Analyse der externen Einflussfaktoren als Grundlage zur Entwicklung von Krankenhausstrategien
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Olga Hofmann
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 939,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 60
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3344-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hofmann, Olga Januar 2006: Analyse der externen Einflussfaktoren als Grundlage zur Entwicklung von Krankenhausstrategien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Krankenhausstrategie, Management, Umfeldanalyse, Branchenstrukturanalyse, Wettbewerbssituation
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Diplomarbeit von Olga Hofmann
Einleitung:
Das Gesundheitswesen in Deutschland wird mit gravierenden Veränderungen konfrontiert, die für alle Akteure gleichsam Chancen und Risiken repräsentieren. Angesichts der zahlreichen politischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen des Umfeldes, ist es für Krankenhäuser von besonderer Bedeutung, zur dauerhaften Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit nach innovativen Wegen der strategischen Krankenhausführung zu suchen.
Diese Arbeit richtet sich an Krankenhausmanager, die Strategien für ihre Einrichtung entwickeln müssen und an Wissenschaftler, die das Krankenhaus besser zu verstehen suchen. Sie richtet sich außerdem an alle, die das Verständnis der Krankenhausbranche vertiefen wollen.
Problemstellung:
Bedingt durch die dynamische Veränderung der Gesundheitsbranche kommt der Früherkennung und der Analyse der externen Umfeldbedingungen eine zentrale strategische Bedeutung zur Sicherung des Unternehmenserfolgs und der Überlebenssicherung zu.
Eine umfassende Analyse der aktuellen Entwicklungen, die ein allgemeines Bild des Krankenhausumfeldes beinhaltet, fehlt in der Literatur. Viele Autoren beschäftigen sich mit der Problematik, greifen aber nur einzelne Aspekte auf.
Eine systematische Anwendung der strategischen Managementinstrumente, die in anderen Branchen schon seit langem etabliert ist, wird im Krankenhausektor bisher nicht ausreichend praktiziert.
Bei der Betrachtung des gesamten Umfeldes, in dem die Krankenhäuser tätig sind, ist es möglich, allgemeine Trends des Krankenhausumfeldes zu erkennen, die für alle Krankenhäuser gleichermaßen von Bedeutung sind. Daraus können allgemeine Aussagen abgeleitet werden, welche Entwicklungen möglicherweise den größten Einfluss auf den Erfolg der Krankenhäuser in der Zukunft haben werden.
Zielsetzung:
Die Instrumente des strategischen Managements, die erfolgreich in anderen Wirtschaftszweigen eingesetzt werden, sollten auch im Krankenhausbereich Anwendung finden. Ziel dieser Arbeit ist es, mittels einer Umfeld-, Markt- und Branchenanalyse ein möglichst vollständiges Bild der Rahmenbedingungen der Krankenhäuser zu verschaffen und mit Hilfe einer Chancen-Risiken Analyse relevante Faktoren aufzuzeigen, die für die strategische Planung jedes einzelnen Krankenhauses von Bedeutung sein können. Hierbei kann es sich um Umweltveränderungen handeln, die von großer Bedeutung für Krankenhäuser sind, aber wegen ihrer neuen Art nur schwer vorhersehbar sind und daher von den Krankenhäusern noch nicht erkannt werden.
Mit Hilfe der Ergebnisse einer empirischen Studie über strategische Herausforderungen der deutschen Krankenhäuser aus dem Jahr 2005 soll außerdem untersucht werden, wie die verschiedenen Entwicklungen von den Krankenhausmanagern eingeschätzt werden.
Im Verlauf dieser Arbeit werden folgende Fragen beantwortet:
- Welche Trends zeigt die Situationsanalyse des Umfeldes, des Marktes und der Branche?
- Welche dieser Tendenzen sehen die Krankenhausmanager als besonders bedeutend in der nahen Zukunft?
- Stellen diese Entwicklungen Chancen oder Bedrohungen für die Krankenhäuser dar?
- Welche Tendenzen wurden von den Krankenhäusern bisher nicht erkannt?
