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Anreiz-Beitrags-Balance bei Mitarbeitern in sozialen Dienstleistungsorganisationen

Anreiz-Beitrags-Balance bei Mitarbeitern in sozialen Dienstleistungsorganisationen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Mandy Schober
  • Abgabedatum: September 2004
  • Umfang: 152 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
  • Bibliografie: ca. 159
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9964-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9964-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9964-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schober, Mandy September 2004: Anreiz-Beitrags-Balance bei Mitarbeitern in sozialen Dienstleistungsorganisationen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mitarbeiterführung, Motivation, Anreize, Informationsasymetrie, Unternehmensführung

Diplomarbeit von Mandy Schober

Einleitung:

Soziale Dienstleistungsorganisationen im Sinne der Freien Wohlfahrtspflege haben u. a. die Aufgabe, negative Folgen von Marktprozessen zu beheben. Ihre Leistungsfähigkeit steht und fällt vor allem mit den vorhandenen Humanressourcen, da Personal der dominante Einsatzfaktor im personenbezogenen Dienstleistungsprozess ist.

Wie die Gesamtstatistik der Freien Wohlfahrtspflege (2000) zeigt, führten eine steigende Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen und die Zunahme an Teilzeitstellen in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einer Ausweitung der absoluten Beschäftigtenzahlen in allen Arbeitsfeldern sozialer Dienstleistungsorganisationen: Gab es 1970 noch 381.688 Mitarbeiter, waren es im Jahr 2000 bereits insgesamt 1.164.329 Beschäftige. Vor dem Hintergrund demographischer und gesellschaftlicher Veränderungen ist davon auszugehen, dass die Nachfrage vor allem in den Arbeitsfeldern der Alten-, Jugend- und Familienhilfe weiterhin steigen wird. Nicht ausreichende Personalressourcen hätten dann zwangsläufig eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit zur Folge.

In Anbetracht einer Arbeitslosigkeit von derzeit 4,233 Mio. Menschen scheint es zunächst sehr widersprüchlich, von knappen Personalressourcen für soziale Dienstleister auszugehen. Aber wie es in einer Studie der Kammer der Evangelischen Kirche (2002) heißt, ist es bislang noch nicht gelungen, die Arbeitsfelder sozialer Dienstleistungsorganisationen für Arbeitslose attraktiv zu machen und sie entsprechend zu qualifizieren. Auch wenn angenommen wird, dass sich hier Veränderungen einstellen, so ist das Personalproblem der Zukunft noch lange nicht gelöst. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass es in Zukunft an jungen Berufseinsteigern mit aktuellem Qualifikationsprofil mangeln wird, so dass ein verstärkter Wettbewerb um Personal zu erwarten ist.

Soll die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit sozialer Dienstleistungsorganisationen gewahrt werden, muss sichergestellt sein, dass Mitarbeiter ausreichend Beiträge für die Organisation erbringen, d. h. Mitarbeiter müssen gewonnen, verlässliche Leistungen gesichert und der Verbleib von gegenwärtigen Mitarbeitern gefördert werden. Um diese Ziele zu erreichen, ist es notwendig, den Mitarbeitern einen angemessenen Gegenwert für ihre Beiträge in Form von Anreizen zu bieten, denn Mitarbeiter werden bei ihrer Entscheidung, einer Organisation beizutreten, für diese Beiträge zu erbringen und sich schließlich an die Organisation zu binden, Anreize und Beiträge miteinander vergleichen und sich auf dieser Basis bewusst für oder gegen eine Organisation entscheiden. Da Mitarbeiter diesen Anreiz-Beitrags-Vergleich der Attraktivität einer Organisation in allen Phasen ihrer Organisationszugehörigkeit durchführen, reicht es nicht, einmal Anreize zu setzen und Mitarbeiter zu motivieren. Das Motivationsproblem ist vielmehr ein dauerhaftes Problem der Organisation. Die Gewährung von Anreizen ist bei weitem nicht nur eine Kosten-Nutzen-Frage, sondern auch eine Frage der Bereitschaft einer Organisation, Qualität und Professionalität im Leistungsprozess zu sichern.

