Anreize zum Austausch von Kosteninformationen im Rahmen von Supply Chains
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sebastian Lührs
- Abgabedatum: Dezember 2005
- Umfang: 113 Seiten
- Dateigröße: 627,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9285-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9285-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9285-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lührs, Sebastian Dezember 2005: Anreize zum Austausch von Kosteninformationen im Rahmen von Supply Chains, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: open book, Principal-Agent, Supply Chain Management, Spieltheorie, Opportunismus
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Diplomarbeit von Sebastian Lührs
Einleitung:
Mit zunehmender Fokussierung auf die eigenen Kernkompetenzen erfolgt ein großer Teil der Wertschöpfung heute nicht mehr innerhalb der Unternehmensgrenzen. Weite Teile der Produktion werden an Zulieferer ausgelagert, die ihrerseits wiederum Komponenten am Markt beziehen. So betrugen bereits im Jahr 2002 die Ausgaben für Material bei den 100 größten US amerikanischen Herstellern annähernd 50 % ihres Umsatzes. Ein globaler Wettbewerb, der von aggressiven Preiskämpfen und damit einhergehendem Margenverfall gekennzeichnet ist, zwingt die Unternehmen zu einer laufenden Optimierung ihrer Kosten. Da die Materialkosten den Großteil der Herstellkosten ausmachen, beschränken sich die Hersteller nicht nur auf Verbesserungen der eigenen Abläufe, sondern geben den Kostendruck auch an ihre Zulieferer weiter. So wurde von Zulieferern in der Automobilindustrie in 2003 durchschnittlich eine Preissenkung von 4,6 % gefordert. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens hängt damit unmittelbar auch von der Fähigkeit seiner Zulieferer ab, die nötigen Kostenreduzierungen umzusetzen.
Die Aussicht auf Kostenreduzierungen durch unternehmensübergreifende Verbesserungsmaßnahmen wird als wichtigster Grund für einen Austausch von Kosteninformationen angesehen. Unter einem Austausch von Kosteninformationen wird im Rahmen dieser Arbeit die Übermittlung von Informationen an einen Vertragspartner verstanden, aus denen hervorgeht, welche Kosten bei der Leistungserstellung anfallen. Diese Informationen können unterschiedliche Detaillierungsgrade besitzen und auch auf Teile der Leistungserstellung beschränkt sein. Insbesondere bedeutet ein Austausch im Rahmen dieser Arbeit nicht, dass der Vertragspartner im Gegenzug auch automatisch die bei ihm anfallenden Kosten offen legt. Vielmehr werden die Begriffe Übermittlung und Austausch hier synonym verwendet.
Der hier behandelte Austausch findet zwischen Unternehmen der gleichen Supply Chain statt. Eine Supply Chain setzt sich zusammen aus allen Unternehmen, die an der Erstellung über den Verkauf bis zur Auslieferung eines Produktes vom Rohstoff bis zum Endkunden beteiligt sind. Jeder Abnehmer eines Zwischenproduktes ist gleichzeitig Lieferant für die nachfolgende Wertschöpfungsstufe, bis das Endprodukt den Endkunden erreicht. Vereinfachend sei hier angenommen, dass die Supply Chain nur aus einem Zulieferer und einem Hersteller besteht und weitere Wertschöpfungsstufen nicht existieren.
Problematisch an einem Austausch von Kosteninformationen ist, dass die Kenntnis der Kostendaten von Geschäftspartnern eine Ausnutzung dieses Wissens zum eigenen Vorteil auf Kosten des offen legenden Unternehmens ermöglicht. Aufgrund dieser Gefahr wird der Austausch von Kostendaten oft vermieden.
Damit ein Austausch dennoch stattfinden könne, sei ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Supply Chain Partnern erforderlich. Unter Vertrauen wird im Rahmen dieser Arbeit die Überzeugung verstanden, dass die andere Partei in einer Beziehung nicht opportunistisch handeln wird, auch wenn sich ihr hierzu die Möglichkeit bietet. Es erscheint jedoch fraglich, ob von einem solchen Verhältnis in Anbetracht der oft feindlich geprägten Zulieferer-Hersteller-Beziehungen in westlichen Unternehmen ausgegangen werden kann.
