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Ansätze zur Integration des betrieblichen Umweltschutzes in das Supply Chain Management

Eine empirische Untersuchung in der deutschen Automobilzulieferindustrie

1. Platz BME Trendscouting 2010
Ansätze zur Integration des betrieblichen Umweltschutzes in das Supply Chain Management
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Biewald
  • Abgabedatum: März 2010
  • Umfang: 127 Seiten
  • Dateigröße: 5,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 82
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1299-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: 1. Platz BME Trendscouting 2010
  • Arbeit zitieren: Biewald, Christian März 2010: Ansätze zur Integration des betrieblichen Umweltschutzes in das Supply Chain Management, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Supply Chain Management, Umweltschutz, Automobilzulieferindustrie, Green Supply Chain Management, Closed-loop Supply Chain Management

Diplomarbeit von Christian Biewald

Einleitung:

Problemstellung und Eingrenzung des Themas:

Zwei bedeutende Megatrends dieses Jahrzehnts sollen als Ausgangspunkt für diese Arbeit herangezogen werden. Ersterer beschreibt in Folge des stetigen Wandels globaler Klimaverhältnisse sowie der damit einhergehenden Umweltbeeinträchtigung ein wachsendes ökologisches Bewusstsein in der Gesellschaft. Einen zweiten Megatrend stellt die zunehmende Etablierung globaler Wertschöpfungsnetzwerke durch arbeitsteilige Herstellung von Konsumgütern dar. Beide Entwicklungen hatten für zahlreiche Unternehmen in den letzten Jahren tiefgreifende Veränderungen zur Folge. Das zunehmende Umweltbewusstsein vieler Verbraucher veranlasst Unternehmen ihre bisherigen Markt- und Umweltstrategien zu überdenken sowie nach Lösungen auf veränderte Kundenanforderungen zu suchen. Darüber hinaus bilden nationale wie internationale Umweltschutzgesetze eine rechtliche Grundlage für einen industriellen Wertewandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und effizienterem Ressourceneinsatz. Eine frühzeitige, ökologieorientierte Ausrichtung der Unternehmensstrategie ermöglicht ein proaktives, antizipatives Marktverhalten, wodurch sich Wettbewerbsvorteile generieren lassen.

Global stark vernetzte Wertschöpfungsketten stellen vor diesem Hintergrund für Unternehmen neue logistische Herausforderungen dar. Das für die Koordination dieser Netzwerke verantwortliche Supply Chain Management (SCM) sieht sich immer stärker mit ökologischen Anforderungen konfrontiert. Laut einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Accenture würden 70% der Deutschen beim Lebensmitteleinkauf die bei Herstellung, Logistik und Verpackung entstandenen CO2-Emissionen als wichtiges Kaufkriterium heranziehen. Einige Branchen, wie die Automobil- oder Bekleidungsindustrie, haben dieses Verbraucherinteresse ansatzweise erkannt und versuchen, ausgehend vom Original Equipment Manufacturer (OEM) unternehmensübergreifende umweltgerechtere Logistikkonzepte zu realisieren. Häufig entstehen jedoch keine ganzheitlichen Lösungsansätze, sondern einzelbetriebliche Insellösungen, die Kosteneinspar- und Synergiepotentiale durch mangelhafte Kooperation ungenutzt lassen. Auch seitens der Wissenschaft konnte bislang kein praxistaugliches Instrument zur konsequenten Implementierung ökologischer Fragestellungen in das SCM geschaffen werden. Im Rahmen dieser Arbeit sollen daher mögliche Ansätze und Maßnahmen zur Integration des betrieblichen Umweltschutzes in ein Supply Chain (SC)-Konzept dargestellt und diskutiert werden.

Zielsetzung und Aufbau der Arbeit:

Ziel dieser Arbeit soll es sein, ausgehend von der Betrachtung betrieblicher Umweltschutzstrategien und operativer Umweltmanagementinstrumente, die Erfolgspotentiale einer Integration des Umweltmanagements in das SCM aufzuzeigen. Darüber hinaus sollen die von der Wissenschaft bereits zur Verfügung gestellten umweltfokussierten SC-Konzepte erläutert, sowie deren aktuelle Umsetzungssituation in der deutschen Automobilzulieferindustrie im Rahmen einer empirischen Untersuchung überprüft werden.