Soziale Dienstleistungsorganisationen erbringen planmäßig organisierte und unmittelbare Leistungen für hilfsbedürftige Menschen. Sie orientieren sich in ihrem Handeln nicht am erwerbswirtschaftlichen Prinzip, sondern am Wohl der Allgemeinheit. Zu den fünf größten Anbietern sozialer Dienstleistungen gehören auf freigemeinnütziger Ebene das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV), der Deutsche Caritasverband (DCV), die Arbeiterwohlfahrt (AW) und das Diakonische Werk (DW). Sie sind Träger einer Vielzahl von verschiedenen Einrichtungen der Kinder- und Jugend-, Familien-, Alten-, Behinderten- und Gesundheitshilfe sowie von Bildungseinrichtungen und sonstigen Einrichtungen (z. B. Einrichtungen für Wohnungslose), welche den eigentlichen Leistungsprozess vollziehen. Soziale Dienstleistungen werden aber nicht nur von den hier genannten freigemeinnützigen Organisationen erbracht, sondern auch von öffentlichen und privaten Organisationen, die in dieser Arbeit nicht näher betrachtet werden.

In den Einrichtungen der sozialen Dienstleistungsorganisationen im Sinne der Freien Wohlfahrtspflege gibt es Mitarbeiter, die unmittelbar helfend tätig werden. Hierzu zählen bspw. Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Heilpädagogen, Logopäden, Ärzte, Psychologen, Krankenschwestern und Erzieher. Als Arbeitnehmer verfügen sie über eine qualifizierte bzw. fachbezogene Ausbildung und arbeiten haupt- oder nebenberuflich. Sie unterscheiden sich von den Nicht-Arbeitnehmern (vgl. Abb. 1), die im Rahmen dieser Arbeit nicht näher betrachtet werden sollen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Anreize gegen Beiträge: Wie soziale Dienstleistungsorganisationen ihre Leistungsfähigkeit wahren können 1
1.1 Begriffliche Abgrenzungen 2
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 3
2. Theoretischer Gestaltungsrahmen der Anreiz-Beitrags-Balance 5
2.1 Anreiz-Beitrags-Theorie 5
2.1.1 Möglichkeiten der Anreizgestaltung 6
2.1.2 Beitragsentscheidung als Ergebnis von Zufriedenheit 8
2.1.3 Anreiz-Beitrags-Problematik der Organisation 9
2.1.4 Notwendigkeit motivations- und vertragstheoretischer Erweiterungen 12
2.2 Ausgewählte Motivationstheorien zur Analyse der Anreizwirkung 13
2.2.1 Bedürfnishierarchie von Maslow 14
2.2.2 VIE-Theorie von Vroom 16
2.2.3 Integratives Analysemodell der Anreizwirkung 18
2.3 Ausgewählte Vertragstheorie zur Analyse von Mitarbeiterbeiträgen 22
2.3.1 Informationsasymmetrien als vertragliches Grundproblem 23
2.3.2 Stewardtheoretisches Analysemodell der Beitragswahl 24
2.4 Zusammenführung theoretischer Kernaussagen 26
3. Anreiz-Beitrags-Balance bei Eintritt neuer Mitarbeiter 29
3.1 Eintrittsanreize zur Gewinnung von Mitarbeiterpotential 30
3.1.1 Eintrittsmotive als Anreizziel 31
3.1.2 Analyse der Eintrittsmotivation 32
3.1.3 Maßnahmen zur Erhöhung der Anreizwirkung 38
3.2 Erwartungen an das Beitragspotential 44
3.2.1 Qualitätsunsicherheit als vorvertragliches Grundproblem 45
3.2.2 Beitragspotential als Vertrauensaspekt 46
3.2.3 Ex-ante-Maßnahmen zur Erhöhung von Ex-post-Beiträgen 49
3.3 Fazit 53
4. Anreiz-Beitrags-Balance der Leistungsphase 56
4.1 Leistungsanreize zur Steuerung der Arbeitsleistung 57
4.1.1 Leistungsmotive als Anreizziel 58
4.1.2 Analyse der Leistungsmotivation 59
4.1.3 Möglichkeiten zur Erhöhung der Anreizwirkung 65
4.2 Leistungsmaximierung im Vertragsverhältnis 70
4.2.1 Moral hazard als vertragliches Grundproblem 71
4.2.2 Leistungsreduktion bei Vertragsstörung 72
4.2.3 Möglichkeiten zur Leistungsmaximierung 75
4.3 Fazit 78
5. Anreiz-Beitrags-Balance der Mitarbeiterbindung 80
5.1 Bindungsanreize zur Sicherung des Mitarbeiterpotentials 81
5.1.1 Bindungsmotive als Anreizziel 82
5.1.2 Analyse der Bindungsmotivation 83
5.1.3 Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung der Anreizwirkung 88
5.2 Sicherung langfristiger Beiträge im Vertragsverhältnis 91
5.2.1 Hold up als vertragliches Grundproblem 92
5.2.2 Beitragsverlust bei Vertragsbruch 93
5.2.3 Möglichkeiten der Beitragssicherung 95
5.3 Fazit 98
6. Theorien als Wegweiser für die Gestaltung veränderter Anreiz-Beitrags-Verhältnisse? 101
Literaturverzeichnis 105
Anhang I 125
1. Analyse aktueller Stellenanzeigen sozialer Dienstleistungsorganisationen 126
1.1 Allgemeine Datengrundlage 126
1.2 Klassifikation der Stellenanzeigen 127
1.3 Analyse von Eintrittsanreizen 128
1.3.1 Analyse genereller und spezieller materieller Eintrittsanreize 129
1.3.2 Analyse genereller immaterieller Eintrittsanreize 134
1.3.3 Analyse spezieller immaterieller Eintrittsanreize 137
1.4 Analyse von Eintrittserwartungen 139
Anhang II 141
Erklärung 153
Textprobe Kapitel 2.4 Zusammenführung theoretischer Kernaussagen:

