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Anforderungen an eine Unternehmensteuerreform

Anforderungen an eine Unternehmensteuerreform
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thilo Marten
  • Abgabedatum: Februar 2003
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 612,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6826-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6826-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6826-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Marten, Thilo Februar 2003: Anforderungen an eine Unternehmensteuerreform, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Steuer, Steuereform, Gewerbesteuer, Halbeinkünfteverfahren, Besteuerung

Diplomarbeit von Thilo Marten

Einleitung:

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, dem Leser Aufschluss über die verschiedenen Aspekte der Unternehmensbesteuerung zu geben. Hier stellt sich zunächst die Frage, welche Sachverhalte das Thema Unternehmensbesteuerung umfassen muss: Betrachtet werden sollen in erster Linie die Steuern, die betriebliche Erträge, Gewinne oder Vermögen belasten. Hierunter fallen als ertragsabhängige Steuern die Einkommensteuer soweit sie Betriebseinkunftsarten belastet, die Körperschaftsteuer sowie die Gewerbesteuer. Die Grundsteuer belastet als ertragsunabhängige Steuer Betriebsgrundstücke. Indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer oder auch Umweltsteuern sind steuersystematisch eher als Verbrauchsteuer angelegt und belasten somit den Endverbraucher. Daher werden sie im Rahmen dieser Arbeit nur insofern betrachtet, als sie ein mögliches Alternativkonzept zur derzeitigen Besteuerungspraxis bieten.

Zum besseren Verständnis der Methodik dieser Arbeit werden im Kapitel Zwei historische Grundsätze der Besteuerung vorgestellt. Zwar mögen deren einzelne Gewichtungen im Laufe der Zeit schwanken, aber seit ihrer Definition u.a. durch Adam Smith, Adolph Wagner und der weiteren Betrachtung durch Fritz Neumark sind sie nach wie vor maßgeblich für ein „gutes“ Steuersystem. Daher werden auch die in dieser Arbeit behandelten Steuermodelle stets an den Grundsätzen der Besteuerung gemessen. Im Kapitel Drei werden mit der Grund- und Gewerbesteuer zunächst zwei Unternehmenssteuern in Ausgestaltung und fiskalischer Bedeutung vorgestellt, deren Charakteristik sich über längere Zeit nicht wesentlich verändert hat. Das kann jedoch kein Indiz dafür sein, dass es sich hierbei um besonders effiziente Steuern handelt. Daher werden in diesem Kapitel bereits Entwicklungstendenzen aufgezeigt. Im vierten Kapitel wird die Unternehmensteuerreform 2000 hinsichtlich ihrer Wirkung auf Kapitalgesellschaften sowie Personenunternehmen analysiert. Ein großes Gewicht nimmt bei dieser Betrachtung das seit 2001 neu implementierte Halbeinkünfteverfahren ein. Hierbei deutet sich bereits an, dass die Kompatibilität mit internationalen Verfahren zunehmend über die politische Tragfähigkeit eines Steuersystems entscheidet. Auch die im Kapitel Fünf vorgestellten Alternativmodelle werden auf ihre Europatauglichkeit getestet. Bei diesen Modellen handelt es sich sowohl um eher theoretische Konzepte als auch um bereits praktisch erprobte. Im einzelnen werden die „Dual Income Tax“ (DIT), die „Allowance for Corporate Equity“ (ACE), die „Comprehensive Business Income Tax (CBIT) sowie die Cash-Flow-Steuer betrachtet. Im folgenden Kapitel Sechs werden die Erfahrungen europäischer Länder mit diesen alternativen Steuerkonzeptionen wiedergegeben. Dabei wird sich herausstellen, dass die Praxis gegenüber der Theorie noch weitere Hürden kennt. Letztlich wird im Ausblick des siebten Kapitels ein Versuch unternommen, die Quintessenz dieser Arbeit in wenigen Sätzen zu bündeln. Darüber hinaus werden mögliche aktuelle wie zukünftige Entwicklungstendenzen aufgezeigt.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Steuerpolitische Ideale 2
2.1 Das Äquivalenzprinzip 2
2.2 Das Leistungsfähigkeitsprinzip 3
2.3 Steuergrundsätze 6
2.3.1 Fiskalisch-budgetäre Grundsätze 6
2.3.2 Ethisch-sozialpolitische Grundsätze 6
2.3.3 Wirtschaftspolitische Grundsätze 7
2.3.4 Steuerrechtliche und steuertechnische Grundsätze 8
2.4 Exkurs: Steuerneutralität 9
3. Deutsche Unternehmenssteuern 10
3.1 Gewerbesteuer 11
3.1.1 Funktion und Bedeutung 11
3.1.2 Beurteilung 13
3.1.3 Reformvorschläge 16
3.1.3.1 Modellvorschlag des BDI 18
3.1.3.2 Modell des Bundes der Steuerzahler e.V. 21
3.1.3.3 Sachverständigenrat: Zinsbereinigte Gewinnsteuer 22
3.2 Die Grundsteuer 23
4. Unternehmensteuerreform 2000 25
4.1 Besteuerung der Körperschaften 27
4.1.1 Ablösung des Halbeinkünfteverfahrens durch das Vollanrechnungsverfahren 28
4.1.1.1 Das Vollanrechnungsverfahren 28
4.1.1.2 Das Halbeinkünfteverfahren 29
4.1.1.3 Kritik 30
4.1.1.4 Alternativen zum Halbeinkünfteverfahren 31
4.1.2 Exkurs: Steuerliche Begünstigung thesaurierter gegenüber ausgeschütteter Gewinne 33
4.1.3 Veräußerung von Anteilen an anderen Kapitalgesellschaften 34
4.1.4 Ausschüttungen einer Körperschaft an eine andere Körperschaft 34
4.2 Besteuerung von Personenunternehmen 35
4.2.1 Brühler Empfehlungen 36
4.2.2 Ermäßigung der Einkommensteuer um die Gewerbesteuer 38
4.3 Auswirkungen der Steuerreform auf die Rechtsformneutralität 39
4.4 Probleme der internationalen Abstimmung 41
4.4.1 Nichtanrechnung ausländischer Kapitalertragsteuer 41
4.4.2 Behandlung konzerninterner Darlehen 42
5. Alternative Steuerkonzepte 43
5.1 Dual Income Tax (DIT) 44
5.1.1 Warum unterliegen Kapitaleinkünfte einer niedrigen Proportionalbesteuerung? 45
5.1.2 Warum ist die Arbeitseinkommensteuer progressiv? 46
5.1.3 Ist die Dual Income Tax europatauglich? 48
5.2 Allowance for Corporate Equity (ACE) 50
5.2.1 Beurteilung 51
5.2.2 Internationaler Kontext 54
5.3 Comprehensive Business Income Tax (CBIT) 57
5.4 Cash-Flow-Steuer 60
6. Blick über die Grenzen 62
6.1 Nordische Dual Income Tax 62
6.2 Die italienische Unternehmensteuerreform 65
6.2.1 Die italienische Dual Income Tax 65
6.2.2 Beurteilung 68
7. Ausblick 70
Literaturverzeichnis 72

