Analyse der Wahrnehmung von Markenarchitekturen in der Konsumgüterbranche
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sandra Brach
- Abgabedatum: Mai 2004
- Umfang: 111 Seiten
- Dateigröße: 823,4 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Trier Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8245-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8245-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8245-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Brach, Sandra Mai 2004: Analyse der Wahrnehmung von Markenarchitekturen in der Konsumgüterbranche, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Informationsvorarbeitung, Marke, Markenpolitik, Markenhierarchien, Markenkategorisierung
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Diplomarbeit von Sandra Brach
Einleitung:
Auf Grund der zunehmenden Informationsüberflutung und Markeninflation wird es immer diffiziler neue Marken am Markt zu etablieren und letztlich einen signifikanten Bekannt-heitsgrad zu erlangen. Die Ansprüche an Markenarchitekturen werden durch wachsende Markenportfolios, M&As sowie durch sich verschärfende Anforderungen in unterschiedlichen Märkten immer komplexer. Der Austauschbarkeit von Produkten kann nur noch mittels Markierung und Vermittlung von Konsumerlebnissen wirkungsvoll begegnet werden. In der aktuellen Markenpolitik zeichnet sich immer deutlicher der Trend zur Markierung mit mehreren unternehmensinternen Marken ab.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Wahrnehmung von Markenarchitekturen der Anbieter auf Konsumgütermärkten, wobei im Fokus das Verhalten der Konsumenten und nicht das Verhalten der industriellen Abnehmer steht. Auf Konsumgütermärkten kaufen Personen und Haushalte Gebrauchsgüter und Verbrauchsgüter für den täglichen Bedarf. Gerade auf diesen spielt die Beziehung zwischen Konsument und Marke eine herausragende Rolle. Im Zentrum jeglicher Strategie- und Implementierungs-überlegungen der Konsumgüterhersteller muss für ein erfolgreiches Auftreten am Markt die Wahrnehmung der Konsumenten stehen.
Bei vielen Unternehmen erscheint heute auf nahezu allen Produkten die Unternehmensmarke. Es ist zu erkennen, dass immer mehr Unternehmen ihre Dachmarken ausdehnen, z.B. tragen alle Waschmittel von HENKEL neben der spezifischen Einzelmarke zusätzlich die Unternehmensmarke HENKEL. Andere Unternehmen jedoch betreiben Markenpolitik rein auf Produktebene. Die meisten Konsumenten wissen nicht, welche Waschmittel von UNILEVER und welche von PROCTER&GAMBLE hergestellt werden.
Fragen bezüglich der Übersichtlichkeit der Markenarchitektur und der ausreichenden Profilierung der Marken können nur anhand der Analyse der Wahrnehmung entsprechender Zielgruppen beantwortet werden. Der Hintergrund liegt darin, dass die Marke in den Köpfen der Konsumenten entsteht. Wer dieses Bild nicht kennt, wird beim Versuch es zu verändern Probleme bekommen. Die strategische Vorzugsstellung einer Marke im Wettbewerbsumfeld hängt nicht nur von den objektiven Gegebenheiten, sondern in hohem Maße von der subjektiven Vorstellung des Konsumenten ab.
„Taking an objective look at the market from the end user perspective.“ Diese Sichtweise bildet die Grundlage der weiteren Ausführungen der vorliegenden Diplomarbeit.
Zu Beginn der Arbeit werden die theoretischen und begrifflichen Grundlagen der Wahr-nehmung von Konsumenten und der Markenarchitektur erläutert. Wahrnehmung ist „[...] the process by which an individual selects stimuli from his environment, organizes information about those stimuli and interprets the information“. Auf eine prägnante Formel gebracht bedeutet Wahrnehmung die Transformation objektiver Tatbestände in subjektive Qualitäten. In Anlehnung an die kognitive Psychologie setzen sich heute zahlreiche Konsumenten-forscher mit psychischen Prozessen wie der Wahrnehmung auseinander. Der kognitive Ansatz bezieht in seine Analyse autonom generiertes Verhalten des informationsverarbeitenden Menschen mit ein. Die kognitive Informationsverarbeitung ist ein aktiver gedanklicher Vorgang, der sich zwischen die Aufnahme der Umweltreize und das Verhalten schiebt.
