Ansätze zur Erklärung des Home Bias
Zur internationalen Diversifikation nationales Portfolios
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Arnd Lodowicks
- Abgabedatum: Dezember 2001
- Umfang: 72 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5364-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5364-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5364-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lodowicks, Arnd Dezember 2001: Ansätze zur Erklärung des Home Bias, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Informationsasymetrie, Währungsrisiko, Portfoliotheorie, Diversifikation
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Diplomarbeit von Arnd Lodowicks
Einleitung:
Die Globalisierung des letzten Jahrhunderts hat zu einer intensiven Verflechtung nationaler Volkswirtschaften geführt, in deren Zug auch eine zunehmende Vernetzung nationaler Kapitalmärkte stattgefunden hat. Traditionelle ökonomische Theorien implizieren jedoch einen höheren Globalisierungsgrad als dies momentan in der Realität zu beobachten ist. Dieses Phänomen, welches auch als „Puzzle der internationalen Finanzmärkte“ bezeichnet wird, manifestiert sich in verschiedenen empirisch belegten Zusammenhängen.
Ein Teil dieses Puzzles ist die unzureichende internationale Diversifikation länderspezifischer Wertpapierportfolios. Nach der traditionellen Portfoliotheorie von Markowitz optimieren Anleger ihre Wertpapieranlagen auf der Grundlage einer parallelen Rendite-Risiko-Betrachtung. Ungeachtet der eindeutigen theoretischen Vorteile einer internationalen Diversifikation in möglichst gering korrelierte Wertpapiermärkte, existiert in den länderspezifischen Portfolios weltweit jedoch eine überproportionale Gewichtung nationaler Wertpapiere. Diese nationale Konzentration der Portfolios wird im allgemeinen als „Home Equity Bias“ oder „Domestic Bias“ bezeichnet. In dieser Arbeit wird der Begriff Home Bias verwendet. Der Home Bias wird als die Abweichung zwischen realisierten und optimalen Anteilen nationaler Wertpapiere im Portfolio eines Landes definiert.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen allgemeinen Überblick über den Home Bias und den aktuelle Stand der Forschung zu geben. Das Zielpublikum dieser Arbeit sind Leser die bereits über Grundkenntnisse aus dem Bereich Finanzierung verfügen. Um das allgemeine Verständnis zu erleichtern wird an geeigneten Stellen auf vertiefende Literatur verwiesen. Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Im theoretischen Teil wird ein Schwerpunkt auf die Grundlagen der Portfoliotheorie und die möglichen Ursachen des Home Bias gesetzt. Gegenstand des empirischen Teils ist die Entwicklung und aktuelle Ausprägung des Home Bias im internationalen Umfeld und für Deutschland im Speziellen.
Die Betrachtung des Home Bias beruht sowohl auf finanzmarktbezogenen Ansätzen, welche auf der Annahme exogener Wertpapierkurse basieren, als auch auf makroökonomischen Ansätzen, deren Grundlage allgemeine Gleichgewichtsmodelle einer endogenen Preisfindung sind. Die folgenden Untersuchungen beschränken sich auf finanzmarktbezogene Ansätze und stellen an geeigneten Stellen Verweise zu makroökonomischen Ansätzen her.
Gang der Untersuchung:
Im zweiten Abschnitt wird nach einer grundlegenden Darstellung der Portfoliotheorie, sowie der Vorteilhaftigkeit internationaler Diversifikation, der Home Bias näher erläutert und die historische Entwicklung betrachtet. Der dritte Abschnitt setzt sich mit möglichen Ursachen des Home Bias auseinander und gibt einen Überblick über die relevanten Veröffentlichungen. Diese werden in die Bereiche „Explizite Barrieren“, „Implizite Barrieren“, „Hedging nationaler Risiken mittels nationaler Wertpapiere“, sowie „Internationale Diversifikation durch nationale Anlage“ unterteilt und abschließend einer gemeinschaftlichen Analyse unterzogen. Abschnitt vier stellt eine empirische Betrachtung des Home Bias in deutschen Aktienportfolios dar. Es wird zunächst der historische Verlauf untersucht und anschließend ein Vergleich der Portfolioeigenschaften des realisierten deutschen Aktienportfolios mit verschiedenen internationalen Portfoliostrategien vorgenommen. Im letzten Abschnitt findet sich eine zusammenfassende Betrachtung der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einführung und Struktur der Arbeit | 1 |
