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Analyse der Ursachen und Bekämpfung von Korruption in der mexikanischen Gesellschaft mit besonderem Bezug auf das Bildungssystem

Analyse der Ursachen und Bekämpfung von Korruption in der mexikanischen Gesellschaft mit besonderem Bezug auf das Bildungssystem
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Eszter Csépe
  • Abgabedatum: Februar 2009
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 471,0 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • Bibliografie: ca. 151
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3087-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Csépe, Eszter Februar 2009: Analyse der Ursachen und Bekämpfung von Korruption in der mexikanischen Gesellschaft mit besonderem Bezug auf das Bildungssystem, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mexiko, Transparencia Mexicana, Weltbank, OECD, Transparency International

Magisterarbeit von Eszter Csépe

Einleitung:

Mexiko gilt heute noch als Land mit langer Tradition der Korruption. Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber diesem Phänomen hat sich zwar in den letzten zehn Jahren gewandelt, jedoch gibt es weiterhin Merkmale, die die Selbstverständlichkeit einer korrupten Tat in der Gesellschaft bestätigen.

In der Bevölkerung ist Korruption heute kein Tabu mehr. Seit dem Regierungswechsel 2000 befindet sich das Land in einem dynamischen Prozess der Veränderung. Die Monopolstellung der über 71 Jahre hinweg regierenden liberalen Staatspartei „Partido Revolucionario Institucional“ wurde durch den Sieg der konservativen Partei „Partido Acción Nacional“ gebrochen. Die korrupte Partei der Institutionalisierten Revolution prägte Jahrzehnte lang nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sondern auch die gesellschaftliche Struktur Mexikos. Die Veränderung im politischen Leben brachte auch eine Neuorientierung in der Bevölkerung mit sich.

Die vorliegende Arbeit analysiert die Erscheinungsformen der Korruption in der mexikanischen Gesellschaft und geht ihren Ursachen nach. Nur mit einem klaren Bewusstsein der Bevölkerung über die schädlichen Auswirkungen der Korruption und durch die Bekämpfung der Ursachen ist es möglich, die Tradition der Korruption in der Gesellschaft langfristig einzudämmen. Eine korruptionsfreie Zukunft ist nur durch eine moralisch handelnde Gemeinschaft gesichert.

Problemstellung:

Ziel dieser Arbeit ist es, die Problematik der Korruption in der mexikanischen Gesellschaft zu erfassen. Das Bildungsniveau der Bevölkerung spielt dabei eine besonders große Rolle. Um die Ursachen korrupter Tendenzen herauszustellen und Lösungsansätze aufzuzeigen, welche in der Gesellschaft anzuwenden sind, geht diese Arbeit folgender zentraler Frage nach:

„Was versteht die mexikanische Bevölkerung unter Korruption und wie ist Sie ihr gegenüber eingestellt?“.

Nach der Klärung dieser Frage wird nach den Ursachen der Korruption gesucht. Die Vorgehensweise der Forschungsarbeit verläuft auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene wird die Korruption hinsichtlich der Akteure und der Strukturen des Bildungssektors analysiert. Auf der zweiten Ebene werden die Instrumente der Korruptionsbekämpfung betrachtet. Hierbei stehen die Antikorruptionsbildung der Regierung und die Projekte der internationalen Organisationen wie Transparency International (TI), die Weltbank (WB) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Mittelpunkt der Analyse. Die Grundlage dieser Arbeit bildet die Annahme, dass nur durch ein korruptionsfreies Bildungssystem eine moralisch bewusste Gesellschaft existieren kann.

Den zweiten Teil der vorliegenden Arbeit bildet die Untersuchung der Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption in Mexiko. Dabei werden die bereits bestehenden nationalen und internationalen Maßnahmen analysiert, die zur gezielten Information der Bevölkerung über das Thema Korruption eingesetzt werden. Diese streben zu einem gemeinsamen Ziel, das die Korruption in der Gesellschaft nicht als selbstverständlich angenommen wird.

