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Analyse der operationellen Risiken durch den Einsatz individueller Datenverarbeitung in Kreditinstituten

Analyse der operationellen Risiken durch den Einsatz individueller Datenverarbeitung in Kreditinstituten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Fabian Kurz
  • Abgabedatum: Oktober 2005
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9706-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9706-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9706-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kurz, Fabian Oktober 2005: Analyse der operationellen Risiken durch den Einsatz individueller Datenverarbeitung in Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Operational Risk, Basel 2, IDV, Schadenfall, Derivate

Diplomarbeit von Fabian Kurz

Einleitung:

Vor dem Hintergrund der Terroranschläge auf das New Yorker Finanzzentrum am 11. September 2001 sind operationelle Risiken stärker in den Fokus der Risikoanalysten gerückt, da diese hohen negativen Einfluss auf die Liquidität des internationalen Bankensystems feststellten. Deutlich wurde dieses Risiko auch bei den Angriffen auf die Londoner Untergrundbahn am 07. Juli 2005. Operationelle Risiken sind erst jetzt zur zweitwichtigsten Risikokategorie nach dem Kreditrisiko avanciert, obwohl sie unmittelbar mit der Gründung von Kreditinstituten entstehen und noch vor Markt- oder Kreditrisiken existent sind. Sie fassen neben Risiken aus externen Ereignissen auch Prozess-, Personen- und Systemrisiken zusammen, denen auch aus Informationstechnologie (IT) hervorgehende Gefahren zuzuordnen sind. Die zunehmende Bedeutung der IT in Kreditinstituten erhöht gleichzeitig damit verbundene operationelle Risiken.

Da durch verstärkten Wettbewerbsdruck auch die Kreditinstitute gezwungen sind, schneller mit neuen Produkten an den Markt zu gehen, wird im Bereich von Finanzinnovationen – zeit- und kostenbedingt – verstärkt auf professionelle Softwareentwicklung zugunsten individueller Softwarelösungen verzichtet. Diese individuelle Datenverarbeitung (IDV) kann Schwächen der professionellen Variante ausgleichen und stellt eine wichtige Komponente für die Befriedigung individueller Informationsbedürfnisse dar. Stetig komplexer werdende Finanzstrukturen, zunehmende Volumina derivativer Finanzprodukte und die durch internationale Vernetzung der Finanzmärkte ansteigende Schwankung der Marktparameter (Volatilität) erfordern einen verantwortungsvollen und bewussten Risikoumgang. Da gerade in diesen Bereichen dem Einsatz von IDV eine besondere Bedeutung zukommt, sind die hieraus entstehenden operationellen Risiken speziell vor dem Hintergrund der Eigenkapitalanforderungen aus Basel II zu analysieren. Auch IT-Risiken müssen ab Inkrafttreten der Verordnungen des BASEL COMMITTEE OF BANKING SUPERVISION Ende des Jahres 2006 mit Eigenkapital unterlegt werden. Dies führt dazu, dass der Einsatz eines diesbezüglich gut funktionierenden Risikomanagements einen direkten Wettbewerbsvorteil darstellt.

Während die Aufmerksamkeit bereits auf die professionelle Softwareentwicklung gerichtet ist, die einen Teil der IT-Risiken darstellt, steht die Betrachtung der Risiken aus IDV gänzlich am Anfang und ist bisher literarisch nicht behandelt worden. Die Analyse dieser sensiblen Unternehmensdaten stellt demnach eine hohe Herausforderung vor aktuellem Hintergrund dar und verbindet sowohl technische als auch fachliche Aspekte. Risiken managen heißt auch gleichzeitig Chancen managen. Die Untersuchung positiver Effekte der IDV gegenüber professioneller Datenverarbeitung erfolgt in dieser Arbeit sekundär, sollte aber in weitere Überlegungen einbezogen werden.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Vorstoß in die komplexe und aktuelle Thematik der operationellen Risiken aus dem Einsatz von IDV zu wagen und durch Aufzeigen potentieller Gefahren das Risikobewusstsein der Mitarbeiter in den Fachbereichen, den EDV-Bereichen, der Revision und den Führungsebenen zu schaffen, um das aktive Managen dieser Risikoart zu ermöglichen. Es wird nicht der Anspruch auf eine allgemeingültige Bewertung und Eliminierung der operationellen Risiken aus dem Einsatz von IDV erhoben, die direkt in bereits vorhandene Überlegungen vor dem Hintergrund von Basel II übernommen werden können. Vielmehr sollen Wege zur Identifikation und Bewertung von IDV und abhängigen Risiken in Kreditinstituten eröffnet werden, die eine Grundlage für weitere hierauf ausgerichtete Untersuchungen und Maßnahmen darstellen.

