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Angebotsprozess, Preiskalkulation, Wirtschaftlichkeitsberechnung

Entwicklung einer methodischen Vorgehensweise bei komplexen Industrieprojekten

Angebotsprozess, Preiskalkulation, Wirtschaftlichkeitsberechnung
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Marcel Rockstedt
  • Abgabedatum: Januar 2008
  • Umfang: 227 Seiten
  • Dateigröße: 11,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Ostfalia Braunschweig/Wolfenbüttel Deutschland
  • Bibliografie: ca. 131
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1508-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rockstedt, Marcel Januar 2008: Angebotsprozess, Preiskalkulation, Wirtschaftlichkeitsberechnung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kraftfahrzeugteileindustrie, Projektplanung, Preiskalkulation, Wirtschaftlichkeitsrechnung, Automobilindustrie

MA-Thesis / Master von Marcel Rockstedt

Einleitung:

Die Automobilindustrie ist heute weltweit einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Auch in Deutschland spielt sie mit einem Umsatz von knapp 230 Mrd. Euro und mehr als 770.000 Beschäftigten eine entscheidende Rolle im Wirtschaftsleben. Jedoch haben die Auswirkungen der Globalisierung die Automobilindustrie erfasst. In den letzten Jahrzehnten haben sich dramatische Konzentrationsbewegungen auf Seiten der OEM’s ergeben. Gab es 1964 noch 52 selbständige Hersteller, so hat sich deren Zahl bis heute auf 12 unabhängige Konzerne reduziert und weitere Zusammenschlüsse sind zu erwarten. Auch bei den Zulieferunternehmen zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Auch hier wird sich die Zahl der Anbieter von weltweit 5.500 im Jahr 2002 auf ca. 850 im Jahr 2015 praktisch halbieren. Die deutschen Automobilhersteller und deren Zulieferer müssen sich also verstärkt anstrengen, um im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückzufallen. Das professionelle Management von Fahrzeugprojekten über die gesamte Wert-schöpfungskette hinweg wird dabei zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dies beginnt bereits vor der Umsetzung eines Auftrages. Angebote werden heute häufig zu eigen-ständigen komplexen Projekten, die nicht mehr von einer Person bearbeitet werden kön-nen, sondern ein Projektteam aus unterschiedlichen Fachbereichen notwendig ist. Die Erstellung einer Kalkulation wird zu einer umfangreichen analytischen Aufgabe, die alle Bereiche des Managements in der Konzeption umfasst. Gerade in dieser Phase entscheiden sich neue Aufträge. Die Unternehmen sind gezwungen, Instrumente, Werkzeuge sowie Prozessabläufe zu initiieren, um mit dem Daten- und Zahlenwerk die Angebotsbearbeitung und vor allem die Projektkalkulation erfolgreich zum Ziel zu führen. Gerade die Genauigkeit dieser Kalkulation ist entscheidend für den Erhalt des Auftrages und für den Erfolg des späteren Projektes. Die vorliegende Arbeit hat diese Zielstellung zum Thema. Anhand eines Industrieprojektes aus der Automobilindustrie, wird eine unternehmerische, methodische und analytische Systematik und Vorgehensweise für eine solche Kalkulation entwickelt. Dabei berechnet die Projektkalkulation einen Angebotspreis mit einer anschließenden Wirtschaftlichkeitsanalyse für eine Anfrage der Volkswagen AG an einem neuen Standort in Indien. Dazu sollen zuerst einige Hintergrundinformationen gegeben werden.

Die Volkswagen AG besitzt mittlerweile in vielen Teilen der Welt Standorte. Neben den klassischen deutschen Standorten Wolfsburg, Emden oder Hannover, und Werken in West- und Osteuropa, wie z.B. Pamplona, Pamela, Brüssel oder Bratislava, ist VW auch in Mexiko, Brasilien, Argentinien, China oder Südafrika vertreten. Wenn die gesamten Marken des Volkswagen-Konzerns (Audi, Skoda, Seat, Bentley, Lamborghini, Bugatti) berücksichtigt werden, kommen weitere Standorte in Tschechien, Spanien, Ungarn, Großbritannien oder Italien hinzu. Zurzeit werden neue Werksstandorte in die Realität umgesetzt. Im Zeichen der Emerging Market Strategie des Konzerns investiert Volkswagen u.a. auch in den Zukunftsmarkt Indien. Dieser neue Standort der Volkswagen AG wird in Pune errichtet, einer 3-Millionen-Einwohner-Stadt im indischen Bundesstaat Maharastra.