Im Kapitel 2 wird die theoretische Einführung in die Korruptionsforschung behandelt. Diese hat das Ziel, ein allgemeines Verständnis für die unterschiedlichen Erscheinungsformen und Intensitäten von Korruption zu vermitteln. Anschließend werden die aktiven Institutionen und deren Bekämpfungsmaßnahmen in den Gang der Arbeit einbezogen. Die allgemeinen Elemente korrumpierender Aktivitäten dienen als Grundlage für die Erforschung von Korruption in Mexiko. In Kapitel 4 werden die politischen und gesellschaftlichen Strukturen untersucht. Abschließend werden anschließend die allgemeinen Merkmale der Korruption um die länderspezifischen Elemente erweitert.

Aufgrund der wissenschaftlichen Aktualität des Themas und der urbanen und gesellschaftlichen Einzigartigkeit fand die Untersuchung am Beispiel von Mexiko-Stadt statt. Der Betrachtungsgegenstand hat eine zentrale Bedeutung im lateinamerikanischen Raum. Als Hauptstadt ist Mexiko-Stadt Zentrum des politischen und wirtschaftlichen Lebens. Im nationalen Vergleich der 32 Bundesstaaten wird Mexiko-Stadt, als bundesunmittelbarer Hauptstadtbezirk (Distrito Federal), mit 19,8 Prozent korrupter Bürger in der Bevölkerung als der korrupteste Bundesstaat eingestuft.

Gang der Untersuchung:

Systematisch erfasste Informationen sind die Grundlage empirischer Sozialforschung. Die vorliegende Arbeit bedient sich Informationen, die aus dem standardisierten Fragebogen (Anlage 1) und durch direkte strukturierte Beobachtungen ermittelt wurden.

Die Befragung:

Für das Ziel der Magisterarbeit, das Phänomen der Korruption in der mexikanischen Gesellschaft zu erfassen, wurde eine Befragung mittels Fragebogen durchgeführt. Die aus dem Fragebogen gewonnenen Informationen haben die Struktur der vorliegenden Arbeit geprägt und dazu beigetragen, die Forschungsfragen mit weiterführenden Belegen beantworten zu können.

Die Befragung wurde zwischen dem 21. Oktober und 21. November 2008 persönlich in Mexiko-Stadt durchgeführt. Es wurde selbständig ein standardisierter Fragebogen konstruiert. Der Fragebogen liegt der Anlage 2 in Originalform (spanischer Sprache) bei. Befragt wurden 48 Passanten in Mexiko-Stadt. Das Ziel der Feldforschung war weiterhin die vorherrschenden Einstellungen in der Bevölkerung über Korruption zu erfassen sowie ihr Verhalten gegenüber korrupten Situationen zu analysieren.

Der Fragebogen ist in fünf thematische Bereiche aufgeteilt. Der erste Bereich beinhaltet demografische Angaben über den Befragten. Dazu gehören Geschlecht, Alter, Familienstand, Anzahl der Personen im Haushalt und der Bildungsstand.

Der zweite thematische Bereich orientiert sich an der ausgeübten Tätigkeit der Befragten. Dieser Bereich wurde vorgesehen, um Zusammenhänge zwischen dem Grad der Beschäftigung und der Neigung zur Korruption herauszustellen. So konnten Forschungsfragen wie „Sind höher qualifizierte Bürger mehr korrupt als geringer Qualifizierte?“ wissenschaftlich beantwortet werden.

Durch den dritten Teil des Fragebogens wird angestrebt, die Einstellung der Bevölkerung über Korruption herauszufinden. Einen wichtigen Schwerpunkt bildete dabei die Unterscheidung zwischen einer gerechtfertigten und nicht gerechtfertigten Zahlung für Dienstleistungen in der Verwaltung.

Der vierte Bereich des Fragebogens erfasst die Einschätzung der Bevölkerung über die Erscheinung und mögliche Ursachen der Korruption in der mexikanischen Gesellschaft.

Der abschließende Bereich befragt die Effektivität der bereits existierenden Bekämpfungsmaßnahmen sowie die weiteren möglichen Maßnahmen der Korruptionsbekämpfung.

Um die Bereitschaft der Mexikaner zu erhöhen, ihre persönliche Einstellung über ein heikles Thema wie Korruption mitzuteilen, wurden kurze geschlossene Fragen formuliert. Durch die Vorgabe der Antwortmöglichkeiten sollte eine höhere Beantwortungsquote sichergestellt werden. Um die Anonymität der Befragten zu wahren, sollten diese den Fragebogen selbständig ausfüllen. Alternativ- und Mehrfachnennungen waren möglich. Die Antwortskalen (Intensität, Häufigkeit, Rangfolge) beschränkten sich auf drei Antwortmöglichkeiten. Weiterführende Informationen über die Skalierung sowie die Form des Fragebogens sind in dem Anhang zu finden.

