Die Arbeit des Organisationskomitees der XI. Olympiade 1936 in Berlin
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Karin Stöckel
- Abgabedatum: Juni 2003
- Umfang: 355 Seiten
- Dateigröße: 2,6 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 42
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1853-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stöckel, Karin Juni 2003: Die Arbeit des Organisationskomitees der XI. Olympiade 1936 in Berlin, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Organisation, Olympische Spiele 1936, Wettkampfstation, Berlin, Olympiade
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Diplomarbeit von Karin Stöckel
Einleitung:
Die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden, als sich am 16. August 1936 die Abschlussfeier der XI. Olympischen Spiele im Berliner Olympia-Stadion dem Ende neigte. Auf den Rängen des Stadions erhoben sich 100.000 Menschen um, Hand in Hand, das 100 Jahre alte deutsche Volkslied Spiele sind aus zu singen. Zur selben Zeit wurden die Fahnen aller teilnehmenden Nationen langsam von den Fahnenmasten eingeholt. Als aus dem weiten Rund eine Stimme erschallte: ‚Achtung! Hol nieder Flagge!’, und die olympische Hymne erklang, sank auch die olympische Flagge langsam gen Erdboden. Kanonenschläge grollten zum Abschied aus der Ferne und die dumpfen Schläge der olympischen Glocke hallten vom Glockenturm herüber ins Stadion. Nachdem der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), Graf de Baillet-Latour, die Olympischen Spiele mit den offiziellen Schlussworten für beendet erklärte, erlosch auch die Flamme des olympischen Feuers auf dem Dreifuss über dem Marathontor (vgl. Abb.1). Den Erfolg dieses großen Ereignisses hatte Berlin den vielen tausend helfenden Händen zu verdanken, die Tag und Nacht darum bemüht waren, die XI. Olympischen Spiele zu einem unvergesslichen Augenblick werden zu lassen. Auf dem Weg zu diesem Ziel, galt es zahlreiche Hürden zu überwinden und viele wichtige Aufgaben zu bewältigen.
Wie die Olympischen Spiele ursprünglich entstanden, wurde bisher noch nicht eindeutig belegt. Angenommen wird, dass sie sich aus Reigentänzen und Opferfeiern zu Ehren des Zeus entwickelt haben. Offizielle Aufzeichnungen von Olympischen Spielen um 776 v. Chr. deuten darauf hin, dass die Spiele aber bereits schon viel früher ausgetragen wurden. Von 776 v. Chr. an fanden sie in regelmäßigen Abständen (den Olympiaden = vier Jahre) im Tal Olympia in Elis statt.
Den Höhepunkt erreichten die Spiele des Altertums im 5. Jahrhundert v. Chr., als die griechische Kultur nach dem Ende der Perserkriege in voller Blüte stand. Kurz darauf, unter dem Einfluss der Sophisten, sank das Ansehen der Götter und damit auch das Ansehen der Olympischen Spiele. Von diesem Zeitpunkt an führten die Olympischen Spiele in Griechenland nur noch ein Schattendasein und wurden im Jahr 394 n. Chr. ganz aufgehoben. Der Gedanke, die Olympischen Spiele wieder aufleben zu lassen, entstand durch die Ausgrabungen, die Deutschland 1875 in Olympia vornahm. Doch erst dem Franzosen Pierre de Coubertin gelang es, im Jahr 1894 die Spiele wieder ins Leben zurück zu rufen. Die Spiele der Neuzeit verkörperten nicht wie im alten Griechenland die Verehrung der Götter, sondern stellten ein Friedensfest dar, welches alle Völker der Erde freundschaftlich miteinander verbinden sollte:
Die Olympischen Spiele der Neuzeit sind der ewig sich erneuernden Jugendkraft, dem ritterlichen Geiste und dem Frieden der Welt geweiht. Nicht in schwächlicher Friedensduselei, sondern in zuchtvollem Kampf soll sich die Jugend der Völker begegnen, treu einem gemeinsamen Ideal, und im Stolz der eigenen Nationalität sich eingliedern in die Weltgemeinschaft der Völker.