Wie die Anreiz-Beitrags-Theorie zeigt, können soziale Dienstleistungsorganisationen ihre Leistungsfähigkeit nur aufrechterhalten, wenn das Verhältnis von Anreizen und Beiträgen bei Mitarbeitern und Organisation ausgewogen ist. Anreize haben die Funktion Motive von Mitarbeitern zu aktivieren und organisationskonformes Verhalten hervorzurufen, wobei sie die Verwirklichung individueller Ziele in Aussicht stellen. Barnard (1971) weist darauf hin, dass es sich bei den intrinsischen Anreizen, die er als ideelle Anreize bezeichnet, um die kraftvollsten und zugleich am stärksten vernachlässigten Anreize handelt. Sie zielen auf die oberste Bedürfnisklasse und ergänzen im Analysemodell der Anreizwirkung die extrinsischen Anreize. Da der Stewardship-Ansatz ebenfalls zwischen extrinsichen und intrinsischen Anreizen unterscheidet, kann davon ausgegangen werden, dass sowohl extrinisische als auch intrinsische Anreize Argumente der Nutzenfunktion eines Mitarbeiters sind.

Nach Bau (2003) wird die Eintrittsmotivation durch andere Anreize begünstigt, als die Leistungs- und Austrittsmotivation. So bietet es sich an, Anreize in ihrer spezifischen Relevanz für die jeweilige Entscheidungssituation zu betrachten. Eine differenzierte Betrachtung ist aber auch auf der Beitragsseite angebracht, da sich die Beiträge in den Phasen des Eintritts, der Leistung und des Austritts bzw. der Bindung unterscheiden. Anreize und Beiträge bilden gemeinsam mit der Relationsvorschrift zwischen beiden Variablen die Elemente des Anreizsystems der Organisation. Das Anreizsystem verbindet die Ziele der Organisation mit den Zielen des Mitarbeiters. Welche Ziele Mitarbeiter verfolgen können, zeigt Maslow (1981) mit seiner Bedürfnispyramide.

Wird das Handeln des Mitarbeiters durch Ziele bzw. Motive geleitet, ist es aus psychologischer Sicht rational. Der Mitarbeiter wird trotz begrenzter kognitiver Fähigkeiten jene Alternative wählen, von der er sich verspricht seinen subjektiven Nutzen maximieren und sein Ziel bestmöglich erreichen zu können. Insofern ist das Arbeitsverhalten ein Ergebnis der rationalen Auswahl aus zwei oder mehreren Alternativen. Wird diese psychologische der ökonomischen Rationalität gegenübergestellt, so handelt es sich um eine begrenzte gegenüber einer globalen Rationalität. In beiden Fällen handelt der Mitarbeiter auf der Grundlage von Präferenzen, wobei es einen entscheidenden Unterschied gibt: Das rationale Verhalten eines Mitarbeiters ist im Fall der psychologischen Rationalität Ergebnis begrenzter kognitiver Fähigkeiten und im Fall der ökonomischen Rationalität Ergebnis eines uneingeschränkten Informationszugangs sowie unbegrenzter kognitiver Fähigkeiten. Letztendlich ist die Nutzenmaximierung eines Mitarbeiters unter begrenzter Rationalität also auch eine Nutzenmaximierung, aber eben eine subjektive unter Einbeziehung begrenzter kognitiver Fähigkeiten.