Volkswagen investiert dafür ca. 450 Millionen Euro. Pune wird damit bereits der zweite Standort des VW-Konzerns in Indien sein, da auch Skoda seit 2004 in Aurangabad ein Werk betreibt. Im Werk Pune wird zukünftig der VW Polo in einer Variante speziell für den indischen Markt produziert. Geplant ist der Start of Production für die erste Jahreshälfte 2010. Zusätzlich werden ab Januar 2008 bereits über CKD der VW Jetta und ab März 2009 der Skoda Fabia hergestellt. Die Einzelteile werden für die beiden letzten Modelle jedoch aus Europa importiert und im Werk Pune nur noch montiert. Beim VW Polo hingegen ist eine 100%-Fertigungstiefe mit entsprechenden Zulieferunternehmen vor Ort vorgesehen. Die Abbildung 1-1 zeigt die (künftigen) Standorte des Volkswagen Konzerns in Indien: Pune, Aurangabad und Mumbai, letzterem als Standort der VW Vertriebs-gesellschaft in Indien.

Gang der Untersuchung:

Das Ziel der Masterarbeit ist die Entwicklung einer komplexen Kalkulationssystematik für ein Automobilzulieferunternehmen mit folgendem Szenario: Die Volkswagen AG als Beispiel-OEM wird zukünftig für die Montage der VW Polo-Serie bestimmte Teileumfänge via Outsourcing an verschiedene Zulieferer vergeben. Die Masterarbeit wird am Beispiel eines fiktiven Unternehmens der Automobilzulieferindustrie erarbeitet, deren Kerngeschäft im Bereich Entwicklung, Produktion und anschließende JIS-Lieferung komplexer Fahrzeugmodule liegen soll. (Zur Definition und den Hintergründen von Modullieferanten siehe Kapitel 2.1) Als Beispiel von Fahrzeugmodulen sollen in dieser Arbeit die Autositze gewählt werden. Weitere Beispiele von Fahrzeugmodulen werden im 2. Kapitel genannt. Die entsprechende Einkaufsabteilung der Volkswagen AG sendet demnach eine Anfrage an das Zulieferunternehmen mit der Aufforderung, kurzfristig ein gültiges Preisangebot abzugeben. Die sehr komplexe Anfrage beinhaltet Lastenhefte für den konstruktiv-technischen Aufbau der Sitze, Stückzahlen, Varianten und Verbauraten, Termine, Angaben zu den Unterkomponenten und Einzelteilen, den Zulieferern dieser Unterkomponenten, produktions- und arbeitsorganisatorische Hintergründe zum OEM-Werk in Indien, wie Schichtmodelle, Arbeitszeiten, Fahrzeugverteilung auf der Linie, Werksgröße, logistische Abwicklung der Anlieferung sowie Angaben zum Qualitätsstandard von VW in Indien etc Der Zulieferer muss anhand dieser und eigener Informationen zum Standort Indien eine Kalkulation vorbereiten, aus dieser schließlich ein Angebot mit einem realistischen Preis erarbeitet werden kann. Für den Zulieferer ist es jedoch notwendig, ein komplettes eigenes Werk in der Nähe des VW-Werkes zu errichten, was die Gebäude und das Grundstück, die Anlagentechnik, das komplette Personal, den Betrieb des zukünftigen Werkes sowie die logistische Abwicklung umfasst. Damit wird aus dieser Anfrage ein komplexes eigenes Projekt, welches neben einer Preiskalkulation auch eine Auswahl bestimmter Instrumente zur Entscheidungsfindung beinhalten soll.

