Analyse der Handlungsoptionen von Beschäftigungsgesellschaften
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sebastian Heinz
- Abgabedatum: Oktober 2005
- Umfang: 63 Seiten
- Dateigröße: 458,7 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9399-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9399-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9399-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heinz, Sebastian Oktober 2005: Analyse der Handlungsoptionen von Beschäftigungsgesellschaften, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Personalplanung, Arbeitsvermittlung, Qualifizierung, Unternehmensgründung, Innovation
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Diplomarbeit von Sebastian Heinz
Einleitung:
Nach der Einführung von Massenbeschäftigungsverhältnissen im Zuge der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts hat der Personalabbau insbesondere seit Ende der 1970er Jahren an Bedeutung stetig gewonnen. Die dynamische Planung des Personalbestandes zielt seither nicht mehr ausschließlich auf die Gewinnung von Personal ab, sondern bezieht immer häufiger die Freisetzung von Personal in signifikantem Umfang mit ein. Der tiefgreifende und rasche technologische und wirtschaftliche Strukturwandel sowie die zunehmende Globalisierung und Technisierung und die daraus erwachsenden Anforderungen an ein gesteigertes Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte sind dabei nur die umfangreichsten Strömungen, die in einer gestiegenen Bedeutung des Personalabbaus resultieren.
In wissenschaftlicher Hinsicht dokumentiert sich die zunehmende Bedeutung des Personals als wesentlicher Pfeiler des unternehmerischen Handelns in der Differenzierung des Personals von den übrigen Produktionsfaktoren. So bildete sich Anfang der 1960er Jahre die Personalwirtschaftslehre als Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre durch die Einrichtung des ersten betriebswirtschaftlichen Lehrstuhls zur Personalwirtschaft heraus. Auch wenn seither die Personalwirtschaftslehre wechselnden Strömungen gefolgt ist, können neben der Betrachtung von Querschnitts- und Metaproblemen insbesondere zwei Betrachtungsschwerpunkte unterschieden werden: Die Betrachtung des Personals als Träger von Bedürfnissen und Werten einerseits sowie die Betrachtung des Personals als Leistungsträger andererseits. Während erstere sich mit den Grundlagen der Arbeits- und Leistungsmotivation im weiteren Sinne beschäftigt, und damit Aspekte der Führung, Motivation, Vergütung und Erfolgs- und Vermögensbeteiligung adressiert, umfasst zweitere alle Aspekte, die mit der Personalplanung, -beschaffung, -entwicklung, -ausbildung und -freisetzung verbunden sind.
Innerhalb der Personalwirtschaftslehre lässt sich somit die Auseinandersetzung mit den Instrumenten des Personalabbaus der Personalfreisetzungsplanung zuordnen und folgt somit der Betrachtung des Personals als Leistungsträger. Ziel der Personalfreisetzungsplanung sind die Ermittlung und der Abbau von Personalüberhängen. Der Abbau kann dabei nach Eintritt der Abbauursache unter einer begrenzten Anzahl von Alternativen reaktiv oder vor Eintritt der Abbauursache bis zum Planungshorizont antizipativ mit deutlich umfangreicheren Verwendungsalternativen erfolgen. Während in Deutschland bis Mitte der 1980er Jahre noch Sozialpläne das vorherrschende, reaktive Instrumentarium der Freisetzungsplanung waren, kamen ab 1985 erstmals auch sogenannte Beschäftigungspläne und Beschäftigungsgesellschaften als antizipative Planungsinstrumente nach französischem Vorbild hinzu.
Der qualitative Unterschied zwischen Beschäftigungsplänen und Beschäftigungsgesellschaften besteht dabei im Grad ihrer Institutionalisierung. Demnach sind Beschäftigungspläne als Ziele- und Maßnahmenbündel zu verstehen, die innerhalb des freisetzenden Unternehmens umgesetzt werden. Beschäftigungsgesellschaften sind zwar durch die gleichen Ziele und Merkmale gekennzeichnet, unterscheiden sich jedoch dadurch, dass sie als weitgehend eigenständige, rechtlich selbständige Gesellschaften etabliert werden und somit die Abbaumaßnahmen innerhalb einer von dem Unternehmen abgrenzbaren rechtlichen Einheit bündeln. Somit können Beschäftigungsgesellschaften durchaus das Resultat aus Beschäftigungsplänen sein.