Das Menschenbild der Anreiz-Beitrags-Theorie zielt nach Martin (2004) in erster Linie auf die Rationalität menschlichen Handelns. Bei genauer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass March/Simon (1967) weder von stabilen Präferenzen der Mitarbeiter ausgehen noch unterstellen, dass Mitarbeiter alle Alternativen kennen und Konsequenzen abschätzen können. Daher kommen auch sie zu dem Schluss, dass ein Mitarbeiter höchstens subjektiv rational, aber nicht objektiv rational handelt und es immer notwendig ist, den Bezugsrahmen zu berücksichtigen.

Die Erwartungs-Wert-Theorien legen das Menschenbild eines rational entscheidenden und nutzenmaximierenden Mitarbeiters zugrunde. Es lässt sich jedoch bezweifeln, dass Mitarbeiter zum ökonomisch rationalen Handeln in der Lage sind, da sie nie über alle Informationen verfügen können. So wird ein Mitarbeiter nur die Alternative wählen, die ihm den höchstmöglichen subjektiven Nutzen in Aussicht stellt. Somit liegt die Annahme nahe, dass der Mitarbeiter statt ökonomisch, subjektiv rational handelt. Der Mitarbeiter ist daher im ökonomischen Sinn eher ein Satisfizierer als ein Nutzenmaximierer. Durch die Erweiterung des VIE-Modells um intrinsische Motivkomponenten wird die Annahme eines rein ökonomisch rational und nutzenmaximierenden Entscheidungsverhaltens, wie es die VIE-Theorie unterstellt, ebenso relativiert wie im Fall der Agency-Theorie und des Stewardship-Ansatzes. Diese Relativierung wird über eine Veränderung des zugrunde liegenden Menschenbildes erreicht.

March/Simon (1967) weisen darauf hin, dass es einer Theorie bedarf, die das menschliche Verhalten in seiner Komplexität erfasst, da Menschen sowohl an eigenen Zielen, Einstellungen, Werten und Interessen, als auch am Gesamtinteresse orientiert sind. Auch der Stewardship-Ansatz sieht die Notwendigkeit eines komplexeren Menschenbildes, welches seine Wurzeln nicht im ökonomisch rational handelnden Menschen, sondern eher in der Psychologie und Soziologie hat. Ein humanistischeres Menschenbild liegt ebenfalls den unter dem Titel „Models of Man“ veröffentlichten Arbeiten von Simon (1967) zugrunde und wurde auch von Argyris (1957) vertreten, der sich auf die Arbeit von Maslow (1954) beruft.

Vergegenwärtigt man sich noch einmal das Menschenbild des Stewardship-Ansatzes, so wird deutlich, dass Menschen nicht zwangsläufig als Stewards agieren. Vielmehr verfolgen Mitarbeiter auch ihre eigenen Ziele, die nicht immer mit denen der Organisation übereinstimmen müssen. Opportunistische Verhaltensweisen innerhalb der Austauschbeziehung zwischen Individuum und Organisation sind daher nicht ausgeschlossen. Opportunismus ist eine Annahme der Agency-Theorie. Der opportunistische Verhaltensspielraum beider Vertragsparteien erwächst aus bestehenden Informationsasymmetrien, welche vollständige Verträge verhindern. Informationsasymmetrien in Hinblick auf die Erwartungen an den Anreiz-Bei-trags-Tausch sind nicht nur durch den Arbeitsvertrag, sondern durch den psychologischen Vertrag zu lösen. Dieser erlangt vor dem Hintergrund der Unvollständigkeit des Arbeitsvertrages besondere Bedeutung, da er dazu beitragen kann, vertragliche Lücken zu schließen. Die Anreiz-Beitrags-Theorie geht ebenfalls von unvollständigen Verträgen aus und problematisiert die begrenzte Reichweite impliziter Herrschaft arbeitsrechtlicher Verträge. Die Einbeziehung psychologischer Verträge ermöglicht wiederum die Integration von Vertrauen. Dieses „ist der Ausdruck der Überzeugung, dass auch wirklich etwas so eintritt, wie ich es mir vorstelle, oder anders ausgedrückt: wie es meiner Erwartung entspricht.“ Die Integration von Vertrauen ist wiederum eine Frage des Menschenbildes.

