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Analyse und Optimierung exogener Talentförderungsmaßnahmen im Anschlusstraining

Analyse und Optimierung exogener Talentförderungsmaßnahmen im Anschlusstraining
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jeanette Grau
  • Abgabedatum: Juni 2010
  • Umfang: 172 Seiten
  • Dateigröße: 2,4 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Universität Stuttgart Deutschland
  • Bibliografie: ca. 56
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0631-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Grau, Jeanette Juni 2010: Analyse und Optimierung exogener Talentförderungsmaßnahmen im Anschlusstraining, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Leistungssport, Ressource, Grounded Theory, Fördereinrichtung, Kaderkarriere

Diplomarbeit von Jeanette Grau

Einleitung:

‘Trainierst du noch oder studierst du schon?’ Mit dieser überspitzt formulierten Frage von Christian Tretbar wird der Konflikt, in dem sich viele Nachwuchsathleten im Anschlusstraining befinden, deutlich. Um sich in der heutigen Zeit auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können, ist eine gute Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium unerlässlich. Will jedoch Deutschland weiterhin zu den führenden Sportnationen dieser Welt gehören, ist eine weitere Professionalisierung des Trainingsprozesses notwendig. Somit steht der Athlet vor der Frage, sich der Doppelbelastung durch eine duale Karriere auszusetzen, die leistungssportliche Karriere zu beenden oder sich voll auf den Leistungssport zu konzentrieren. Da durch die meisten Sportarten der Lebensunterhalt nicht finanziert werden kann, fällen viele hoffnungsvolle Nachwuchsathleten ihre Entscheidung gegen den Leistungssport, um sich ihre berufliche Zukunft zu sichern. Wodurch Athleten unterstützt werden können, damit sie eine Perspektive in der Fortführung ihres leistungssportlichen Engagements sehen, ist unter anderem Gegenstand dieser Ausarbeitung.

Aus eigenem Interesse heraus wurde das Thema der Analyse und Optimierung exogener Talentförderungsmaßnahmen im Anschlusstraining gewählt. Durch eigene Erfahrungen in der Sportart Kunstturnen sind einige Probleme, wie die zeitliche Vereinbarkeit von Schule und Studium mit dem Training, selbst erlebt worden. Immer wieder tritt die Situation ein, dass Athleten am Übergang vom Nachwuchs- in den Spitzenbereich die leistungssportliche Karriere abbrechen, da ihnen die Doppelbelastung zu groß wurde. Aktuell wird diese Problematik mit dem Beispiel der Kunstturnnationalmannschaft der Frauen unterstrichen. Innerhalb weniger Wochen traten zwei Turnerinnen im Alter von 17 und 18 Jahren aus der Nationalmannschaft aus, da ihnen die Belastung zu groß geworden ist beziehungsweise sie sich auf ihre berufliche Karriere konzentrieren möchten.