Ziel dieser Untersuchung ist es zu zeigen, ob auch ohne Vertrauen in einen Geschäftpartner und unter der Möglichkeit opportunistischen Verhaltens Kosteninformationen zwischen Supply Chain Partnern ausgetauscht werden. Ferner sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die einen solchen Austausch begünstigen können. Insbesondere soll dargestellt werden, inwiefern unterschiedliche Machtverhältnisse zwischen den Unternehmen zu verschiedenen Ergebnissen bezüglich dieser Fragen führen.
Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: Zunächst wird im folgenden Kapitel der bereits angedeutete Konflikt beim Austausch von Kosteninformationen dargestellt. Welche Untersuchungsziele sich in Anbetracht dieses Konfliktes und der hierzu vorhandenen Literatur ableiten lassen, schließt sich dieser Darstellung an. Hierauf folgt in Kapitel 3 die Entwicklung eines geeigneten Analyserahmens zur Untersuchung der Problemstellung.
In Kapitel 4 werden die bis dahin nur qualitativ beschriebenen Anreizstrukturen in einem formalen spieltheoretischen Zusammenhang dargestellt und analysiert. Des Weiteren werden Ansätze entwickelt, die zu einer Vermeidung von opportunistischem Verhalten führen und somit einen Austausch von Kosteninformationen begünstigen können. Einer kritischen Würdigung der vorgestellten Untersuchung folgen im letzten Teil eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie ein Ausblick auf weiterführende Forschungsbereiche.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Symbolverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Austausch von Kosteninformationen als Konfliktsituation | 4 |
| 2.1 | Gründe für einen Austausch von Kosteninformationen | 4 |
| 2.1.1 | Kostensenkungen durch interorganisationales Kostenmanagement | 4 |
| 2.1.2 | Förderung der Geschäftsbeziehung | 11 |
| 2.2 | Probleme durch Möglichkeiten zu opportunistischem Verhalten beim Austausch von Kosteninformationen | 12 |
| 2.3 | Ableitung der Untersuchungsziele | 15 |
| 3. | Entwicklung eines Analyserahmens | 21 |
| 3.1 | Informationsaustausch im Rahmen des Supply Chain Managements | 21 |
| 3.2 | Die Prinzipal-Agent-Theorie zur Analyse von opportunistischen Verhaltensweisen | 24 |
| 3.3 | Spieltheorie zur formalen Verhaltensanalyse | 28 |
| 4. | Spieltheoretische Analyse der Konfliktsituation | 34 |
| 4.1 | Entwicklung eines Grundmodells | 34 |
| 4.1.1 | Darstellung des Modells von Leotta | 34 |
| 4.1.2 | Kritik an dem Modell von Leotta | 36 |
| 4.1.3 | Anforderungen an das Grundmodell | 41 |
| 4.1.4 | Darstellung des Grundmodells | 44 |
| 4.2 | Anwendung des Grundmodells zur Analyse des Spielerverhaltens bei symmetrischer Machtverteilung | 50 |
| 4.2.1 | Austausch von Kosteninformationen ohne Beschränkung opportunistischen Verhaltens | 50 |
| 4.2.2 | Formale Bedingung zur Vermeidung opportunistischen Verhaltens | 53 |
| 4.2.3 | Ansätze zur Vermeidung opportunistischen Verhaltens | 54 |
| 4.2.3.1 | Einbeziehung von Auszahlungen zukünftiger Perioden in das Entscheidungskalkül | 55 |
| 4.2.3.2 | Spezifische Investitionen als Pfand | 65 |
| 4.3 | Erweiterung des Grundmodells zur Analyse des Spielerverhaltens bei asymmetrischer Machtverteilung | 68 |
| 4.3.1 | Austausch von Kosteninformationen ohne Beschränkung opportunistischen Verhaltens | 68 |
| 4.3.2 | Ansätze zur Vermeidung opportunistischen Verhaltens | 72 |
| 5. | Kritische Würdigung der Untersuchung | 76 |
| 5.1 | Spieltheoretische Modellierung von Konfliktsituationen | 76 |
| 5.2 | Annahmen zu Modellparametern | 77 |
| 5.3 | Umfang der Untersuchung | 79 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 83 |
| Anhang | 86 | |
| Literaturverzeichnis | 95 |