Die Beobachtung:

Diese Datenerhebungstechnik wurde als Ergänzung zu dem standardisierten Fragebogen gewählt. Durch eine systematische Beobachtung wurden Verhaltensweisen und Reaktionen erfasst. Während der Vorbereitung der Feldforschung hat sich herausgestellt, dass die Mexikaner nicht gewohnt sind, Fragebögen selbständig auszufüllen. Diese Annahme stellte sich während der Beobachtung in Mexiko-Stadt heraus. Die Beobachtung fand an sieben Tagen auf dem zentralen Platz „Bellas Artes“ im Zentrum von Mexiko-Stadt statt. Nach persönlicher Auskunft des statistischen Amtes INERGI werden an diesem Ort die meisten Befragungen von unabhängigen Organisationen und Firmen durchgeführt. Die Fragebogenkultur der Mexikaner beschränkte sich darauf, dass die Interviewer die Fragen vorgelesen und die laut mitgeteilten Antworten der Befragten notierte. Dies bestätigte sich bei allen 16 Beobachtungen, die in dieser Zeit auf dem Platz „Bellas Artes“ durchgeführt wurden. Aus diesen Erkenntnissen, konnten praktische Anwendungshinweise für die eigene Befragung entnommen werden. Zum Beispiel sollten offene Fragen in dem Fragebogen werden, um eine eigenständige und direkte Beantwortung der Fragen zu erleichtern.

Textprobe:

Kapitel 3, Bekämpfung von Korruption:

Die jeweiligen nationalen Bekämpfungsmaßnahmen sind je nach Untersuchungsbereich auf ein bestimmtes politisches, wirtschaftliches oder soziales System beschränkt. Die Medien und die Öffentlichkeit können auch dazu beitragen, korrupte Machenschaften ans Licht zu bringen, die mögliche Strafe für eine Tat öffentlich zur Diskussion zu stellen. Durch die Medien kann eine kontinuierliche Kontrolle geleistet werden. In einigen Industrieländern sowie in Drittländern wird ein nationales Verständnis für Korruptionsbekämpfung aber erst durch internationalen Druck diverser Organisationen entwickelt. Die immer bedeutender werdende internationale Kooperation öffnet die Grenzen für einen internationalen Markt und erfordert allgemeingültige Standards für eine effektive und transparente Handelsbeziehung.

Die Anfänge der Korruptionsbekämpfung; Die ersten Grundsteine in Richtung internationale Korruptionsbekämpfung wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika gelegt. Der Anlass für die Herausbildung einer internationaler Anti-Korruptionsnorm war der politische Ethikdiskurs in den Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Watergate Skandal und der anschließenden Untersuchung von Geschäftspraktiken amerikanischer Unternehmen im Ausland durch die Kommission der Börsenaufsichtsbehörde der Vereinigten Staaten von Amerika (U.S. Security and Exchange Commission, SEC) im Jahr 1976. Im Verlauf dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass mehr als 600 amerikanische Firmen im Ausland aktiv bestochen hatten, um Aufträge zu erlangen. Internationales Aufsehen erregte der Fall „Lockheed“. Der amerikanische Flugzeughersteller Lockheed hatte zahlreiche westliche Regierungen, wie Japan, Italien, Belgien, Australien, die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland bestochen, um Großaufträge zu erlangen. Der Imageverlust der USA als politische Führungsmacht des Westens war enorm und daher wurde als Folge ein Versuch gestartet, ihre Reputation mit dem Forgeign Corrupt Practices Act, FCPA wieder herzustellen. Das Gesetz enthielt strenge Buchhaltungsvorschriften für börsenkotierte Gesellschaften und Strafnormen sowohl gegen Individuen wie juristische Personen im Falle der Bestechung ausländischer Politiker und Amtsträger. Da die amerikanischen Firmen gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten einen Wettbewerbsnachteil sahen, setze sich die amerikanische Regierung dafür ein, dass andere Länder und internationale Organisationen ihrem Beispiel folgten. Die Internationalisierung der Anti-Korruptionsnormen blieb aber wegen des internationalen Sicherheitsdiskurses der 1970er Jahre aus.

