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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit − Welche Bedeutung hat die Jugendweihe heute für Jugendliche als Übergangsritual vom Jugend- zum Erwachsenenalter?

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit − Welche Bedeutung hat die Jugendweihe heute für Jugendliche als Übergangsritual vom Jugend- zum Erwachsenenalter?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Berit Tolke
  • Abgabedatum: Juni 2006
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 698,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9774-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9774-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9774-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Tolke, Berit Juni 2006: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit − Welche Bedeutung hat die Jugendweihe heute für Jugendliche als Übergangsritual vom Jugend- zum Erwachsenenalter?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozialpädagogik, Initiation, Statuspasage, Jugendliche, Konfirmation

Diplomarbeit von Berit Tolke

Zusammenfassung:

Endlich erwachsen zu werden und die Kindheit hinter sich zu lassen, stellt seit jeher für viele Heranwachsende erstrebenswertes Ziel und innig gehegten Wunsch gleichermaßen dar. Es gilt, gesellschaftliche Akzeptanz und Handlungsfähigkeit zu erlangen und von der Umwelt als mündiger Bürger wahrgenommen zu werden.

Die Jugendweihe will die Schüler der achten Klasse inhaltlich und feierlich auf diesem Weg in das Erwachsenenleben begleiten. Sie gilt vor allem im Osten Deutschlands und neben der kirchlichen Konfirmation als gesellschaftlicher Ritus, der diesen Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter markieren soll.

Die vorliegende Arbeit will untersuchen, welche Gültigkeit diesem Ritual heute noch zukommt und wie das Verhältnis zwischen den Ambitionen der Jugendweiheanbieter und der erlebten Realität der Teilnehmer zu sehen ist.

Dabei soll es vor allem um die Frage gehen, ob und welche Ansprüche der Vermittlung von Werten und Erlebnissen sich die durchführenden Vereine gestellt haben – und wie diese in der Praxis umgesetzt werden. Im Gegensatz dazu soll untersucht werden, wie Jugendliche an der Schwelle zum Erwachsenwerden die Bedeutsamkeit der Jugendweihe einschätzen und was oder wer sie zur Teilnahme bewegt.

Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, besteht diese Arbeit aus den folgenden vier Teilen:

Teil I beleuchtet kurz die historischen Hintergründe und die Geschichte der Jugendweihe sowie ihr Verhältnis zur kirchlichen Konfirmation.

Teil II stellt zwei Jugendweiheanbieter aus Dresden näher vor und beschreibt deren Ansprüche an die Vorbereitung und Durchführung der Jugendweihe.

Teil III beschäftigt sich mit den Methoden zur Untersuchung der Jugendweihe und der damit verbundenen Datenerhebung.