Den Hauptteil der Arbeit bildet dabei die Ermittlung der betrieblichen Abläufe mit einer sachlichen und rechnerischen Strukturierung der Kosten und Investitionsausgaben sowie deren Erfassung und anschließende Verrechnung in einem Kalkulationsschema zur Preisermittlung. Dafür ist vorher eine umfassende technische Produkt- sowie Produktionsanalyse, die mit Hilfe einer Planungsstudie durchgeführt wird, erforderlich. Ein geeignetes Kalkulationsschema wird dazu in dieser Arbeit aufgebaut und eine Auswahl zwischen einer Voll- und Teilkostenrechnung getroffen. Den Abschluss bildet eine Wirtschaftlichkeitsanalyse mit einer Aussage über die Effektivität des Auftrages und eine Ent-scheidungsaussage für oder gegen diese Investition. Dazu werden Instrumente ausgewählt und entsprechend aufgebaut, die zum einen aus der klassischen Investitionsrechnung (Kostenvergleichsrechnung, Amortisationsrechnung, Kapitalwertmethode), zum anderen aus der wertorientierten Unternehmensführung stammen. Auch auf spezielle Risiken und Unsicherheiten, die bei Auslandsgeschäften grundsätzlich zu beachten sind, wird eingegangen. Im letzten Kapitel schließlich wird auf die Durchführung des Projektes eingegangen. Wie kann eine Projektstruktur aussehen und welche Instrumente werden dabei eingesetzt? Auch die Anforderungen an die Projektleiterinnen und Projektleiter an fachliche, methodische und persönliche Kompetenzen werden dargestellt.

Die methodische Vorgehensweise der Masterarbeit orientiert sich u.a. an der Strukturierung einer zeitgemäßen Planung von Einzel- und Gemeinkosten nach KÖNIG. KÖNIG teilt die Planung der Kosten dabei in vier Stufen ein:

- Leistungs- und Kostenplanung (u.a. Festlegung von Plan-Kapazität, Plan-Beschäf-tigung, Plan-Stücklisten, Planung der Einzel-, Sondereinzel- und Gemeinkosten).

- Plankalkulation (Vor- und Preiskalkulationen, Ermittlung von kurz- und langfristigen Preisuntergrenzen, Entscheidung über Zusatzaufträge, optimales Produk-tionsprogramm, Eigenfertigung oder Fremdbezug).

- Bereitstellung von Kostendaten für die Entscheidungsvorbereitung (Durchführung von Investitionsrechnungen, Wirtschaftlichkeits- und Rentabilitätsanalysen).

- Kostenmanagement.

In der Masterarbeit wird Punkt 1 mit Hilfe einer Planungsstudie bzw. einer Feasibility Studie durchgeführt, die in Kapitel 4 genauer definiert und vorgestellt wird. Die Plankalkulation wird im 5. Kapitel berücksichtigt. Hier wird ein Kalkulationsschema erstellt und die Berechnungssystematik entwickelt. Kapitel 6 entspricht dem dritten Punkt, der Bereitstellung von Kostendaten für die Entscheidungsfindung. Aufbauend auf der Strukturierung der Kosten und der Verrechnung in der Preiskalkulation wird ein Instrume-tarium von Investitionsrechnungen aufgebaut, die eine Entscheidung vorbereiten und fundieren können. An dieser Stelle wird auch ein Ausblick auf grundsätzliche Unsicherheiten bei Auslandsinvestitionen gegeben. Abschließend wird in Kapitel 7 die Projektab-wicklung und das Projektmanagement angesprochen.

Die Masterarbeit soll demnach ein anwendungsorientiertes Problem aus der Industrie anhand eines Beispielunternehmens lösen helfen. Sie stellt sich aber auch dem Anspruch, auf Basis einer wissenschaftlichen Arbeit eine allgemeine Vorgehensweise für komplexe Industrieprojekte zu entwickeln. Eine Anpassung an bestehende örtliche und branchen-abhängige Prämissen vorausgesetzt, ist ein ähnlicher Ablauf von Projektkalkulationen für unter-schiedliche Anfrageumfänge durchaus auch für andere Unternehmen anwendbar.

Die Kalkulation soll – wie beschrieben – beispielhaft für ein Industrieprojekt in Indien erstellt werden. Im Mittelpunkt der Masterarbeit steht jedoch die Methodik und die Struktur der Projektkalkulation bzw. der Kostenermittlung und der Investitionsanalysen und nicht das eigentliche Projekt in Indien. Das Ziel ist die Erstellung einer Kalkulationssystematik, die nicht nur für das Beispiel Indien, sondern auch für andere Projekte angewendet werden kann.

