Analyse der Rentabilität von betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Udo Rohrmann
- Abgabedatum: Dezember 1995
- Umfang: 84 Seiten
- Dateigröße: 3,3 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Osnabrück Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-3974-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-3974-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-3974-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rohrmann, Udo Dezember 1995: Analyse der Rentabilität von betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Diplomarbeit von Udo Rohrmann
Einleitung:
Aus volkswirtschaftlicher Sicht wird es heutzutage auch von der Unternehmensseite her nicht mehr bestritten, daß Umweltschutzmaßnahmen einen hohen Nutzen für die Natur (Wasser, Boden, Luft, Flora, Fauna) und Umwelt stiften. Hierzu existieren auch bereits einige Studien. Im Auftrag des Umweltbundesamtes wurde Anfang der neunziger Jahre ein Forschungsvorhaben durchgeführt, in dem zahlreiche Beispiele volkswirtschaftlich effizienter Umweltschutzmaßnahmen systematisch zusammengetragen wurden. Man ermittelte dabei Nutzen-Kosten-Verhältnisse von weit über "Eins" und in einigen Fällen sogar von über "Fünf'. Mit einer Mark Einsatz für eine der genannten Maßnahmen konnte also ein volkswirtschaftlicher Nutzengewinn in Höhe von zum Teil über fünf Mark erzielt werden.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht werden häufig nur in erster Linie die Kosten für Umweltschutzmaßnahmen gesehen und überbewertet. Im Grundtenor wird häufig von Unternehmern behauptet, daß sich betrieblicher Umweltschutz nicht auszahle und rentiere. Die Mehrzahl der Betriebe - vor allem mittelständische Unternehmen – sind nach wie vor der Ansicht, daß den Aufwendungen für Umweltschutzanlagen, den Kosten einer umweltorientierten Unternehmensführung sowie den Forschungsaufwendungen für Neuentwicklungen von umweltfreundlicheren Produkten oder Fertigungsverfahren keine vergleichbaren Erträge gegenüberstehen. Es wird landläufig die Meinung vertreten, daß jede Mark, die ein Unternehmen heute noch in den Umweltschutz investiert, lediglich die Herstellungskosten verteuere und so zu Nachteilen und Risiken im Wettbewerb führe.
Dabei läßt sich heutzutage eindeutig das Gegenteil, nämlich daß Umweltschutz im Unternehmen nicht nur ein betriebswirtschaftlicher Kostenfaktor ist, sondern in zahlreichen Fällen zu einer Erhöhung der Wirtschaftlichkeit bzw. Rentabilität führt, anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis eindrucksvoll belegen. So ergaben Studien, daß für rund 40 Prozent der Verbraucher Umweltschutz ein Entscheidungskriterium (bei gleichem Preis-Leistungs-Verhältnis wird das umweltfreundlichere Produkt gewählt) beim Kauf darstellt. Neben diesen Marktvorteilen treten auch oftmals Kostenvorteile durch Umweltschutzmaßnahmen auf z. B. dann, wenn veränderte Herstellungsverfahren bzw. neue Produkte zu einem verminderten Ressourceneinsatz führen.
Im Auftrag des Umweltbundesamtes wurden im Jahre 1989 über 600 Unternehmen bundesweit zu dieser Thematik befragt. Zwei Drittel der Unternehmen hatten in den letzten Jahren konkrete Umweltschutzmaßnahmen realisiert, die Kostensenkungen und/oder Erlössteigerungen erbracht hatten.
Beträchtliche Kostensenkungspotentiale sind vor allem im Energiebereich, Verpackungswesen, im Beschaffungs- und Abfallbereich, in der Produktion und im Abwasserbereich anzutreffen. Immer wieder zeigen Untersuchungen, daß sich betriebliche Umweltschutzmaßnahmen trotz ihres Aufwandes häufig schon innerhalb eines Jahres amortisieren.
Betrieblicher Umweltschutz zahlt sich vor allem auch dann aus, wenn er zur Risikovermeidung oder zur Risikoverminderung beiträgt. So können z. B. plötzlich eingetretene Störfälle durch unterlassenen betrieblichen Umweltschutz zu hohen finanziellen Belastungen für das betroffene Unternehmen führen.