Teil IV befasst sich mit der Auswertung der Daten und interpretiert das Ergebnis in Bezug auf die Vorbetrachtungen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
Teil I 5
1. Geschichte der Jugendweihe 5
1.1 Die Anfänge der Jugendweihe 5
1.2 Die Proletarische Jugendweihe (1889 - 1918) 7
1.3 Jugendweihen in der Weimarer Zeit (1918 - 1933) 8
1.4 Jugendweihe im Dritten Reich (1933 - 1945) 9
1.5 Jugendweihen nach 1945 12
1.5.1 Jugendweihen in der BRD 12
1.5.2 Jugendweihen in der DDR 13
1.6 Jugendweihen in der Umbruchzeit 1989/90 18
1.7 Jugendweihe im vereinten Deutschland 20
1.8 Jugendweihe und Konfirmation 21
Teil II. 27
2. Veranstalter und Programm der Jugendweihe 27
2.1 Der Sächsische Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe e.V. 27
2.1.1 Die Jugendweihe 29
2.1.2 Inhalt und Anspruch der Jugendweihe 30
2.1.3 Das Jugendweihejahr 31
2.1.4 Die Feierstunde 33
2.2 Der Jugendverein „Roter Baum“ e.V. 34
2.2.1 Die Jugendweihe 36
2.2.2 Inhalt und Anspruch der Jugendweihe 37
2.2.3 Das Jugendweihejahr 38
2.2.4 Die Feierstunde 40
Teil III. 42
3. Untersuchungsmethoden und Datenerhebung 42
3.1 Einleitung 42
3.2 Das qualitative Interview 43
3.2.1 Interviewformen 43
3.2.2 Das Leitfragen gestützte, teilstrukturierte Interview 44
3.2.3 Möglichkeiten und Grenzen des Leitfragen-Interviews 47
3.3 Das Interview als soziale Situation 50
3.4 Die Datenerhebung 53
3.4.1 Die Auswahl der Probanden 53
3.4.2 Interviewplanung und Leitfragen 55
3.4.3 Ablauf der Interviews 56
3.4.4 Transkription 58
Teil IV. 59
4. Interpretation und Auswertung der Daten 59
4.1 Bedeutung der Jugendweihe aus Sicht der Teilnehmer 60
4.1.1 Information und Motivation 62
4.1.2 Wünsche und Erwartungen 63
4.1.3 Vorbereitung 65
4.2 Persönliche Einschätzung der Teilnehmer nach der Jugendweihe 67
4.3 Anspruch und Wirklichkeit der Veranstalter 71
4.4 Anspruch und Wirklichkeit aus Sicht der Jugendlichen 73
4.5 Zusammenfassung aus erziehungswissenschaftlicher Sicht 74
5. Literaturverzeichnis 76
6. Abkürzungsverzeichnis 78
7. Anhang 80
Interview 1 81
Interview 2 88
Interview 3 95
Interview 4 101
Interview 5 106
Interview 6 111
Interview 7 118
Interview 8 123

Automatisiert erstellter Textauszug:

4.1.1 Information und Motivation Bei der Beantwortung der Fragen, wie die Probanden über die Jugendweihe informiert wurden und welche Gründe sie zur Teilnahme bewegten, war auffällig, dass die Jugendweihe bekannt ist und als „selbstverständlich“ angesehen wird. Deutlich wird dies durch Formulierungen wie dass dies „einfach dazu gehört“ bzw. eben „so üblich“ sei. Den ersten Kontakt zum Thema Jugendweihe hatten die meisten Befragten über ihre Eltern, Geschwister und andere Verwandte und Bekannte, die − meist positiv − von erlebten Feiern berichteten und damit den Wunsch bei den Probanden weckten, selbst daran teilzunehmen bzw. sie dazu ermunterten. Ein Teilnehmer äußerte dazu: „Weil, wenn das meine Schwester macht, dann werd ich das auch machen… So hab ich mir das eigentlich gedacht.“113 Ein anderer Proband brachte den Aspekt Tradition in Spiel und antwortete auf die Frage nach der Motivation mit: „…es ist ja auch irgendwie eine Tradition bei uns in der Familie, dass jeder so Jugendweihe macht.“114 Oft war es auch der Fall, dass die Probanden nicht nur von der Feier gehört, sondern selbst schon als Gast an einer Jugendweihe teilgenommen hatten − und dies als sehr schön empfunden haben. Neben den selbst erlebten Jugendweihen oder durch die Eltern übertragene Familientradition wurde auch die Teilnahme befreundeter Mitschüler bzw. der ganzen Klasse als Motivation genannt. Zwei Probanden wählten die Jugendweihe, weil sie „nicht christlich“ seien und da ja „nix anderes übrig bliebe“ und ein Proband entschied sich, von seinen Eltern vor die Entscheidung zwischen einer schönen Reise und der Teilnahme an der Jugendweihe gestellt, für das Letztere. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang scheint mir der Fakt, dass im VorabInterview nur einer der acht Probanden als Motivation auch die zu erwartenden Geschenke angab. Im Anschluss-Interview dagegen erwähnten vier der Befragten ihre Jugendweihe-Geschenke als bedeutsam für diesen Tag. [...]