Es folgt eine Hinführung zu dem Begriff der Markenarchitektur über die Erläuterung der Marke sowie der klassischen Markenstrategien, welche in einer interdependenten Beziehung mit der Markenarchitektur eines Anbieters stehen. In der vorliegenden Arbeit bezieht sich die Analyse der Wahrnehmung auf Kombinationen unternehmensinterner Marken verschiedener Ebenen. Bei diesen handelt es sich um vertikale Markentransfers, der Dehnung einer in höherer Ebene verankerten Marke auf eine in nachgelagerter Ebene angesiedelter Marke.
Auf den Grundlagen aufbauend erfolgt die Skizzierung bestehender Strukturierungen von Markenarchitekturen in der Forschung. Da im Fokus der Arbeit die Wahrnehmung steht, ist es von Interesse eine Klassifikation von Markenarchitekturtypen zu finden, welche die Konsumenten auch tatsächlich wahrnehmen.
Im folgenden Abschnitt werden zunächst theoretische Ansätze zur Wahrnehmung von Marken geklärt. Es folgt die Erörterung von Determinanten der Wahrnehmung auf Konsumenten- sowie auf Unternehmensebene, welche die Wahrnehmung der Marken-architektur beeinflussen. Die Aspekte werden in der Betrachtung des Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsprozesses des Konsumenten zusammengefasst und ergänzt.
Die Wahrnehmung der Konsumenten hängt naheliegenderweise auch von den Gestaltungs-optionen der Anbieter ab. Diese streben letztendlich die Modifikation der Wahrnehmung der Architektur an. „[...] establishing a frame of reference, which signals to consumers the goal they can expect to achieve by using a brand.“ Für vertikale Markenkombinationen werden zunächst auf Basis der Kenntnis des Wahrnehmungsprozesses Rahmenbedingungen und Anforderungsprofile abgesteckt. Mit Fokussierung auf Wahrnehmungseffekte bei Konsumenten werden Implikationen zur Gestaltung der Architektur aufgezeigt. Ziel ist es, positive Vorstellungen der Marken auf das Angebot zu übertragen. Der Abschnitt endet mit einer praxisorientierten Betrachtung der Umsetzungen verschiedener Konsumgüterhersteller.
Die vorliegende Diplomarbeit hat die Analyse der Wahrnehmung komplexer Marken-architekturen zum Ziel. Die Macht der Konsumenten ist heute unumstritten. Eine ihrer Beschwerden richtet sich gegen die Unübersichtlichkeit von Marken. Ihre Forderung besteht nach mehr Transparenz am Markt. Um diese zu modifizieren und um Markenarchitekturen mit aufgesetzter Brille der Konsumenten zu strukturieren ist es unabdingbar die Marken-funktionen klassischer Markentypen und ihre Wechselwirkungen aus Konsumentensicht zu kennen.
Im Fokus steht die Verwendung von Marken verschiedener unternehmensinterner Markenebenen. Dabei erhält die Frage nach wahrgenommenen Ausstrahlungseffekten einer übergeordneten Marke besondere Aufmerksamkeit, inwiefern bspw. die Dachmarke NESTLÉ die Wahrnehmung einer Einzelmarke wie LION beeinflusst. Es geht um die Generierung von Aspekten, welche für eine positive Wahrnehmung und Beurteilung vertikaler Marken-kombinationen der Konsumenten maßgeblich sind.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Theoretische und begriffliche Grundlagen | 4 |
| 2.1 | Wahrnehmung als Prozess der kognitiven Informationsverarbeitung | 4 |
| 2.1.1 | Der Informationsverarbeitungsansatz in der Konsumentenforschung | 4 |
| 2.1.2 | Der kognitive Wahrnehmungsbegriff | 6 |
| 2.1.3 | Die top-down-Verarbeitung der Wahrnehmung | 9 |
| 2.1.4 | Wahrnehmung und Wissen | 10 |
| 2.2 | Grundlagen von Markenarchitekturen | 13 |
| 2.2.1 | Die Marke | 13 |
| 2.2.2 | Markenpolitik und Markenstrategien | 15 |
| 2.2.3 | Entstehung von Markenarchitekturen | 18 |
| 3. | Strukturierung von Markenarchitekturen | 23 |
| 3.1 | Die Markenhierarchien von Laforet und Saunders | 23 |
| 3.2 | Das Brand Relationship Spectrum von Aaker und Joachimsthaler | 25 |
