Analyse des globalen interorganisationalen Netzwerks 'Global Compact' als Instrument von Corporate Social Responsibility
Legitimitäts- und Effektivitätsaspekte bezüglich der Durchsetzung sozialer und umweltpolitischer Normen und Standards
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nadine Pauly
- Abgabedatum: Februar 2007
- Umfang: 129 Seiten
- Dateigröße: 645,0 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
- Bibliografie: ca. 106
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0642-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Pauly, Nadine Februar 2007: Analyse des globalen interorganisationalen Netzwerks 'Global Compact' als Instrument von Corporate Social Responsibility, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Global Compact, Multinationales Unternehmen, Soziale Verantwortung, United Nations, Corporate Social Responsibility
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Diplomarbeit von Nadine Pauly
Einleitung:
Die Kontroverse über die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Globalisierung hat bis dato nicht an Aktualität verloren. Multinationale Unternehmen, die als zentrale Akteure hinsichtlich der weltweit voranschreitenden Vernetzung ökonomischer und sozialer Aktivitäten angesehen werden, sind in diesem Zusammenhang immer wieder in die öffentliche Kritik geraten, insbesondere in Hinblick auf fragwürdige umwelt- und sozialpolitische Aktivitäten und Methoden in Entwicklung- und Schwellenländern. Angesichts dem Fehlen international verbindlicher Regeln und Gesetze bezüglich der Durchsetzung und Einhaltung von grundlegenden Umwelt- und Sozialstandards, steht die Diskussion um Verhaltensregeln für die Aktivitäten multinationaler Unternehmen, vor allem in den Entwicklungsländern, daher nach wie vor, wenn nicht umso mehr, auf der internationalen Agenda.
Die Herausbildung sogenannter interorganisationaler Netzwerke, welche unter Einbezug verschiedener öffentlicher und privater Akteure zur Lösung komplexer weltpolitischer Themen beizutragen suchen, stellen hierbei einen recht neues Phänomen innerhalb der Global Governance – Entwicklung dar. Der im Jahr 2000 von Kofi Annan unter dem Dach der Vereinten Nationen lancierte Global Compact ist ein solches interorganisationales Netzwerk, welches sowohl privatwirtschaftliche als auch zivilgesellschaftliche und öffentliche Akteure umfasst und dabei primär darauf zielt, Unternehmen innerhalb ihrer Corporate Social Responsibility (CSR) bei der Regulierung und Durchsetzung sozialer und umweltpolitischer Standards einzubinden.
Der Global Compact als Instrument von Corporate Social Responsibility und die netzwerktheoretisch inhärente Einbindung privatwirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure in die Formulierung und Durchsetzung weltweiter Standards wirft jedoch einige interessante Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der Legitimität und der Effektivität dieser Form der Regulierung.
Die vorliegende Arbeit untersucht daher anhand ausgewählter, aus der Demokratietheorie abgeleiteten, Kriterien zunächst eine mögliche Legitimität des Global Compact, bevor im Anschluss eine Untersuchung der tatsächlichen Wirksamkeit, also der Effektivität des Netzwerks, vorgenommen wird. Dies geschieht auf der Grundlage von unterschiedlichen Datenmaterialien sowie anhand selbst erstellter Statistiken. Die systematische Analyse des Netzwerks bringt dabei ein diversifiziertes Ergebnis zutage und betont die Problematiken und Defizite einer legitimen und effektiven Regulierung sozialer und umweltpolitischer Normen und Standards innerhalb des Global Compact Netzwerks.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Zur Herausbildung interorganisationaler Netzwerke vor dem Hintergrund der Unternehmensverantwortung in einer globalisierten Gesellschaft | 1 |
| 2. | Interorganisationale Netzwerke – Allgemeine Erläuterungen | 5 |
| 2.1 | DEFINITION | 6 |
| 2.2 | AKTEURE | 7 |
| 2.3 | FUNKTIONEN | 9 |
| 2.4 | KERNPROBLEME | 11 |
| 3. | Das Netzwerk Global Compact | 13 |
| 3.1 | ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE | 14 |
| 3.2 | ZIELE UND INHALTE | 16 |
| 3.3 | AKTEURE | 17 |
| 3.4 | ZUM SELBSTVERSTÄNDNIS | 20 |