Auch wenn es bis heute keine allgemein anerkannte Definition von Beschäftigungsgesellschaften gibt, so lassen sich zumindest ihre konstitutiven Merkmale gegenüber anderen Gesellschaften abgrenzen: Demnach zielen Beschäftigungsgesellschaften auf die Überbrückung einer bevorstehenden Arbeitslosigkeit durch Qualifizierung und/oder temporäre Beschäftigung sowie die Vermittlung in neue dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse ab und sind somit ein wesentlicher Bestandteil zur Unterstützung eines regionalen Strukturwandels, der durch die betroffenen Beschäftigten in angemessener Zeit nachvollzogen werden kann. Währenddessen sind die Beschäftigten Mitglieder sowohl des freisetzenden Unternehmens als auch der Beschäftigungsgesellschaft, was sich positiv auf die Motivation der betroffenen Mitarbeiter und ihre Bereitschaft zur Qualifizierung auswirken soll. Dabei können Beschäftigungsgesellschaften in diesem Sinne sowohl im öffentlichen Umfeld der Arbeitsmarktpolitik mit einer relativen organisatorischen Unabhängigkeit zu den freisetzenden Unternehmen als auch innerhalb der Organisation des Unternehmens etabliert werden.
In der Literatur gibt es neben dem Begriff der „Beschäftigungsgesellschaft“ auch andere Begriffe, wie „Arbeitsfördergesellschaft“, „ABS-Gesellschaft“ oder „Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft“. Den zugrundeliegenden Konzepten ist jedoch gemein, dass sie alle auf die gleichen konstitutiven Merkmale der Beschäftigungsgesellschaft abstellen. Sie entspringen lediglich unterschiedlichen Perspektiven, wie beispielsweise der Arbeitsmarktpolitik, und können insofern als weitgehend synonym verstanden werden.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Literaturarbeit analysiert vor diesem Hintergrund die Handlungsoptionen betrieblicher Beschäftigungsgesellschaften auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland im Kontext der betrieblichen Personalplanung. Die Analyse der Handlungsoptionen öffentlicher Beschäftigungsgesellschaften ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Dazu wird zunächst das Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung als Ausgangsbasis von Beschäftigungsgesellschaften spezifiziert (Kapitel 2).
Anschließend werden die grundsätzlichen Zielsetzungen Personalabbau und Beschäftigung in einen Kontext zueinander gestellt und die unterschiedlichen Handlungsoptionen von Beschäftigungsgesellschaften in individueller und kollektiver Hinsicht und vor dem Hintergrund allgemeiner rechtlicher Vorschriften und tarifvertraglicher Ansprüche analysiert (Kapitel 3).
Einen besonderen Schwerpunkt bildet anschließend die Analyse der Bedeutung von Unternehmensgründungen für den Personalabbau (Kapitel 4). In diesem Bereich der Arbeit wird der theoretische Bezugsrahmen der Personalwirtschaftslehre um den Bereich der Gründungsforschung als jüngstem Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre erweitert. Die für diesen Abschnitt notwendigen begrifflichen Definitionen werden in diesem Kapitel separat erarbeitet.
