Anreizwirkungen der Arbeitslosenversicherung
Eine kritische Beurteilung empirischer Studien für die Bundesrepublik Deutschland, die Vereinigten Staaten und Großbritannien
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Birgit Hackl
- Abgabedatum: März 1995
- Umfang: 130 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5236-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5236-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5236-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hackl, Birgit März 1995: Anreizwirkungen der Arbeitslosenversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Arbeitslosigkeit, Ökonometrie, Empirische Studien, Langzeitarbeitslosigkeit, Arbeitslosenversicherung
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Diplomarbeit von Birgit Hackl
Einleitung:
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist seit Jahren ein Dauerbrenner in Politik und Presse. Beachtlich ist in diesem Zusammenhang der Zuwachs der Langzeitarbeitslosigkeit. Dabei gehen die Meinungen bezüglich der Ursachen erheblich auseinander. Als ein Grund für den verzögerten Austritt aus dem Erwerbslosenstatus wird häufig die Gewährung einer Arbeitslosenunterstützung angeführt. Demzufolge ist es für das betreffende Individuum lohnend, den Anspruch auf Unterstützungsleistungen auszuschöpfen und erst danach wieder eine Beschäftigung aufzunehmen bzw. den Arbeitsmarkt eventuell ganz zu verlassen.
Die vorliegende Arbeit zeigt zunächst die Arbeitsmarktentwicklung der Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens und den USA. In der Darstellung theoretischer Arbeitsmarktmodelle stehen mikroökonomische Ansätze zur Erklärung der Arbeitslosigkeit im Vordergrund. Dabei wird insbesondere der Einfluß der Arbeitslosenunterstützung auf das individuelle Arbeitsangebot untersucht. Die Überprüfung der theoretischen Hypothesen erfolgt durch ökonometrische Ansätze, welche in einem weiteren Kapitel erläutert werden. Den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bildet ein Überblick über empirische Studien, die für die o.g. Länder erstellt wurden. Dabei werden besondere Ergebnisse vor dem Hintergrund der jeweils verwendeten Übergangsratenmodelle diskutiert. Die Darstellung zeigt, daß der Anreizeffekt der Arbeitslosenunterstützung in den drei Ländern recht unterschiedlich ausfällt. Aus diesem Grund werden in einem abschließenden Kapitel die länderspezifischen Regelungen der Arbeitslosenversicherung explizit dargelegt, welche eine Revision der empirischen Resultate ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | ||
| Abkürzungen | ||
| 1. | EINFÜHRUNG | 1 |
| 2. | ARBEITSMARKTENTWICKLUNG | 2 |
| 3. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN | 5 |
| 3.1 | Das Arbeit-Freizeit-Modell | 5 |
| 3.2 | Die Suchtheorie | 7 |
| 3.2.1 | Das STIGLER-Modell | 7 |
| 3.2.2 | Sequentielle Suchprozesse | 8 |
| 3.2.2.1 | Variationen des Suchmodells | 9 |
| 3.3 | Kontrakttheorie | 12 |
| 3.4 | Effizienzlohntheorie | 13 |
| 3.5 | Insider-/ Outsider Theorie | 14 |
| 3.6 | Segmentationstheorie | 15 |
| 3.7 | Humankapitaltheorie | 16 |
| 4. | ÖKONOMETRISCHE MODELLE | 17 |
| 4.1 | Modelle der diskreten Wahl | 17 |
| 4.2 | Ereignisanalyse | 20 |