Inhaltsverzeichnis:
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 2. | Das deutsche Gesundheitssystem | 3 |
| 2.1 | Das Krankenhaus als Element des Gesundheitssystems | 3 |
| 2.2 | Das ‘Unternehmen’ Krankenhaus und seine Rahmenbedingungen | 5 |
| 2.2.1 | Krankenhausrelevante Gesetzgebung | 5 |
| 2.2.2 | Das System der Krankenhausfinanzierung | 6 |
| 3. | Theoretische Grundlagen | 7 |
| 3.1 | Strategische Planung eines Unternehmens | 7 |
| 3.2 | Prozess der strategischen Planung | 9 |
| 3.3 | Instrumente des strategischen Managements für die externe Analyse | 11 |
| 3.3.1 | Umfeldanalyse | 11 |
| 3.3.2 | Marktanalyse | 14 |
| 3.3.3 | Branchenstrukturanalyse nach Porter | 16 |
| 3.3.4 | Chancen-Risiken Analyse | 19 |
| 3.4 | Notwendigkeit des strategischen Managements im Krankenhaus | 21 |
| 3.5 | Zusammenfassung | 22 |
| 4. | Analyse der externen Einflussfaktoren im Krankenhausbereich | 24 |
| 4.1 | Prozess des strategischen Managements im Krankenhaus | 24 |
| 4.2 | Umfeldanalyse der Krankenhäuser | 26 |
| 4.2.1 | Politisch-rechtliche Einflüsse | 26 |
| 4.2.2 | Gesundheitspolitische Einflüsse im engeren Sinne | 27 |
| 4.2.3 | Einflüsse aus der Wirtschaft | 29 |
| 4.2.4 | Sozial-gesellschaftliche Entwicklungen | 30 |
| 4.2.5 | Technologische Entwicklungen und medizinischer Fortschritt | 33 |
| 4.2.6 | Zusammenfassung | 36 |
| 4.3 | Marktanalyse - Marktabgrenzung und Marktattraktivität | 36 |
| 4.3.1 | Besonderheiten des Krankenhausmarktes | 38 |
| 4.3.2 | Struktur und Kennzahlen des Krankenhausmarktes | 39 |
| 4.3.3 | Aktuelle Entwicklungen und Prognosen | 44 |
| 4.3.4 | Zusammenfassung | 45 |
| 4.4 | Branchenstrukturanalyse - Analyse der Wettbewerbssituation | 46 |
| 4.4.1 | Erfolgsfaktoren | 46 |
| 4.4.2 | Branchendynamik und Konkurrenzsituation - neue Anbieter | 48 |
| 4.4.2.1 | Integrierte Versorgungsmodelle | 51 |
| 4.4.2.2 | Medizinische Versorgungszentren (MVZ) | 52 |
| 4.4.2.3 | Disease Management Programme (DMP) | 53 |
| 4.4.2.4 | Allgemeine Dienstleistungsunternehmen | 53 |
| 4.4.3 | Absatzmarktsituation des Krankenhauses - Nachfrager | 53 |
| 4.4.3.1 | Patient als Primärkunde | 54 |
| 4.4.3.2 | Krankenkassen als Sekundärkunden | 55 |
| 4.4.3.3 | Der niedergelassene Arzt als Kunde | 56 |
| 4.4.4 | Beschaffungsmarktsituation des Krankenhauses - Lieferanten | 57 |
| 4.4.5 | Substitutionsmöglichkeiten für stationäre Krankenhausleistungen | 59 |
| 4.4.5.1 | Ambulante Anbieter | 61 |
| 4.4.5.2 | Teilstationäre Behandlungsformen | 63 |
| 4.4.5.3 | Krankenhausentlastender Bereich: Rehabilitation, Pflegeangebote | 63 |
| 4.4.5.4 | Nicht traditionelle Anbieter | 64 |
| 4.4.6 | Rivalität in der Branche - Wettbewerbsintensität | 65 |
| 4.4.7 | Zusammenfassung | 68 |
| 4.5 | Chancen-Risiken Analyse im Krankenhaussektor | 70 |
| 4.5.1 | Strategie-Studie der GEBERA GmbH | 71 |
| 4.5.2 | Überprüfung der Hypothesen anhand der Studienergebnisse | 73 |
| 4.5.3 | Zusammenfassende Analyseergebnisse und Schlussfolgerungen | 75 |
| 5. | Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der externen Analyse als Grundlage zur Entwicklung von Krankenhausstrategien | 78 |
| 6. | Diskussion und Ausblick | 80 |
| 6.1 | Weiterer Forschungsbedarf | 80 |
| 6.2 | Auswirkungen für die Praxis | 81 |
| 7. | Anhang | 82 |
| 7.1 | Fragebogen der Strategie-Studie 2005 der GEBERA GmbH | 82 |
| 7.2 | Auswertungen über Chancen und Risiken für deutsche Krankenhäuser | 95 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 97 |
Textprobe:
Kapitel 4.3, Marktanalyse – Marktabgrenzung und Marktattraktivität:
Zunächst soll der für die Krankenhäuser relevante Markt näher abgegrenzt werden. Für den strategischen Bereich der Krankenhäuser ist der Dienstleistungsmarkt relevant. Unter Dienstleistungen werden Verrichtungen an oder zum Nutzen von Menschen oder Objekten verstanden, die unter Vorhaltung entsprechender Ressourcen in Form von geistigen Leistungen, manuell oder maschinell, in Anwesenheit oder unter Mitwirkung dessen, der die Leistung empfängt, erbracht werden, aber weder auf Vorrat produziert oder gelagert oder transportiert oder weiterveräußert werden können. Dienstleistungen sind in hohem Maße individuelle Leistungen und damit schwer standardisierbar. Leistungen an Patienten, die von Krankenhäusern erbracht werden, sind als besondere Dienstleistungen einzustufen. Bei ihrer Erstellung werden sich Anbieter und Nachfrager auf ein Leistungsversprechen und nicht auf ein konkretes, physisch präsentes Objekt – vergleichbar einem Sachgut – einigen. Bei Dienstleistungen gewinnen das Anbieter- bzw. Unternehmensimage eine große Bedeutung. Da der Transport einer (immateriellen) Dienstleistung nicht ohne weiteres möglich ist, kommt besonders der Standortfrage bei der Erbringung der Krankenhausleistungen hohes Gewicht zu.
Zur Marktabgrenzung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wobei aus pragmatischer Sicht folgende Überlegungen von Bedeutung sind:
Wie groß ist der eigene Marktanteil und wie groß sind die Marktanteile der anderen Anbieter im Markt?
Inwieweit antizipieren Krankenhäuser die Aktionen und Reaktionen anderer Wettbewerber in ihren Marketingaktivitäten?
Inwieweit nehmen Patienten von Krankenhäusern gebotene Dienstleistungen subjektiv als austauschbar wahr?
Es kann generell ein Markt für Gesundheitsdienstleistungen im weiteren Sinne und ein Krankenhausmarkt unterschieden werden. Der Krankenhausmarkt bildet ein Teil des Marktes für Gesundheitsdienstleistungen und besteht aus Anbietern, die der Definition von Krankenhäusern gem. § 2 KHG und § 107 Abs. 1 SGB V entsprechen.
Neben der Frage der Marktabgrenzung bezieht sich die Marktanalyse auch auf die Frage der Marktattraktivität. Die beiden Aspekte sind unter strategischen Gesichtspunkten von besonderer Bedeutung, da sie bei der Marktsegmentierung miteinbezogen werden. Eine grobe Segmentierung des für Krankenhäuser relevanten Marktes kann in den stationären und den ambulanten Leistungsbereich vorgenommen werden. Krankenhäuser konzentrieren sich auf den stationären Bereich, das Marktsegment für ambulante Leistungen ist aus ihrer Perspektive weniger relevant, gewinnt aber für sie immer mehr an Bedeutung, seitdem die Rahmenbedingungen für die Durchführung ambulanter Operationen in Krankenhäusern geschaffen wurden.
Eine weitere Segmentierung kann nach den einzelnen Fachgebieten vorgenommen werden. Da die Entwicklungen einzelner Fachbereiche sehr unterschiedlich sind und stark abweichende Marktpotentiale aufweisen können, spielt diese Betrachtung der Marktsegmente für Krankenhäuser eine besondere Rolle im Rahmen der internen Analyse (z.B. bei der Beurteilung der Fachabteilungsstruktur im Allgemeinen sinkende wirtschaftliche Attraktivität von pädiatrischen Abteilungen und steigende von geriatrischen, beides aufgrund von demografischen Entwicklungen). Eine solche Untersuchung erfolgt für ein Krankenhaus individuell in Verbindung mit der internen Analyse.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Krankenhäuser Anbieter auf dem Krankenhausmarkt (ein Teil des Marktes für Gesundheitsdienstleistungen) sind, jenem wirtschaftlichen Segment im Rahmen der besonderen personenbezogenen Dienstleistungen, das sich mit der Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit befasst. Der besondere Leistungsschwerpunkt des Krankenhaumarktes liegt im stationären Bereich.