Mit welchen Problemen sich junge Athleten im Übergang vom Nachwuchs- zum Spitzenbereich konfrontiert sehen, welche Besonderheiten das Anschlusstraining birgt und welche Fördereinrichtungen es gibt, um Athleten zu unterstützen, wird im 2. Kapitel dieser Arbeit theoretisch anhand ausgewählter Literatur dargestellt. Im 3. Kapitel geht es darum, die Durchführung der angewandten Untersuchungsmethode des qualitativen Interviews und der Auswertung anhand der Grounded Theory zu erläutern. In den folgenden Kapiteln werden die Analyse der Interviews sowie die daraus gewonnenen Erkenntnisse dargestellt.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 7
2. THEORETISCHE AUFARBEITUNG DES PROBLEMFELDES 8
2.1 Die Übergangsproblematik vom Nachwuchs zur Spitze 8
2.2 Der Zeitaufwand von Athleten im Anschlusstraining 13
2.3 Das Anschlusstraining 14
2.3.1 Einordnung des Anschlusstrainings in den langfristigen Leistungsaufbau 14
2.3.2 Kennzeichen des Anschlusstrainings 17
2.4 Die Ressource Zeit und die Produktion von Leistung 20
2.5 Das Fördersystem in Deutschland 24
2.5.1 Das Kadersystem 25
2.5.2 Diskontinuitäten im Verlauf von Kaderkarrieren 27
2.5.3 Sportfördergruppen bei Bundeswehr, Bundespolizei, Polizei und Zoll 31
2.5.4 Die Kombination von Studium und Leistungssport 35
2.5.5 Unterstützung der Wirtschaft bei Ausbildung und Beruf 41
2.5.6 Die Vereine 43
2.5.7 Die Olympiastützpunkte 44
2.5.8 Die Stiftung Deutsche Sporthilfe 49
3. DARSTELLUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG 52
3.1 Untersuchungsmethodik 52
3.1.1 Das problemzentrierte Interview 54
3.1.2 Methodenkritische Betrachtung des qualitativen Interviews 57
3.2 Erhebung der Daten 59
3.2.1 Leitfragen 59
3.2.2 Der Interviewleitfaden 60
3.2.3 Auswahl der Interviewteilnehmer 63
3.3 Auswertung der Daten 66
3.3.1 Grounded Theory 68
3.3.2 Transkription 71
3.3.3 Codieren 72
3.3.4 Schlüsselkategorie 77
3.3.5 Computergestützte Auswertung 78
4. ANALYSE DER FÖRDEREINRICHTUNGEN UND PROBLEME DES ANSCHLUSSTRAININGS 82
4.1 Probleme im Anschlusstraining 83
4.2 Kaderkarrieren 86
4.2.1 Typischer Verlauf von Kaderkarrieren 86
4.2.2 Diskontinuitäten 87
4.3 Bundeswehr, Bundespolizei und Polizei 88
4.4 Unterstützung durch Hochschulen 90
4.5 Unterstützung durch Wirtschaftsunternehmen 92
4.6 Die Aufgabe der Vereine 93
4.7 Die OSP als Förderer von Nachwuchsathleten 94
4.8 Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe 97
5. OPTIMIERUNG VON FÖRDEREINRICHTUNGEN 99
5.1 Verbesserung der Situation an den Hochschulen 99
5.2 Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen 100
5.3 Andere denkbare Kooperationen 102
5.4 Möglichkeiten der Vereine im Anschlusstraining 103
5.5 Optimierung der Olympiastützpunkte 103
5.6 Möglichkeiten der Stiftung Deutsche Sporthilfe 105
5.7 Verbesserung der Situation im Anschlusstraining 105
6. DISKUSSION 107
6.1 Diskussion der Ergebnisse 107
6.2 Diskussion der verwendeten Methode 110
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 113
LITERATURVERZEICHNIS 117
ANHANG 122

Textprobe:

Kapitel 3.2.3, Auswahl der Interviewteilnehmer:

Bei quantitativen Untersuchungen stehen besonders Art, Größe und Wahl einer Stichprobe im Vordergrund, wobei es hier vor allem um die Verteilung von Anteils und Mittelwerten einer Stichprobe geht. Dahingegen stehen bei der qualitativen Forschung andere Ziele im Vordergrund, die Auswahlkriterien für zu interviewende Personen richten sich nach der inhaltlichen Problemstellung der Untersuchung und der Absicht, eine Reichhaltigkeit, Tiefe und Breite der Daten zu erreichen. Es ist hier nicht interessant, wie sich ein Problem statistisch verteilt, sondern welche Probleme tatsächlich vorliegen und wie sie beschaffen sind. Gerade innerhalb einer qualitativen Untersuchung können abweichende Fälle die Entwicklung einer Theorie vorantreiben, wohingegen sie in der quantitativen Forschung untergehen würden. Folglich richtet sich die Auswahl der Befragten nach der theoretischen Bedeutsamkeit. Bei einer qualitativen Untersuchung geht es nicht um eine möglichst große Anzahl von Fällen, sondern um eine für die Fragestellung typische Auswahl von Fällen. Hieraus lässt sich ableiten, dass die Repräsentativität kein entscheidendes Auswahlkriterium darstellt, sondern die Angemessenheit für die gegebene Fragestellung entscheidend wirkt. Die Auswahl der befragten Personen wird gezielt und willkürlich anhand der theoretischen Vorstellungen, im Sinne eines theoretical samplings anstelle eines statistical samplings, vorgenommen. Somit könnte die Auswahl der Interviewpartner im Verlauf der Untersuchung beliebig erweitert werden, je nachdem wie die theoretischen Bedürfnisse sich entwickeln.