Da es bei den Spielen der Neuzeit kein einheitliches Heiligtum der Völker gab, wie es im Altertum bei den Griechen der Fall war, entschied Coubertin, die Spiele alle vier Jahre an einem anderen Ort stattfinden zu lassen. Nahezu alle Sportarten der damaligen Zeit wurden Teil der Olympischen Spiele, zu denen Coubertin die Amateure aller Völker einlud. Durch die Erschaffung des olympischen Symbols, der fünf ineinander verschlungenen Ringe, sollte die Einheit der fünf Erdteile verkörpert werden. Besondere Würde ließ Coubertin den Spielen durch deren Verknüpfung mit dem Sinnspruch Citius, Altius, Fortius – schneller, höher, stärker zu teil werden. Auch die Einführung des olympischen Eides den alle Teilnehmer schwörten, und der Start von Tauben als Botschaft des Weltfriedens unterstrichen die friedvolle Bedeutung des olympischen Ereignisses. Selbst die Ansprachen legte Coubertin in ihren Wortlauten fest, um „Schwätzern und Flachrednern“ nicht die Möglichkeit zu geben, die Feierlichkeiten zu zerreden.
Nach der Wiedereinsetzung der Olympischen Spiele durch Baron Pierre de Coubertin 1894 in Paris und der Ausrichtung der ersten Spiele der Neuzeit 1896 in Athen sollten noch 40 Jahre vergehen, bis Deutschland zum ersten Mal in der olympischen Geschichte Ausrichter für Olympische Spiele sein durfte. Zwar war es bereits 1916 gelungen die Ausrichtung der Spiele zugesprochen zu bekommen, diese mussten aber aufgrund des Ersten Weltkrieges ausfallen. Es folgte der Ausschluss der Deutschen bei den folgenden VII. Spielen 1920 in Antwerpen und bei den VIII. Spielen 1924 in Paris. Die Entscheidung, ob deutsche Athleten an diesen Spielen teilnehmen durften übertrug das IOK den Gastgebern der Spiele. Das belgische OK von 1920 beschloss, Deutschland als eine der besiegten Mächte des Krieges von den Spielen auszuschließen. Es erschien dem belgischen OK der Bevölkerung gegenüber unzumutbar, Athleten eines Landes starten zu lassen, dessen Soldaten 1914 widerrechtlich nach Belgien einmarschierten. Auch die Franzosen entschieden sich gegen eine Deutsche Teilnahme, da sie aufgrund der Geschehnisse im Ersten Weltkrieg noch im Jahr 1924 Ausschreitungen gegen die deutschen Athleten befürchteten. Nach dem ersten Weltkrieg war Deutschland zunächst völlig vom olympischen Geschehen isoliert. Erst als Dr. Theodor Lewald 1924 auf einer Sitzung des IOK in Paris von Pierre de Coubertin als Mitglied in das IOK aufgenommen wurde, war die deutsche Nation wieder im IOK vertreten. Bereits 1926 wurde Dr. Lewald in das Präsidium des IOK berufen. Von dem Zeitpunkt an war er hauptsächlich seinen Bemühungen zu verdanken, dass die XI. Olympischen Spiele an Berlin vergeben wurden. Nachdem 1931 die Entscheidung darüber gefallen war, das Berlin Austragungsort für die Spiele von 1936 sein würde, begannen die Vorüberlegungen wie das Projekt Olympische Spiele am besten umgesetzt werden könnte.
Die Verhandlungen über die Finanzierung und über die Beteiligung der Stadt gingen zunächst nur schleppend voran. Denn zu diesem Zeitpunkt liefen die Vorbereitungen für die Teilnahme der deutschen Mannschaft an den Spielen 1932 in Los Angeles auf Hochtouren. Doch auch die Teilnahme der deutschen Mannschaft an den Spielen 1932 stellte bereits eine erste Maßnahme dar, um für die Spiele im eigenen Land zu werben. Mit der deutschen Teilnahme an den Spielen von 1932 sollte den Nationen verdeutlicht werden, dass Deutschland selbst unter schwierigsten wirtschaftlichen und politischen Bedingungen bereit war, olympischen Geist zu zeigen.