| 4.2.1 | Statistische Grundkonzepte | 22 |
| 4.2.2 | Verfahren der Ereignisanalyse | 23 |
| 4.2.2.1 | Nicht-parametrische Verfahren | 23 |
| 4.2.2.2 | Semi-parametrische Verfahren- das Proportional Hazard-Modell | 23 |
| 4.2.2.3 | Parametrische Verfahren | 24 |
| 4.2.3 | Unbeobachtete Populationsheterogenität | 25 |
| 5. | EMPIRISCHE ANALYSEN | 26 |
| 5.1 | Datenbasis | 26 |
| 5.2 | Ökonometrische Modelle | 29 |
| 6. | DETERMINANTEN DER ARBEITSLOSIGKEITSDAUER | 30 |
| 6.1 | Analysen für Deutschland | 31 |
| 6.1.1 | Abgang in Erwerbstätigkeit | 31 |
| 6.1.1.1 | Parametrische Studien | 31 |
| 6.1.1.2 | Semi-Parametrische Modelle | 39 |
| 6.1.1.3 | Modelle der diskreten Wahl | 43 |
| 6.1.2 | Abgang in Nicht-Erwerbstätigkeit | 46 |
| 6.1.2.1 | Parametrische Modelle | 47 |
| 6.1.2.2 | Semi-Parametrische Modelle | 49 |
| 6.1.2.3 | Modelle der diskreten Wahl | 50 |
| 6.1.3 | Abgang aus der Arbeitslosigkeit insgesamt | 51 |
| 6.2 | Empirische Studien für die USA | 52 |
| 6.2.1 | Individuelle Arbeitslosigkeitsdauer, Arbeitsangebot und Lohneinkommen | 53 |
| 6.2.1.1 | Lineare Regressionen | 53 |
| 6.2.1.2 | Modelle der diskreten Wahl | 55 |
| 6.2.1.3 | Hazardratenmodelle | 56 |
| 6.2.2 | Der Recall und seine Bedeutung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt | 63 |
| 6.2.3 | Staatliche Programme für eine intensivere Arbeitssuche | 65 |
| 6.3 | Empirische Studien für Großbritannien | 67 |
| 6.3.1 | Abgang aus der Arbeitslosigkeit | 68 |
| 6.3.1.1 | Modelle der diskreten Wahl | 68 |
| 6.3.1.2 | Parametrische Modelle | 70 |
| 6.3.2 | Abgang in Erwerbstätigkeit | 71 |
| 6.3.2.1 | Parametrische Modelle | 71 |
| 6.4 | Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse | 76 |
| 7. | ARBEITSLOSENVERSICHERUNGSSYSTEME IM INTERNATIONALEN VERGLEICH | 78 |
| 7.1 | Erste Klassifizierung | 78 |
| 7.2 | Regelungen der Arbeitslosenversicherung | 79 |
| 7.2.1 | Das Arbeitslosengeld | 80 |
| 7.2.2 | Die Arbeitslosenhilfe | 82 |
| 7.2.3 | Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung | 83 |
| 7.3 | Arbeitslosenunterstützung in Theorie und Praxis | 86 |
| 7.4 | „Generöse“ vs. „strenge“ Arbeitslosenversicherungssysteme | 90 |
| 7.4.1 | Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und der Generosität der Arbeitslosenversicherung | 92 |
| 8. | AUSBLICK | 93 |
| Anhang | I-III | |
| Literaturverzeichnis |
Eine Studie, die sich nicht in einen der beiden vorangegangenen Abschnitte eingliedern läßt, stammt von Galler/Pötter (1987), die mit Hilfe eines Hazardratenmodells den Abgang aus der Arbeitslosigkeit untersuchen. Hierbei handelt es sich um ein sog. Single-risk-Modell, da sämtliche Arbeitsmarktstadien, die neben der Arbeitslosigkeit existieren, zu einem einzigen zusammengefaßt werden. Als Datensatz dienen die ersten beiden Wellen des SOEP, wobei ausschließlich eine Subpopulation arbeitsloser Männer für die Schätzung relevant ist. In dem geschätzten Exponentialmodell wie auch im Weibull-Modell besitzt die Dummyvariable für den Bezug von Arbeitslosenunterstützung ein signifikant negatives Vorzeichen, d.h. die Abgangsrate aus der Arbeitslosigkeit geht mit dem Erhalt von Unterstützungsleistungen zurück. Damit unterscheidet sich dieses Ergebnis von den meisten der bisher betrachteten [...]