Der Aufwand, der in solchen Fällen möglicherweise auf ein Unternehmen zukommt, reicht von den Kosten des Produktionsausfalls, den Schadensbeseitigungskosten bis hin zu den Kosten aufgrund der Verschlechterung des Firmenimages. Letztere fallen beispielsweise dann an, wenn es erforderlich ist, nach einem Störfall die Öffentlichkeit und die Kundschaft durch kostenträchtige Werbemaßnahmen davon zu überzeugen, daß das vorhandene Negativurteil unzutreffend ist.
Es können insgesamt folgende 3 Haupttypen von Unternehmensrisiken im Umweltbereich unterschieden werden:
- interne (technische) Risiken, die direkt oder indirekt von der Produktion ausgehen.
- politische Risiken, die in Verbindung mit Gesetzesvorhaben oder politischen Forderungen zu sehen sind.
- Marktrisiken, die z. B. durch verändertes Kaufverhalten zugunsten von Umweltfreundlicheren Produkten entstehen.
Den Paradeweg hin zu einem effizienten betrieblichen Umweltschutz stellt sicherlich die am 13. Juli 1993 in Kraft getretene "Ökoaudit"-Verordnung dar, die eine "freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung" vorsieht.
Grundlegende Idee dieser Verordnung ist es, daß die Unternehmen ein betriebsinternes Konzept erarbeiten, in dem die Umweltleitlinien, die konkreten Umweltschutzmaßnahmen und die organisatorische Umsetzung durch das Management des Unternehmens zusammengefaßt werden. Es ist vorgesehen, dass dann alle 3 Jahre das Umweltmanagementsystem und die Ergebnisse der Umweltbetriebsprüfung von zugelassenen- unabhängigen Umweltgutachtern kontrolliert werden. Ein Umweltzertifikat wird erteilt, wenn sich die Betriebe darüber hinaus dazu verpflichten, alle einschlägigen Umweltvorschriften einzuhalten und die bestmögliche ökonomisch vertretbare Technologie zu benutzen.
Die "Ökoaudit"-Verordnung greift in alle Teile und Bereiche des betrieblichen Umweltschutzes, als da wären:
1. Beurteilung, Kontrolle und Verringerung der Auswirkungen der betreffenden Tätigkeit auf die verschiedenen Umweltbereiche.
2. Energiemanagement, Energieeinsparungen und Auswahl von Energiequellen.
3. Bewirtschaftung, Einsparung, Auswahl und Transport von Rohstoffen, Wasserbewirtschaftung und -einsparung.
4. Vermeidung, Recycling, Wiederverwendung, Transport und Endlagerung von Abfällen.
5. Verwertung, Kontrolle und Verringerung der Lärmbelästigung innerhalb und außerhalb des Standorts.
6. Auswahl neuer und bei bestehenden ProduktionsverfahrenÄnderungen.
7. Produktplanung (Design, Verpackung, Transport, Verwendung und Endlagerung).
8. betrieblicher Umweltschutz und Praktiken bei Auftragnehmern, Subauftragnehmern und Lieferanten.
9. Verhütung und Begrenzung umweltschädigender Unfälle.
10. besondere Verfahren bei umweltschädigenden Unfällen.
11. Information und Ausbildung des Personals in Bezug auf ökologische Fragestellungen.
12. externe Information über ökologische Fragestellungen.
Nun wird es natürlich so sein, daß sich Unternehmen nur dann einem "Ökoaudit" aussetzen bzw. anschließen, wenn es sich für sie "rechnet" und rentabel ist. Mögliche Nutzen von Umweltaudits sind z. B.:
- Förderung des Umweltschutzes / Verbesserung der Umweltverträglichkeit des Unternehmens.
- Sicherstellung und Nachweis der Einhaltung von Umweltvorschriften.
- Verminderung der Gefahr von Rechtsstreitigkeiten.
- weniger Bußgelder und Strafen wegen des Verstoßes gegen Vorschriften.
- verbesserte Statistik über umweltrelevante Vorkommnisse und Störfälle.
- Minderung von Umweltrisiken.
- Verringerung von Gesundheitsrisiken der Arbeitnehmer an belasteten Arbeitsplätzen.
- Minderung des Risikos einer Betriebsunterbrechung aufgrund eines umweltrelevanten Zwischenfalls.
- niedrigere Versicherungsprämien für Umweltrisikoabsicherung.
- höhere Zufriedenheit / Motivation der Arbeitnehmer in einem umweltfreundlich agierenden Unternehmen.
- Förderung guter Beziehungen zu Behörden (positive Beeinflussung des Unternehmensimages in der Öffentlichkeit).
