Bachelor + Master Publishing
810 Bachelorarbeiten, 531 Masterarbeiten, 10.101 Diplomarbeiten

Analyse des bulgarischen Bankensektors vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung

Chancen und Probleme für österreichische Kreditinstitute

Analyse des bulgarischen Bankensektors vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nikolay Ivanov Nedeltchev
  • Abgabedatum: Januar 2008
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 673,7 KB
  • Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
  • Bibliografie: ca. 106
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0971-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Nedeltchev, Nikolay Ivanov Januar 2008: Analyse des bulgarischen Bankensektors vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Geschäftsbank, Österreich, Bulgarien, EU-Osterweiterung, Bankensektor

Diplomarbeit von Nikolay Ivanov Nedeltchev

Einleitung:

Diese Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über den bulgarischen Bankensektor. Im Zeitraum 1945/46 bis 1989 wurde er der Planwirtschaft angepasst. Das Bankensystem war einstufig, wobei die Nationalbank auch die Funktionen von Geschäftsbanken übernahm. Die schwache wirtschaftliche Performance während der ersten Hälfte der Neunzigerjahre mündete in der schwersten Banken- und Finanzkrise in Bulgarien nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Bankensektor wurde durch die Krise am stärksten betroffen. Die Vergabe von uneinbringbaren Krediten, schlechtes Bankmanagement und ineffiziente Bankenaufsicht, Veruntreuung von Geldern und hohe Staatsverschuldung waren die Auslöser dieser Krise.

Nach deren Überwindung wurde in Bulgarien am 1. Juli 1997 ein Währungsrat eingeführt, womit eine allgemeine Stabilisierung des Finanzsystems einher ging. Von 1997 bis 2006 fand eine Privatisierung im Finanz- und Realsektor statt. Über 80 % der Aktiva befanden sich Ende 2006 im Besitz großer ausländischer Bankengruppen.

Darunter sind die zwei österreichischen Bankengruppen BA-CA und Raiffeisenbank, durch ihre Tochterbanken UniCredit Bulbank und Raiffeisenbank Bulgarien am bulgarischen Bankenmarkt präsent. Während das größte bulgarische Kreditinstitut durch Übernahmen und Fusionen von drei ehemaligen staatlichen Banken entstand, setzte die Raiffeisengruppe auf die Gründung einer eigenen Tochterbank, die als erste hundertprozentige ausländische Investition in der Geschichte in das bulgarische Bankwesen einging. Aufgrund ihrer langen Tradition in Bulgarien und in anderen CEE Ländern behandeln sie diese Märkte als erweiterte Heimmärkte. Ein anderer Grund für ihre Expansion nach Osteuropa liegt daran, dass diese Märkte derzeit überproportional wachsen und das Wachstumspotenzial langfristig hoch bleibt, weil die Durchdringung der Bankdienstleistungen noch gering ist.

Vor dem Hintergrund des EU-Beitritts Bulgariens am 1. Januar 2007 wurden viele neue Gesetze zur Stärkung des bulgarischen Bankensektors verabschiedet und die rechtlichen Rahmenbedingungen fast vollständig an die geltenden EU-Richtlinien angepasst. Damit sinkt das Ausfallrisiko für österreichische Tochterbanken. Allerdings bringt der Kampf um Markanteile und die damit verbundene Ausweitung der Kreditvergabe auch an die Kunden mit schlechterer Bonität zusätzliche Risiken mit sich. Weil der bulgarische Markt klein ist und Kunden mit guten Einkommensverhältnissen rar sind, mildern die Institute in letzter Zeit ihre Anforderungen an die potentiellen Kreditnehmer. Damit erhöht sich das Kreditrisiko für die Banken.

Im Hinblick auf den EU-Beitritt des Landes sowie den fehlenden Kapazitäten in der öffentlichen Verwaltung liegt die Anforderung an den bulgarischen Bankensektor darin, bei der Innanspruchsnahme der EU-Förderungen eine aktive Rolle zu übernehmen. Gerade die österreichischen Tochterbanken, die als Marktführer im Firmenkundengeschäft positioniert sind, sollen von dieser einzigartigen Chance durch ihr Know-how, ihre gute Reputation sowie ihrer Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen profitieren. Investitionen in innovative und rentable Projekte werden zur Modernisierung des Realsektors und damit zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Auf Grund dieser Schilderung schließt sich folgende Fragestellung an:

Wird der EU-Beitritt Bulgariens mehr Chancen für die am bulgarischen Bankenmarkt präsenten österreichischen Tochterbanken im Vergleich mit den damit verbundenen Problemen und Risiken bringen?