Zuerst wird im folgenden Kapitel der Begriff Modullieferant in der Automobilindustrie vorgestellt und danach folgt eine Vorstellung des Beispielunternehmens.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS VII
TABELLENVERZEICHNIS IX
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS X
1. EINLEITUNG 1
1.1 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA 1
1.2 HINTERGRÜNDE ZUM BEISPIELPROJEKT DER CASE STUDY 2
1.3 ZIELE DER ARBEIT 3
2. MODULLIEFERANTEN IN DER AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE 6
2.1 DIE STELLUNG DER MODULLIEFERANTEN IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE 6
2.2 HINTERGRUND ZUM BEISPIELUNTERNEHMEN DER CASE STUDY 9
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER KOSTENTRÄGERRECHNUNGEN 10
3.1 KOSTENTRÄGERRECHNUNGEN 10
3.1.1 ein- und mehrstufige Divisionskalkulation 13
3.1.2 ein- und mehrstufige Äquivalenzziffernkalkulation 14
3.1.3 summarische und differenzierende Zuschlagskalkulation 15
3.1.4 Zuschlagskalkulation bei Maschinenstundensatzrechnung 17
3.1.5 Kuppelkalkulation 20
3.2 WEITERE FORMEN VON KALKULATIONEN UND PREISBERECHNUNGEN 21
3.2.1 Kalkulation in der Prozesskostenrechnung 21
3.2.2 Marktorientierte Kalkulationen 23
4. DIE PLANUNGSSTUDIE ALS BASIS DER KOSTENERMITTLUNG 26
4.1 GRUNDLAGEN DER PLANUNGSSTUDIEN 26
4.2 VORSTUDIEN 29
4.2.1 Marktanalyse 29
4.2.2 Opportunitätsstudie 31
4.2.3 Unternehmerische Strategien / Gesellschaftsform 33
4.2.4 Zielprogramm 34
4.3 STRUKTURPLANUNG 35
4.3.1 Produktanalyse 35
4.3.2 Produktionskonzept und Groblayout 37
4.3.3 Zeitanalyse 43
4.3.4 Personalbedarf - Produktion 47
4.4 GLOBALPLANUNG 50
4.4.1 Materialflussplanung 50
4.4.1.1 Beschaffungslogistik 51
4.4.1.2 Produktionslogistik 52
4.4.1.3 Distributionslogistik (Auslieferung) 54
4.4.1.4 Personalbedarf - Lagerbereiche und Wareneingang 55
4.4.2 Bildung der betrieblichen Bereiche 59
4.4.3 Festlegung des Flächen- und Raumprogramms 63
4.4.4 Ermittlung der Baukosten 65
4.5 STANDORTENTSCHEIDUNG 66
4.5.1 Variantenvorstellung und Kostenvergleichsrechnung 68
4.5.2 Definition Nutzwertanalyse 69
4.5.3 Berechnung und Auswertung der Nutzwertanalyse 71
4.6 PERSONALKONZEPT 78
5. AUFBAU DER KALKULATIONSSTRUKTUR 81
5.1 AUSWAHL DES KOSTENRECHNUNGSSYSTEMS 81
5.2 AUFBAU DES KALKULATIONSSCHEMAS 88
5.3 MATERIALKOSTEN 90
5.3.1 Materialeinzelkosten 90
5.3.2 Materialgemeinkosten 91
5.4 FERTIGUNGSKOSTEN 95
5.4.1 Direkte Fertigungspersonalkosten (Fertigungseinzelkosten) 95
5.4.2 Indirekte Fertigungspersonalkosten (Fertigungsgemeinkosten) 98
5.4.3 Ausschusskosten (Fertigungsgemeinkosten) 99
5.4.4 Sonstige Fertigungsgemeinkosten 99
5.5 SONDEREINZELKOSTEN 101
5.5.1 Kalkulatorische Abschreibungen - Investitionen Betriebsmittel 101
5.5.2 Planungs-/Projektkosten 104
5.5.3 Anlaufkosten 106
5.5.4 Kalkulatorische Abschreibungen - Grundstück / Gebäude / bauliche Einrichtungen 108
5.5.5 Entwicklungs- und Konstruktionskosten 108
5.6 HERSTELLKOSTEN (1 UND 2) 110
5.7 SELBSTKOSTEN 111
5.7.1 Indirekte Personalkosten 111
5.7.2 Sonstige Verwaltungsgemeinkosten 113
5.7.3 Sonstige Vertriebsgemeinkosten 114
5.8 GEWINNZUSCHLAG 114
5.9 FINANZIERUNGSKOSTEN/VERZINSUNG 114
5.10 PREISBERECHNUNG UND PRICING 119
6. ENTWICKLUNG VON INSTRUMENTEN ZUR ENTSCHEIDUNGSFINDUNG 124
6.1 ÜBERBLICK 124
6.2 KAPITALWERTMETHODE 127
6.3 AMORTISATIONSMETHODE 130
6.4 VALUE DRIVER-BERECHNUNG NACH RAPPAPORT 131
6.5 CASH-FLOW RETURN ON INVESTMENT (CFROI) VS. RETURN ON INVESTMENT (ROI) 134
6.6 ECONOMIC VALUE ADDED (EVA() 138
6.7 UNSICHERHEITEN BEI AUSLANDSINVESTITIONEN 143
6.7.1 Allgemeine Auslandsunsicherheiten 143
6.7.2 Spezifische Auslandsunsicherheiten 144
6.7.3 Maßnahmen zur Reduzierung der Unsicherheit 149
6.7.4 Finanzinstrumente zur Reduzierung der Wechselkursunsicherheiten 151
6.7.5 Sensitivitätsanalysen bei Auslandsinvestitionen 154
7. UMSETZUNG DES PROJEKTES - ANFORDERUNGEN AN PROJEKTLEITER/INNEN 162
7.1 AUFBAU DER PROJEKTSTRUKTUR 162
7.2 DIE PROJEKTLEITUNG ALS ZENTRALE FÜHRUNGSFUNKTION 165
7.3 DAS PROJEKTTEAM 167
8. FAZIT UND AUSBLICK 172
ANLAGEN 175
LITERATURVERZEICHNIS 202