Die Darstellung der Erfolgsvoraussetzungen und Grenzen der Handlungsoptionen rundet die Analyse dieser Arbeit ab und erweitert das grundsätzliche Spannungsfeld der Beschäftigungsgesellschaften um die individuelle Ebene (Kapitel 5). Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse sowie Hinweisen auf ergänzende Fragestellungen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einordnung von Beschäftigungsgesellschaften in den betriebswirtschaftlichen Kontext | 1 |
| 2. | Das Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung | 5 |
| 2.1 | Restrukturierung als betriebswirtschaftliche Notwendigkeit unter steigendem Wettbewerbsdruck | 5 |
| 2.2 | Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen als Bürde der sozialen Verantwortung von Unternehmen | 7 |
| 2.3 | Die Einrichtung von Beschäftigungsgesellschaften als Kompromiss zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung | 10 |
| 3. | Abbau und Beschäftigung als Ziel – Alternative Handlungsoptionen von Beschäftigungsgesellschaften | 12 |
| 3.1 | Abbau und Beschäftigung als komplementäre Zielsetzungen | 12 |
| 3.2 | Handlungsoptionen der Individualvermittlung | 14 |
| 3.3 | Handlungsoptionen der Gruppenvermittlung | 22 |
| 3.4 | Aktive Zugangsvermeidung als Sonderfall | 27 |
| 4. | Die besondere Bedeutung von Unternehmensgründungen für den Personalabbau | 29 |
| 4.1 | Unternehmensgründungen als Brücke zwischen Beschäftigung und Abbau | 29 |
| 4.2 | Gewinnmaximierung vs. Beschäftigungseffekt – das Problem der ökonomischen Rationalität | 33 |
| 4.3 | Herausforderungen im Rahmen der Desinvestitionsvorbereitung | 35 |
| 5. | Erfolgsvoraussetzungen und Grenzen der Handlungsoptionen | 38 |
| 5.1 | Qualifikation und Zumutbarkeit als limitierende Faktoren | 38 |
| 5.2 | Freiwilligkeit als Herausforderung – die Problemgruppe der Mitarbeiter mit besonderem Kündigungsschutz | 41 |
| 5.3 | Der besondere Stellenwert von Motivation und Sanktionierung | 43 |
| 5.4 | Frühzeitige Transparenz über Zugänge – eine spezielle Erfolgsvoraussetzung für etablierte Beschäftigungsgesellschaften | 45 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 47 |
| Literaturverzeichnis | 51 | |
| Verzeichnis verwendeter Gesetze | 56 | |
| Eidesstattliche Versicherung | 59 |
die Zeit der aktuelle Personalmehrbedarf bei der Bundesagentur für Arbeit bestätigen, so können die eingesetzten Beamten auf Basis einer Versetzung dauerhaft dorthin wechseln. 75 Hinsichtlich der Rollen der Beschäftigungsgesellschaft ergeben sich bei der Anwendung der Handlungsoptionen der originären Vermittlung im Vergleich zur Individualvermittlung ebenfalls einige Modifikationen: Zwar bringt sie weiterhin als Vermittler Arbeitsplatzangebot und –nachfrage zusammen. Die Rolle als Berater im Sinne einer Entscheidungsunterstützung tritt aufgrund der Vielzahl zu besetzender gleichartiger Stellen allerdings in den Hintergrund. In der Rolle als Dienstleister begleitet sie zwar die B eschäftigten weiterhin bei allen erforderlichen personalwirtschaftlichen Schritten. Diese werden jedoch weitestgehend im Rahmen standardisierter „Massenprozesse“ abgearbeitet, so dass Intensität der Individualbetreuung abnimmt.76 Es wird deutlich, dass die Umsetzung dieser erweiterten Handlungsoptionen neue besondere Anforderungen an die Organisation der Beschäftigungsgesellschaft und die Qualifikation der eingesetzten Stammkräfte stellt: Insbesondere die Anforderungen an die Koordination und Steuerung solcher Beschäftigungsprojekte können nur durch ein konsequentes Projektmanagement erfüllt werden, das im Zuge der Individualvermittlung in dieser Intensität nicht erforderlich ist. Für die Handlungsoptionen der Existenzgründung ergeben sich Modifikationen insbesondere hinsichtlich der organisatorischen Professionalisierung. So kann im Zuge unternehmensweiter Ideen- und Innovationsbörsen oder eigener Abteilungen für Geschäftsaufbau das kreative Potenzial der Beschäftigten mit einer besonderen Ausrichtung auf eine hohe Beschäftigungswirkung systematisch gehoben werden. 77 In diesem Zusammenhang werden durch die Mitarbeiter Konzepte entwickelt, die möglichst vielen Kollegen eine neue Beschäftigung ermöglichen sollen. Im Sinne der Innovations- und Gestaltungsfunktion der Beschäftigungsgesellschaft können hier- [...]