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wie diese Ausführungen zeigen, reicht es nicht aus, attraktive Eintrittsanreize zu bieten,375 um auf die Anreiz-Beitrags-Balance eines Mitarbeiters Einfluss zu nehmen. Eintrittsanreizen muss auch ein entsprechendes Beitragspotential gegenüberstehen.376 Anreize, Beiträge und Erwartungen als Verbindungsstücke sind Bestandteile von Arbeits- und psychologischen Verträgen, die mit Eintritt geschlossen werden.377 Deren Gestaltung ist ebenso bedeutsam wie die Anreizgestaltung, da der Mitarbeiter nach Vertragsabschluss Anweisungen nur soweit akzeptieren wird (zone of acceptance), wie sie Inhalt expliziter oder impliziter Vereinbarungen sind.378 Ist der Mitarbeiter mit dem System einverstanden, welches dem Vorgesetzten als Repräsentanten der Organisation die Autorität verliehen hat, dann wird er auch bereit sein, dessen Autorität zu akzeptieren. Er wird dem psychologischen Vertrag zustimmen, wenn er erwarten kann, dass er ausreichend Einflussmöglichkeiten erhält. Daher ist seine Akzeptanz immer auch eine Frage der organisatorischen Gestaltung.379 Insgesamt scheinen soziale Dienstleistungsorganisationen gute Voraussetzungen für die Akquisition neuer Mitarbeiter mitzubringen. Immaterielle Anreize, flache Hierarchien, eine Dezentralisierung von Verantwortung, mehr unbefristete Verträge und eine klare Kommunikation sind nur einige der hier angesprochenen Erfolgsfaktoren einer zu gestaltenden AnreizBeitrags-Balance in der Eintrittsphase eines Mitarbeiters. Der Erfolg der Anreiz-BeitragsGestaltung ist jedoch maßgeblich davon abhängig, inwieweit soziale Dienstleistungsorganisationen bereit sind, von ihrem bisherigen, einseitigen Menschenbild des sich selbst aufopfernden Mitarbeiters abzurücken, denn die Festlegung auf ein bestimmtes implizites Menschenbild380 birgt immer die Gefahr einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung in sich.381 Lung (1998) weist darauf hin, dass ein Umdenken im Menschenbild mit einem Organisationswandel einhergeht. Dieser Wandel vollzieht sich auch bei den Profitorganisationen, deren Anreize sich entsprechend der Bedürfnishierarchie von Maslow (1981) von unten nach oben entwickeln. Im sozialen Bereich sind die oberen Werte (z. B. Selbstverwirklichung) schon sehr stark ausgeprägt, die Entwicklungsprozesse von rein materiellen zu ideellen Werten wurden nicht gemeinsam durchlebt. Dies bedingt ein anderes Bewusstsein im sozialen Bereich,382 welches es zu berücksichtigen gilt, sofern Veränderungsprozesse angestrebt werden. [...]