Hierzu werden in Abschnitt 2 der Arbeit die Themenbereiche der operationellen Risiken, deren Einordnung in den Risikomanagementprozess und die Ableitung der Begrifflichkeiten für Kreditinstitute behandelt. Es erfolgt zunächst eine differenzierte Betrachtung operationeller Risiken durch die Aufspaltung in Prozess-, Personen- und Systemrisiken sowie in Risiken aus externen Ereignissen, die in einen Gesamtzusammenhang mit Markt- und Kreditrisiken gebracht werden. Anschließend werden mehrere theoretische und praktische Methoden zur Identifikation vorgestellt, die sich anhand ihrer Zielrichtung unterscheiden. Die darauf folgende Darstellung zur Quantifizierung operationeller Risiken beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit mathematischen Modellen, die eine Trennung in Verlusthäufigkeit und Verlusthöhe vornehmen, um daraus den Value at Risk (VaR) zu berechnen.

Abschnitt 3 geht auf den Begriff der IDV ein und nimmt eine Abgrenzung von Softwareentwicklungen durch externe Dienstleister zu entsprechenden Entwicklungen durch den Fachbereich vor. Anschließend werden die Gründe für den Einsatz von IDV in Kreditinstituten ermittelt und durch Beispiele erläutert.

Die Erkenntnisse aus den beiden vorherigen Abschnitten werden in einer die IDV betreffenden Risikobetrachtung in Abschnitt 4 zusammengeführt. Zuerst erfolgt die Darstellung aus IDV entstehender Risiken, die sich sowohl an technischen als auch fachlichen Aspekten orientiert. Danach werden die in Abschnitt 2 vorgestellten Methoden zur Identifikation auf die IDV und ihre Risiken angewendet. Anschließend werden die aus den Risiken möglicherweise resultierenden Auswirkungen ermittelt und Instrumente einer quantitativen und qualitativen Analyse angewendet, die einen Weg zur Bewertung von Risiken aus IDV aufzeigen. Abschließend wird in diesem Abschnitt die Einordnung vorgestellter Methoden in den Managementprozess vorgenommen.