typischerweise die jeweiligen Beschäftigtengruppen auch dauerhaft beschä ftigen können. 72 Die besondere Problemgruppe in dieser Hinsicht sind die Beamten. Ihr dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis setzt voraus, dass der jeweilige Arbeitgeber über die Dienstherreneigenschaft verfügt. Dies ist jedoch weitestgehend auf den öffentlichen Sektor beschränkt. Nur noch wenige privatwirtschaftliche Unternehmen besitzen als ehemalige Staatsunternehmen noch die Dienstherreneigenschaft. 73 Somit ist im Kontext der Gruppenvermittlung stärker noch als im Kontext der Individualvermittlung darauf zu achten, dass solche temporären Beschäftigungsmöglichkeiten in einem übernahmegeeigneten Umfeld stattfinden. Diese Schwierigkeiten bestehen für Angestellte in dieser Form nicht, da sie sowohl im öffentlichen als auch privatwirtschaftlichen Sektor dauerhaft eingesetzt werden können. Befinden sich jedoch in einer Beschäftigungsgesellschaft Vertreter beider Mitarbeitergruppen in signifikantem Umfang, so gilt es, insbesondere Beschäft igungsprojekte im öffentlichen Sektor zunächst aufgrund der eingeschränkten Wechselmöglichkeiten vorzugsweise mit Beamten zu besetzten. Eine besondere Art größerer Beschäftigungsprojekte der Gruppenvermittlung, die ausschließlich den Einsatz von Beamten zulässt, ist die Amtshilfe unter Behörden. 74 In diesem Zusammenhang haben Unternehmen wie unter anderem die Bahn AG, die Post AG und die Deutsche Telekom AG neuerdings die Möglichkeit, Beamte zur Unterstützung der Neuausrichtung der Sozialgesetzgebung an die Bundesagentur für Arbeit zu entsenden. Das wesentliche rechtliche Instrument ist hierbei die Abordnung. Sollte sich über [...]
Betrachtet man zunächst die erweiterten Handlungsoptionen der originären Vermittlung, so treten größere Beschäftigungsprojekte als neue Alternativen hinzu. Solche Projekte zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass die Anzahl der zu besetzenden Stellenprofile signifikant unter der Anzahl der dafür benötigten Mitarbeiter liegt. Im Gegensatz zur Individualvermittlung geht es nunmehr nicht mehr ausschließlich darum, Arbeitsplatzangebot und –nachfrage auf rein individueller Basis zum Ausgleich zu bringen und dabei für jede einzelne Vermittlung eine neue geeignete Stelle zu finden. Vielmehr steht die gleiche Tätigkeit vielen Mitarbeitern offen, so dass eine wesentliche Gestaltungsaufgabe entfällt: Die individuelle Tätigkeitsgestaltung. Auch die Vereinbarungen zu den Begleitparametern einer Beschäftigung, wie beispielsweise Dauer der Tätigkeit, Vergütung oder Arbeitszeiten, werden hier kollektiv vereinbart. 70 Die Beschäftigungsperspektive entscheidet dabei über die jeweilige Nähe solcher Projekte zur Abbau- oder Beschäftigungszielsetzung. Sind die Projekte auf die Vermittlung in dauerhafte externe Beschäftigungsverhältnisse ausgerichtet, so folgen sie der Abbauzielsetzung im Rahmen der Vermittlungsfunktion der Beschäftigungsgesellschaft. Sind sie auf die Vermittlung in dauerhafte interne Beschäftigungsverhältnisse ausgerichtet, so decken sie im Rahmen der Innovations- und Gestaltungsfunktion der Beschäftigungsgesellschaft einen internen Personalmehrbedarf, der einem weiteren Personalabbau ökonomisch rational entgegensteht. 71 Resultieren die Projekte allerdings in temporärer interner oder externer Beschäftigung, so folgen sie im Rahmen der Überbrückungs- und Vorbereitungsfunktion der Beschäftigungszielsetzung der Beschäftigungsgesellschaft. Insbesondere bei der temporären Vermittlung in externe Beschäftigungsprojekte kommt der Unterscheidung der Mitarbeitergruppen eine besondere Bedeutung zu. Wenn im Sinne der Überbrückungs- und Vorbereitungsfunktion durch diese temporäre Beschäftigung eine dauerhafte Beschäftigung grundgelegt werden soll, dann kann dies nur in Bereichen geschehen, die [...]
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Heinz, Sebastian Oktober 2005: Analyse der Handlungsoptionen von Beschäftigungsgesellschaften, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Personalplanung, Arbeitsvermittlung, Qualifizierung, Unternehmensgründung, Innovation