Sowohl die Teilnahme 1932 in Los Angeles als auch die Durchführung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, war nicht ohne die Unterstützung von Behörden und der Öffentlichkeit möglich. Dies wurde vom Deutschen Reichsausschuss (DRA) nicht gut geheißen. Er plädierte dafür, dass sich der Sport soweit wie möglich selbst finanzieren sollte, was allerdings im Fall der Olympischen Spiele von Berlin und der Art und Weise, wie die Spiele aufgezogen wurden, ein Ding der Unmöglichkeit war.
Um herauszufinden, welche Abläufe zur Vorbereitung auf ein so großes Unterfangen wie das der Olympischen Spiele 1936 in Berlin notwendig waren, musste ich einen teilweise beschwerlichen Weg nehmen. Er führte mich durch Keller und Archive, die teilweise nicht die Informationen hergaben, die ich gehofft hatte dort zu finden. Doch je tiefer ich in die Welt der archivierten Akten eintauchte, desto mehr Einzelheiten der Spiele von 1936 wurden mir bekannt. Vielen Materialien war ihr hohes Alter anzusehen, was die Bearbeitung oft nicht leicht machte. Eine Flut von Informationsfetzen wollten gesucht, gefunden und schließlich zu einem Mosaik zusammengesetzt werden. Und eine Flut war es in der Tat, zumal ich zu Beginn meiner Recherchearbeiten dachte, dass die meisten Unterlagen der damaligen Zeit im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen oder vernichtet worden waren. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden. Das Mosaik, welches ich Stück für Stück zusammensetzen konnte, gibt dem Leser – wie ich hoffe – einen nähern Einblick in die Ereignisse der ersten Olympischen Spiele, die je in Deutschland stattgefunden haben.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 6 | |
| 1. | Olympische Spiele der XI. Olympiade 1936 in Berlin | 11 |
| 1.1 | Bewerbung | 11 |
| 1.2 | Gründung des Organisationskomitees | 14 |
| 1.2.1 | Carl Diem | 20 |
| 1.2.2 | Theodor Lewald | 23 |
| 1.2.3 | Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg | 24 |
| 1.2.4 | Karl Ritter von Halt | 26 |
| 1.2.5 | Hans Pfundtner | 28 |
| 1.2.6 | Hans von Tschammer und Osten | 29 |
| 1.2.7 | Julius Lippert | 30 |
| 1.2.8 | Walter von Reichenau | 30 |
| 1.2.9 | Wolf Heinrich Graf von Helldorf | 31 |
| 1.2.10 | Leonardo Conti | 31 |
| 2. | Kampfstätten | 33 |
| 2.1 | Reichssportfeld | 33 |
| 2.2 | Olympia-Stadion | 43 |
| 2.3 | Schwimm-Stadion | 50 |
| 2.4 | Deutschlandhalle | 51 |
| 2.5 | Radrennbahn | 53 |
| 2.6 | Ruderregatta-Strecke Grünau | 56 |
| 2.7 | Segelrevier Kieler Förde | 59 |
| 2.8 | Hockey-Stadion | 61 |
| 2.9 | Radfernfahrt-Strecke | 62 |
| 2.10 | Post-Stadion | 63 |
| 2.11 | Polizei-Stadion | 64 |
| 2.12 | BSV-Stadion | 65 |
| 2.13 | Mommsen-Stadion | 66 |
| 2.14 | Marathon-Strecke | 67 |
| 2.15 | Stadion-Neukölln | 70 |
| 3. | Ausstattung der Kampfstätten | 71 |
| 3.1 | Olympia-Glocke | 71 |
| 3.2 | Fahnen, Banner und Wimpel | 74 |
| 3.3 | Hymnen | 78 |