Die zweite Welle der internationalen Anti-Korruptionsvorhaben kam mit dem Ende des Ost-West-Konflikts. Die Transformation der vormals kommunistischen Länder hin zu liberaler Demokratie und Marktwirtschaft hat neue Impulse für die internationale Sicherheitspolitik gegeben. Der Sicherheitsbegriff der 1970er Jahre (pollution, population, poverty, proliferation) wurde durch weitere Konzepte wie „good Governance“, Rechtsstaatlichkeit und dem damit verbundenen Kampf gegen Korruption ergänzt. Ende der 1980er Jahre setzte sich weltweit schließlich die Erkenntnis durch, dass Fortschritt nicht nur eine Frage wirtschaftlicher Erfolge ist, sondern auch schwache Regierungen, willkürliche Rechts- und Justizsysteme, schlecht funktionierende Verwaltungen und Korruption Entwicklung behindern. Die Bekämpfung von Korruption ist nicht nur ein Anliegen der Dritten Welt. Industrieländer sind ebenso angehalten, ihren internationalen Geschäftsverkehr übersichtlich zu gestalten, um eine transparente Handlung zu zielen.

Dank der zahlreichen wissenschaftlichen Forschungsvorhaben und der Ergebnisse von Langzeitstudien, regen die Folgen der Korruption heute immer mehr öffentliche Diskussionen an. Ebenso durch die Medien und durch die wachsende soziale Verantwortung multinationaler Unternehmen rückt das „Krebsübel der Gesellschaft“ immer mehr ins Rampenlicht.

Eine nachhaltige Bekämpfung von Korruption setzt weitreichende Kenntnisse des Phänomens und dessen Ursachen voraus. Auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass Korruption in bestimmten Fällen teilweise positive Auswirkungen haben kann, orientiert sich diese Arbeit an den negativen Folgen, unabhängig vom tatsächlichen Grad der Schadens.

Um Korruption bekämpfen zu können, ist ein bewusstes Bekenntnis zur negativen Auswirkungen von Korruption erforderlich. Um konkrete Maßnahmen durchsetzten zu können ist das Engagement der national und international agierenden Akteure von wesentlicher Bedeutung. Seit den 1990er Jahren ist eine rasante Entwicklung im Bereich der Korruptionsbekämpfung festzustellen.

„Campaigns against corruption are hardly new. But this decade is the first to witness the emergence of corruption as a truly global political issue eliciting a global political response. (…) The 1990s, we would predict, are unlikely to pass without the achievement of significant legal and institutional anti-corruption reforms.” Im Folgenden sollen einige der bedeutsamsten Initiativen und deren Regelungsbereiche kurz umrissen werden.

Die Auswahl der folgenden drei Organisationen geschah auf Grund der Zielsetzung der Magisterarbeit, Korruption im Zusammenhang mit dem Bildungssystem und die Teilnahme der Bevölkerung an dem Bildungsprozess zu analysieren. Die ausgewählten Organisationen leisten eine gravierende Antikorruptionsarbeit. TI verfügt über einen nationalen Zweig in Mexiko Transparencia Mexicana (TM) und kooperiert mit der Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Weltbank mit einem Sitz in Mexiko-Stadt unterstützt neben entwicklungspolitischen Projekten auch Bildungsprojekte in Mexiko. Das Unterzeichen der Antikorruptionskonvention der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD) 2007 war ein Meilenstein für Mexiko in der Bekämpfung der Korruption und dieses Engagement hat ein bedeutendes Signal auch in Richtung internationale Kooperation gesetzt. Diese Konvention hat eine indirekte Auswirkung auf das Bildungssystem in Mexiko. Ihre wirtschaftliche Bedeutung und die Rückkopplung auf die korruptionsfreie Entwicklung des Landes nimmt einen fundamentalen Teil der vorliegenden Arbeit ein.

Arbeit zitieren:
Csépe, Eszter Februar 2009: Analyse der Ursachen und Bekämpfung von Korruption in der mexikanischen Gesellschaft mit besonderem Bezug auf das Bildungssystem, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mexiko, Transparencia Mexicana, Weltbank, OECD, Transparency International

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