Anwendung von Aspekten der Neuen Institutionenökonomik auf Open Source Software
Produktion, Verfügungsrechte und Transaktionskosten – eine theoretische und empirische Untersuchung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Ingo Böhnlein
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 106 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8196-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8196-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8196-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Böhnlein, Ingo Juli 2003: Anwendung von Aspekten der Neuen Institutionenökonomik auf Open Source Software, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Netzwerke, Koordinationsmechanismen, Property Rights, Linux, GPL
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Magisterarbeit von Ingo Böhnlein
Zusammenfassung:
In der vorliegenden Arbeit wird eingangs die historische Entwicklung der Open Source Community dargelegt. Dieser Schritt wird der Anwendung des Property Right Ansatzes und des Transaktionskostenansatzes vorgeschoben, da im Lauf der Entwicklungsgeschichte wichtige Personen das institutionelle Umfeld von Open Source Software entscheidend geprägt haben. Es werden die drei Meilensteine UNIX, GNU und Linux betrachtet.
Im folgenden Kapitel wird der Property Right Ansatz auf das Lizenzmodell der Open Source Software angewendet. Es wird die Property Rights Struktur ausgewählter Lizenzen incl. ihrer Ausschlussmöglichkeiten von einzelnen Personen ausgearbeitet. Nach Betrachtung der Durchsetzungsfähigkeit der einzelnen Lizenzen wird untersucht, welche Anreizwirkungen die Lizenzen auf Konsumenten und Produzenten haben. Hier soll vor allem aufgezeigt werden, welche Anreize Entwickler haben, ihren Softwarecode unter einer Open Source Definition (OSD) kompatiblen Lizenz zu veröffentlichen. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einen Exkurs in die Spieltheorie. Es soll spieltheoretisch analysiert werden, unter welchen Vorraussetzungen Individuen ihre Verfügungsrechte an ihrem geistigen Eigentum in Kooperationen einbringen.
Danach wird untersucht welche Transaktionskosten beim Tausch von Verfügungsrechten zur Erstellung von Open Source Software entstehen. Hierzu werden die Einzelphasen einer Transaktion betrachtet. Folgend wird geprüft, welche Einwirkung die Transaktionsatmosphäre in Form der Transaktionshäufigkeit, spezifische Investitionen, Opportunismus, Komplexität und beschränkter Rationalität auf die Transaktionskosten bei der Open Source Softwareerstellung hat. Auf Basis dieser Erkenntnisse wird begutachtet, ob die Transaktionskosten Auswirkungen auf die Projektgröße bzw. innerhalb von Projekten auf die Koordinationsformen haben.
Die Arbeit wird mit einer kurzen ergänzenden empirischen Analyse des Quellcodes ausgewählter Projekte abgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis:
| EINLEITUNG | 3 | |
| 1. | FRAGESTELLUNG UND METHODE | 4 |
| 2. | ÜBERBLICK | 6 |
| 3. | HISTORISCHE ENTWICKLUNG | 7 |
| 3.1 | DIE UNIX-PHASE | 7 |
| 3.2 | GNU | 9 |
| 3.3 | LINUX | 10 |
| 3.4 | GRÜNDUNG DER OPEN SOURCE INITIATIVE | 12 |
| 3.5 | KERNPUNKTE DER OPEN SOURCE DEFINITION | 13 |
| 4. | ANWENDUNG DES PROPERTY RIGHTS ANSATZ AUF DIE LIZENZEN VON OPEN SOURCE SOFTWARE | 15 |
| 4.1 | EIGENSCHAFTEN DIGITALER GÜTER | 15 |
| 4.2 | ARTEN VON OPEN SOURCE LIZENZEN | 17 |
| 4.2.1 | OFFENE LIZENZEN | 18 |
| 4.2.2 | VIRALE LIZENZEN | 20 |
| 4.2.3 | FIRMENLIZENZEN | 22 |
| 4.2.4 | DER SONDERFALL DER DOPPELLIZENZIERUNG | 24 |
| 4.3 | SEGMENTATION DER SOFTWAREARTEN AUFGRUND DER PROPERTY RIGHTS | 25 |
| 4.3.1 | KOMMERZIELLE SOFTWARE | 25 |
| 4.3.2 | SHAREWARE | 26 |