| Olympische Hymne | 80 | |
| 3.4 | Sporttechnische Organisation | 81 |
| 3.4.1 | Olympia-Jolle | 83 |
| 3.4.2 | Olympia Zeitfilm | 85 |
| 3.4.3 | Trefferanzeigegerät für das Fechten | 87 |
| 3.4.4 | Andere Messgeräte | 87 |
| 4. | Polizeiliche Maßnahmen | 89 |
| 4.1 | Bildung des Polizeibefehlsstabes | 89 |
| 4.2 | Organisation von Kräften | 91 |
| 4.3 | Dienststellen | 92 |
| 4.4 | Verpflegung | 94 |
| 4.5 | Schulung und Ausbildung | 95 |
| 4.6 | Technische Mittel | 97 |
| 4.7 | Anschaffungen | 100 |
| 4.8 | Verkehrsregelung | 101 |
| 4.8.1 | Innerstädtische Verkehrsregelung | 104 |
| 4.8.2 | Anfahrt zum Reichssportfeld | 105 |
| 4.9 | Testveranstaltungen | 110 |
| 4.10 | Einteilung Einsatzbereiche | 117 |
| 4.11 | Gewerbepolizeiliche Maßnahmen | 118 |
| Preisüberwachung | 119 | |
| 4.12 | Sicherheitsüberwachung in den Kampfstätten | 120 |
| 4.13 | Meldepflichtige Personen | 122 |
| 4.14 | Sondereinrichtungen und Sondervereinbarungen | 122 |
| 5. | Verkehrsmittel | 124 |
| 5.1 | Schienenverkehr | 124 |
| 5.2 | Öffentlicher Nahverkehr | 128 |
| 5.3 | Schiffsverkehr | 132 |
| 5.4 | Flugzeug | 135 |
| 5.5 | Taxi | 136 |
| 6. | Eintrittskarten | 137 |
| 6.1 | Kartendruck | 137 |
| 6.2 | Richtlinien des Eintrittskartenverkaufes | 139 |
| 6.3 | Einzelkarten | 142 |
| 6.4 | Dauerkarten | 146 |
| 6.5 | Olympia-Stadion-Pass | 152 |
| 6.6 | Pressekarten | 155 |
| 6.7 | Ausweise | 157 |
| 7. | Unterbringung | 161 |
| 7.1 | Olympisches Dorf | 161 |
| 7.1.1 | Wohnhäuser | 166 |
| 7.1.2 | Wirtschaftsgebäude | 168 |
| 7.1.3 | Empfangsgebäude | 173 |
| 7.1.4 | Sportabteilung | 180 |
| 7.1.5 | Statistische Angaben zum olympischen Dorf | 185 |
| 7.2 | Frauenheim | 187 |
| 7.3 | Olympia-Jugendzeltlager | 191 |
| 7.3.1 | Lager der Fußballer | 197 |
| 7.3.2 | Internationales Jugendzeltlager | 198 |
| 7.4 | Internationales Sportstudentenlager | 201 |
| 7.5 | Olympia-Heim der Segler | 204 |
| 7.6 | Unterbringung der Segelflieger | 205 |
| 7.7 | Unterbringung der Zuschauer | 209 |
| 7.8 | Unterbringung der Ruderer | 214 |
| 8. | Werbung und Propaganda | 218 |
| 8.1 | Richtlinien | 218 |
| 8.2 | Olympia-Nadel | 219 |
| 8.3 | Amtliches Abzeichen und Besucher Abzeichen | 221 |
| 8.4 | Olympia-Plaketten und Medaillen | 227 |
| 8.5 | Gedenkprägung | 230 |
| 8.6 | Olympia-Zug | 231 |
| 8.7 | Automobil-Sternfahrt | 233 |
| 8.8 | Radwanderfahrt | 237 |
| 8.9 | Handbuch | 238 |
| 8.10 | Heftreihe | 238 |
| 8.11 | Amtliche Karte | 240 |
| 8.12 | Amtlicher Führer | 240 |
| 8.13 | Amtlicher Bericht | 241 |
| 8.14 | Olympia Film | 245 |
| 9. | Berichterstattung | 247 |
| 9.1 | Entwicklung der Presseabteilung | 247 |
| 9.2 | Ausstattung der Presseeinrichtungen auf den Kampfstätten | 250 |
| 9.3 | Olympia-Pressedienst | 255 |
| 9.4 | Fernsehen | 255 |
| 9.5 | Rundfunkübertragung | 257 |
| 9.6 | Fotografie | 260 |
| 9.6.1 | Material für die Bildpressestellen | 261 |
