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Anwendung der Balanced Scorecard bei der Integrationsphase von Sparkassenfusionen

Anwendung der Balanced Scorecard bei der Integrationsphase von Sparkassenfusionen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nicole Herr
  • Abgabedatum: April 2005
  • Umfang: 75 Seiten
  • Dateigröße: 719,2 KB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Berufsakademie Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9277-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9277-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9277-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Herr, Nicole April 2005: Anwendung der Balanced Scorecard bei der Integrationsphase von Sparkassenfusionen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kaplan, Controlling, Merger, Bank, Kennzahl

Diplomarbeit von Nicole Herr

Problemstellung:

Die deutsche Kreditwirtschaft hat in jüngster Zeit mit erheblichen Ertrags- und Rentabilitätsproblemen zu kämpfen. Darüber hinaus führen Innovationen in der Kommunikationstechnologie und das Aufbrechen der Wertschöpfungsketten zu einem verstärkten Margen- und Kostendruck in der Finanzwirtschaft. Die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben die Zeichen erkannt und verstärken ihren Fokus nun auf die Schaffung eines betriebswirtschaftlich soliden Fundaments.

Neben vielfältigen Handlungsoptionen wie der verstärkten Zusammenarbeit im Verbund, einer intensivierten Vertriebskonzentration sowie Prozessoptimierungen unter Kosten-gesichtspunkten, verdeutlicht sich ein anhaltender Trend zum externen Wachstum durch Fusionen. Im Jahr 2003 verzeichnete die deutsche Kreditwirtschaft 127 Institutsabgänge, wobei sich allein im Sparkassensektor die Anzahl der Einrichtungen um 34 reduzierte.

Längst hat neben politisch begründeten Zwangsfusionen der rentabilitätsbezogene Fokus bei Sparkassenfusionen an Bedeutung gewonnen. Vielfältig werden Fusionen durchgeführt mit dem Ehrgeiz, einen möglichst hohen Synergieeffekt zu erzielen, um so den gestiegenen Herausforderungen am Markt besser begegnen zu können. Welche Ursache das Treffen der Entscheidung zur Durchführung einer Fusion auch hat, gemeinsam ist allen fusionierenden Instituten der Anspruch an einen erfolgreichen Unternehmenszusammenschluss.

Nationale und internationale Studien haben belegt, dass die Vielzahl der Fusionen nicht den gewünschten Erfolg erzielen und Misserfolgsquoten zwischen 30 und 70% aufweisen. Neben einer Vielzahl möglicher Ursachen für diese Entwicklung konnte das Scheitern einer Fusion oftmals mit einer mangelnden oder falschen Integration der Transaktionsobjekte erklärt werden.

Eine aktuell erfolgte Studie ergänzt diesen Erklärungsansatz unter anderem mit der mangelnden Strategiekompetenz von Sparkassen sowie der daraus folgenden defizitären Zielfindung sowie -artikulation. Oftmals werden vorwiegend finanzwirtschaftliche Zielstellungen in den Vordergrund gestellt. Exemplarisch sei hier die zum 1. Januar 2005 entstandene Grossparkasse Köln-Bonn genannt, die im Rahmen ihrer Fusion Einsparungen in Höhe von 20 bis 25 Millionen Euro durch die Zusammenlegung interner Abteilungen anstrebt. Diese Aspekte müssen sowohl Eingang in die Ausgestaltung der Integrationsphase selbst als auch in das abschließende Erfolgscontrolling finden.

In Zeiten gestiegenen Wettbewerbs und wachsender Kundenansprüche erfährt das traditionelle Bankcontrolling immer größer werdende Kritik, die sich hauptsächlich gegen die zu starke Konzentration auf finanzielle Maßgrößen richtet. Diesem Mangel treten moderne Performance Measurement Kennzahlensysteme entgegen, deren bekanntester Vertreter; Die „Balanced Scorecard“ (BSC) von KAPLAN und NORTON, mehr als ein einfaches Controlling-Instrument darstellt, da es erstmals eine gleichgewichtige Betrachtung der vier erfolgskritischen Perspektiven: Finanzen, Kunden, Prozesse und Mitarbeiter vornimmt. „It [is] also the solution for a much bigger problem: Organizations’ inability to implement new strategies and to move to new directions.“ Ziel dieser Arbeit ist es, eine modifizierte BSC zu entwickeln, die auf die praktische Anwendung dieses Konzeptes in der Integrationsphase von Sparkassenfusionen gerichtet ist. Dabei soll ein Problembewusstsein für die Konzeption einer ganzheitlichen Unternehmensstrategie entwickelt werden, das als Basis für die erfolgreiche Implementierung der Balanced Scorecard einerseits und die zielbewusste Durchführung und Kontrolle der Integrationsphase andererseits dient.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit gliedert sich in 7 Kapitel. Im ersten Teil der Arbeit wird kurz der Strukturwandel als Ausgangspunkt für die Durchführung von Fusionen umrissen und die BSC als modernem Ansatz zur Strategiefindung und Erfolgscontrolling herausgestellt.