| 3.5 | AKTIVITÄTEN ZUR UMSETZUNG DER PRINZIPIEN | 21 |
| 3.5.1 | Lernforum | 22 |
| 3.5.2 | Sachgespräche („Policy dialogues“) | 24 |
| 3.5.3 | Partnerschaften | 24 |
| 3.5.4 | Lokale Netzwerke | 25 |
| 3.5.5 | Führung (Leadership) | 26 |
| 3.6 | INSTITUTIONELLER AUFBAU UND FUNKTIONEN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER ÄNDERUNGEN VOM 12. AUGUST 2005 | 27 |
| 3.6.1 | Global Compact Leaders Summit | 28 |
| 3.6.2 | Global Compact Board | 28 |
| 3.6.3 | Lokale Netzwerke und Lokales Netzwerkforum | 30 |
| 3.6.4 | Global Compact Büro und Inter-Agency Team | 30 |
| 3.6.5 | Global Compact Foundation | 31 |
| 3.7 | MAßNAHMEN DER INTEGRITÄTSSICHERUNG | 32 |
| 3.7.1 | Benutzungsbedingungen des Global Compact Namens und Logos | 32 |
| 3.7.2 | Communication on Progress (COP) | 33 |
| 3.7.3 | Beschwerdeverfahren | 34 |
| 4. | Multinationale Unternehmen, Corporate Social Responsibility und der Global Compact | 36 |
| 4.1 | THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUM KONZEPT DER CORPORATE SOCIAL RESPONSIBILITY (CSR) | 37 |
| 4.1.1 | Definition und Begriffsabgrenzung | 37 |
| 4.1.2 | Treibende Faktoren zur Umsetzung von CSR | 39 |
| 4.1.2.1 | Auswirkungen der Globalisierung | 40 |
| 4.1.2.2 | Relevanz der öffentlichen Wahrnehmung | 40 |
| 4.1.2.3 | Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit | 41 |
| 4.1.2.4 | Aufbau von Sozialkapital | 42 |
| 4.2 | ANREIZSYSTEM FÜR UNTERNEHMEN ZUR INTERAKTION IM GLOBAL COMPACT – GRUNDINTERESSEN UND PRÄFERENZEN | 43 |
| 4.2.1 | Gründe befürwortender Positionen | 44 |
| 4.2.2 | Gründe ablehnender Positionen | 45 |
| 4.3 | BILANZ HINSICHTLICH DER BETEILIGUNG UND AKTIVITÄTEN AM GLOBAL COMPACT | 46 |
| 4.3.1 | Unternehmen im Global Compact | 46 |
| 4.3.2 | Gesamtzusammensetzung der Netzwerkteilnehmer | 51 |
| 4.3.3 | Statistiken zur Beteiligung am Communication on Progress | 53 |
| 4.3.4 | Weitere Indikatoren zur Beteiligung und Umsetzung des Global Compacts | 57 |
| 5. | Aspekte der Legitimität und Effektivität des Global Compact Netzwerks | 62 |
| 5.1 | KRITERIEN ZUR BEURTEILUNG DER LEGITIMITÄT | 63 |
| 5.1.1 | Universalität der Prinzipien | 65 |
| 5.1.2 | Inklusivität | 67 |
| 5.1.3 | Politische Verantwortlichkeit und Transparenz | 73 |
| 5.1.4 | Deliberation | 79 |
| 5.1.5 | Aspekte der Institutionalisierung | 82 |
| 5.2 | KRITERIEN ZUR BEURTEILUNG DER EFFEKTIVITÄT | 84 |
| 5.2.1 | Agenda-Setting | 86 |
| 5.2.2 | Partizipation | 87 |
| 5.2.3 | Regeleinhaltung und Zielerreichung | 90 |
| 5.3 | ABSCHLIEßENDE BEURTEILUNG | 95 |
| 6. | Weiterführende Überlegungen | 97 |
| Anhang | 99 | |
| Literaturverzeichnis | 106 |
Textprobe:
Kapitel 4.1.2.4, Aufbau von Sozialkapital:
Das interdisziplinäre Konzept des Sozialkapitals wird unterschiedlich verstanden und definiert, im folgenden Kontext soll es übergreifend als eine Option von Unternehmen im Rahmen ihrer CSR gesehen werden. Das Sozialkapitalkonzept erweitert zu-nächst die Kapitaltheorie dahingehend, dass die klassischen Elemente des Finanz-, Sach- und Humankapital um das Element des Sozialkapitals ergänzt werden, welches nach Putman als „features of social organization such as networks, norms and social trust that facilitate coordination and cooperation for mutual benefit“ defi-niert werden kann. Im Zusammenhang mit dem CSR Konzept geht es dabei um „Investitionen“ in das soziale und institutionelle Umfeld, um so eine Wertsteigerung des Unternehmens über Vertrauen, Beziehungen und Netzwerke zu ermöglichen. In Bezug auf Netzwerke erfüllt Sozialkapital vier zentrale Funktionen, die letztlich die Überwindung von Kooperationsproblemen und kollektives Handeln zum allseitigen Vorteil ermöglichen soll:
Die Versicherungsfunktion schafft langfristige und verbindliche Beziehungen, die Erziehungsfunktion fördert die Fähigkeit sozialer Interaktion, die Informationsfunktion dient dem wechselseitigen Informationsaustausch sowie die Identitätsfunktion, die zur Herausbildung und Festigung moralischer Normen beiträgt. Sofern Netzwerke als Sozialkapital fungieren bzw. wirken, wird Unternehmen so die Möglichkeit gegeben, von einer bereichsübergreifenden Zusammenarbeit zu profitieren und gleichzeitig ihrer ordnungspolitischen Mitverant-wortung nachzukommen.