| 9.6.2 | Bildpressestelle Reichssportfeld | 263 |
| 9.6.3 | Bildstelle Schillersaal | 264 |
| 9.6.4 | Labor Marathontor | 267 |
| 9.7 | Post- und Fernmeldebetrieb | 267 |
| 10. | Medizinische Versorgung | 273 |
| 10.1 | Gesundheitsdienst | 273 |
| 10.2 | Aufgaben des Gesundheitsamtes und Lebensmittelüberwachung | 276 |
| 11. | Festlichkeiten | 277 |
| 11.1 | Einweihung des Reichssportfeldes | 277 |
| 11.2 | Eröffnungsfeier und Schlussfeier | 278 |
| 11.3 | Festliches Rahmenprogramm | 279 |
| 11.3.1 | Großes Festspiel | 283 |
| 11.3.2 | Olympische Jugend | 284 |
| 11.3.3 | Herakles | 286 |
| 11.3.4 | Festveranstaltungen | 287 |
| 11.4 | Fackellauf Olympia - Berlin | 294 |
| 11.5 | Fackellauf Berlin - Kiel | 302 |
| 11.6 | Fackellauf Berlin - Grünau | 302 |
| 12. | Neuaufnahmen und Sonderveranstaltungen | 304 |
| 12.1 | Neuaufnahmen im olympischen Programm | 304 |
| 12.2 | Sternflug | 307 |
| 12.3 | Segelflug als Nationale Sportart | 307 |
| 12.4 | Großflugtag | 311 |
| 13. | Kosten der Olympischen Spiele | 312 |
| Einnahmen und Ausgaben | 312 | |
| Zusammenfassung | 321 | |
| Wertung | 338 | |
| Literaturverzeichnis | 342 | |
| Abbildungsverzeichnis | 346 | |
| Tabellenverzeichnis | 349 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 351 | |
| Anhang | 353 |
Textprobe:
Kapitel 4.7, Anschaffungen: Zur Bewältigung des Aufsichtsdienstes wurden 29 neue Schnell-Lastkraftwagen, 20 neue Streifenwagen und 35 Krafträder mit Beiwagen bestellt.
Um die wasserschutzpolizeilichen Aufgaben zu erledigen, verstärkten in Berlin drei Boote der städtischen Wasserpolizei und bis zu sechs Boote der Motorstandarte des NSKK das normalen Kontingen.
Zur Dienstkleidung der Männer vom NSKK gehörte neben dem Dienstanzug eine braune Mütze mit Kinnriemen, Brotbeutel und Feldflasche. Bei Dienstbeginn erhielten sie zudem eine gelbe Armbinde mit der Aufschrift Polizeihilfsdienst. Nach Dienstschluss war die gelbe Binde an die Dienststelle zurückzugeben.
Nach Anordnung des Chefs der Ordnungspolizei wurden in kürzester Zeit mehr als 7.000 grüne Waffenröcke und mehr als 1.000 weiße Röcke für die Verkehrsbeamten sowie für die Verkehrs- und Aufsichtsposten 300 weiße Mäntel und Mützen bereitgestellt. Denn an allen Feststraßen und in der Nähe der olympischen Kampfstätten sollten sich sämtliche Beamte nur in der neu eingeführten grünen Uniform zeigen. Für die fremdsprachenkundigen Beamten in Berlin mussten mehr als 300 Armbinden beschafft werden und für die polizeilichen Hilfskräfte ca. 2.200 Armbinden mit der Aufschrift Polizei-Hilfsdienst. Die 54 Beamten der Wasserschutzpolizei in Kiel bekamen die neue marineblaue Uniform im Marineschnitt. Bewaffnet waren alle Polizisten mit einer Pistole, 16 Schuss Munition und einem Gewehr.
Anhand dieser sorgfältigen Vorbereitungen lässt sich erkennen, wie gut die Polizei in organisatorischer und technischer Hinsicht für die Durchführung der Olympischen Spiele gerüstet war.