Um den Markt für Krankenhausleistungen von anderen Gesundheitsdienstleistungen abzugrenzen und seine Attraktivität zu beurteilen werden im Weiteren die Besonderheiten sowie die aktuellen Entwicklungen und Prognosen des Krankenhausmarktes dargestellt.
Besonderheiten des Krankenhausmarktes:
Aufgrund der Besonderheiten des Gutes ‘Gesundheit’ sind sowohl Anbieter als auch Nachfrager an einer Leistungsmaximierung interessiert und das Ziel der bestmöglichen Behandlung existiert folglich auf beiden Seiten. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Märkten werden auf dem Gesundheitsmarkt Angebot und Nachfrage durch Institutionen reguliert, d.h. Leistungen werden i.d.R. nicht vom Endkunden, sondern durch Kostenträger (Krankenkassen) abgerechnet. Aufgrund dieser und weiterer Besonderheiten entstehen einige spezifische Entwicklungen, die zu massiven Marktpotentialen für Unternehmen führen können, aber auch einige Risiken bergen.
Obwohl der Krankenhausmarkt sich aus der Sicht des Nachfragers als typischer Dienstleistungsmarkt darstellt, weist er aus der Sicht der Anbieter besondere Merkmale auf, die als Asymmetrien, oder sogar als Störfaktoren verstanden werden können. Der für das einzelne Krankenhaus relevante Markt bestimmt sich nur zum Teil nach der Einschätzung des Krankenhausmanagements. Darüber hinaus ist er gesetzlich bestimmt. Der Marktzugang für das einzelne Krankenhaus ist dementsprechend nicht frei. Als limitierende Faktoren gelten:
Erst mit der Aufnahme in einen länderbezogenen Krankenhausplan hat ein Krankenhaus Anspruch auf eine regelhafte Finanzierung der Versorgung gesetzlich krankenversicherter Menschen.
Die Angebotsdefinition durch Fachabteilungs- und Planbettenvorgaben im Rahmen der Krankenhausplanung.
Die Zulassungsvoraussetzungen für ambulante und rehabilitative Behandlung von gesetzlich Krankenversicherten, die vom Krankenhaus als Betrieb nicht nach eigener Disposition erbracht werden können, sondern Bedarfsprüfungen gemäß §§ 95 ff., 117 ff. SGB V in Verbindung mit § 31 Ärzte-Zulassungsverordnung unterliegen.
Neben diesen formellen Markteintrittsbarrieren wird der für das Krankenhaus relevante Markt durch den Grundsatz der Nachrangigkeit vollstationärer Behandlungen gegenüber allen anderen Behandlungsformen (vgl. § 39 I SGB V) eingeschränkt. In Verbindung mit vertraglich vereinbarten Indikationslisten, z.B. zum ambulanten Operieren im Rahmen von Vertragsabschlüssen der Spitzenverbände von Krankenkassen, Kassenärzten und Krankenhäusern gemäß § 115b SGB V, oder durch einseitige Deutung der gesetzlichen Krankenkassen, wird dem Krankenhaus die Disposition über die den Patienten anzubietende Form der Dienstleistung eingeschränkt. Der relevante Markt wird dementsprechend nicht allein durch Management und Patient sondern, auch durch exogene, der Bestimmung durch die Marktteilnehmer entzogene Faktoren bestimmt.
Neben der traditionellen stationären Versorgung und den ambulanten Leistungen werden soziale Betreuung und Beratung sowie Leistungen zur Gesundheitsförderung angeboten. Moderne Krankenhäuser sind somit Dienstleistungsunternehmen, die einen ganz spezifischen Versorgungsauftrag mit hoher ökonomischer Effizienz zu erfüllen haben.
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Hofmann, Olga Januar 2006: Analyse der externen Einflussfaktoren als Grundlage zur Entwicklung von Krankenhausstrategien, Hamburg: Diplomica Verlag
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Krankenhausstrategie, Management, Umfeldanalyse, Branchenstrukturanalyse, Wettbewerbssituation