Der Inhalt eines Interviews wird nicht nur durch das eigene Erkenntnisinteresse, sondern vor allem auch durch den Interviewpartner bestimmt. Deshalb ist die Auswahl der Teilnehmer der Interviews von großer Bedeutung, da sie sich entscheidend auf die Art und die Qualität der gewonnenen Informationen auswirkt. Bei der Wahl der Interviewpartner gilt es im Vorfeld zu recherchieren, wer für die angestrebte Rekonstruktion über die notwendigen Informationen verfügt. Scheinbar am geringsten sind die Zugangsprobleme bei Gesprächspartnern, die man persönlich kennt. Jedoch ist bei diesem scheinbar einfachen Weg Vorsicht geboten, da bereits vorhandene persönliche Beziehungen die Situation des Interviews verändern, da man bestrebt ist, mit den Fragen beziehungsweise Antworten nicht die Beziehung außerhalb der Interviewsituation zu beeinträchtigen. Somit kann es zu fehlenden und verzerrten Informationen kommen. Wird das Interview unter Bekannten geführt, neigt man ebenfalls dazu, Fragen anders zu formulieren beziehungsweise anders zu antworten, was dazu führen kann, dass der Interviewer nicht in allen Fällen nachfragt, da er das Gefühl hat, sein gegenüber genau zu verstehen und es somit ebenfalls zu einem Informationsverlust kommt. Deswegen sollte man in der Auswahl seiner Interviewpartner nicht immer den vermeintlich einfachsten Weg wählen, um an die benötigten Gespräche zu kommen.

Unter Experten versteht man Personen, die ein besonderes Wissen über soziale Kontexte für die Untersuchung zur Verfügung stellen können. Der Begriff des Experten beschreibt hierbei die spezifische Rolle des Interviewpartners als Quelle von Spezialwissen für den zu erforschenden Sachverhalt. Der Experte wird also nicht als das Objekt der Untersuchung, sondern als ein Medium verstanden, durch das der Wissenschaftler Erkenntnisse über den zu untersuchenden Sachverhalt erlangen möchte. Die Methode des Experteninterviews ist eine Vorgehensweise, sich dieses Wissen zu erschließen. Um ein Expertenwissen zu besitzen, muss man nicht in einer herausgehobenen Position tätig sein, denn es gibt eine Art besonderes Wissen, über das jede Person verfügt, nämlich das Wissen über soziale Kontexte, in denen man agiert. Dies kann beispielsweise das Wissen über das Unternehmen sein, in dem man arbeitet oder auch das Wissen über das Wohngebiet, in dem man lebt. Nur durch die unmittelbare Beteiligung wurde diese Form des Wissens erlangt und jeder der Befragten hat aufgrund die individuellen Position und eigenen Beobachtungsweise eine besondere Perspektive auf den entsprechenden Sachverhalt.

Im Falle der hier durchgeführten Interviews wurde der Kontakt zu den Experten aus der Sportorganisation und den Sportlern selbständig hergestellt. Eine erste Kontaktaufnahme erfolgte über ein Telefongespräch oder per E-Mail, in dem die Rahmenbedingungen der Studie erläutert wurden. Nach einem Terminvorschlag durch die zu befragende Person wurde ein Treffen vereinbart. Die Dauer der einzelnen Interviews wurde auf ungefähr 45 Minuten geschätzt. Nach der Durchführung der Interviews lässt sich hier jedoch eine beträchtliche Spannweite erkennen, denn die Dauer der Interviews schwankte zwischen 25 Minuten und 1 Stunde und 10 Minuten. Was sowohl am unterschiedlichen Erzähldrang der Befragten lag, als auch an den auftretenden Unterbrechungen. Desweiteren war bei zwei Experten schon im Vorfeld die Zeit auf 30-40 Minuten begrenzt worden, da sie sonst unter Termindruck geraten wären.

Arbeit zitieren:
Grau, Jeanette Juni 2010: Analyse und Optimierung exogener Talentförderungsmaßnahmen im Anschlusstraining, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Leistungssport, Ressource, Grounded Theory, Fördereinrichtung, Kaderkarriere

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