| 2. | Ermittlung effizienter Wertpapierportfolios | 2 |
| 2.1 | Grundlagen der Portfoliotheorie | 2 |
| 2.1.1 | Effizienter Rand | 4 |
| 2.1.2 | Tangentialportfolio | 5 |
| 2.1.3 | Internationale Portfoliotheorie | 7 |
| 2.2 | Portfoliooptimierung durch internationale Diversifikation | 12 |
| 2.2.1 | Steigerung der risikoadjustierten Rendite | 12 |
| 2.2.2 | Währungsrisiko | 14 |
| 2.3 | Allgemeine Betrachtung des Home Bias | 16 |
| 2.3.1 | Ausprägung des Home Bias | 16 |
| 2.3.2 | Struktur des Home Bias | 17 |
| 2.3.3 | Entwicklung des Home Bias | 19 |
| 3. | Ansätze zur Erklärung des Home Bias | 20 |
| 3.1 | Explizite Barrieren | 21 |
| 3.1.1 | Regulative Beschränkungen | 21 |
| 3.1.2 | Monetäre Beschränkungen | 23 |
| 3.2 | Implizite Barrieren | 26 |
| 3.2.1 | Informationsasymmetrie | 27 |
| 3.2.2 | Politische Risiken | 31 |
| 3.3 | Hedging nationaler Risiken mittels nationaler Wertpapiere | 33 |
| 3.3.1 | Inflationshedging | 33 |
| 3.3.2 | Nicht international handelbare Vermögensgegenstände | 36 |
| 3.4 | Internationale Diversifikation durch nationale Anlage | 37 |
| 3.5 | Zusammenfassende Betrachtung der Erklärungsansätze | 39 |
| 4. | Betrachtung des Home Bias in Deutschland | 41 |
| 4.1 | Ausprägung Home Bias in Deutschland | 42 |
| 4.2 | Empirischer Vergleich verschiedener Portfoliostrukturen | 45 |
| 5. | Ergebnisse der Arbeit | 48 |
| 6. | Anhang | 50 |
| 6.1 | Herleitung des effizienten Randes | 50 |
| 6.2 | Herleitung des Tangentialportfolios | 51 |
| 6.3 | Darstellung eines Wiener Prozess | 52 |
| 6.4 | Umformung des Gesamtlebenskonsums | 52 |
| 6.5 | Anwendung des Eulerschen Theorems | 53 |
| 6.6 | Dynamische Veränderung des Vermögens | 54 |
| 6.7 | Darstellung einer logarithmischen Nutzenfunktion | 54 |
| 6.8 | Ermittlung nationaler Wertpapierbestände | 55 |
| 6.9 | Transaktionskosten institutioneller Anleger | 55 |
| 6.10 | Auslandsvermögensstatus der Deutschen Bundesbank | 56 |
| 6.11 | Portfoliogewichte bei Berücksichtigung von Inflations | 56 |
| 6.12 | Portfoliogewichte verschiedener Portfoliostrategien | 56 |
argumentieren, dass die Marktkapitalisierung und der Exportanteil als Substitut für den internationalen Bekanntheitsgrad oder die Wahrscheinlichkeit eines Crosslisting anzusehen sind. Folglich bevorzugen internationale Anleger in Japan tendenziell Wertpapiere über die sie einen höheren Informationsstand besitzen. Bei der Betrachtung der Länderstruktur des von Ausländern in Schweden gehaltenen Marktportfolios stellen Dahlquist und Robertsson weiterhin fest, dass sich die Abweichung des inländischen und ausländischen Marktportfolios mit abnehmender Entfernung reduzieren.92 Dieser Zusammenhang lässt darauf schließen, dass Informationsasymmetrien mit steigender Entfernung zunehmen. In diesem Zusammenhang haben Coval und Moskowitz bei der Analyse der geographischen Portfoliostrukturen amerikanischer Investmentfonds eindeutige Präferenzen zugunsten von Investitionen mit geringer räumlicher Entfernung nachgewiesen.93 Die hier untersuchte räumliche Entfernung ist im Kontext der Portfolioselektion als Substitut für ökonomische und kulturelle Unterschiede anzusehen. Neben einer geographischen Präferenz kann den Ergebnissen entnommen werden, dass inländische Anleger – im Vergleich zu ausländischen - kleine Unternehmen mit einem hohen Verschuldungsgrad übergewichten. Die Autoren argumentieren, dass Investoren aufgrund eines subjektiven Kompetenzempfindens glauben, eine höhere risikoadjustierte Rendite mit diesen unsicheren Unternehmen erzielen zu können. Mit anderen Worten: Investoren sind bereit höhere und riskantere Positionen in Unternehmen einzugehen, für die sie einen höheren Informationsstand besitzen. Coval und Moskowitz extrapolieren ihre Ergebnisse auf eine weltweite Betrachtung und kommen zu dem Resultat, dass etwa ein Drittel des Home Bias mittels geographischer Präferenzen erklärt werden könnte.94 Bei der Untersuchung der Aktionärsstruktur regionaler Telefongesellschaften in den USA kommt Huberman zu ähnlichen Ergebnissen. So investieren amerikanische Anleger im Durchschnitt über 50% mehr in ihre Zulieferergesellschaft als in Gesellschaften anderer Bundesstaaten. Diese Vernachlässigung überregionaler Diversifikationsvorteile, führt zu einer stärkeren Abhängigkeit von lokalen Ereignisse.95 [...]