Textprobe:

Kapitel 7.2, Die Projektleitung als zentrale Führungsfunktion:

Die Person des Projektleiters spielt im Allgemeinen eine zentrale Rolle bei der Planung und Umsetzung von Projekten. In Automotive-Projekten scheinen die Anforderungen besonders hoch zu sein, da sie durch technologischen Anspruch Projektleiter erfordern, die zum einen gute Manager sind und zum anderen ein Gesamtverständnis für die Prozesse und Technologien der Fahrzeugentwicklung und –produktion besitzen. Damit ist der Automotive-Projektleiter eher ein Generalist als ein Spezialist. Er muss neben einer grundlegenden Fach- und Methodenkompetenz auch eine hohe Sozial- und Persönlichkeitskompetenz besitzen, um gerade die Führungsaufgaben in seinem Team zu steuern und zu koordinieren. Diese Betrachtung gilt nicht nur für die Gesamtprojektleiter. Den gleichen Anforderungen, wenn auch mit eingeschränkterem Verantwortungsbereich, unterliegen auch Projektleiter und Arbeitspaketverantwortliche auf den darunter liegenden Ebenen des Gesamtprojektes, sei es beim OEM oder bei Zulieferern.

Für das Beispielprojekt der Masterarbeit sollte, aufgrund der Komplexität des Auslandsprojektes, ein dafür freigestellter Projektleiter ernannt werden. Diese Person sollte sich durch umfassende Kenntnisse des Projektmanagements und der Abwicklung solch komplexer Aufgaben bereits ausgezeichnet haben. Diese Tätigkeit verlangt mehr, als „nur“ Wissen über Zusammenhänge des Vertriebs oder des Controllings. Ein Projektleiter sollte die Komplexität und die Dimension einer Werksneugründung und der technologischen, logistischen und organisatorischen Zusammenhänge auf der einen sowie die kommerziellen, finanziellen und managementorientierten Zusammenhänge auf der anderen Seite überblicken können. Nur so ist er in der Lage, ein Team aus unterschiedlichen betrieblichen Fakultäten und Hierarchien gezielt steuern und motivieren zu können und dabei die Aufgabe, nämlich die Nominierung des Indien-Auftrags für das Unternehmen, nicht aus den Augen zu verlieren. Der Projektleiter muss persönlich in der Lage sein, mit Personen und Kollegen verschiedenster Hierarchieebenen sprechen zu können, auch wenn sie aus fachfremden Bereichen stammen. Das gilt sowohl für den Controller, den Einkäufer oder den Logistiker im eigenen Projektteam, aber auch für deren Abteilungs- oder Bereichsleiter, der Unternehmensleitung, dem Kunden (auch dort unterschiedlichsten Fachbereichen, wie Einkauf, Werksplanung, Forschung&Entwicklung etc.), verschiedenen Zulieferern, Beratern, Architekten, Bauingenieuren, Behörden, IT-Fachkräften bis hin zu den Meistern und Arbeitern am Band. Diese Dimension verlangt fachkundige und menschenerfahrene Persönlichkeiten. Vor allem in Konfliktsituationen, die bei so verschiedenen fachlich orientierten Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kunden und externen Projektmitgliedern aufgrund bestimmter gegenläufiger fachlicher Ansichten grundsätzlich entstehen werden, zeigt sich das Können eines Projektleiters.