In der Arbeit von Licht/Steiner (1990) wird die Abgangsrate in die Nicht-Erwerbstätigkeit anhand eines LOGIT-Modells geschätzt. Dabei erscheint, insbesondere im Vergleich zu den vorigen Studien, der insignifikante Einfluß der Familienstandsvariablen auf das Abgangsverhalten von Frauen bemerkenswert. Dagegen weisen verheiratete Männer eine deutlich niedrigere Übergangswahrscheinlichkeit auf als ledige Männer, was mit der traditionellen Verantwortung des Ehemanns, für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen, zu begründen ist. Der Bezug von Arbeitslosengeld bzw. Arbeitslosenhilfe hat bei den Männern einen signifikant negativen Effekt, wohingegen bei den Frauen keine signifikante Wirkung festgestellt wird. Damit steht auch dieses Ergebnis im Widerspruch zu der Studie von Hujer/Schneider(1987b), welche sich allerdings auf einen alternativen Datensatz bezieht. Hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs der geschlechtsspezifischen Hazardraten in die NichtEwerbstätigkeit ist festzuhalten, daß beide Abgangsraten immer deutlich niedriger als die entsprechenden Abgangsraten in die Beschäftigung sind. Die Unterschiede im Verlauf der männlichen und weiblichen Hazardraten sind relativ gering, jedoch liegt jetzt, verglichen mit dem Abgang in Erwerbstätigkeit, die Kurve der Frauen weit über der der Männer. Einem leichten Rückgang im ersten Monat folgt bei beiden ein monotoner Anstieg der Hazardrate, wobei die Zuwachsraten bei den Frauen mit zunehmender Arbeitslosigkeitsdauer zurückgehen. [...]
48 bernehmen junge Mütter in dieser Zeit auch selbst die Betreuung der Kinder und bleiben länger arbeitslos. Schneider (1990) prüft in einem Exponentialmodell, inwiefern der Bezug von Arbeitslosenunterstützung den Übergäng in die Nicht-Erwerbstätigkeit beeinflußt. Für die männliche Stichprobe können keine Anzeichen für einen "Moral-Hazard-Effekt" gefunden werden. Lediglich der Dezember-Effekt erweist sich als signifikante Einflußgröße, deren Auslassung einen Rückgang der Gesamtanpassung des Modells um mehr als 75% bewirken würde. Auf die Besonderheit des Dezembereffekts wurde bereits im Rahmen der Datendiskussion hingewiesen. Bei den Frauen sind lediglich die Koeffizienten für den Familienstand sowie das Vorhandensein von Kindern unter sieben Jahren signifikant positiv, was für die traditionelle Rollenverteilung im Haushalt spricht. Die Variablen für die Arbeitslosenunterstützung liefern auch bei den Frauen keinen Hinweis auf die Existenz von Moral-Hazard-Effekten. Dies steht im Gegensatz zu der oben besprochenen Arbeit von Hujer/Schneider (1987b). Das anschließende Gompertz-Modell führt nur in der weiblichen Stichprobe zu nennenswerten Veränderungen. Der Lageparameter deutet auf eine mit zunehmender Arbeitslosigkeitsdauer ansteigende Hazardrate hin.78 Auch die Gesamtanpassung kann durch die Verwendung des Gompertz-Modells signifikant verbessert werden. Damit wird das typische Abgangsverhalten weiblicher Arbeitsloser bestätigt. Während die Abgangsrate in die Erwerbstätigkeit, wie weiter oben besprochen, ceteris paribus gleich bleibt, steigt die Übergangswahrscheinlichkeit in die Nicht-Erwerbstätigkeit immer stärker an. Nachdem beide Raten im siebten Monat nach Beginn der Arbeitslosigkeit rechnerisch identisch sind, erfolgt ein immer steiler werdender Anstieg der Abgangsrate in die Nicht-Erwerbstätigkeit. Dieser Umstand läßt sich jedoch kaum mit Hilfe ökonomisch rationaler Theorien erklären, sondern ist vor dem Hintergrund der in der Arbeit von Hujer/Schneider (1987b) angeführten Überlegungen, das Verhalten junger Mütter betreffend, zu deuten. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832452360
Arbeit zitieren:
Hackl, Birgit März 1995: Anreizwirkungen der Arbeitslosenversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Arbeitslosigkeit, Ökonometrie, Empirische Studien, Langzeitarbeitslosigkeit, Arbeitslosenversicherung