29 heimischer Wertpapiere stellt Kilka auch fest, dass absolute Präferenzen für heimische Wertpapiere existieren.85 Dementsprechend bevorzugt ein Investor eine inländische Anlage gegenüber einer ausländischen auch dann, wenn er indifferent bezüglich der beiden Verteilungsfunktionen ist. Diese Ergebnisse werden durch andere empirische Studien bestätigt. So zeigen Strong und Xi mittels einer Erhebung unter Fondmanagern im Zeitraum 1995 – 2000, dass inländische Investoren ihren Heimatmarkt permanent optimistischer einschätzen als ausländische Anleger.86 Gleiche Zusammenhänge finden Shiller, Kon-Ya und Tsutsui beim Vergleich der Erwartungen institutioneller Investoren für den amerikanischen und japanischen Kapitalmarkt. Der Spread der Renditeerwartungen für den japanischen Markt beträgt hier im Durchschnitt 15 – 20 Prozentpunkte.87 French und Poterba betrachten die durch reale Portfoliostrukturen implizierten Renditeerwartungen und kommen zu dem Ergebnis, dass die Anleger in Japan, Großbritannien und den USA systematisch höhere Renditen für ihren Heimatmarkt erwarten.88 Einen analogen Ansatz wählen Glassman und Riddick für die impliziten Standardabweichungen aus der Sicht eines amerikanischen Investors.89 Auch hier ergeben sich signifikant höhere Risikoerwartungen für ausländische Wertpapiere. Um zu überprüfen, ob inländische Investoren aufgrund privater Informationen ein höheres Informationsniveau für nationale Wertpapiere besitzen, betrachten Stulz, Kho und Choe Daten der Korean Stock Exchange für den Zeitraum 1996 – 1998.90 Beim Vergleich des Anlageverhaltens inländischer und ausländischer Investoren bezüglich kurzfristiger außergewöhnlicher Kursentwicklungen zeigt sich, dass inländische Anleger bei positiver (negativer) Entwicklung tendenziell vor dem Kurssprung kaufen (verkaufen), während ausländische Anleger sich genau entgegengesetzt verhalten. Ferner handeln Inländer im Durchschnitt zu besseren Preisen als Ausländer. Der hier aufgezeigte Zusammenhang spricht für einen Informationsvorteil inländischer Investoren. Dieser führt jedoch nur bei einer aktiven Anlagestrategie auch zu einer deutlich besseren Performance, da der Einfluss auf die Rendite einer Buy-and-HoldStrategie zu gering ist. Kang und Stulz finden bei der Untersuchung des von Ausländern in Japan gehaltenen Portfolios heraus, dass Firmen mit hoher Marktkapitalisierung und hohem Exportanteil [...]
28 Meist besteht die Veränderung der Verteilungsfunktion jedoch aus einer Kombination der beiden genannten Einflüsse. Neben diesen direkten Einflüssen durch Veränderung der Inputparameter existiert auch eine emotionale Komponente von Informationsasymmetrien. So neigen Investoren generell dazu, vertraute Wertpapiere aufgrund subjektiver Präferenzen optimistischer einzuschätzen.80 Wird davon ausgegangen, dass Investoren über inländische Wertpapiere besser informiert sind als über ausländische, führen die dargestellten Zusammenhänge ceteris paribus zu einer Übergewichtung inländischer Wertpapiere. Für die Existenz von Informationsasymmetrien gibt es diverse Ursachen. Im Vordergrund stehen die unterschiedlichen nationalen gesetzlichen Regelungen bezüglich der Informationspolitik börsennotierter Unternehmen, wie etwa unterschiedliche Rechnungslegungsstandards, Regelungen bezüglich des Insiderhandels oder die Aussagekraft der veröffentlichten Informationen.81 Als Beispiel für die immensen Unterschiede zwischen nationalen Standards sei hier das Crosslisting von Daimler Benz an der NYSE im Jahr 1993 angeführt. Nach deutschem Recht wurde ein Jahresüberschuss von 168 Millionen DM ausgewiesen, dieser verwandelte sich jedoch nach amerikanischem Recht in einen Verlust von 949 Millionen DM.82 Unterschiedliche Informationsniveaus inländischer und ausländischer Anleger können aber auch auf Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden oder einfach dem nationalen Exportanteil und der daraus resultierenden internationalen Bekanntheit eines Landes beruhen. Solnik fasst zusammen: “Many investors [...] feel more comfortable staying at home with local markets, even this is a myopic and unprofitable attitude. Foreign markets are perceived as more risky simply because they are unfamiliar.”83 Kilka untersucht anhand einer länderübergreifenden Studie zwischen Amerika und Deutschland welchen Einfluss das subjektive Kompetenzempfinden eines Investors auf dessen Anlageentscheidung hat. Es wird zunächst festgestellt, dass Investoren davon überzeugt sind, eine höhere Kompetenz in bezug auf heimische Wertpapiere zu besitzen. Bei einer ex post Kontrolle der Ergebnisse erweist sich diese subjektive Annahme jedoch als Fehleinschätzung. Weiterhin zeigt sich, dass Anleger für vertraute Wertpapiere sowohl die Varianzen geringer, als auch die erwarteten Renditen höher einschätzen.84 Zusätzlich zu der Verschiebung der Verteilungsfunktion zugunsten [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832453640
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Lodowicks, Arnd Dezember 2001: Ansätze zur Erklärung des Home Bias, Hamburg: Diplomica Verlag
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Informationsasymetrie, Währungsrisiko, Portfoliotheorie, Diversifikation