| 4.3.3 | FREEWARE | 26 |
| 4.3.4 | OPEN SOURCE SOFTWARE | 26 |
| 4.4 | AUSSCHLUSSMÖGLICHKEIT DER OPEN SOURCE LIZENZEN | 27 |
| 4.5 | DURCHSETZUNGSMÖGLICHKEITEN VON OPEN SOURCE LIZENZEN | 28 |
| 4.6 | ALLOKATIONSANREIZE DURCH DIE LIZENZEN | 31 |
| 4.6.1 | ALLOKATIONSANREIZE DER OPEN SOURCE KONSUMENTEN | 32 |
| 4.6.2 | ALLOKATIONSANREIZE DER OPEN SOURCE PRODUZENTEN | 33 |
| 4.6.2.1 | Monetäre Anreize | 33 |
| 4.6.2.2 | Reputation und Signalproduktion | 36 |
| 4.6.2.3 | Bedarf | 38 |
| 4.6.2.4 | Reziprozität | 39 |
| 4.6.2.5 | Offener Quellcode | 41 |
| 4.7 | DIE BEDEUTUNG DER LIZENZEN - EXKURS IN DIE SPIELTHEORIE | 41 |
| 4.8 | ZUSAMMENFASSUNG DES KAPITELS DER PROPERTY RIGHTS BEI DER OPEN SOURCE SOFTWARE PRODUKTION | 44 |
| 5. | ANWENDUNG DES TRANSAKTIONSKOSTENANSATZ AUF DIE ERSTELLUNG VON OPEN SOURCE SOFTWARE | 45 |
| 5.1 | TRANSAKTIONSPHASEN BEI DER ERSTELLUNG VON OPEN SOURCE SOFTWARE | 48 |
| 5.1.1 | ANBAHNUNGSKOSTEN | 49 |
| 5.1.1.1 | Anbahnungskosten bei Kleinstprojekten und Neugründungen | 49 |
| 5.1.1.2 | Anbahnungskosten bei Großprojekten | 52 |
| 5.1.2 | VEREINBARUNGSKOSTEN | 53 |
| 5.1.3 | KONTROLLKOSTEN | 54 |
| 5.1.3.1 | Qualitätskontrolle | 55 |
| 5.1.3.2 | Kontrolle des Werte- und Normensystems | 56 |
| 5.1.4 | ANPASSUNGSKOSTEN | 57 |
| 5.1.4.1 | Technikbedingte Anpassungskosten | 57 |
| 5.1.4.2 | Mitarbeiterbedingte Anpassungskosten | 58 |
| 5.2 | EINFLUSSFAKTOREN DER TRANSAKTIONSKOSTEN | 58 |
| 5.2.1 | TRANSAKTIONSHÄUFIGKEIT | 59 |
| 5.2.2 | SPEZIFISCHE INVESTITIONEN | 60 |
| 5.2.3 | SPEZIFITÄTSVERHÄLTNIS DER TRANSAKTIONSBETEILIGTEN | 63 |
| 5.2.4 | OPPORTUNISTISCHES VERHALTEN | 64 |
| 5.2.5 | BESCHRÄNKTE RATIONALITÄT UND KOMPLEXITÄT | 67 |
| 5.3 | WAHL DER OPTIMALEN ORGANISATIONSGRÖßE | 69 |
| 5.3.1 | INTERNE ORGANISATION | 69 |
| 5.3.2 | EXTERNE ORGANISATION | 72 |
| 5.3.3 | HYBRIDE ORGANISATIONSFORM | 73 |
| 5.4 | DIE PROJEKTINTERNE KOORDINATION | 75 |
| 5.4.1 | VERTIKALE KOOPERATION | 75 |
| 5.4.2 | HORIZONTALE KOOPERATION | 78 |
| 5.4.3 | WETTBEWERB | 79 |
| 5.5 | ZUSAMMENFASSUNG DES KAPITELS DER TRANSAKTIONSKOSTEN BEI DER OPEN SOURCE SOFTWARE PRODUKTION | 80 |
| 6. | EMPIRISCHE ÜBERPRÜFUNG | 81 |
| 6.1 | FRAGESTELLUNG | 82 |
| 6.2 | METHODE | 82 |
| 6.2.1 | CVSANALY | 84 |
| 6.2.2 | PRE-TEST | 84 |
| 6.2.3 | BERECHNUNGSABLAUF | 85 |
| 6.3 | ERGEBNISSE | 85 |
| 6.3.1 | FREEBSD | 87 |
| 6.3.2 | KDE | 89 |
| 6.4 | ZUSAMMENFASSUNG DER EMPIRISCHEN ERGEBNISSE | 93 |
| 7. | SCHLUSSBETRACHTUNG | 94 |
| 8. | LITERATURVERZEICHNIS | 96 |
Ferner zeigt sich, dass auch unabhängige Einzelentwickler Firmenaufträge zur Erstellung von Open Source Software gegen Bezahlung ausführen, bzw. Entwickler während ihrer regulären Arbeitszeit an der Produktion von Open Source Software arbeiten. Es handelt sich hierbei um Open Source Projekte, die für den Arbeitgeber von Wichtigkeit sind. Dies kann z.B. die Weiterentwicklung des Apache Webservers durch Angestellte eines Online-Versandhauses sein, oder die Weiterentwicklung bzw. Anpassung von Linux durch einen Netzwerkadministrator einer Firma, die Linux als Serverbetriebsystem nutzt. Diese Anreize zur Erstellung von Open Source Software werden vor allem durch das abusus und Weitergaberecht geschaffen, welches bei proprietärer Software in der Regel nicht auf die Nutzer übertragen wird. Firmen, die Open Source Software einsetzen und auch weiterentwickeln, schätzen vor allem den hohen Gebrauchswert der Software. Die Steigerung des Gebrauchswertes wird durch die lizenzspezifischen Eigenschaften der Software erreicht, die die Rechte usus, usus fructus, abusus und das Weitergaberecht auf den Nutzer überträgt (Hawkins, 2001). [...]