Nach einer begrifflichen Abgrenzung des betrieblichen Umweltschutzes beleuchtet die Arbeit umweltbezogene Rechtsgrundlagen und Rahmenbedingungen, die im Laufe der letzten Jahre im nationalen und europäischen Gesetzgebungsprozess verabschiedet wurden. Parallel dazu werden umweltorientierte gesellschaftliche Entwicklungen betrachtet, die starken Einfluss auf das Umweltverhalten von Unternehmen ausüben. Basierend auf dieser Umfeldbetrachtung legen Unternehmen individuelle Umweltschutzstrategien fest und verfolgen daraus resultierende Zielvorgaben. Je nach unternehmensindividueller Bereitschaft oder politisch-gesellschaftlichem Interesse sind Unternehmen mehr oder weniger ökologisch engagiert. Die Umweltschutzstrategie kennzeichnet die Art und Weise, wie ökologiebezogene Problemstellungen im Unternehmen gehandhabt werden. Vier idealtypische strategische Umweltausrichtungen sollen hierzu vorgestellt werden.

Die gewählte Strategie determiniert infolgedessen die zur Verfügung stehenden oder tatsächlich verwendeten operativen Maßnahmen und Instrumente, sowie die zur Erfolgsmessung verfügbaren Controllingwerkzeuge. Häufige Verwendung finden spezielle Umweltbilanzierungen, die rein produktbezogen oder betriebsumfassend gestaltet sein können. Umweltkennzahlen wie die Ökoeffizienz oder die Ökoeffektivität geben nach der Bilanzierung Auskunft über den Zielerreichungsgrad und den Fortschritt vorangetriebener Verbesserungsmaßnahmen. Nach den Erläuterungen zu den klassischen Managementinstrumenten im betrieblichen Umweltschutz werden die Grenzen und Barrieren ökologischen Engagements von Unternehmen reflektiert. Es soll gezeigt werden, inwiefern Unternehmen in der Lage sind, die Umweltbelastungen ihrer Produkte während des gesamten Produktlebenszyklus einzelbetrieblich zu kompensieren bzw. zu minimieren, oder ob unternehmensübergreifende Umweltschutz-Kooperationen einen ökologischen Mehrwert darstellen können.

In einem weiteren Schritt soll dieser Ansatz dazu herangezogen werden, die Integration betrieblicher Umweltschutzaktivitäten in das SCM zu prüfen. Da sich das SCM gerade durch seinen unternehmensübergreifenden Charakter auszeichnet, erscheint eine Erweiterbarkeit des Zielsystems um ökologische Aspekte grundsätzlich realisierbar. Neben weiteren konzeptionellen Voraussetzungen an eine Integration beider Managementansätze sollen die zu erwartenden Erfolgswirkungen beurteilt werden. Sowohl markt- als auch kostenbezogene Erfolgspotentiale, die im Zuge der Implementierung eines integrativen SC-Konzeptes entstehen können, stellen ein wichtiges Entscheidungskriterium für Unternehmen dar und werden im Rahmen dieser Arbeit entsprechend gewürdigt.

Die in der Literatur bereits vorhandenen integrativen umweltfokussierten SC-Ansätze verfolgen zwar das gemeinsame Ziel einer höheren ökologischen Verträglichkeit bestehender Wertschöpfungsnetzwerke, beschäftigen sich jedoch teilweise nur mit einem Ausschnitt der SC und bilden daher keinen ganzheitlichen Managementansatz. Zwei davon sollen in dieser Arbeit näher beleuchtet werden. Das Closed-Loop Supply Chain Management (CL-SCM) beschäftigt sich hauptsächlich mit der Bildung eines geschlossenen Kreislaufwirtschaftssystems. Der Fokus liegt hier auf Instrumenten zur Produktrückführung, Entsorgung oder Wieder- bzw. Weiterverwendung. Der Ansatz des Green Supply Chain Management (GrSCM) konzentriert sich dagegen auf die Verfolgung von Umweltzielstellungen in der klassisch-linearen Wertschöpfungskette beginnend bei der Produktentwicklung, über Materialeinkauf, Lagerung und Produktion bis hin zur Auslieferung der Ware an den Endverbraucher.