Um diese Frage zu beantworten, soll die Entwicklung des bulgarischen Bankensektors in den letzten Jahren analysiert werden. Im Rahmen der These werden folgende Aspekte des bulgarischen Bankenmarktes dynamisch betrachtet:

- die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen.

- eine Analyse anhand aktueller Zahlenreihen, der Struktur sowie der Wettbewerbsverhältnisse mit Berücksichtigung der laufenden Fusionen und Übernahmen.

- eine Kennzahlenanalyse der Top-10 Kreditinstitute hinsichtlich Ertragskraft, Rentabilität, Eigenmittelausstattung, Liquidität und Kosteneffizienz - das Aufzeigen von Entwicklungstendenzen in den volumenstärksten Geschäftsbereichen.

- die Positionierungsstrategien der Marktteilnehmer.

Aufbauend auf den aktuellen Kennzahlen, Wettbewerbssituation und den geschilderten Trends werden dann die Chancen sowie die Probleme und Risiken für österreichische Tochterinstitute in Bulgarien analysiert. Die Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel. Auf einen historischen Abriss der turbulenten Entwicklung des Bankensektors folgt eine Darstellung der Organisation der Nationalbank und der Aufsicht. Danach werden die wichtigsten Rechts- und Regulierungsnormen beleuchtet.

Im Rahmen des dritten Kapitels werden dann die Struktur, die Präsenz der österreichischen Tochterbanken, die Marktanteile der Top-10 Institute in den wichtigsten Geschäftsfeldern sowie deren Kennzahlen für Rentabilität, Kosteneffizienz und Kapitalausstattung analysiert. Im vierten Kapitel werden die aktuellen Trends in den wichtigsten Geschäftsbereichen aufgezeigt, wobei Kreditgeschäft und Einlagengeschäft als volumenstärkste Geschäftsfelder in Mittelpunkt des Interesses stehen.

Kapitel Fünf bietet zu Beginn eine kurze theoretische Darstellung verschiedener Positionierungsstrategien, beschäftigt sich anschließend mit dem Angebot von mehreren Finanzdienstleistungen unter einem Dach und der Bildung von Bankengruppen. Aufbauend auf ihre dominante Stellung im bulgarischen Finanzsystem sowie ihre solide Kapitalausstattung gründeten diese Banken eigene Leasinginstitute sowie Gesellschaften für Konsumfinanzierung. Damit konnten sie die Kreditrestriktionen der BNB umgehen, nachdem sie Kreditportfolios auf ihre Nichtbankentöchter übertrugen. Den Einstieg von Banken ins Immobiliengeschäft wurde von zwei wesentlichen Gründen beeinflusst. Durch die Expansion von Hypothekarkrediten und von Firmenkrediten für den Bau von Hotels und Gewerbeimmobilien besitzen die Institute viele Immobilien, die sie in einem Moment veräußern müssen. Und sie haben den Vorteil, diese an Kunden, die bereits eine gute Bonität nachgewiesen haben, zu vertreiben.

Die bereits beschriebene Strategie wird von den großen Kreditinstituten bevorzugt, während die kleineren Banken eher auf eine Nischenstrategie einsetzen und sich nur in den Geschäftsbereichen positionieren, wo ihre Kernkompetenzen liegen. Die Chancen, Problemen und Risiken für österreichische Tochterbanken werden ausführlich in Kapitel sechs diskutiert.

Positive Aspekte für ihre zukünftige Tätigkeit am bulgarischen Bankenmarkt sind die Harmonisierung des Bankenrechts im engeren Sinn, der hohe Wachstumspotential des Marktes sowie der Zugang zu gut ausgebildeten und in der Regel mehrsprachigen Bankmitarbeitern, die zu vergleichsweise niedrigen Löhnen angestellt werden. Die gute Reputation von österreichischen Banken und ihre lange Präsenz an den Märkten in CEE sind jedenfalls als Wettbewerbsvorteile zu betrachten.