Kapitel 4.8, Verkehrsregelung: Für die gesamte Verkehrsregelung war die Schutzpolizei verantwortlich. Daneben kam auch die SS zum Einsatz, die sich um Absperr- und Sicherungsangelegenheiten kümmerte. In der Vornacht der Eröffnungsfeier sicherte die Berliner Schutzpolizei das gesamte Gelände rund um das Reichssportfeld. Am Morgen der Eröffnungsfeier suchten die Beamten das Gelände weiträumig ab und entfernten alle sich unbefugt aufhaltenden Personen sowie unrechtmäßig abgestellte Fahrzeuge. Zu diesem Zweck standen Abschleppfahrzeuge bereit. Alle Posten waren ab 12 Uhr mittags besetzt und die Beamten einsatzbereit.
Da nun die Bereitstellung der Beamten gesichert war, begann die konkrete Aufteilung in die Einsatzgebiete. Das größte Problem der polizeilichen Organisationsarbeit bestand in der Verkehrsproblematik. Denn der Umfang des zu den Olympischen Spielen zu erwartenden Ansturmes von auswärtigen Kraftfahrzeugen und Personen war nur schwer abzuschätzen. Um sich ein grobes Bild von den bevorstehenden Verkehrsverhältnissen zu machen, diente lediglich die Erfahrung der Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze in den Kampfstätten und die eigene Einschätzung. Wie vorauszusehen war, gingen solche Schätzungen natürlich weit auseinander. Alleine die Tatsache stand fest, dass es eine Verkehrslage geben würde, die Berlin oder irgendeine andere deutsche Stadt bisher noch nicht erlebt hatte. Letztendlich wurde für die Vorbereitung eine Zahl von ca. 15.000 bis 20.000 Kraftwagen und 1.000 Krafträdern, die sich während der gesamten Zeit der Spiele ständig in Berlin befinden würden, angenommen. Nicht zu vergessen war die große Anzahl an Besuchern, die mit der Eisenbahn nach Berlin reisen würden. Besondere Beachtung während der Organisation galt dem Besuch der Nationalsozialistischen-Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF). Die Gemeinschaft hatte eigens für die Anreise zu den Spielen in der Nähe des Reichssportfeldes besondere Aussteigegleise bauen lassen. Es wurde zudem eine Kraft durch Freude Stadt in Form von großen Festhallen errichtet. Alleine der Zustrom, der auf Angehörige dieser NS-Gemeinschaft zurückzuführen war, wurde auf 10.000 bis 30.000 Personen pro Tag geschätzt. Auch für die Kraft durch Freude Stadt galten besondere Sicherheits- und Verkehrsmaßnahmen. Alle Fahrzeuge, die dieses Ziel hatten, mussten die Anfahrt über den Kaiserdamm und die Wandalenallee nehmen, die Abfahrt führte über die Ubierstraße, Langobardenallee und die Thüringerallee. Die Wandalenallee wurde bis zur Ubierstraße als Einbahnstraße eingerichtet. Auf allen Zu- und Abfahrtsstraßen galt Parkverbot. 200 Parkplätze für prominente Gäste waren an der großen Festhalle vorhanden. Alle anderen Fahrzeuge konnten in den Querstraßen der Wandalenallee, in der Frankenallee, der Alemannenallee und im Warnenweg abgestellt werden. Sollte dieser Parkraum nicht ausreichen, gab es in der Bundesallee, der Badenallee, der Würtembergallee und der Bayernallee Notparkplätze. Omnibusse, die im Dienst der KdF unterwegs waren, hielten an der Nordseite des Karolingerplatzes. Innerhalb der KdF Stadt war die SS für die Sicherheit zuständig.
Für die Zeit der Olympischen Spiele verbannte die Polizei den LKW Güterfernverkehr in beiden Richtungen von der Straße Hamburg-Berlin. Für den LKW Verkehr gab es eine Umleitungsstrecke. Am ersten Tag der Spiele war der Platz zwischen dem Stadion und dem Südtor mit Fahrzeugen der Reichsregierung und anderen Ehrengästen zugestellt. Dies störte den reibungslosen Ablauf nach Beendigung der Veranstaltung erheblich. Für die folgenden Tage veranlasste das OK, dass die Einfahrt in diesen Bereich nur noch dem Führer und seiner Begleitung gestattet war. Da das Befahren des Stadiongeländes dessen Bild beeinträchtigte, war es nur dem Technischen Dienst sowie Bild- und Funkdiensten, die im Besitz einer runden Wagenkarte (weißer Grund mit rotem Rand) waren, gestattet, bis eine Stunde vor Beginn der Veranstaltungen den gepflasterten Weg rund um das Stadion zu befahren. Die Aufsichtsbeamten wurden dementsprechend informiert.