Unabdingbare Voraussetzung ist, trotz dieser Aspekte die Rolle der Unternehmensleitung. Nur wenn das Top-Management zu jedem Zeitpunkt des Projektablaufes unermüdlicher Motor des Projektes ist, kann der gewünschte Erfolg erreicht werden. Zu Beginn steht der Beschluss der Geschäftsführung bzw. des Vorstands, den Auftrag in Indien aus strategischen Gründen erhalten zu wollen und damit die Aufmerksamkeit aller notwendigen Unternehmensbereiche auf das Anfrageprojekt zu richten. Jeder Bereich muss sich demnach an dem Projekt beteiligen und Mitarbeiter in das Team entsenden. Auch in der Bearbeitungsphase, mit der das interdisziplinäre Projektteam beauftragt wird, ist eine ständige Präsenz des Top-Managements entscheidend. Nur so können unternehmensinterne Kon-flikte und Widerstände eingedämmt werden.

Die Firma Westernacher hat in einem veröffentlichtem Aufsatz die Anforderungen an Projektleiter wie folgt beschrieben: Die Anforderungen die an einen Projektleiter gestellt werden sind umfassend. Ein Projektleiter muss heute Manager, Psychologe, Administrator, Koordinator, Stratege, Verkäufer, Einkäufer, Repräsentant, Verhandlungspartner, Konflikt- und Krisenmanager, Risikoanalytiker, Diplomat, Kontrolleur, Seelentröster und Detektiv sein – dies alles in einer Person. Qualifiziertes Fachwissen reicht deshalb nicht aus, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Der ideale Projektleiter braucht Phantasie und die Fähigkeit, komplizierte Zusammenhänge einfach darzustellen. Er braucht Kreativität und muss in der Lage sein, auch im Chaos die Zügel fest in der Hand zu behalten. Von ihm erwartet man einen messerscharfen Sinn für Logik und das Gespür, unfassbare Strömungen und Stimmungen rechtzeitig zu wahrzunehmen. Den idealen Projektleiter kennzeichnen Dynamik und Entschlussfreudigkeit und dabei gleichzeitig die innere Ruhe, auch unter Druck zu vernünftigen Entscheidungen zu kommen. Er muss sich durchsetzen können und braucht gleichzeitig Einfühlungsvermögen in Menschen. Er braucht die Stärke, Risiken eingehen zu können und gleichzeitig die Kraft, im schlimmsten Fall als „Feigling“ dazustehen, als sinnlose Gefahren zu riskieren. Und dann sollte er auch noch so viel Distanz zu sich selber haben, dass er seine Schwächen und Stärken kennt.

Arbeit zitieren:
Rockstedt, Marcel Januar 2008: Angebotsprozess, Preiskalkulation, Wirtschaftlichkeitsberechnung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kraftfahrzeugteileindustrie, Projektplanung, Preiskalkulation, Wirtschaftlichkeitsrechnung, Automobilindustrie

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