qualifizierung oder das Streben nach beruflichem Erfolg können auch von Vorteil für eine Organisation sein.369 Eine Berücksichtigung der Mitarbeiterziele im Rahmen der Mitarbeitergewinnung ist daher grundlegend für den Erfolg der Akquisition. Wird von Beginn an den Zielen des Mitarbeiters Beachtung geschenkt, kann die Organisation davon ausgehen, dass sich bei ihm eine höhere Arbeitszufriedenheit einstellen wird. Der Vorteil für die Organisation ergibt sich aus einer höheren Bereitschaft des Mitarbeiters, sich zu engagieren, Leistungen zu erbringen und Treue zu zeigen.370 Ein Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter bisher allein auf Basis vorliegender Signale ausgewählt hat, wird vor diesem Hintergrund fortan auch dem Vertrauensaspekt als Entscheidungskalkül mehr Beachtung schenken müssen.371 Auf die Frage, welche Ziele Mitarbeiter verfolgen, wenn sie sich bereit erklären, in eine Organisation einzutreten, findet man in Anbetracht der Komplexität menschlichen Handelns sehr viele Antwortmöglichkeiten.372 Nutzen im Sinne einer in Zukunft erwarteten Zufriedenheit ist das Ergebnis eines ausgewogenen Anreiz-Beitrags-Verhältnisses, welches wiederum von sehr vielen Faktoren abhängt. So sind es nicht nur die Anreize und Beiträge an sich, sondern auch die jeweilige Situation des Mitarbeiters, welche die Nutzenbewertung determinieren. Solange eine hohe Arbeitslosigkeit besteht, ist davon auszugehen, dass jene potentiellen Mitarbeiter, die arbeitslos sind, ihr Anspruchsniveau an die Anreiz-Beitrags-Balance anpassen werden. Sobald sich aber eine günstigere Alternativensituation darstellt, ändert sich dieses Verhältnis sehr schnell.373 Daran zeigt sich, dass die jeweilige Alternativensituation unmittelbare Auswirkungen auf das Fundament der vertraglichen Beziehung hat. Wenn eine hohe Arbeitslosigkeit besteht, könnte die Organisation dazu neigen, der Zufriedenheit eines Mitarbeiters weniger Beachtung zu schenken, da schnell Ersatz beschafft werden kann. Ein solches opportunistisches Verhalten steht einer langfristig angelegten Stewardship-Beziehung sowie dem Aufbau eines hohen Commitments bzw. einer hohen Identifikation mit der Mission, der Vision und den Zielen der Organisation entgegen.374 [...]

sind,360 besteht im Vertrauensaufbau ein notwendig zu gestaltendes Handlungsfeld. Eine Investition in Vertrauen hat den Vorteil der Kostenreduktion in Hinblick auf sonst erforderliche Sicherheitsvorkehrungen, die nötig sind, um ein in der Zukunft liegendes Hold-up-Problem361 zu vermeiden.362 Die Weitergabe wahrheitsgemäßer Informationen ist eine wesentliche Voraussetzung für den Vertrauensaufbau und fördert die Selbstselektion des Bewerbers. Der Bewerber wird eine Stelle kaum anstreben, wenn er merkt, dass er nicht die notwendigen Voraussetzungen hat. Will eine Organisation opportunistischem Verhalten von vornherein vorbeugen, ist sie gut beraten auch entscheidungsrelevante negative Informationen weiterzugeben, also bspw. die Information, dass die Aufstiegschancen bei ihr begrenzt und die Gehälter unterdurchschnittlich sind.363 Das DW hat grundsätzlich die Absicht durch geeignete Informationen Vertrauen zu schaffen364 und signalisiert damit das Vorhandensein einer Einstellung, die eine Stewardship-Beziehung überhaupt erst ermöglicht. Letztlich hat eine klare Informationspolitik auch Vorteile für die Organisation, denn „a clear policy statement that provides accurate information and promotes realistic expectations will result in a better matching of candidates with jobs (or organizations).”365 3.3 Fazit Der Mitarbeiter wird bereit sein, sich für jene Organisation in Zukunft zu engagieren, die ihm bestmögliche Bedürfnisbefriedigung und Zielerreichung in Aussicht stellt.366 Je größer die Zielübereinstimmung, desto wahrscheinlicher ist eine Identifikation:367 „Employees sharing the values of their organizations are more committed to their organizations, are more satisfied with their jobs, and are less likely to quit.“368 Wird davon ausgegangen, dass der Mitarbeiter vom ersten Tag an seine dem Entscheidungsverhalten zugrunde liegenden Ziele verfolgt, so muss dies nicht zwangsläufig negativ für die Organisation sein. Ziele wie die eigene Weiter- [...]

Arbeit zitieren:
Schober, Mandy September 2004: Anreiz-Beitrags-Balance bei Mitarbeitern in sozialen Dienstleistungsorganisationen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mitarbeiterführung, Motivation, Anreize, Informationsasymetrie, Unternehmensführung

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