Abschnitt 5 fasst die gewonnenen Kenntnisse in einem abschließenden Fazit zusammen und skizziert mögliche Fragestellungen für die weitere Betrachtung des Themas um Risiken aus dem Einsatz von IDV in Kreditinstituten.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Formelverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Einführung in die Thematik 1
1.2 Ziel und Struktur der Arbeit 2
2. Operationelle Risiken 4
2.1 Definition und Einordnung des Risikobegriffs in das Risikomanagement 4
2.1.1 Risikobegriff 4
2.1.2 Risikomanagement 6
2.2 Definition und Begriffserklärung operationeller Risiken 9
2.2.1 Operationelle Risiken 9
2.2.2 Operationelle Risiken in Kreditinstituten 14
2.2.3 Abgrenzung zu weiteren Risikoarten in Kreditinstituten 17
2.3 Identifikation operationeller Risiken 20
2.3.1 Aspekte der Risikoidentifikation 20
2.3.2 Kollektionsmethoden 22
2.3.3 Suchmethoden 24
2.3.4 Derivative Analysemethoden 26
2.4 Quantifizierung operationeller Risiken 27
3. Individuelle Datenverarbeitung 32
3.1 Definition individueller Datenverarbeitung 32
3.1.1 Entwicklung durch Dienstleister 32
3.1.2 Entwicklung durch Fachbereiche 33
3.2 Gründe zur Erstellung individueller Datenverarbeitung 36
3.3 Anwendungsbereiche 38
3.3.1 Allgemein 38
3.3.2 Anwendungsgebiete in Kreditinstituten 40
4. Risikobetrachtung individueller Datenverarbeitung in Kreditinstituten 42
4.1 Risiken aus individueller Datenverarbeitung in Kreditinstituten 42
4.1.1 Risiken unter Betrachtung von Aspekten zur Datensicherheit 42
4.1.2 Risiken unter Betrachtung externer Vorschriften 44
4.1.3 Risiken unter Betrachtung von Kostengesichtspunkten 45
4.2 Identifikation 47
4.2.1 Identifikation individueller Datenverarbeitung 47
4.2.2 Identifikation des Risikos aus individueller Datenverarbeitung 49
4.3 Messbarkeit operationeller Risiken aus individueller Datenverarbeitung 54
4.3.1 Messgegenstand 54
4.3.2 Quantitative Analyse 56
4.3.3 Qualitative Analyse 59
4.4 Management operationeller Risiken aus individueller Datenverarbeitung 60
5. Fazit 64
Literaturverzeichnis 66
Anhangsverzeichnis 71
Eidesstattliche Erklärung 86

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die weite Verbreitung von IDV ist auf mangelnde zeitliche Ressourcen mit gleichzeitigem Fertigstellungsdruck und Kapazitätsengpass sowie unzureichend vorhandenes Fachwissen in den EDV-Bereichen zurückzuführen.181 IDV ermöglicht dem Fachbereich direkt und ohne Abhängigkeit vom EDV-Bereich die schnelle Erstellung eigener Tools zur Aufgabenbewältigung bzw. -unterstützung. Ad-hoc-Auswertungen für den eigenen Fachbereich oder für Dritte können durch IDV schnell und eigeninitiativ erstellt werden.182 Der Fachbereich kann seine Anforderungen ohne die Einarbeitung eines Programmierers und ohne die detaillierte Formulierung in Form von Spezifikationen und Pflichtenheften umsetzten. Dies erspart Zeit, da die Einarbeitung eines Programmierers in das jeweilige Fachgebiet oder die Übergabe der Anforderungen vom Fachbereich an den Programmierer länger dauert als die Schulung der Fachabteilung in der Anwendungsentwicklung und der eigentlichen Erstellung. Da der Endanwender seine Informationswünsche am besten kennt, kann auch die Aufarbeitung am effizientesten durch ihn durchgeführt werden.183 Die gestiegene Komplexität im Bereich der Produkte im Finanzdienstleistungssektor trägt dazu bei, dass eine Abbildung in den vorhandenen IT-Systemen nicht adäquat oder nur mit hohem Anpassungsaufwand erfolgen kann.184 Die Vielzahl der in Kreditinstituten vorhandenen heterogenen Systeme erfordert ein effizientes Schnittstellenmanagement. Veraltete Technik und Programmiersprachen sind häufig nicht oder nur kostenintensiv mit neuen Funktionen auszustatten und können nur noch durch teure Neuinvestitionen abgelöst werden.185 Der Wettbewerb erfordert es allerdings, Finanzinnovationen auch als solche anbieten zu können, bevor sie zu einem Standardprodukt ohne nennenswerte Marge deklassieren.186 Anpassungen an sich ändernde Gegebenheiten können schnell durch den Entwickler, der gleichzeitig die Rolle des Endbenutzers einnimmt, erledigt werden, so dass der entsprechende Informationsbedarf gedeckt werden kann.187 Diese Tatsache kann auf der einen Seite bei kurzfristiger Betrachtung den Prozess der Wartung unterstützen. Langfristig gesehen kann dies auf der anderen Seite beispielsweise auf181 182 183 184 185 186 187 [...]