| 3.3 | Wahrnehmbare Markenarchitekturtypen nach Esch und Bräutigam | 26 |
| 4. | Die Wahrnehmungsebene von Markenarchitekturen | 29 |
| 4.1 | Theoretische Ansätze zur Wahrnehmung von Marken | 29 |
| 4.1.1 | Markenwahrnehmung und Markenbeurteilung | 29 |
| 4.1.2 | Markenkategorisierung | 31 |
| 4.2 | Determinanten auf Konsumentenebene | 35 |
| 4.2.1 | Vorhandenes Markenwissen, Markenimage und –bekanntheit | 35 |
| 4.2.2 | Wahrgenommener Fit und Leverage der Dachmarke | 38 |
| 4.2.3 | Involvement | 40 |
| 4.3 | Determinanten auf Unternehmensebene | 41 |
| 4.3.1 | Das Branding | 41 |
| 4.3.2 | Die Positionierung | 43 |
| 4.4 | Der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsprozess | 46 |
| 5. | Gestaltungsoptionen von Markenarchitekturen | 51 |
| 5.1 | Vertikale Markenkombinationen | 51 |
| 5.1.1 | Voraussetzungen, Chancen und Risiken kombinierter Marken | 51 |
| 5.1.2 | Anforderungsprofil der beteiligten Marken | 54 |
| 5.2 | Implikationen für Konsumgüterhersteller | 56 |
| 5.2.1 | Allgemeine Gestaltungsdeterminanten | 56 |
| 5.2.2 | Der Markenname | 59 |
| 5.2.3 | Die Verpackung | 60 |
| 5.2.4 | Die integrierte Kommunikation | 64 |
| 5.3 | Umsetzung durch Konsumgüterhersteller | 66 |
| 5.3.1 | Der Trend zur Dachmarke | 66 |
| 5.3.2 | Die dominante Unternehmensmarke BMW | 69 |
| 5.3.3 | Die Gestaltung der Markenarchitektur bei GRIESSON-DEBEUKELAER | 71 |
| 5.3.4 | Die Endorsement-Markenarchitektur bei NESTLÉ | 73 |
| 6. | Fazit | 75 |
| Literaturverzeichnis | VIII | |
| Verzeichnis der Gesprächspartner | XXX | |
| Erklärung zur Diplomarbeit | XXXI |
und Leverage der Absendermarke unmittelbar auf die Einschätzung des Produkts wirken.219 Die Erkenntnisse finden Anwendung, da eine in der Markenhierarchie höhere Marke vertikal erweitert wird, indem sie in Kombination mit der Einzelmarke auftritt. Leverage meint die kompetitive Hebelkraft, wenn der Konsument durch Kenntnis der Marke die Erweiterung besser als konkurrierende Marken beurteilt, d.h. der Konsument überträgt ein Vorteilsbündel von der Dachmarke auf die Einzelmarke.220 Diese Reaktion beruht auf dem Kategorisierungsprozess. Die Erweiterung wird entsprechend seiner Zugehörigkeitseignung zu der Markenkategorie beurteilt, dem wahrgenommenen Fit.221 Fit steht für die aus Konsumentensicht wahrgenommene Übereinstimmung zwischen Marke und Erweiterung. Zu beachten ist in Bezug auf vertikale Markenerweiterungen, dass der Fit zwischen den beteiligten Marken sowie diesen und dem Produkt bestehen muss. Neben dem Produktfit ist der Fit zwischen den beteiligten Marken von Bedeutung.222 Die Informationen zur Erweiterung werden mit den vorhandenen Informationen zur etablierten Marke verknüpft.223 Der Fit gilt als zentraler Erfolgsfaktor für Markenerweiterungen. Sowohl die globale Ähnlichkeit zwischen Marke und Erweiterung (Fit) als auch die Qualität der Marke (Image) erweisen sich in einer Studie als Erfolgsfaktoren.224 Die idealtypische Wirkung des Markentransfers, der positive Einfluss der Marke auf die Erweiterung, setzt voraus, dass zwischen der etablierten Marke und der Erweiterung ein starker Image-Zusammenhang vom Konsumenten wahrgenommen wird.225 Sobald die Erweiterung aus Konsumentensicht große Ähnlichkeit mit der Marke aufweist, werden beim Konsumenten Assoziationen ausgelöst, die in Bezug auf Stärke, Vorteilhaftigkeit und Einzigartigkeit denen zur Stammmarke gleichen.226 Die Übertragung eines etablierten Markenimages unterstützt die Wahrnehmung und Präsenz der neuen Marke und reduziert den Lernaufwand für den Konsumenten.227 Beim Imagetransfer findet idealtypischerweise eine positive Übertragung von der Quelle zum Ziel statt und es gibt nur positive Rückkopplungen. Ein kritischer Erfolgsfaktor ist also, dass Quelle und Ziel sich perzeptiv wenig unterscheiden.228 Demnach sollte für die positive Beurteilung [...]