Fahrzeuge, die während des Marathons die Laufstrecke befahren mussten, wurden mit besonderen Wagenschildern ausgestattet, so dass sie von den Absperrmannschaften auf den ersten Blick erkannt werden konnten. Da zum Marathon mit erheblichem Publikumsverkehr gerechnet wurde, begannen die polizeilichen Absperrungen sehr frühzeitig. Ein Streitpunkt war die Zulassung von 20.000 Zuschauern auf der Fahrbahn der Avus. Die Polizei äußerte Bedenken, da es einer erheblichen Anzahl an Sicherheitskräften bedurfte um Spalier zu bilden. Klärung sollte die Sitzung am 1. Juli 1936 bringen. Dort sollte auch geklärt werden, wie die 12.000 Kinder auf das Maifeld gelangen, ohne den Marathonlauf zu stören. Besondere Verkehrsregelungen erforderten die Eröffnungsfeier, die Wiederholung des Großen Festspiels, der Fackellauf nach Kiel, das 50 km Gehen, der Fackellauf nach Grünau, der Marathonlauf, die Aufführung Musik und Tanz der Völker, das Große Militärkonzert und die Schlussfeier. In den öffentlichen Verkehr griff die Polizei nur dann ein, wenn der reibungslose Ablauf der An- und Abfahrt gefährdet war.
Die Verkehrsabwicklung in Berlin wurde auf Grund der geschätzten Verkehrszahlen von drei Seiten in Angriff genommen: Die Verkehrsregelung in der Stadt, die Verkehrsführung zu den Kampfstätten und die Verkehrsabwicklung um die Kampfstätten herum. Aber auch für die olympischen Straßenwettbewerbe mussten besondere Verkehrsmaßnahmen getroffen werden.
Kapitel 4.8.1, Innerstädtische Verkehrsregelung: In der Stadt gab es zwei Kategorien von Verkehr: erstens den fließenden Verkehr und zweitens den ruhenden Verkehr (Parkverkehr). Die Aufgabe der Verkehrsbeamten bestand also darin, sowohl dem fließenden, als auch dem ruhenden Verkehr gleichermaßen gerecht zu werden, den Verkehrsfluss in der Stadt aber nicht zu behindern. Die Lösung dieses Problems fanden die Polizeibeamten, indem sie manche Straßen nur für den fließenden und andere nur für den ruhenden Verkehr freigaben. Straßen der ersten Kategorie mussten unter allen Umständen von parkendem und haltendem Verkehr freigehalten werden, um dem fließenden Verkehr freie Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Die zweite Gruppe musste vom Durchgangsverkehr befreit werden, um den kompletten Raum für Parkzwecke nutzen zu können. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, in unmittelbarer Nähe der Fahrstraßen Parkstraßen anzubieten, die den aus den Straßen des fließenden Verkehrs verbannten Parkverkehr aufnahmen. Verwirklicht wurde diese Idee in der Polizeiverordnung vom 23. Juli 1936, in der für gewisse Straßen ein Parkverbot ausgesprochen wurde und andere Straßen zu Parkstraßen ernannt wurden.
Auf Fahrstraßen abgestellte oder liegengebliebene Fahrzeuge entfernte das Abschleppkommando des NSKK, das damit einen wertvollen Dienst leistete, um den Verkehrsfluss aufrecht zu erhalten. Besondere Parkschilder an den Kreuzungen wiesen die Kraftfahrer auf die Parkstraßen hin.