Ein darüber hinausgehender dritter Ansatz ist das ganzheitliche Konzept des Holistic Environmental Supply Chain Managements (HE-SCM) von SOMMER. Es plant, steuert und kontrolliert die Wirtschaftsströme in der SC unter gleichzeitiger Berücksichtigung bzw. integrativer Verfolgung ökonomischer und ökologischer Ziele. Ein scheinbar praxistaugliches Instrument, das zwar im Rahmen des HE-SCM-Konzeptes keine Erwähnung findet, jedoch eine SC-weite Informations- und Controllingfunktion einnehmen könnte, ist der Product Carbon Footprint (PCF) oder CO2-Fußabdruck. Dieser ermöglicht eine SC-weite Erfassung aller Schadstoffemissionen entlang des Produktlebenszyklus und bietet daher die Möglichkeit der gezielten Einflussnahme zur effizienten Reduzierung entstehender CO2-Emissionen. Da ein standardisiertes Messverfahren zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vorhanden ist, soll der konzeptionelle Entwicklungsstand sowie das Potential zur verstärkten Umweltfokussierung von Wertschöpfungsketten dieses Instruments näher betrachtet werden.

Zur Beurteilung der aktuellen Umsetzungssituation unternehmensübergreifender integrativer SC-Ansätze in der deutschen Wirtschaft sollen im Rahmen einer empirischen Untersuchung Vertreter der deutschen Automobilzulieferindustrie befragt werden. Zur Erfassung von Art und Umfang überbetrieblicher umweltbezogener Maßnahmen entlang der SC ist eine Befragung von Unternehmen, die sich innerhalb einer Wertschöpfungskette befinden, zwingend erforderlich. Ein Fokus der Empirie lag auf der Ermittlung vorhandener SC-Instrumente in der Eingangs-, Ausgangs- und Rückführungslogistik sowie in den innerbetrieblichen Materialflusskonzepten. Darüber hinaus sollten die befragten Unternehmen eine Einschätzung der denkbaren Konsequenzen für bestehende SC im Zuge der Etablierung eines CO2-Fußabdrucks abgeben. Ebenso von Interesse waren die allgemeine Beurteilung der zukünftigen Relevanz ökologieorientierter Logistikleistungen, sowie das absehbare Engagement der Unternehmen in diesem Bereich.

Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der gewonnenen theoretischen und empirischen Erkenntnisse und gibt einen Ausblick der zu erwartenden Entwicklungen in den kommenden Jahren. Weiterhin erfolgt eine kritische Gesamtbeurteilung dieser Arbeit bei gleichzeitiger Ableitung wissenschaftlichen und praktischen Forschungsbedarfs.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
1. Einführung in das Themengebiet 1
1.1 Problemstellung und Eingrenzung des Themas 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 2
2. Betrieblicher Umweltschutz in Unternehmen 5
2.1 Definition und Begriffsabgrenzung 5
2.2 Die Umweltbetroffenheit von Unternehmen 7
2.2.1 Der ‘Öko-Push’ als gesetzlicher Treiber betrieblichen Umweltschutzes 8
2.2.2 Der ‘Öko-Pull’ als sozialer Treiber betrieblichen Umweltschutzes 13
2.3 Alternative betriebliche Umweltschutzstrategien 15
2.3.1 Aktiv-integriertes versus reaktiv-additives Umweltschutzverhalten 15
2.3.2 Vier idealtypische Umweltschutzstrategien 16
2.4 Ökologieorientierte Bilanzierungsinstrumente 19
2.4.1 Die Produktbilanz 19
2.4.2 Die Prozessbilanz 21
2.4.3 Die Betriebsbilanz 21
2.5 Betriebliche Umweltkennzahlen als Controlling-Instrumente 23
2.5.1 Die Öko-Effizienz 24
2.5.2 Die Öko-Effektivität 26
2.6 Grenzen und Barrieren betrieblicher Umweltschutzaktivitäten 29
3. Integration betrieblicher Umweltschutzmaßnahmen in das Supply Chain Management Konzept 31
3.1 Grundlegende Charakterisierung des Supply Chain Management 31
3.2 Erfolgspotentiale integrativer ökologieorientierter SCM-Konzepte 35
3.2.1 Marktbezogene Erfolgspotentiale 35
3.2.2 Kostenbezogene Erfolgspotentiale 37
3.3 Konzeptionelle Voraussetzungen an eine Integrierbarkeit beider Konzepte 41
3.4 Ökologieorientierte Supply Chain Management Konzepte 43
3.4.1 Das Closed-Loop Supply Chain Management 43
3.4.2 Das Green Supply Chain Management 45
3.4.3 Das Holistic Environmental Supply Chain Management 54
3.5 Zusammenfassung und Ableitung empirischen Forschungsbedarfs 59
4. Empirische Untersuchung zur aktuellen Umsetzungssituation ökologieorientierter SCM-Konzepte in der Automobilzuliefer-industrie 62
4.1 Vorgehensweise der empirischen Untersuchung 62
4.2 Aufbau und Struktur der Befragung 63
4.3 Ergebnisse der empirischen Untersuchung 73
5. Zusammenfassung und Ausblick 96
ANHANG VII
LITERATURVERZEICHNIS XVII