Im zweiten Kapitel wird das Bankensystem in Deutschland im Rahmen des 3-Säulen-System dargestellt. Betrachtungsgegenstand ist dabei die Säule der Sparkassen, deren Ausgangssituation und Handlungsrahmen im Weiteren verdeutlicht werden soll.

Als eine der folgenträchtigsten Handlungsoptionen wird die Fusion im Kapitel 3 näher beleuchtet. Im Vordergrund stehen dabei zuerst die einzelnen Fusionsmotive, da sie als Ansatzpunkt für die individuellen Zielstellungen eines Instituts im Rahmen einer Fusion dienen. Besonderer Fokus liegt in diesem Kapitel auf der Darstellung der Integrationsphase. Zum besseren Verständnis des Gesamtprozesses wird sie in den Fusionsprozess eingeordnet. Im Anschluss wird mit Hilfe des 7-K-Modells die Komplexität dieser Phase verdeutlicht und die Notwendigkeit eines Erfolgscontrollings herausgestellt.

Das 4. Kapitel stellt die Grundzüge des BSC-Konzeptes dar und erklärt die Notwendigkeit einer Unternehmensstrategie, die zuerst theoretisch und schließlich praktisch für die Sparkassensituation betrachtet wird. In diesem Zusammenhang wird der idealtypische Aufbau einer BSC thematisiert, der im Kapitel 5 für die Integrationsphase bei einer Sparkassenfusion praktische Anwendung findet. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung einer Integration Scorecard, die auf den Grundlagen der vorherigen Kapitel basiert. Besonderes Augenmerk wird auf die exemplarische Darstellung möglicher Kennzahlen in den einzelnen Perspektiven gelegt, die sich an den spezifischen Zielstellungen der Integrationsphase von Sparkassenfusionen orientiert.

Im Kapitel 6 erfolgt eine Analyse der praktischen Anwendung der BSC im Sparkassensektor. Grundlage dieser Evaluation ist die deutschlandweite Befragung von Sparkassen zu ihren Erfahrungen und Einstellungen bezüglich dieses Instrumentes.

Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und geht auf mögliche zukünftige Szenarien ein.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2. Ausgangssituation und Entwicklungsaussichten im Sparkassensektor 3
2.1 Drei-Säulen System und die Rolle der Sparkassen 3
2.2 Problem- und Kritikpunkte bei Sparkassen 5
2.3 Handlungsoptionen für Sparkassen 8
3. Theoretische Grundlagen zu Fusionen 9
3.1 Begriffsabgrenzung der Fusion und Trend im Sparkassensektor 9
3.2 Motive und Ziele von Sparkassenfusionen 10
3.2.1 Vorbetrachtungen zu Fusionsmotiven 10
3.2.2 Darlegung wesentlicher Fusionsmotive für Sparkassen 11
3.2.3 Explizierung der „Economies of Scale and Scope“-Hypothesen 13
3.3 Betrachtung der Integrationsphase 14
3.3.1 Begriff und Signifikanz der Integrationsphase 14
3.3.2 Abgrenzung und Einordnung der Integrationsphase im Fusionsprozess 15
3.3.3 Zusammenhang von 7-K-Modell der Integration und BSC 18
4. Theoretische Grundlagen zur Balanced Scorecard unter Berücksichtigung der Unternehmensstrategie 20
4.1 Begriffliche und historische Einordnung der Balanced Scorecard 20
4.2 Strategie im Wirkungsfeld der Balanced Scorecard 22
4.2.1 Explizierung und Kategorisierung der Strategie 22
4.2.2 Darstellung der Strategie öffentlich-rechtlicher Sparkassen generell und exemplarisch 24
4.3 Entwicklung und Umsetzung der Unternehmensstrategie mit Hilfe der Balanced Scorecard 26
4.4 Kritische Würdigung der Balanced Scorecard 28
5. Anwendung der Balanced Scorecard in der Integrationsphase von Sparkassen 30
5.1 Einführende Betrachtungen zur Integration Scorecard 30
5.2 Entwicklung einer Integration Scorecard für Sparkassen 31
5.3 Betrachtungen zu den Messgrößen einer Integration Scorecard für Sparkassenfusionen 33
5.3.1 Grundlegende Gedankenführung 33
5.3.2 Kausalzusammenhang im Perspektivsystem 35
5.3.3 Messgrößenbetrachtungen im Perspektivsystem 36
5.3.3.1 Grundlegende und kennzahlenorientierte Betrachtungen im Rahmen der Wirtschaftlichkeit und Finanzergebnisse 36
5.3.3.2 Grundlegende und kennzahlenorientierte Betrachtungen im Rahmen der Kundenzufriedenheit und Marktausschöpfung 40
5.3.3.3 Grundlegende und kennzahlenorientierte Betrachtungen im Rahmen der Leistungsfähigkeit und Marktleistungen 41
5.3.3.4 Grundlegende und kennzahlenorientierte Betrachtungen im Rahmen der unternehmerischen Mitarbeiter 43
6. Auswertung einer empirischen Erhebung zur Akzeptanz und Anwendung der Balanced Scorecard im Sparkassensektor 46
6.1 Vorgehensweise und Betrachtungsgegenstand 46
6.2 Schwerpunktorientierte Auswertung der Antworten 47
7. Schlussbetrachtung 50
Glossar 52
Literaturverzeichnis 53
Internetverzeichnis 58
Anhang 60
Ehrenwörtliche Erklärung 68

Automatisiert erstellter Textauszug:

Unternehmensbereiche eingebunden und berücksichtigt werden. Die Schwierigkeit des TopManagements, einen Konsens bei der Detaillierung von Strategien und Zielen zu erreichen, kann durch die Zusammenführung möglichst harmonischer Teams von Beginn an vermieden werden. 142 Im Rahmen einer Top-Down-Planung 143 werden die strategischen Zielstellungen der BSC durch die Weiterleitung an die einzelnen Geschäftseinheiten intern kommuniziert. Möglich ist die anschließende Aufsplittung in den einzelnen Bereichen. Es ist umgekehrt genauso denkbar, dass durch die BSC eine Transparenz in den einzelnen Ebenen bewirkt wird, die die Integration von Verbesserungsvorschlägen (Gegenstromverfahren 144 ) ermöglicht. 145 Für die erfolgreiche Erreichung der definierten Ziele und Kennzahlen muss eine zeitliche Vorgabe erfolgen. Jedes Unternehmen legt Ziele für die finanzielle Perspektive fest, die maßgeblich durch die Zielerreichung in den anderen Perspektiven bestimmt wird, da sie über eine Kette von Ursache-Wirkungsbeziehungen miteinander verknüpft sind. Dieser Kausalzusammenhang stellt die wesentliche Errungenschaft der BSC dar. KAPLAN und NORTON sprechen auch von Strategy Maps 146 . Dabei geht es vornehmlich um die Darstellung der Verknüpfungen zwischen einzelnen Elementen der BSC selbst.147 Integraler Bestandteil des Planungsprozesses ist zudem die jährliche Überprüfung kurzfristiger Planungsfortschritte im Rahmen des langfristigen Plans. 148 Sollten sich hier Abweichungen offenbaren, kann das Management nachsteuern um im Zielkorridor zu bleiben. Im letzten Prozessschritt ermöglicht die Balanced Scorecard dem Unternehmen strategisches Lernen. Ein wesentliches Problem moderner Organisationen soll hier vermieden werden; In den meisten Fällen erhält ein Unternehmen nur selten ein Feedback über ihre Strategien oder ist nicht in der Lage, die zugrunde liegenden Annahmen zu überprüfen. Hier soll den Nachteilen eines Top-Down-Ansatzes Rechnung getragen werden, indem das Management mittels eines „double-loop“ 149 Lernprozesses eine Rückmeldung unterer Hierarchiestufen darüber erhält, ob die den Strategien zugrunde gelegten Voraussetzungen noch gültig sind. [...]