zu erzielen sind, ist nicht haltbar. Der in Abschnitt 2.1.1 genannte maßgebliche Vorteil von OBA, wertvolle Unterstützung bei Kostensenkungen zu bieten, würde damit aberkannt. Er verweist ebenso auf seine ausschließliche Behandlung einer KäuferVerkäufer-Beziehung, die von einer symmetrischen Machtverteilung gekennzeichnet ist. Hierunter versteht er ein Verhältnis, bei dem kein Unternehmen die Entscheidung des jeweils anderen beeinflussen kann.135 Eine Untersuchung der Situation bei einem asymmetrischen Machtverhältnis, bei der diese Abhängigkeitssituation nur einseitig auftritt, scheint daher für eine weitergehende Analyse geeignet. Des Weiteren ist die Höhe des möglichen Effizienzgewinnes nur vom Lieferanten im Voraus beobachtbar und wird wahrheitsgemäß an den Käufer übermittelt. Durch eine Untertreibung des entstehenden Effizienzgewinns könnte der Lieferant einen größeren Gewinnanteil für sich verwirklichen. Dieses mögliche opportunistische Verhalten wird in der Untersuchung nicht thematisiert. Auf der anderen Seite verliert der Lieferant seine Kosteninformationsrente rL bei Offenlegung auf jeden Fall an den Käufer. Letzterer handelt somit immer dann opportunistisch, wenn sich ihm die Möglichkeit dazu bietet. Die Möglichkeit sich kooperativ zu verhalten, wird dem Käufer damit abgesprochen. sich Die auf Interpretation die der Kosteninformationsrente beschränkt verschlechterte [...]
Treiberdaten beträgt, wird er zunächst immer signalisieren, dass er Kosteninformationen nicht austauschen wird.131 Der Käufer kann daraufhin in der zweiten Spielphase entscheiden, ob er die erhaltenen Treiberinformationen nutzt und für sich einen Gewinnanteil in Höhe von (1 - α)ê erzielt oder ob er nur bei Offenlegung von Kostendaten handelt. In diesem Fall würde der Lieferant in einer dritten Spielphase vor die Entscheidung gestellt, entweder die Kostendaten offen zu legen (mit Auszahlungen von αê – rL für ihn bzw. (1 - α)ê + rL für den Käufer) oder einen Abbruch mit einer Auszahlung von Null für beide Spieler zu provozieren. Letztere Option ist für den Lieferanten dann optimal, sofern αê – rL kleiner Null ist. Offensichtlich ist es für die Entscheidung des Käufers in der zweiten Spielphase vorteilhaft zu wissen, wie groß rL ist. In dem Modell geht der Käufer davon [...]
der Art der ausgetauschten Information, kann bei Durchführung der Kostensenkungsmaßnahme ein Effizienzgewinn ê mit ê > 0 erzielt werden.127 Dieser Effizienzgewinn wird zu den Anteilen α und 1 - α unter den beiden Unternehmen L und K aufgeteilt.128 Die Opportunismusproblematik wird dadurch dargestellt, dass der Lieferant bei Offenlegung seiner Kostendaten seine Kosteninformationsrente rL an den Käufer verliert.129 Diese Idee stimmt mit der in Abschnitt 2.2 dargelegten Schwächung der Verhandlungsposition überein, wenn ein Unternehmen seine Kosteninformationen austauscht (hold-up). Die Entscheidungsparameter der Spieler bestehen für den Lieferanten darin, Kosteninformationen oder Treiberdaten zu übermitteln und für den Käufer darin, die notwendigen Änderungen nur nach Übermittlung von Kostendaten oder auch bei Kenntnis der Treiberinformationen durchzuführen. Diese Entscheidungssituation modelliert LEOTTA als dreistufiges dynamisches Spiel in extensiver Form. Im ersten Zug muss der Lieferant seine Bereitschaft anzeigen, Kosteninformationen oder lediglich Treiberdaten zur Verfügung zu stellen.130 Da der Gewinnanteil für den Lieferanten bei OBA nur αê – rL im Gegensatz zu αê bei Austausch von [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832492854
Arbeit zitieren:
Lührs, Sebastian Dezember 2005: Anreize zum Austausch von Kosteninformationen im Rahmen von Supply Chains, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
open book, Principal-Agent, Supply Chain Management, Spieltheorie, Opportunismus



