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Anbieterverhalten im Softwaremarkt

Eine theoretische und empirische Analyse von Standards und Standardisierung

Anbieterverhalten im Softwaremarkt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jochen Siegert
  • Abgabedatum: Dezember 1999
  • Umfang: 130 Seiten
  • Dateigröße: 822,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2703-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2703-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2703-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Siegert, Jochen Dezember 1999: Anbieterverhalten im Softwaremarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Softwaremarkt, Produktgestaltung, Softwaremarketing, Netzwerk, Anbieterstrategien

Diplomarbeit von Jochen Siegert

Einleitung:

Die Computerindustrie war in den vergangenen 30 Jahren rasanten Veränderungen unterworfen. Anfang der 80er Jahre dominierten nur einige wenige Anbieter den Markt, die ein eigenes Komplettsystem von Hard- und Software vertrieben. Seitdem wandelte sich der komplette Industriezweig in stark diversifizierte einzelne Marktsegmente. Diese Entwicklung postulierte eine Notwendigkeit zur herstellerübergreifenden Kompatibilität, die nur durch Standards ermöglicht werden konnte. Daher haben Standards, insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnologie, gerade in den letzten Jahren sehr stark an Bedeutung gewonnen. Neue Tendenzen durch das Internet, welches kleine und innovative Anbieter mit geringen Markteintrittbarrieren belastet, intensivieren den Spezialisierungsprozess im Softwaremarkt. Die Relevanz von Kompatibilität und Interoperabilität wird daher auch in Zukunft, speziell im Softwaremarkt bedeutend zunehmen.

Der Softwaremarkt hat in den vergangenen Jahren ein sehr starkes dynamisches Wachstum vollzogen. Der deutsche Markt für Software und Service wurde 1998 auf 43 Mrd. DM geschätzt und mit der erwarteten überdurchschnittlichen Ausbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologie, wird er sich in den kommenden Jahren wachstumsstark weiterentwickeln und bedeutender werden. Software unterscheidet sich deutlich von anderen Gütern, indem „Skalenerträge, Verbundvorteile, Netzwerkeffekte und Nichtrivalität in Konsum [...] die Softwarebranche einzigartig“ machen. Bereits heute gilt Software als Enabler vieler neuer Prozesse und Technologien und beeinflusst das volkswirtschaftliche Wachstum positiv. Stünden mehr spezifische Arbeitskräfte zur Verfügung, könnte der Anstieg sogar deutlich höher ausfallen. Die rasante Entwicklung des Internet beeinflusst die Auswirkungen für die betriebswirtschaftlichen Prozesse in Unternehmen und demonstriert einen weiteren Aspekt der wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtung. Die schnellen technologischen Züge sind im strategischen Handeln der Anbieter zu berücksichtigen, können über Marktanteile entscheiden und beeinflussen das Überleben von bestehenden Unternehmen.

Gerade Standards stellen die Grundlage für neue Technologien und Märkte dar. Beispielsweise ermöglichte erst der HTML-Standard in Verbindung mit dem Dienst World Wide Web die enorme Verbreitung des seit Ende der 60er Jahre existierenden Internets. Standardisierungsentscheidungen sind daher essentiell wichtig, stehen im kommerziellen Interesse, wie Standardkriege großer Marktteilnehmer in der Vergangenheit bewiesen haben und können auch aus volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten Einfluss ausüben. Im Rahmen der Antitrust-Verhandlungen des US Department of Justice gegen die Microsoft Corporation wurde geschätzt, daß durch das Aufbrechen des Windows de facto Standards, der globalen Volkswirtschaft durch entstehende Inkompatibilitäten in den darauffolgenden drei Jahren ca. 30 Mrd. $ Kosten entstehen würden. Hier zeigt sich sehr deutlich, inwiefern eine fehlende oder schlechte Standardisierung makroökonomische Folgen nach sich ziehen kann.

In den bisherigen wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen lassen sich verschiedene Ansätze feststellen, die sich mit den Themen der Standardisierung und des Softwaremarkt beschäftigen. Die grundlegende Netzwerktheorie wurde vornehmlich von vielen Autoren ausführlich und auch unter dem Softwaregesichtspunkt untersucht. Das anfängliche Zitat zweier bekannter Autoren von Netzwerkuntersuchungen stellt den notwendigen Zusammenhang zwischen Netzeffekten und Standards dar, der in den bisherigen Veröffentlichungen nur ungenau verfolgt wurde.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
1.1 Gang der Untersuchung 6
2. Der Softwaremarkt 7
2.1 Die bisherige und zukünftige Entwicklung des Softwaremarktes 7
2.2 Die Gliederung des Softwaremarktes 9
2.2.1 Die Gliederung von Cusumano und Selby 10
2.2.2 Die IDC Gliederung 10
2.2.3 Das dreidimensionale Modell von Gerhardt 11
2.3 Der Softwaremarkt - Ein Überblick 12
2.3.1 Größe des globalen und deutschen Softwaremarktes 12
2.3.2 Die führenden Anbieter im Softwaremarkt 14
2.3.3 Der volkswirtschaftliche Einfluß 15
2.3.4 Wachstumsprognosen 17
2.4 Zusammenfassung 18
3. Der Softwaremarkt aus ökonomischen Gesichtspunkten 19
3.1 Netzeffekte im Softwaremarkt 23
3.1.1 Netzwerke im Softwaremarkt 23
3.1.2 Netzwerkeffekte, kritische Masse und Gewinnerphänomen 25
3.1.3 Nachweis von Netzwerkeffekten im Softwaremarkt 29
3.1.4 Zusammenfassung 34
3.2 Versagen durch "Pfadabhängigkeit" und "Lock-In Situationen" 35
3.3 Ausnutzung von Netzwerkeffekten mit Hilfe einer installierten Basis 39
3.3.1 Der Ansatz von Farrell und Saloner 39
3.3.2 Der Ansatz von Hartman und Teece 41
3.3.3 Der Ansatz von Greenstein 42
3.4 Komplementärgüter 43
3.4.1 Die Ansätze von Economides 43
3.4.2 Der Ansatz von Farrell und Katz 46
3.5 Fazit 47
4. Theoretische Untersuchung von Standards und Standardisierung 48
4.1 Was ist ein Standard ? 48
4.1.1 Abgrenzung Standard, Norm, Typ; Standardisierung und Normierung 49
4.1.2 Untergliederung von Standards 51
4.1.3 Auswirkungen von Standards für den Softwaremarkt. 53
4.2 Wissenschaftliche Untersuchung des Anbieterverhaltens. 56
4.2.1 Die Koordinationsmodelle von Farrell und Saloner 56
4.2.2 Der Ansatz von Besen und Farrell 58
4.2.3 Der Ansatz von Liebowitz und Margolis 61
4.2.4 Der Ansatz von Economides und Flyer 62
4.2.5 Die Zusammenfassung von Agre 63
4.3 Ergebnisse 64
5. Angebotsstrategien für Software-Standards. 65
5.1 Standards im Softwaremarkt am Beispiel von Groupware- und eMail-Produkten. 66
5.2 Standardisierung und Produktgestaltung im Softwaremarkt 70
5.2.1 Grundlagen 71
5.2.2 Starke Anbietermacht und homogene Präferenzen 73
5.2.3 Starke Anbietermacht und heterogene Präferenzen 78
5.2.4 Geringe Anbietermacht und homogene Präferenzen 81
5.2.5 Geringe Anbietermacht und heterogene Präferenzen 85
5.2.6 Zusammenfassung 86
5.3 Standardisierung und technologischer Fortschritt 90
5.3.1 Einleitung 90
5.3.2 Niedriger techn. Fortschritt und unbekannte Kundenbasis 92
5.3.3 Hoher techn. Fortschritt und unbekannte Kundenbasis 95
5.3.4 Niedriger techn. Fortschritt und bekannte Kundenbasis 98
5.3.5 Hoher techn. Fortschritt und bekannte Kundenbasis 102
5.3.6 Zusammenfassung 104
5.4 Zusammenführung aller Strategien 106
6. Schlußbetrachtung 109
Literaturverzeichnis 111
Ehrenwörtliche Versicherung 126

Automatisiert erstellter Textauszug:

Eine einheitliche Gliederung des Softwaremarktes ist in der Literatur nicht vorhanden. Die existierenden Gruppierungen variieren in der allgemeinen und Detail-Ebene zum Teil sehr stark. Dies liegt vor allem an zwei Tendenzen im Verhalten der Softwareanbieter10. Zum einen steigt die horizontale und vertikale Integration von Software an, die bislang in unterschiedliche Gliederungsstufen eingeordnet wurde (beispielsweise ist hier die ansteigende Tendenz der Einbindung vom Internetfunktionalitäten in die Officepakete zu nennen.) Andererseits besteht die Tendenz von Anbietern aus Marketing-Gründen die eigene Software neu zu gruppieren, um Individualität und Wettbewerbsvorteile zu ermöglichen. Selbst die Grenzen der Grobgliederung zwischen Anwendungs- und Systemsoftware verschwimmen, da es [...]

Den Grundstein für die PC Softwareindustrie „legten Bill Gates und Paul Allen [...], indem sie die erste PC Computersprache entwickelten, BASIC – Beginners´All-purpose Symbolic Instruction Code“.6 Programmiersprachen bildeten Ende der 70er Jahre die ersten Massenprodukte des Softwaremarktes. Daraufhin „[...] folgten die Betriebssysteme, die für die Steuerung der grundlegenden Funktionen des Rechners erforderlich waren.“7 Heute existierende Betriebssysteme sind u.a. Windows 9x/NT, Unix, Apple OS, Linux, OS/2, BeOS. Trotz der Vielfalt wird der Markt vor allem durch die Windowsplattform dominiert. Windows9x erreicht 1999 einen Marktanteil von 90% bei PC-Betriebssystemen und WindowsNT bestimmte mit 55% das Segment der Server-Betriebssysteme8. Eine bis zum heutigen Tag wachsende Anzahl von Anwendungsprogrammen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Finanzsoftware etc wurde später entwickelt. Neue Tendenzen des Softwaremarktes sind Netzwerksysteme für die verteilte Datenverarbeitung in Firmen oder anderen großen Organisationen, sowie Kommunikations- und Anwendungsprodukte für Mehrbenutzersysteme.9 Das Internet revolutionierte darüber hinaus den Markt und es ermöglichte dadurch ein [...]

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Ermittlung von Lösungsansätzen für den strategischen Umgang eines Anbieters mit Standardisierung im Softwaremarkt. Dazu wird zunächst der Untersuchungsgegenstand gegenüber den Forschungsfeldern Softwaremarkt und Standardisierung abgegrenzt. Einführend soll der Softwaremarkt aus wirtschaftswissenschaftlichen Gesichtspunkten genauer analysiert und die Phänomene und Struktur ermittelt werden. Im darauf folgenden Literaturüberblick werden die unterschiedlichen wissenschaftlichen Modelle zum Angebotsverhalten im Softwaremarkt und Standardisierung zusammengefaßt. Dabei läßt sich fest stellen, daß zur Standardisierung im Softwaremarkt bisher kaum wissenschaftliche Arbeiten vorliegen. Das fünfte Kapitel greift als Kernstück dieser Abhandlung die Schwächen der existierenden Anbietermodelle auf und entwickelt ein eigenes weiterführendes Modell. Dabei sollen Lösungsvorschläge für Standardisierungsentscheidungen im Softwaremarkt, abhängig von grundlegenden Variablen, als Ansatz für die praktische Anwendung ermittelt werden. Das Modell beschränkt sich nicht nur auf die bloße Darstellung von Standardisierungsstrategien, sondern zieht vielmehr auch die Produktgestaltung mit ein. In einem zweiteiligen Abriß werden die Problemfelder, die in Matritzenform dargestellt werden, erörtert. Das erste Beispiel konzentriert sich auf den aktuellen Markt und berücksichtigt Standardisierungsentscheidung abhängig von der Marktkonstellation. Die zweite Matrix versucht einen Ausblick auf neue Märkte und die Überwindung der daraus resultierenden Unsicherheiten für Angebotsentscheidungen. Das Fazit erläutert anschließend die Essenz der Arbeit wagt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Standardisierungsproblematik im Softwaremarkt gewagt. [...]

Arbeit zitieren:
Siegert, Jochen Dezember 1999: Anbieterverhalten im Softwaremarkt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Softwaremarkt, Produktgestaltung, Softwaremarketing, Netzwerk, Anbieterstrategien

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