4.3 Entwicklung und Umsetzung der Unternehmensstrategie mit Hilfe der Balanced Scorecard Die Idee der BSC basiert auf der Bildung einer Vision und Strategie eines Unternehmens. Darauf aufbauend werden operative 137 Ziele, Maßgrößen, Vorgaben und die jeweiligen Schritte zur Umsetzung der Strategie hergeleitet, die aus dem Blickwinkel von mindestens vier Perspektiven, betrachtet werden, die finanzielle Perspektive, die Kundenperspektive, die Perspektive der internen Geschäftsprozesse sowie die Innovationsperspektive, die jeweils grundlegende Aspekte des Unternehmens beleuchten. 138 Dieser in sich geschlossene Rahmen ist in der Abbildung 11 im Anhang veranschaulicht. Unabhängig davon, ob ein Unternehmen eine Strategie mit der Balanced Scorecard überarbeitet oder die BSC als Instrument zur Entwicklung und Implementierung einer neuen Strategie verwendet, erhält das Top-Management die Möglichkeit, kritische Unternehmensaspekte zu beleuchten. Die Entwicklung und Umsetzung der Strategie bei der Balanced Scorecard erfolgt in einem Rahmen aus Herleitung, Umsetzung, Kommunikation und Planung der Strategie. Durch ein abschließendes Feedback wird dem Unternehmen strategisches Lernen ermöglicht. 139 Für die Ermittlung einer Strategie muss ein Unternehmen eine Vision besitzen, dabei handelt es sich um eine langfristige Orientierung für alle Unternehmensaktivitäten. Um die Vision zu vergegenwärtigen, formulieren viele Unternehmen ein Leitbild, das die Unternehmensvision genauer umreißt. Im Idealfall stellt das Leitbild den Ausgangspunkt für die Ableitung eines Systems mehrerer Zielkomponenten dar.140 Dabei handelt es sich um zukünftige Zielvarianten, die unter Berücksichtigung von Analysen des Unternehmensumfeldes aus den Wertvorstellungen des Managements und den daraus resultierenden Lagebeurteilungen hervorgehen. 141 Die Aufgabe des Top-Managements ist es, die vorhandenen Strategien aller Geschäftseinheiten zu spezifizieren und in strategische Zielstellungen zu übersetzen sowie passende Indikatoren zur Messung der Strategieumsetzung zu identifizieren. Dabei besteht der Vorteil der BSC darin, dass mit Hilfe des Perspektivsystems alle erfolgskritischen [...]

Am Beispiel der Strategiekonzeption der Sparkasse Forchheim zeigt sich wie im Zuge der Erarbeitung einer BSC eine individuelle Unternehmensstrategie isoliert werden konnte. 134 Ausgehend von der Vision „Finanzdienstleister Nr. 1 in der Region zu werden“ 135 , entwickelte die Sparkasse Forchheim ein dreiteiliges Strategiekonzept. Bestandteil dieser Konzeption war es auf der einen Seite, die Absatzsituation des Unternehmens stringenter zu fokussieren u. a. durch eine intensivere Sparkassenberater-Kunden-Beziehung. Auf der anderen Seite soll der Fokus auf der Kostenseite intensiviert werden, indem nun eine verstärkte Neukundengewinnung im Privat- und Individualkundengeschäft angestrebt wird. Schließlich soll in der dritten strategischen Stoßrichtung den Bedürfnissen der Bestandskunden Rechnung getragen werden, um somit höhere Kundenerträge zu generieren. 136 Einen zusammenfassenden Überblick, hinsichtlich der differenzierten strategischen Zielstellungen der Sparkassen, soll die Abbildung 10 gewährleisten. Dabei ist zu beachten, dass dies nur einen Ausschnitt des Strategierahmens darstellt und die Zielstellungen für die individuelle Sparkassensituation spezifiziert werden muss. [...]

Arbeit zitieren:
Herr, Nicole April 2005: Anwendung der Balanced Scorecard bei der Integrationsphase von Sparkassenfusionen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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