Automatisiert erstellter Textauszug:

Allerdings war das herrschende System aufgrund der oben beschriebenen Unzulänglichkeiten hinsichtlich der Anforderungen an die internationale Kapitalverkehrsfreiheit kaum noch länger aufrechtzuerhalten. Daher stellt sich die Frage, ob eine Modifikation des Vollanrechnungssystems in Bezug auf grenzüberschreitende Investitionen die bekannten Mängel abstellen könnte. Dabei stehen zwei Wege offen: Zum einen könnte das Vollanrechnungssystem durch Steuerabkommen international oder aber zumindest innerhalb der Europäischen Union eingeführt werden: Dieses wäre zwar eine wünschenswerte Variante, erscheint aber hinsichtlich der Kooperationsprobleme bereits innerhalb der EU als weltweite Lösung illusorisch. Dies umso mehr, als einige Staaten wie etwa die USA81, die Niederlande, Belgien oder Dänemark in ihren Steuersystemen grundsätzlich keine Erleichterung der Doppelbesteuerung vorsehen.82 Da derzeit nur Finnland, Frankreich und Italien mit einem Vollanrechnungssystem operieren und eine unilaterale Ausdehnung des Systems auf ausländische Dividendeneinkünfte unwahrscheinlich erscheint, ist eher davon auszugehen, dass das Vollanrechnungssystem in Europa zunehmend einer Quellenbesteuerung weichen wird.83 Zum anderen besteht die Möglichkeit, durch unilaterale Maßnahmen eine Steuerbefreiung sowohl für ausländische Investitionen von Inländern als auch von inländischen Investitionen durch Ausländer herbeizuführen. Diese Lösung wäre mit erheblichen Steuerausfällen verbunden und beraubt den Staat der Möglichkeit, das Einkommen ausländischer Investoren zu besteuern. Solange aber Unternehmen von öffentlichen Gütern profitieren und eine Gebührenvollstreckung hierfür unmöglich erscheint, sollte der Staat die Möglichkeit einer Unternehmensbesteuerung nicht aufgeben.84 Eine andere Möglichkeit besteht in der Abschaffung des Anrechnungssystems bei Einführung eines klassischen Systems der Doppelbesteuerung nach Vorbild der USA. In Bezug auf die gewünschte Wirkung der Steuerreform hinsichtlich der Stimulation der Investitionen besteht bei einer Aufgabe des Anrechnungssystems die Befürchtung, dass die Investitionstätigkeit [...]

4.1.1.4. Alternativen zum Halbeinkünfteverfahren Angesichts der Nachteile des Halbeinkünfteverfahrens erhebt sich die Frage, ob es sinnvolle Alternativen gibt. Fuest und Huber betonen, dass das Vollanrechnungssystem das ökonomisch attraktivste sei: Es garantiert eine neutrale Besteuerung hinsichtlich der Finanzierungsentscheidung, da eine doppelte Besteuerung der Dividenden und damit eine Benachteiligung der Eigenkapitalfinanzierung vermieden wird. Weiterhin besteht keine Verzerrung in der Wahl der Unternehmensrechtsform: Dies wäre der Fall, wenn profitable große Unternehmen einen Anreiz haben könnten, nicht als Kapitalgesellschaft zu firmieren, um eine zusätzliche Besteuerung der Dividendenausschüttung zu umgehen. Ferner wird der Anreiz vor allem kleiner GmbHs unterbunden, Profite an die Eigentümer der Firma in Form von Geschäftsführergehältern auszuzahlen, um den Gewinn zu mindern. Letztlich passt das Vollanrechnungssystem gut zum Leistungsfähigkeitsprinzip des Einkommensteuersystems, da alle Einkunftsarten eines individuellen Steuerzahlers demselben Steuersatz unterliegen.80 [...]

4.1.1.3. Kritik Die Diskriminierung ausländischer Investitionen wurde zwar abgeschafft, aber durch eine Diskriminierung der nicht hälftig besteuerten anderen Kapitaleinkünfte erkauft.74 Aus dem obigen Rechenbeispiel geht nicht nur hervor, dass Personen mit einem höheren persönlichen Steuersatz als 40% profitieren, sondern auch, dass die horizontale Gleichheit der Besteuerung der verschiedenen Kapitaleinkünfte bei individuellen Steuersätzen ungleich 40% nicht mehr gewährleistet ist: Liegt der Einkommensteuersatz über 40%, so ist die Steuerbelastung der Beteiligungseinkünfte im Vergleich zu anderen Einkunftsarten geringer et vice versa.75 Unsystematisch und verfassungsrechtlich bedenklich erscheint auch das sogenannte Halbabzugsverfahren, nach dem Aufwendungen zum Erwerb der Dividendeneinkünfte ebenfalls nur hälftig geltend gemacht werden können: Das heißt, dass selbst unter Vernachlässigung des Solidaritätszuschlages sowie der Gewerbesteuer und unter Annahme eines perfekten Kapitalmarktes mit gleichen Soll- und Habenzinsen ein vollständig kreditfinanzierter Aktienerwerb eine positive Steuerbelastung des Aktionärs bei Dividendenausschüttung herbeiführt.76 Ähnlich gelagert ist das verfassungsrechtliche Problem der Verletzung der Steuerfreistellung des Existenzminimums:77 Da der Anteilseigner keine Erstattung der bereits abgeführten Körperschaftsteuer erfährt, unterliegt er auch dann dem Definitivsteuersatz der Körperschaft, wenn das zu versteuernde Einkommen insgesamt unterhalb des Existenzminimums liegt. [...]

Arbeit zitieren:
Marten, Thilo Februar 2003: Anforderungen an eine Unternehmensteuerreform, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Steuer, Steuereform, Gewerbesteuer, Halbeinkünfteverfahren, Besteuerung

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