Die Probleme liegen in der schwierigen und oft umständlichen Eintreibung von Forderungen, dem niedrigen Einkommen, dem hohen Anteil der Arbeitnehmer, die nicht entsprechend der Höhe ihrer tatsächlichen Löhne angemeldet bzw. sozial versichert sind und damit ihre realen Einkommensverhältnisse nicht nachweisen können. Als weitere Hindernisse wurden die sprachliche Barriere, ein Kapitalmarkt mit geringer Liquidität sowie das niedrige Vertrauen in den Bankensektor beleuchtet. Immer noch nimmt ein Großteil der Bulgarinnen und Bulgaren keine Bankdienstleistungen in Anspruch, was aber nicht unbedingt auf die geringe Vertrauensbasis, sondern eher auf das niedrige Einkommen und den hohen Anteil der Schattenwirtschaft zurückzuführen ist.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung und Fragestellung 1
2. Rechtlichen Rahmenbedingungen 4
2.1 Kurzer historischer Überblick über den bulgarischen Bankensektor 4
2.1.1 BANKWESEN BIS 1989 4
2.1.2 BANKENSYSTEM VON 1990 BIS 1996 5
2.2.2.1 Konzessionierung 13
2.2.2.2 Eingriffe in Sonderfälle 15
2.2.3 ANFORDERUNGEN AN EIGENKAPITAL UND LIQUIDITÄT 16
2.2.3.1 Anforderungen an das Eigenkapital 16
2.2.3.2 Anforderungen an die Liquidität 17
2.2.4 VORSCHRIFTEN FÜR DAS KREDITGESCHÄFT 17
2.2.4.1 Diversifizierungsvorschriften 17
2.2.4.2 Kreditrestriktionen 18
2.2.5 RECHNUNGSLEGUNGSVORSCHRIFTEN UND PUBLIZITÄTSVERPFLICHTUNGEN 19
2.2.5.1 Rechnungslegungsvorschriften 19
2.2.5.2 Publizitätsverpflichtungen 19
3. Bestandaufnahme der Marktteilnehmer - aktuelle Zahlen 21
3.1 Anzahl und Struktur der Geschäftsbanken in Bulgarien 21
3.2 Österreichische Banken in Bulgarien 25
3.3 Ertragslage und Eigenkapitalrentabilität der in Bulgarien tätigen Kreditinstitute 26
3.4 Zusammensetzungen der Betriebserträge und Aufwendungen entlang der Geschäftsbereiche 28
3.5 Kapitaladäquanz und Liquidität 30
4. Aufzeigen von Entwicklungstendenzen in Bulgarien 32
4.1 Verschärfter Wettbewerb 32
4.2 Entwicklung des Einlagengeschäfts 34
4.3 Entwicklung des Kreditgeschäfts 36
4.4 Entwicklung anderer Geschäftsfelder 40
5. Positionierungsstrategien der Marktteilnehmer 43
6. Chancen und Probleme für österreichische Kreditinstitute in Bulgarien vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung 46
6.1 Chancen 46
6.1.1 EU-OSTERWEITERUNG 46
6.1.2 HOHER NACHHOLBEDARF AUF DEN MARKT 51
6.1.3 SCHNELLES WIRTSCHAFTSWACHSTUM UND STEIGENDES FINANZVERMÖGEN 52
6.1.4 KNOW-HOW UND GUTE REPUTATION DER ÖSTERREICHISCHEN BANKEN 54
6.1.5 NIEDRIGE LOHNKOSTEN 56
6.1.6 GUTAUSGEBILDETE ARBEITSKRÄFTE 57
6.2 Probleme 59
6.2.1 MANGELNDE DURCHSETZUNG VON RECHTSVORSCHRIFTEN 59
6.2.2 BESCHRÄNKTE KAPAZITÄT DER ÖFFENTLICHEN VERWALTUNG 62
6.2.3 KLEINES LAND MIT NIEDRIGEM VOLKSEINKOMMEN 63
6.2.4 NIEDRIGES VERTRAUEN IN BANKENSEKTOR 64
6.2.5 KAPITALMARKT MIT GERINGE LIQUIDITÄT 65
6.2.6 HOHER ANTEIL DER SCHATTENWIRTSCHAFT 68
6.2.7 KULTURELLEN UND SPRACHLICHEN BESONDERHEITEN 70
6.3 Risiken 71
6.3.1 KREDITRISIKEN 71
6.3.2 MAKROÖKONOMISCHE RISIKEN 73
6.3.3 POLITISCHE RISIKEN 74
7. Schlussbetrachtung 76
Anhang 80
Anhang 1: Kennzahlenhierarchie der Raiffeisenbank Bulgarien für die Geschäftsjahre 2005 und 2006 81
Anhang 2 : Die Geschäftsbanken in Bulgarien 82
Literaturverzeichnis 84
Zeitungen/ Zeitschriftenregister 89
Rechtsquellenregister 90
Eidesstattliche Erklärung 91
Danksagung 92

Textprobe:

Kapitel 6.1.1, EU-Osterweiterung:

Mit dem EU-Beitritt Bulgariens am 1. Januar 2007 wurde die bulgarische Nationalbank als Mitglied in der Familie des europäischen Systems der Zentralbanken aufgenommen. Gemäß Art. 29 der Statuten des ESZB und der EZB bekommt die BNB einen Anteil von 50,833 Mio. EUR, was 0,8833 Prozent des Gesamtkapitals der EZB entspricht. Zurzeit läuft ein partnerschaftliches Projekt mit der Banca d’Italia und der De Nederlandsche Bank, das die Umstrukturierung der Tätigkeit der BNB für die Mitgliedschaft im ESZB und Eurosystem als Schwerpunkt hat und voraussichtlich im Oktober 2008 abgeschlossen wird.

Die Zusammenarbeit mit der europäischen Investitionsbank beginnt mit dem Jahr 1992. Die Bank hat Infrastrukturprojekten in die Höhe von 1,24 Mrd. EUR in Bulgarien finanziert. Nach dem im April 2005 in Luxemburg unterzeichneten Beitrittsvertrag beläuft sich den Anteil Bulgariens am Stammkapital der EIB auf 291 Mio. EUR. Im Oktober 2006 wurde eine Absichtserklärung für die Zusammenarbeit und die Verständigung mit der bulgarischen Regierung unterschrieben, die den Rahmen für jährliche Finanzierungen der EIB im Umfang von 500 bis 700 Mio. EUR im Zeitraum von 2007 bis 2013 bilden wird.

Mit ihrer restriktiven Lizenzvergabepolitik vor dem EU-Beitritt Bulgariens förderte die BNB ausländische Investoren bereits bestehende Institute zu übernehmen, anstatt welche neu zu gründen. Die direkte Folge dieser Politik war eine steigende Nachfrage ausländischer Banken nach bulgarischen Instituten, die die Buchwert-Multiplikatoren in die Höhe trieben. Im Jahr 2000 wurde die Bulbank zu einem Preis, der dem 1,8-fachen ihres Buchwertes entsprach, privatisiert. Die darauf folgende DSK Bank und die Bank Biochim wurden für das 2,4-fache und die Hebrosbank für zweifache ihres Buchwertes aufgekauft. Die letzte Übernahme der DZI Bank durch die Eurobank Ergasias im Oktober 2006 erfolgte zu einem Preis, der des 6,8-fachen ihres Buchwertes gleichstand.

Die österreichischen Banken haben es richtig gemacht und sich an den Privatisierungen im bulgarischen Bankenmarkt zu einer Zeit beteiligt, als man noch billig einsteigen konnte.

Der vorwiegend von ausländischen Großbanken dominierte Bankensektor wurde für den EU-Beitritt Bulgariens gut vorbereitet. Der Index der EBRD zur Bankenreform betrug für Bulgarien im Zeitraum von 1999 bis 2001 2,7 danach verbesserte er sich auf 3,67 im Jahr 2006. Dieser Wert zeigt eine fast vollständige Konvergenz der Bankgesetze und Regulierungsnormen mit den Standards der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sowie ein umfassendes Bankdienstleistungsangebot an.

Der EBRD-Index misst Reformschritte im Bankensektor auf Grundlage der folgenden Parameter: Liberalisierung der Zinssätze und des Kreditvergabeprozesses, Volumen der Kreditvergabe an den Privatsektor, Privateigentum im Bankensektor, Wettbewerb im Bankensektor, Bankensolvenz, gesetzlichen Rahmen für Bankenaufsicht und Regulierung.

In den Neunzigerjahren hat sich das Phänomen herausgebildet, dass so genannte Emerging Markets immer mehr von so genannten Regional Evolvers dominiert werden, d. h. von Banken die ihre Aktivitäten auf eine bestimmte Region fokussierten. Dieser Umstand trifft auf österreichische Banken in Bulgarien und Osteuropa zu, die diese Märkte als erweiterten Heimmarkt definieren. Diese starke Präsenz ist sowohl wirtschaftlich (die Expansion der österreichischen Wirtschaft in CEE) als auch historisch und kulturell bedingt.

Wie wird sich die Osterweiterung angesichts der aktuellen Zahlenreihen im Kapitel drei auf die österreichischen Tochterbanken, die bereits am bulgarischen Markt vertreten sind, auswirken?