Kapitel 4.2, Anreizsystem für Unternehmen zur Interaktion im Global Compact – Grundinteressen und Präferenzen:
Die Aufnahme des Global Compact in der Wirtschaftswelt ist recht unterschiedlich und hat sowohl positive bzw. befürwortende als auch skeptische bis hin zu ablehnen-den Reaktionen erfahren. Seitens des Global Compact werden von Kell und Ruggie vor allem folgende Haupt-Anreize für eine Partizipation der Unternehmen gesehen: Die Tatsache, dass der Global Compact mit seinen Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitsstandards, Umweltschutz und Anti-Korruption alle relevanten bzw. kritischen Themenfelder der CSR-Debatte abdeckt, biete Unternehmen ein „Stopp shopping“ und erlaube so eine Senkung der Transaktionskosten. Zudem würde der Wirtschaft die Möglichkeit gegeben, auf Basis legitimer, universell anerkannter Prinzipien zu handeln. In diesem Sinne würde der Global Compact dazu beitragen, globalen Märkten soziale Legitimität zu verleihen. Und schließlich sei ein Engagement innerhalb des Global Compact, der von den Untenehmen befürchteten Ergänzung internationaler Handelsregime um soziale und Umweltpolitische Standards bzw. der Einführung verbindlicher Regeln, vorzuziehen. Insgesamt wird der Global Compact als Möglichkeit gesehen, eine win-win-Lösung für Unternehmen und Gesellschaft herzustellen. Im folgenden soll nun ein Überblick über die wesentlichen Positionen von Seiten der Wirtschaft hinsichtlich einer Beteiligung am Global Compact Netzwerk gegeben werden.
Kapitel 4.2.1, Gründe befürwortender Positionen:
Der Beteiligung von Unternehmen, die sich bislang dem Global Compact angeschlossen haben, liegen recht diverse Motivationen zugrunde, wie Befragungen zeigen. So sehen Unternehmen die Möglichkeit als Teilnehmer des Netzwerks, ihre soziale Verantwortung öffentlich demonstrieren zu können und versprechen sich zudem einen Reputationszugewinn. Weiterhin werden allgemein humanitäre Gründe für eine Beteiligung angegeben sowie der Wunsch sich mit der Thematik CSR mehr vertraut zu machen. Der Erwerb von Know-how hinsichtlich der Verbesserung von Geschäftspraktiken und die Möglichkeit mit anderen Unternehmen und Organisationen zusammenzuarbeiten stellen weitere Gründe dar. Laut der von McKinsey durchgeführten Befragung spielen weiterhin die persönliche Motivation von CEOs oder Vorständen eine Rolle, aber auch die Möglichkeit allgemein zur UN in Beziehung zu treten.
Die konventionellen Treiber des Business Case von CSR, wie die Verbesserung der Marktzutrittschancen sowie die Nutzung des Global Compact zu Marketingzwecken wurden ebenfalls als Gründe für eine Partizipation angegeben, allerdings unter den letztgenannten. In einer mit deutschen Unternehmen durchgeführten Befragung von Rieth, wurden außerdem noch die Bedeutung der Person Annan als Initiator des Netzwerks als entscheidend genannt; ein interessanter Aspekt ist zudem, dass die befragten Unternehmen bekundeten, keinen Zusammenhang zwischen einer Teilnahme am Global Compact und der Vermeidung verbindlicher Regeln zu sehen. Dies steht im Gegensatz zu den von Kell und Ruggie vermuteten Anreizen zur Selbstregulierung der Unternehmen innerhalb des Global Compact; dennoch ist hier zu beachten, dass sich die diesbezüglich gemachten Aussagen auf deutsche Unternehmen beziehen und insofern nicht als repräsentativ gewertet werden können. Hamm beispielsweise unterstellt Unternehmen als eines der primären Interessen die Vermeidung verbindlicher Regeln, da diese die unternehmerische Flexibilität und Mobilität einschränke und Kosten verursache, die durch die Möglichkeit der Selbstregulierung innerhalb des Global Compact, vermieden werden sollen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836606424
Arbeit zitieren:
Pauly, Nadine Februar 2007: Analyse des globalen interorganisationalen Netzwerks 'Global Compact' als Instrument von Corporate Social Responsibility, Hamburg: Diplomica Verlag
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Global Compact, Multinationales Unternehmen, Soziale Verantwortung, United Nations, Corporate Social Responsibility



