicht nur mit Insassen, die der deutschen Muttersprache mächtig sind geführt wurden, achtete ich auch darauf einen gewissen Prozentsatz an Ausländern hineinzubringen, denn ein sehr hoher Anteil (ca. 65 %) der beschäftigten Gefangenen sind Ausländer.
Zur genauen Auswahl an Gefangenen für die Interviews hielt ich mich im wesentlichen an die Ausführungen von Glaser und Strauss 1979, die den Datenerhebungsprozess so sehen, dass sie von der Analyse eines ersten Interviews ausgehen und nach weiteren Interviewfällen suchen, um bestimmte soziale Sachverhalte formulieren zu können.
In meinem Fall versuchte ich mich, um mir meine Angst etwas vor der Interviewsituation zu nehmen, an einem Insassen, wo ich wusste, dass dieser sehr offen ist und Freude an Gesprächen hat. Dieser Insasse lieferte mir bestimmte Anhaltspunkte, um weitere Probanden für ein Interview zu suchen, natürlich immer unter Bedachtnahme auf das Anforderungspotential der Arbeit der unterschiedlichen Betriebe der Justizanstalt-Suben, um möglichst alle Arbeitsbetriebe repräsentieren zu können. Es wurden insgesamt 9 Insassen aus den oben vorgestellten Betrieben interviewt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836602815
Arbeit zitieren:
Goder, Elke November 2006: Arbeitsmotivation in der Strafgefangenenarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Strafgefangener, Arbeitsmotivation, Motivation, Strafgefangenenarbeit, Justizvollzugsanstalt