Verarbeitung dieser dispositiven bzw. buchhaltungsrelevanten Daten wird durch externe Vorschriften geregelt, wie beispielsweise den Grundsätzen ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS).177 Direkter Lesezugriff auf entsprechende Tabellen der verwendeten Datenbanken oder aber Extrakte bzw. Exporte aus Standardanwendungen heraus liefern die benötigten Daten. Diese Tatsache führt aber gleichzeitig zu dem Problem, dass Änderungen der Ursprungsdaten sich nicht zwangsläufig auch bis zur IDV durchziehen und dass weder Aktualität noch Konsistenz gewährleistet werden kann. Gerade bei Änderungen durch Dritte kann der Informationsfluss gestört sein.178 IDV bietet sich unter der Voraussetzung an, dass nur wenige weitere Personen Zugriff auf die Anwendung und die generierten Informationen benötigen und keine periodische Erfassung, Verarbeitung oder Aktualisierung von Massendaten erfolgt. Hier sind entsprechende Produkte im Bereich der Standardanwendungssoftware einzusetzen, um die Aspekte der ordnungsgemäßen Buchführung berücksichtigen zu können.179 Die Endbenutzer im Bereich der IDV lassen sich typischerweise je nach Know-how ▪ ▪ ▪ Spezialisten, Standard-Anwender oder Anwendungsanwender [...]

vorliegenden Arbeit ist die Betrachtung der aus dieser Software entstehenden operationellen Risiken. IDV existiert „neben oder integriert mit den Anwendungen der professionellen Datenverarbeitung.“168 Sie dient der Befriedigung der Informationswünsche des Endanwenders durch Nutzung der ihm zur Verfügung gestellten Hard- und Software, ohne den EDV-Bereich einzuschalten. Gerade in großen Kreditinstituten, die über ein ausgefeiltes IT-Sicherheitskonzept verfügen, ist die Auswahl der dem Fachbereich zur Verfügung gestellten Werkzeuge für die Erstellung von IDV meist begrenzt. Schwerpunktmäßig werden hierfür die Produkte der Microsoft-Familie eingesetzt.169 Excel und Access bieten sich mit den integrierten Funktionen an und können mit Hilfe von Makros und der Programmierung in Visual Basic for Applications (VBA) zu mächtigen Werkzeugen avancieren. Wird IDV im Unternehmen toleriert und möglicherweise zusätzlich noch unterstützt, so kann eine Vielzahl unterschiedlicher Endbenutzerwerkzeuge für die Entwicklung solcher Programme zur Verfügung stehen.170 Auch SAS und ACL als Software zur Analyse, zum Reporting und für Business Intelligence Auswertungen stehen heute als technische Hilfsmittel für den IDV-Einsatz zur Verfügung.171 Das über Jahrzehnte gewachsene IT-Know-how der Endbenutzer ermöglicht das eigenverantwortliche Erstellen von Abfragen auf Datenbestände, die beliebig verarbeitet werden können.172 Voraussetzung für die Anwendung von IDV ist ein Zugriff auf die Daten des Unternehmens.173 Hierzu werden üblicherweise Kopien des Datenbestandes gefertigt, auf deren Basis die IDV ihre Berechnungen und Auswertungen anfertigt.174 Die Datenbasis stellt häufig Exporte aus bestehenden und von dem EDV-Bereich zur Verfügung gestellten Systemen dar. Die von diesen Systemen losgelöste Erzeugung dieser Grunddaten ist mit enormem Aufwand verbunden und auch häufig gar nicht möglich.175 Aus Sicherheitsgründen ist meist eine Änderung von Geschäfts- und Finanzdaten durch externe Programme nicht möglich.176 Die [...]

Arbeit zitieren:
Kurz, Fabian Oktober 2005: Analyse der operationellen Risiken durch den Einsatz individueller Datenverarbeitung in Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Operational Risk, Basel 2, IDV, Schadenfall, Derivate

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