Ein Teilnehmer beschreibt die Bedeutung der Jugendweihe für ihn wie folgt: „Ja, Gott… Gute Frage! Irgendwie so … da wird man mal selber…kommt man mal in den Mittelpunkt. Das ist bissl so wie Geburtstag… Man is mal so der Höhepunkt. Also besonders fürs Erwachsensein finde ich das eigentlich ni. 14 Jahre − da hat man noch nicht mal einen Personalausweis und kann noch nichts machen und so.“112 Hier wird der persönliche Wunsch deutlich, einmal im Mittelpunkt zu stehen und Beachtung zu finden. Eine inhaltliche Nähe zur ursprünglichen Funktion der Jugendweihe ist kaum noch zu erkennen, sie wird sogar infrage gestellt, was aber der Motivation zu der Veranstaltung keinen Abbruch tut. Trotz solcher Äußerungen wird aber im weiteren Verlauf der Interviews deutlich, dass die Jugendweihe im Leben der Jugendlichen einen bedeutenden Stellenwert einnimmt, auch wenn es den Teilnehmern schwer fällt, diesen zu beschreiben. Um die Bedeutung in Worte zu fassen, ziehen die Probanden Vergleiche zur Hochzeit oder wichtigen Geburtstagen oder umschreiben das Ereignis mit Worten wie „einmalig“, „Höhepunkt“, „unvergesslich“, „etwas Besonderes“ und „wichtiger Tag in meinem Leben“. Ursprung und Tradition der Jugendweihe werden bei den unter Punkt 2. genannten beiden Veranstaltern nur auf Wunsch der Teilnehmer in dazu angebotenen Seminaren thematisiert, die jedoch kaum angefragt werden. Und da auch außerhalb des Jugendweihe-Vereines kaum über die ursprüngliche Bedeutung dieses Rituals gesprochen wird, driften die Erwartungen an die Feier je nach Informationslage weit auseinander. Was für den einen tatsächlich die „Aufnahme in den Kreis der Erwachsenen“ darstellt, bedeutet für den anderen vor allem „Spaß“, „so ’ne Party irgendwie“ und „dass man sich mal richtig schick machen kann“. [...]

4.1 Bedeutung der Jugendweihe aus Sicht der Teilnehmer Bei meinen Vorbereitungs-Interviews mit den Jugendlichen, jeweils etwa zwei Wochen vor ihrer Jugendweihe, äußerten sie fast durchgängig ein Gefühl der Vorfreude und Nervosität in Erwartung ihres großen Tages. Sie umschrieben dies zum Beispiel mit den Worten „aufgeregt“, „nervös“ oder „ich freu mich drauf“, ein Teilnehmer beschrieb das Gefühl als „bissl so wie Geburtstag“. Lediglich zwei Teilnehmer gaben an, sich „wie immer“ zu fühlen und nicht besonders aufgeregt zu sein. Auf meine Frage, welche Bedeutung sie der Jugendweihe beimessen, herrschte insofern Einigkeit unter den Probanden, als dass sieben Teilnehmer der Jugendweihe eindeutig die Funktion „Aufnahme in die Welt der Erwachsenen“ bzw. „Erwachsen werden“ zuordneten, wenn auch einige dies erst nach einigem Zögern und Nachdenken äußerten. In Verbindung mit den unten erwähnten Motiven zur Jugendweihe, die nicht selten durch Dritte beeinflusst wurden, ist dieses Zögern für mich ein Zeichen dafür, dass die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Jugendweihe im Vorfeld nur recht oberflächlich stattgefunden hat und sich die weiteren Äußerungen dazu deshalb auf im Zusammenhang mit dem Thema Jugendweihe oft gehörte Floskeln zu beschränken schienen, wie z.B. „endlich mit ‚Sie‘ angesprochen werden“, „mehr Freiheiten haben“ oder „mehr Pflichten haben“, auch wenn dies nicht immer mit Inhalt gefüllt werden konnte. [...]

Arbeit zitieren:
Tolke, Berit Juni 2006: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit − Welche Bedeutung hat die Jugendweihe heute für Jugendliche als Übergangsritual vom Jugend- zum Erwachsenenalter?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozialpädagogik, Initiation, Statuspasage, Jugendliche, Konfirmation

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