- Hinweise auf Kostensenkungspotentiale durch betriebliche Umweltschutzmaßnahmen (beispielsweise beim Energie- und Wasserverbrauch / Beschaffungs- und Produktionsbereich).
- Verbesserung der Möglichkeit, gute Umweltschutzleistungen zu erkennen und zu prämieren.
- erhöhtes Bewußtsein der Arbeitnehmer für Umweltschutzmaßnahmen und -verantwortlichkeiten.
- Verbesserung der Möglichkeit, notwendige Qualifizierungsmaßnahmen für das Personal erkennen und veranlassen zu können.
- wichtiges Element eines betrieblichen Umweltinformationssystems.
- höhere Glaubwürdigkeit des Unternehmens gegenüber der Öffentlichkeit in Fragen.
des Umweltschutzes.
- Erschließung neuer Märkte, die sich durch geändertes Kaufverhalten umweltbewußter Verbraucher eröffnen.
- Schutz vor existentiellen Risiken durch ein weitsichtiges und progressives Umweltmanagement.
Im praxisorientierten Teil meiner Diplomarbeit werde ich beispielhaft anhand der herausgegriffenen Aspekte "Umweltorientiertes Energiemanagement", "Störfallvorsorge und Umwelthaftung" und "Umweltimage" untersuchen, ob und inwieweit betriebliche Umweltschutzmaßnahmen in der Praxis für Unternehmen rentabel sind.
Aber bevor ich dieses anhand von Fallbeispielen durchführe, möchte ich zunächst einmal darstellen, welche Schritte zum Aufbau einer entscheidungsorientierten Umweltkostenrechnung nötig sind. Weiterhin werde ich im darauffolgenden Abschnitt darauf eingehen, inwiefern eine umweltbezogene Investitionsrechnung zur Beurteilung und Auswahl von Umweltschutzmaßnahmen unter Rentabilitätsgesichtspunkten von Unternehmen genutzt werden kann und sollte.
Ziel dieser Ansätze ist es, den besonderen Anforderungen der Entscheidungssituation 'Betriebliche Umweltschutzmaßnahme/-investition? -Ja/Nein" gerecht zu werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IIl | |
| 1. | Umweltschutz als Unternehmensziel | 1 |
| 2. | Die Umweltkostenrechnung und die Investitionsrechnung als betriebliche Entscheidungsinstrumente | 6 |
| 2.1 | Schritte zum Aufbau einer entscheidungsorientierten Umweltkostenrechnung | 8 |
| 2.1.1 | Gesamtbetriebliche Erfassung aller relevanten Umweltwirkungen eines Unternehmens | 8 |
| 2.1.2 | Zuordnung der Umweltwirkungen zu den Entstehungsorten | 13 |
| 2.1.3 | Bewertung und Zurechnung der betrieblichen Umweltwirkungen | 16 |
| 2.2 | Nutzung der Investitionsrechnung zur Beurteilung und Auswahl von Umweltschutzmaßnahmen unter Rentabilitätsgesichtspunkten | 22 |
| 2.2.1 | In der betrieblichen Praxis vorliegende klassische Bewertungsmethoden bzw. Investitionsrechnungen | 22 |
| 2.2.2 | Wichtige Parameter bzw. Problemstellungen bei Investitionsrechnungen für Umweltschutzmaßnahmen | 25 |
| 2.2.3 | Grenzen der betriebswirtschaftlichen Bewertung von Umweltschutzmaßnahmen | 32 |
| 2.2.4 | Auswirkungen einer Umweltkostenrechnung auf das betriebliche Entscheidungsverhalten | 34 |
| 3. | Fallbeispiele für rentables Umweltmanagement | 38 |
| 3.1 | Umweltorientiertes Energiemanagement | 39 |
| 3.2 | Störfallvorsorge und Umwelthaftung ( Beispiel: Hoechst AG / Frankfurt 1993) | 49 |
| 3.3 | Umweltimage (Beispiel: Shell AG ("Brent Spar") 1995) | 57 |
| 4. | Schluß / Fazit | 65 |
| Anhang | ||
| Hoechst Anzeige | 68 | |
| Shell-Anzeige | 69 | |
| Weitere Praxisbeispiele | 70 | |
| Literaturverzeichnis | 71 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832439743
Arbeit zitieren:
Rohrmann, Udo Dezember 1995: Analyse der Rentabilität von betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen, Hamburg: Diplomica Verlag
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