Konsumenten hinsichtlich der Eignung einer Marke zur Bedürfnisbefriedigung.209 Es entspricht dem Fremdbild der Marke und formt sich langfristig beim Konsumenten als Akzeptanzkonzept zur Beurteilung der Marke.210 Es ist das Ergebnis der nachfragerseitigen Wahrnehmung und Dekodierung der von Marken ausgehenden Impulse.211 Das Image wird durch emotionale oder kognitive Komponenten geprägt, davon unabhängig wird es durch folgende Merkmale beschrieben, die für das Markenwissen und damit für die Wahrnehmung von zentraler Bedeutung sind.212 Je enger die Assoziation mit der Marke verknüpft ist, desto stärker schlägt sie auf die Beurteilung durch. Eine hohe Anzahl mit der Marke ver-bundener Assoziationen erleichtert den Zugriff auf die Marke. Ebenso sollten Assoziationen für den Konsumenten wichtig sein.213 Darüber hinaus sollten sie einzigartig und vorteilhaft für die positive Wahrnehmung der Marke sein.214 Das Markenimage ist das Resultat eines komplexen Prozesses. Einerseits basiert es auf dem Schema einer Marke, andererseits verändert es sich durch jede neue Erfahrung in seiner Struktur. Dabei verändert sich nicht die Markenvorstellung im Bewusstsein, sondern der Bewertungsbezug, d.h. das Schema ist konstant im Gegensatz zum Image.215 Dieses gleicht einer flüchtigen, sich ständig im Fluss befindlichen Masse.216 Markenassoziationen erlauben die Verarbeitung von Informationen, die differenzierte Positionierung von Marken, sie schaffen positive Einstellungen und bilden die Grundlage für Markenerweiterungen.217 Wie im Folgenden dargestellt, haben sie unmittelbaren Einfluss auf den wahrgenommenen Fit und die Hebelwirkung einer übergeordneten Marke. 4.2.2. Wahrgenommener Fit und Leverage der Dachmarke Die verschiedenen Marken einer Markenarchitektur beeinflussen sich, sie stehen miteinander in einem gegenseitigen Austausch. In der wissenschaftlichen Diskussion ist dieses Phänomen eine Spielform des Markentransfers.218 Aus der Markentransferforschung ist bekannt, dass Fit [...]
Markenbekanntheit beinhaltet die Fähigkeit potentieller Nachfrager die Marke zu erinnern oder zu erkennen und diese einer Produktkategorie zuzuordnen.203 Beim expliziten Abruf von Markenwissen erfolgt die bewusste Erinnerung an gespeichertes Wissen. Während bei Erkennung externe Stimuli (z.B. Verpackung) als bereits im Gedächtnis gespeichertes Wissen identifiziert werden, fallen dem Konsumenten bei Erinnerung entweder ungestützt ohne Hilfestellung oder gestützt extern nicht vorhandene Wissensteile ein.204 Wenn eine Marke ungestützt abgeschlagen ist, liegt diese auch für den Fall gestützt bekannt zu sein selten im awareness-set des Konsumenten.205 Jede Marke im awareness-set hat viele Assoziationen zwischen sich und weiterer im Gedächtnis gespeicherten Informationen.206 Alle echten Marken nehmen durch ungestützte Markenbekanntheit einen festen Platz im Kopf der Konsumenten ein (share-of-mind).207 Der Einfluss der Markenbekanntheit besteht auf die Kategorisierung, welche schneller abläuft, wenn das Objekt über geläufige Eigenschaften verfügt. Dem Konsumenten stehen auf Grund der leichteren Erinnerbarkeit die relevanten Kategorien schneller zur Verfügung.208 Für den Markenerfolg gilt die ungestützte Bekanntheit als notwendige, das Image dagegen als hinreichende Bedingung. Letzteres beschreibt die Gesamtheit aller Vorstellungen eines [...]
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Arbeit zitieren:
Brach, Sandra Mai 2004: Analyse der Wahrnehmung von Markenarchitekturen in der Konsumgüterbranche, Hamburg: Diplomica Verlag
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Informationsvorarbeitung, Marke, Markenpolitik, Markenhierarchien, Markenkategorisierung



