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Eine Analyse der Crashgefahr am deutschen Aktienmarkt am Beispiel Japans

Eine Analyse der Crashgefahr am deutschen Aktienmarkt am Beispiel Japans
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Matthias Wohlwend
  • Abgabedatum: August 2000
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 4,6 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2998-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2998-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2998-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wohlwend, Matthias August 2000: Eine Analyse der Crashgefahr am deutschen Aktienmarkt am Beispiel Japans, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rezession, Aktien, Crash, Deutschland, Japan

Diplomarbeit von Matthias Wohlwend

Einleitung:

Kaum eine Fähigkeit ist an der Börse mehr gefragt als die, einen Aktiencrash vorhersehen zu können. Der drohende plötzliche Verlust des angereicherten Vermögens umtreibt nahezu jeden Anleger. Die Auslöser für einen Crash können dabei vielfältiger Natur sein. Schlechte Vorgaben der Börsen aus den USA, negative Unternehmens- beziehungsweise Wirtschaftsnachrichten oder im schlimmsten Fall Kursausschläge ohne fundamentale Begründung, die den Anleger auf dem Papier mehrere hundert oder tausend Euro kosten, können je nach Nervenkostüm zu Panikverkäufen führen. Bahnt sich ein Crash an, sind so gut wie alle Marktteilnehmer betroffen. Je länger man an seinen Wertpapieren festhält, desto größer können die Verluste werden. Der Anleger ist unsicher. Denn ob die Rückschläge einen Crash oder nur eine kurze Korrektur bedeuten, weiß der Anleger immer erst hinterher.

Wie uns die Geschichte lehrt, sind Börsencrashs wiederholbar. Bei allen Befürchtungen sollte jedoch auf die Art des Crashs geachtet werden. Ob sich das wirtschaftliche Umfeld in einem gesunden Zustand befindet oder nicht, hat entscheidenden Einfluß auf die Höhe des Schadens und die Geschwindigkeit der Erholung. So ist der kräftige, aber nur sehr kurze Zusammenbruch von 1987 nicht mit den beiden schwerwiegenden und jeweils eine Depression nach sich ziehenden Crashs zu vergleichen, die ihren Ausgangspunkt in den Jahren 1929 (USA) und 1990 (Japan) hatten.

Zu Depressionen kam es nur in den beiden Fällen, deren Crashs wirtschaftsstrukturell bedingt waren. Die Vermögensverluste 1987 wurden gesamtwirtschaftlich gesehen in Rekordzeit (USA: ca. zwei Jahre, Japan: ca. fünf Monate) wieder nivelliert und zerstörten nur etwa ein Drittel des Kapitals, so daß es keine schwerwiegende Bedeutung für das wirtschaftliche Fortleben der betroffenen Gesellschaften hatte. Einzelne Aktionäre mögen zwar ruiniert worden sein, im Hinblick auf die Gesamtheit der Aktionäre spielten diese Einzelfälle jedoch keine Rolle. Ein langfristig orientierter und nicht von Kreditzwängen gebeutelter Anleger war tendenziell vor diesem Crash genauso wohlhabend wie zwei Jahre danach.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen in dieser Arbeit daher die strukturellen Unstimmigkeiten der japanischen Wirtschaft im Vorfeld des 1990er Crashs. Damals, wie auch heute in den USA und Europa befürchteten Experten eine Blasenbildung, die zu platzen droht. Während in den 20er Jahren die Automobilindustrie, das Radio und die Elektrizität für das Fundament der Bubble sorgten, zeichneten im Japan der 80er Jahre die elektronischen Entwicklungen und die Internationalisierung der Automobilbranche dafür verantwortlich. In den 90er Jahren und im angehenden 21. Jahrhundert spielen die Fortschritte im Bereich der Computertechnologie, der Telekommunikation und des Internets die herausragenden Rollen in der Weltwirtschaft, die für eine gefährliche Euphorie sorgen können und manchen Anleger den Kopf verlieren lassen. Wird die Bodenhaftung verloren, steigt die Crashgefahr und mit ihr die Möglichkeit einer Rezession.

An Hand der aus der Krise Japans gewonnenen Erkenntnisse soll hier der Versuch gewagt werden, festzustellen, ob in unserer jetzigen Zeit ähnliche Gefahren in erster Linie in Deutschland lauern können.

Inhaltsverzeichnis:

1. INHALTSVERZEICHNIS 2
2. VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN UND TABELLEN 3
3. EINLEITUNG 4
4. KAPITEL I: INSELMENTALITÄT ODER DER JAPANISCHE WEG ZUR ABSCHOTTUNG 8
4.1 Japan: Ein Land zwischen Traditionen und Moderne 8
4.2 Unternehmensphilosophie unter dem Einfluß der Keiretsu 11
4.3 Das Bankensystem als Kopf der Keiretsu 13
4.4 Die „Großen Vier“ 14
4.5 Die „Deutschland AG“ 16
4.6 Die Eigentumsverteilung japanischer und deutscher Aktien und welchen Einfluß der Privatanleger auf Kursbewegungen hat 19
4.6.1 Aktionärsstruktur 20
4.6.2 Die Bedeutung der Aktionärsstruktur 27
4.6.3 Das private Sparverhalten und seine Bedeutung für die Wirtschaft 31
5. KAPITEL II: AUF DEM WEG ZUM CRASH 38
5.1 Indikatoren der Krise 38
5.1.1 Der amerikanisch-japanische Handelskonflikt 38
5.1.2 Der „Endaka-Schock“ und die Reaktion der Zentralbank 41
5.1.3 Kreditpolitik und Immobilienblase 46
5.1.4 Japanische Unternehmensfinanzierung in wirtschaftlich schwierigem Umfeld 52
5.2 Der Aktienmarkt 54
5.2.1 Das japanische KGV und welche Bedeutung haben traditionelle Bewertungskriterien in der Börsenwelt der Bits und Bytes? 54
5.2.2 Japan 60
5.2.3 1990 - der Beginn des Abschwungs in seiner Struktur und Entwicklung 61
5.2.4 Deutschland 64
5.2.5 Deutschland, auf dem Weg in den Crash? 67
6. KAPITEL III: DER FALL IN DIE DEPRESSION 74
6.1 Die Anfänge 74
6.2 Die Bankenkrise 77
6.3 Staatlich gelenkte Versuche die Rezession zu beenden 80
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 82
8. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 85
9. ANHANG 89

Automatisiert erstellter Textauszug:

2. Je jünger die Anleger sind, desto eher öffnen sie sich der Kapitalanlage in Aktien. Insbesondere die Generationen seit den frühen 70ern, die sogenannten Babyboomer, hat die Faszination der Börse erfaßt. Die nicht durch einen Krieg und seine Folgen, wie dem Verlust des Vermögens, beeinträchtigte Risikobereitschaft läßt immer mehr Menschen die Kapitalanlage in Aktien als Alternative oder Ergänzung zum herkömmlichen Arbeitseinkommen in Betracht ziehen. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Commerzbank zeigt, daß 42 % der 50- bis 59-Jährigen risikoavers sind, während bei den 14- bis 29-Jährigen dieser Anteil auf 22 % zurückgeht.56 Der Einfluß dieser Generationen dürfte zu einer steigenden Nachfrage nach Aktien führen. Selbst diejenigen, die sich als eher uninformiert betrachten und aus diesem Grunde keine Aktien selbst erwerben, investieren lieber in Aktienfonds als in festverzinsliche Wertpapiere und stärken auf diesem Wege ebenfalls den Aktienmarkt. [...]

Der zweite Effekt, neben der Verteilung von Wahlgeschenken, den die Regierung mit der Förderung des privaten Sparverhaltens erzielen wollte, hatte seinen Ursprung in der Absicht, die Fremdkapitalfinanzierung der Unternehmen zu unterstützen (FIKP = Fiskalisches Investitions- und Kreditprogramm). Das Kapital, welches der private Anleger auf seinem Postsparkonto parkte, konnte wiederum an die Unternehmen verliehen werden, die Kredite für Investitionen und Expansion benötigten.54 Der niedrige Zinssatz der Postsparkonten wurde dadurch ermöglicht, daß die Notenbank das Ziel verfolgte, den Markt mit einem günstigen Diskontsatz zu unterstützen, was Teil des „triple merit“ war. Die geldpolitische Unterstützung sorgte für eine hohe Fremdkapitalquote bei den Unternehmen. Fremdkapital war für die Unternehmen durch die sehr niedrigen Zinssätze billiger als die Beschaffung von Eigenkapital über die Börse und zudem einfacher zu beschaffen. Im Bedarfsfall wurde ein Kreditinstitut aus dem eigenen Konglomerat gewählt, wodurch man sich einer eher kulanten Verfahrensweise bei Rückzahlungsproblemen sicher sein konnte. [...]

Ein Grund für diese Diskrepanz ist in der staatlichen Förderung des Sparverhaltens Japans zu suchen. Bis 1988 galt das sogenannte Maruyu-System, das Privatanlegern steuerfreie Einkünfte aus Termin- und Sichteinlagen gewährte, solange ihr Guthaben die Grenze von drei Millionen Yen nicht überschritt. Zur Unterstützung der Sparform wurden mehrere parallel gehaltene Konten toleriert. Dazu war die vom Postministerium in Absprache mit der Regierung gewährte Verzinsung marginal höher als der den privaten Banken erlaubte Zinssatz.50 Das Postsparsystem leistete die höheren Zinsen, da hauptsächlich die ländliche Bevölkerung zu dessen Kundschaft gehörte, und die regierende LDP sehr auf diese Stimmen angewiesen war. Ende des Finanzjahres 1985 entfielen pro Kopf der Gesamtbevölkerung zwei Konten, gleichgültig ob Rentner, Arbeitnehmer oder Säugling. Die Gesamteinlagen betrugen 100,42 Billionen Yen und entsprachen einem Drittel von Japans Bruttosozialprodukt oder dem sechsfachen Gesamtvermögen der Citycorp, der größten Bank der USA. Durch die Umstellung des Maruyu-Systems 1988 wurden die angesparten Gelder für Alternativen wie den Aktienmarkt frei, was zu weiter steigenden Kursen führen mußte.51 [...]

Arbeit zitieren:
Wohlwend, Matthias August 2000: Eine Analyse der Crashgefahr am deutschen Aktienmarkt am Beispiel Japans, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rezession, Aktien, Crash, Deutschland, Japan

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