Textprobe:

Kapitel 2.2, Die Umweltbetroffenheit von Unternehmen:

Ein Unternehmen befindet sich grundsätzlich in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Interessensgruppen, welches erheblichen Einfluss auf die Unternehmensstrategie haben kann. Die betriebliche Umweltschutzstrategie richtet sich demnach zu einem gewissen Teil an der Umweltbetroffenheit eines Unternehmens aus, sprich an den ökologischen Interessen verschiedener Anspruchsgruppen. Das Ausmaß der Betroffenheit nimmt mit der steigenden Anzahl und den Sanktionsmöglichkeiten der relevanten Anspruchsgruppen, der zunehmenden öffentlichen Diskussion und der Intensität der an sie herangetragenen Forderungen zu. Diese Betroffenheitssituation kann mittels zweier Betroffenheitsdimensionen abgebildet werden. Die erste Dimension stellt den sogenannten ‘Öko-Push’ als einen von außen in das Unternehmen eingebrachten, sozialen oder politischen Druck durch öffentliche Meinungsbildung bzw. verbindliche Umweltgesetzgebung dar. Respektive dazu wird die zweite Dimension als ‘Öko-Pull’ bezeichnet, die das an ökologiebezogenen Kriterien ausgerichtete Verbraucherverhalten widerspiegelt. Beide Dimensionen werden umso stärker wahrgenommen, je größer die gesellschaftliche Betroffenheit, d. h. die Umweltsensibilität der Öffentlichkeit ist.

2.2.1, Der ‘Öko-Push’ als gesetzlicher Treiber betrieblichen Umweltschutzes:

Seit der Formulierung erster Umweltschutzgesetze Ende des 19. Jahrhunderts ist bis heute deren Zahl kontinuierlich gestiegen. Allein in Deutschland sind bisher mehr als 800 Umweltgesetze, 2800 Verordnungen und 4700 Verwaltungsvorschriften zum Schutz der natürlichen Umwelt erlassen worden. Die hierbei stets berücksichtigten vier Prinzipien des Umweltrechts sind folgende:

Vorsorgeprinzip: Durch antizipative Maßnahmen soll dem Entstehen von Umweltbelastungen vorgebeugt werden.

Verursacherprinzip: Kosten für entstandene Ökologieschäden sind von dem zu tragen, der sie verursacht hat. Dies können sowohl Kosten für die Vermeidung, der Beseitigung oder zum Ausgleich der Umweltbelastung sein.

Gemeinlastprinzip: Falls kein Verursacher der Umweltbelastung zu ermitteln ist, übernimmt die Allgemeinheit die Kosten für die Beseitigung der Umweltschäden.

Kooperationsprinzip: Staat und Gesellschaft sollen zusammenarbeiten, um den Kenntnisstand in Umweltfragen zu erweitern und gemeinsam die Belange der Umweltpflege in die Hand nehmen.

Einen Überblick über die verschiedenen Bereiche des Umweltrechts bietet Abbildung 2.2 (Bereiche des Umweltrechts). Die Rechtsvorschriften lassen sich wie abgebildet in mediale, stoff- und energiebezogene, sowie sonstige Regelungsansätze gliedern. Zwei davon, das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-AbfG) sowie das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG), sind für den weiteren Verlauf dieser Arbeit von Bedeutung und sollen daher näher erläutert werden. Ebenso relevant für den betrieblichen Umweltschutz sind die EG-Öko-Audit-Verordnung nach dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) und die DIN EN ISO-Norm 14001. Beide stellen wichtige Instrumente für die Zertifizierung betrieblicher Umweltmanagementsysteme (UMS) dar und bieten gleichzeitig einen Anhaltspunkt für die Umweltleistung eines Unternehmens. Auch diese Richtlinien werden im nun Folgenden ausführlicher beschrieben.

Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz:

Mit der Verabschiedung des KrW-AbfG im Jahr 1996 trat ein Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen in Kraft. Grundgedanke war es, die bisher überwiegend linearen Systeme der Güterherstellung in zyklische Systeme zu überführen. Ausdrückliches Ziel des Gesetzes ist die Minimierung des Ressourceneinsatzes pro Erzeugniseinheit mit der Zielhierarchie der Abfallvermeidung vor Abfallverminderung, vor Abfallverwertung und vor letztendlicher Beseitigung. Demnach sollen Abfälle in erster Linie verhindert und erst in zweiter Linie stofflich verwertet oder zur Energiegewinnung genutzt werden. Das KrW-AbfG wird ergänzt durch eine ganze Reihe von Rechtsverordnungen, bspw. die Altöl- oder Batterieverordnung, die die Bestimmungen des Gesetzes zur Entsorgung bestimmter Materialien konkretisieren. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der Kreislaufgedanke nicht generell ökonomisch oder ökologisch vorteilhaft ist. Die Wiederaufbereitung bzw. das Recycling von Rohstoffen ist häufig mit hohem Energieeinsatz verbunden und daher teilweise unter rein wirtschaftlichen Aspekten nicht zu rechtfertigen.

Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz:

Das 2005 eingeführte Gesetz zur Reduktion von Emissionen aus Kraftwerken und energieintensiven Industrieanlagen stellt ein gleichermaßen ökologisch wirksames wie ökonomisch effizientes Instrument zum Emissionshandel dar. Insgesamt 1665 Anlagen, vor allem Energieerzeuger, Stahlhütten, Zement- und Papierfabriken, Keramik- und Ziegelwerke nehmen in Deutschland an der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 teil. Diese Anlagen verursachen knapp 60% der Kohlendioxidemissionen in Deutschland, wobei ca. vier Fünftel davon auf die Energieerzeugung zurückzuführen sind.

Das Prinzip des Emissionshandels, wie in Abbildung 2-3 dargestellt, schildert sich wie folgt. Den teilnehmenden Unternehmen werden von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt), basierend auf mehrjährigen Durchschnittswerten, eine exakt definierte Menge an CO2-Zertifikaten zugeteilt, die konkrete Minderungsziele vorgeben. Diese Zertifikate sind handelbar. Erreicht ein Unternehmen die Ziele durch eigene, kostengünstige CO2-Minderungsmaßnahmen, kann es nicht benötigte Zertifikate am Markt verkaufen. Alternativ ist auch ein Zukauf von Zertifikaten möglich, falls eigene Minderungsmaßnahmen sehr kostenintensiv wären. Wird eine Minderungspflicht nicht erfüllt, sind zum einen Kosten in Höhe von EUR 40 /t CO2 (während der ersten Handelsperiode von 2005 bis 2007) zu entrichten, und zum anderen erhöht sich die Minderungsverpflichtung im Folgejahr um die nicht erbrachte Differenzmenge. Ab 2010 soll ein Versteigerungsverfahren für Emissionszertifikate eingeführt werden. Ziel dabei ist, die Vergabe der Lizenzen transparenter zu machen. Die bisherige Verteilung durch die öffentliche Hand berücksichtigt nur Unternehmen, die tatsächlich Lizenzen benötigen. Das neue Vergabeverfahren erlaubt auch anderen Marktteilnehmern an Emissionsberechtigungen mitzubieten.

Kritiker bemängeln jedoch, dass die Reduktion von Treibhausgasen weniger an Ort und Stelle der größten Emittenten, sondern vielmehr dort erfolgt, wo die Umsetzung am schnellsten und kostengünstigsten möglich ist. Der Ausstieg aus fossilen Energiequellen wird dadurch eher verzögert anstatt beschleunigt. Dieses Gesetz kann jedoch als erstes Instrument angesehen werden, das einen Preis für CO2-Emissionen generiert und diesen somit zu einem Kostenfaktor für Unternehmen werden lässt. Eine Ausweitung dieses Prinzips auf weitere Branchen würde Unternehmen zu mehr Anstrengungen bei der Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen bewegen.

Arbeit zitieren:
Biewald, Christian März 2010: Ansätze zur Integration des betrieblichen Umweltschutzes in das Supply Chain Management, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Supply Chain Management, Umweltschutz, Automobilzulieferindustrie, Green Supply Chain Management, Closed-loop Supply Chain Management

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