"Sell It, Free It": Unternehmen, die in der ersten Phase des Produktzyklus ihre Software verkaufen, überführen diese später zur Open-Source-Software in Form einer Doppellizenzierung. Die Unternehmen behalten durch diese Vorgehensweise die ausschließlichen Verfügungsrechte am Originalcode, gestatten jedoch jedermann die lizenzkonforme Nutzung der Software. Den Unternehmen werden dadurch Einsparungsmöglichkeiten bei den Supportkosten ermöglicht. Das jeweilige Unternehmen wird bei der Wartung und Pflege der Software durch die Community unterstützt. Der offene Quellcode der Open Source Version ermöglicht es, jedermann mögliche Fehler im Quellcode aufzudecken. Diese Bugfixes und Verbesserungen, die im Rahmen der Open Source Version erstellt werden, können nun auch verwendet werden, um die proprietäre Version Software der Altkunden zu pflegen und auf aktuellen Stand der Technik zu halten. [...]
Die Anwendung von Aspekten der neuen Institutionenökonomik, hier der Property Rights Ansatz und der Transaktionskostenansatz hat Einblicke in die Struktur und Funktionsweise der Open Source Softwareerstellung gewährt. Es ist in dieser Arbeit deutlich geworden, dass die institutionelle Absicherung der Verfügungsrechte, der einzelnen Entwickler, die Grundvoraussetzung für das Funktionieren von Open Source Software Projekten ist. Die Lizenzen sichern den Entwicklern einerseits ihre ausschließlichen Verfügungsrechte an den von ihnen entwickelten Codezeilen, andererseits garantieren diese Verfügungsrechte die Offenheit des Quellcodes auf lange Sicht. Die in den Lizenzen spezifizierten Property Rights haben gleichzeitig noch Anreizwirkungen auf Entwickler, ihren Softwarecode OSD-konform zu lizenzieren. Gerade die besondere Property Rights Struktur der Open Source Software ermöglicht erst die freiwillige Interaktion von verschiedenen Einzelentwicklern. Diese Interaktionen sind jedoch nur unter Aufwendung von Transaktionskosten durchführbar. Die Anwendung des Transaktionskostenansatzes zeigte auf, an welchen Stellen des Produktionsprozess Transaktionskosten entstehen, bzw. wie sie durch technische Hilfsmittel reduziert werden können. Durch die Betrachtung der Organisationsformen bzw. der Koordinationsformen auf transaktionskostentheoretischem Hintergrund wurde deutlich, dass sich durch ausgewählte Koordinationsformen Transaktionskosten reduzieren lassen. Es hat allen Anschein, dass sich erst durch eine optimale Kombination von vertikaler bzw. horizontaler Kooperation und Wettbewerb die Existenz von Open Source Projekten erklären lässt. Der empirische Teil dieser Arbeit deutet auf eine stakte Dominanz weniger Entwickler in den einzelnen Projekten hin. Dies ist eine Abkehr von den „romantischen“ Annahmen eines paritätischen Netzwerkes. Gleichzeitig ist zu überlegen, ob nicht gerade diese Dominanz der vertikalen Kooperation ergänzt durch horizontale Kooperation und Wettbewerb der Garant für die transaktionskostenoptimale Interaktion der Masse an Entwicklern ist. Diese Arbeit hatte den Anspruch einen kleinen Beitrag zur Schließung der Forschungslücke des Open Source Phänomens zu liefern. Inwieweit dies gelungen ist, soll an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Festzuhalten bleibt jedoch, dass gerade durch die [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832481964
Arbeit zitieren:
Böhnlein, Ingo Juli 2003: Anwendung von Aspekten der Neuen Institutionenökonomik auf Open Source Software, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Netzwerke, Koordinationsmechanismen, Property Rights, Linux, GPL