Kapitel 4.8.2, Anfahrt zum Reichssportfeld: Da an den Hauptkampftagen auf den Zufahrtsstraßen zum Reichssportfeld mit einem Verkehrsaufkommen von 10.000 bis 15.000 Fahrzeugen gerechnet wurde, mussten die Verkehrsmaßnahmen für diese Tage besonders vorbereitet werden. Weder waren die Straßen noch die Verkehrseinrichtungen für einen solchen Ansturm ausgelegt. Um einen reibungslosen Ablauf der An- und Abfahrt zum und vom Reichssportfeld zu gewährleisten, mussten zunächst einmal die Straßen dahingehend geprüft werden, ob sie zur Abwicklung des Verkehrs ausreichend waren. Als allgemein ausreichend waren die Zufahrtsstraßen aus dem Stadtinnern, Unter den Linden, Charlottenburger Chaussee, Bismarckstraße, Kaiserdamm, Heerstraße, Berliner Straße, Spandauer Straße, Spandauer Chaussee sowie Kantstraße, Neue Kantstraße, Masurenallee und die Reichsstraße zu beurteilen. Trotz des eigentlich zufriedenstellenden Ergebnisses des Straßenzustandes stellte die Verkehrspolizei einen Antrag auf Ausbau der Schwarzenburgallee und der Charlottenburger Chaussee. Da angenommen wurde, dass sich der Hauptverkehr auf diesen Straßen abwickeln würde, mussten nur geringfügige Ausbaumaßnahmen an anderen Straßen vorgenommen werden. Die unmittelbare Zufahrt zum Reichssportfeld war nur über die Heerstraße und die Olympische Straße möglich. Wenn man davon ausging, dass alle sieben Fahrspuren ausgenutzt wurden und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h erreicht werden konnte, so würden pro Stunde ca. 2.500 Fahrzeuge ans Stadion heranfahren können. Bei der erwarteten Zahl von mindestens 10.000 Fahrzeugen würde sich die Anfahrt aller PKW weit über drei Stunden hinziehen. Aus diesem Grund war es von sehr großer Bedeutung, dass Rundfunk und Presse das Publikum rechtzeitig darauf aufmerksam machten, sich frühzeitig auf den Weg zum Reichssportfeld zu machen.
Hilfreich war auch der Einsatz der Luftbeobachtung aus dem Luftschiff Hindenburg und einem Flugzeug der Polizeioffiziere (vgl. Abb.23). Über Funk und Telefon wurden die Kommandobefehlswagen über Verkehrsstauungen, Überfüllung von Parkplätzen, nicht voll ausgeschöpfte Parkflächen und besonders starke Menschenansammlungen informiert. Die Zahl der Parkplätze am Reichssportfeld und in Grünau war genau festgelegt.
Ausgegebene Wagenkarten waren mit dem entsprechenden Parkplatz beschriftet, für den die Karte gültig war. Die Bauverwaltung übernahm die Beschilderung der verschiedenen Parkplätze. Die Beschilderung war am Reichssportfeld am 27. Juli und in Grünau am 1. August 1936 beendet. Für das Reichssportfeld wurden zu den Hauptveranstaltungen am 1. und 16. August 3.300 Wagenkarten ausgegeben, an den anderen Tagen etwa 1.500. In Grünau waren es an allen Tagen 800 Wagenkarten.
Fahrzeuge der Reichsrundfunkgesellschaft bekamen eigene Parkplätze zugewiesen, wo deren 20 - 30 Fahrzeuge abgestellt werden konnten. In der Umgebung des Reichssportfeldes gab es zwei Autowerkstätten, eine am Westend und eine an der Heilsbergerallee. Fliegende Tankstellen waren an der Sensburgerallee und in der Platanenallee. In Grünau wurden drei Tankwagen aufgestellt. Für Parkplätze ab 100 und mehr Fahrzeugen erarbeitete die Polizeidienststelle eine Parkplatzordnung. Den Fahrzeughaltern erleichterte das OK das Auffinden ihrer Fahrzeuge und die Orientierung am Reichssportfeld, indem Schilder aufgestellt und Handzettel mit wichtigen Informationen wie Parkplatz Nummer, Lageplan der Kampfstätten und Zugangswege zum Parkplatz ausgegeben wurden. Die gesamte Verkehrsführung war bei Veranstaltungen bis ins Detail durchorganisiert.
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http://www.diplom.de/ean/9783836618533
Arbeit zitieren:
Stöckel, Karin Juni 2003: Die Arbeit des Organisationskomitees der XI. Olympiade 1936 in Berlin, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Organisation, Olympische Spiele 1936, Wettkampfstation, Berlin, Olympiade