Wir haben es hier einerseits mit den Effekten zu tun, die von der makroökonomischen Stabilisierung und den verbesserten rechtlichen Rahmenbedingungen ausgehen und andererseits aus den zuvor im Kapitel vier geschilderten Veränderungen der Wettbewerbsverhältnisse auf der Ebene der einzelnen Institute durch die Öffnung des Marktes, die Konsolidierung und dem verstärkten Wettbewerbsdruck resultieren.

Bulgarien wird sich mit der Erweiterung langsam von einem Emerging Market zu einem EU-Markt entwickeln. Die mit der EU-Integration verbundene Einbindung am Stabilitätspakt und ein verbessertes Rating des Landes in Fremdwährung sollen dazu beitragen, das Länderrisiko zu senken. Die bevorstehende Einbindung in den Wechselkursmechanismus II und der bestehende Währungsrat senkt das Wechselkursrisiko, das mit dem Eintritt von Bulgarien in die Wirtschafts- und Währungsunion überhaupt entfällt. Die Rechtsangleichung und bessere Rechtsdurchsetzung senkt das Adressenausfallsrisiko. Wenn durch den EU-Beitritt Bulgariens, wie allgemein angenommen, höhere Wachstumsraten erzielen werden, so sinkt auch dadurch das Adressenausfallsrisiko der österreichischen Banken.

Durch den EU-Beitritt erfährt der makroökonomische Aufschwung eine deutliche Unterstützung und führt zu einer größeren Stabilität und steigenden Einkommen. Die Finanzierung der in den nächsten Jahren zu erwartenden hohen Wachstumsraten ist durch einen verbesserten Zugang zur Liquidität gesichert. So kann die zusätzliche Liquidität durch den freien Kapitalverkehr und das sinkende Länder- und Wechselkursrisiko billiger als bisher angeboten werden, sodass es keine angebotsseitigen Beschränkungen für ein überdurchschnittliches Wachstum der Kredite gibt und der Intermediationsgrad des Bankwesens, vor allem im Kreditbereich zunehmen wird.

Der EU-Beitritt und der stabile Wechselkurs werden auch bei der Veranlagung mehr Möglichkeiten der Portfoliodiversifikation bringen. Die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalflucht nach dem EU-Beitritt ins Ausland, ist nicht zu erwarten. Vorläufig sind die Zinsen auf langfristige Spareinlagen höher als bei einer Veranlagung im Euroraum bzw. in vielen anderen Währungen. Das Vertrauen in das eigene Bankwesen nimmt deutlich zu, da entsprechend den EU-Regelungen Einlagensicherungen eingerichtet wurden. Der Anteil höherwertiger Veranlagung in Form vom Wertpapieren, Fonds und Lebensversicherungen wird primär über den nationalen Markt vertrieben werden. Die Stabilisierung der Wirtschaft, die Wechselkursstabilität und die offenen Geld- und Kapitalmärkte werden aber auch die Tendenz der Angleichung des Zinsniveaus auf der Passivseite verstärken. Lang anhaltende negative reale Zinssätze auf Einlagen sind nach dem EU-Beitritt mittelfristig unrealistisch.

Neben den gesamtwirtschaftlichen Wirkungen der steigenden Stabilität und höheren Einkommen wirkt der EU-Beitritt auf den bulgarischen Bankenmarkt durch veränderte gesetzliche Bestimmungen. Mit dem neuen Gesetz über die Kreditinstitutionen, die vollständige Implementierung von Vorschriften von Basel II in der Verordnung Nr. 8 und der neuen Liquiditätsverordnung wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen fast vollständig mit dem EU-Recht harmonisiert. Weiters schaffte die BNB die Kreditrestriktionen mit Wirkung nach dem EU-Beitritt am 1. Januar 2007 ab, um die Wettbewerbsfähigkeit der Banken nach der Öffnung des Marktes zu schützen.

Im November 2005 wurde eine Absichtserklärung über die Verständigung zwischen der BNB und dem österreichischen Finanzministerium und der Finanzmarktaufsicht unterzeichnet. Die Behörden werden bei der Überwachung der Tätigkeit von Kreditinstituten eng zusammenarbeiten und die notwendigen Informationen untereinander austauschen. Zusätzlich wurden die Maßnahmen im Rahmen der Bankenaufsicht über die Filialen und Tochtergesellschaften in beiden Ländern abgestimmt und somit eine Überprüfung vor Ort beim Vorliegen bestimmter Umstände ermöglicht.

Arbeit zitieren:
Nedeltchev, Nikolay Ivanov Januar 2008: Analyse des bulgarischen Bankensektors vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Geschäftsbank, Österreich, Bulgarien, EU-Osterweiterung, Bankensektor

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren