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Zwischen Amerikabegeisterung und Antiamerikanismus

Die Amerikahäuser in der Bundesrepublik Deutschland 1945-1968

Zwischen Amerikabegeisterung und Antiamerikanismus
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Martin Lehnert
  • Abgabedatum: Juni 2002
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 656,9 KB
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5633-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5633-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5633-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lehnert, Martin Juni 2002: Zwischen Amerikabegeisterung und Antiamerikanismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kluturbeziehungen, Amerikanisierung, Umerziehung, Public Diplomacy, Bookmobile

Magisterarbeit von Martin Lehnert

Einleitung:

„Zwischen Amerikabegeisterung und Antiamerikanismus“, unter diesem Titel untersucht die vorliegende Magisterarbeit die Entstehung und Entwicklung der Amerikahäuser in Deutschland zwischen 1945 und 1968. Neben den drei Hauptteilen der Arbeit, die mit den Überschriften „Pionierarbeit“, „Zeitenwende“ und „Krisenjahre“ bereits die Entwicklungsstufen der Amerikahäuser andeuten, soll in einem Abschlusskapitel noch auf die neuen Herausforderungen und Aufgaben dieser Einrichtungen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 – auch im Sinne eines Forschungsausblickes – eingegangen werden.

Diese Arbeit hat zunächst einmal den Anspruch, die genannten Entwicklungsstufen, die fließend ineinander übergingen, zusammenhängend und umfassend zu beschreiben. Von der eher zufälligen Entstehung der Häuser, die sich Anfang der 1950er Jahre flächendeckend zu echten Gemeindezentren entwickelten (Pionierarbeit), über den Funktionswechsel zur Public Diplomacy, der sich im Laufe der 1950er Jahre vollzog (Zeitenwende), bis schließlich hin zur Studentenbewegung der späten 1960er, die in den Häusern ein Symbol für die amerikanische Politik sah (Krisenjahre). Über die weitgehend chronologische Darstellung hinaus wird diese Arbeit die wichtigen Fragestellungen in den jeweiligen Entwicklungsstufen beantworten. Der inhaltliche Zusammenhalt der verschiedenen Themenbereiche erfordert daher an manchen Stellen der Arbeit, vor allem zu Beginn des dritten Kapitels, zeitliche Brüche. Da die drei Entwicklungsstufen fließend wechselten, lassen sie sich auch nicht an exakten Jahreszahlen festmachen. So stehen auch die Jahresangaben 1945 und 1968 im Titel der Arbeit eher stellvertretend für Beginn beziehungsweise Ende einer Entwicklung und sind keinesfalls als fixe Datumsangabe zu betrachten.

Die vorliegende Arbeit möchte die Geschichte der Amerikahäuser möglichst nah an den Einrichtungen selbst erzählen und analysieren. Daher können die politischen Ereignisse, die in den behandelten Zeitraum fallen – vom Marshall-Plan bis zum Vietnamkrieg – nur im direkten Bezug auf die Amerikahäuser behandelt werden. Als Fußnote wird an diesen Stellen lediglich auf weitere grundlegende Literatur zu dem jeweiligen Themenkomplex verwiesen. Darüber hinaus greift die Arbeit mit den Amerikahäusern ein informations- und kulturpolitisches Thema auf, das bisher recht stiefmütterlich behandelt wurde: Es gibt keine umfassende wissenschaftliche Arbeit, die sich ausschließlich auf die Entwicklung dieser Einrichtungen seit 1945 konzentriert, mit Ausnahme von Hein-Kremers Werk, das sich jedoch nur mit dem Zeitraum bis 1955 beschäftigt. Bezeichnend hingegen ist, wie das Thema in dem hier nicht zu Unrecht häufig zitierten Handbuch von Detlef Junker behandelt wird. Auf insgesamt über 800 Seiten, die den Bereichen Kultur und Gesellschaft gewidmet sind, gibt es nur einen einzigen zusammenhängenden Abschnitt von knapp anderthalb Seiten über die Amerikahäuser selbst. Nicht zuletzt aus diesem Grund war der Verfasser dieser Magisterarbeit auf die Kooperationsbereitschaft der heutigen Amerikahäuser angewiesen. Daher gilt der Dank Kerstin Heckmann vom DAI in Saarbrücken, Katrin Alt vom BAZ in München, Dr. Renate Vollmer vom Amerikahaus in Frankfurt sowie Bernd Herbert vom Kölner Amerikahaus, der sich neben der Korrespondenz per Telefon oder E-Mail auch noch für ein Interview zur Verfügung gestellt hat.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Pionierarbeit: Die Entstehung der Amerikahäuser in Westdeutschland 9
1.1 Reaktion auf Nazipropaganda 11
1.2 Bücher für die „Buchnation“ 13
1.3 Ein vollständiges Amerikahaus in Deutschland 16
1.4 Zwischen Umerziehung und Antikommunismus 19
1.4.1 Erste Ansätze 20
1.4.2 Umerziehung der Deutschen? 21
1.4.3 Strategie der einfachen Eindämmung 25
1.4.4 Gescheiterte Ziele 36
1.5 Ein kompletter Entwicklungszyklus 37
2. Zeitenwende: Die Amerikahäuser in einer Übergangsphase 41
2.1 Beginn der wechselseitigen Kulturpolitik 43
2.2 Neue Amerikahäuser 49
2.3 Neue Aufgaben für neue Amerikahäuser 53
3. Krisenjahre: Sit-ins in den Amerikahäusern 56
3.1 Der linke Antiamerikanismus 58
3.2 Mit den Amerikahäusern gegen Amerika 60
3.3 Dialog in Krisenzeiten 66
4. Nach dem Terror: „Ein großer Teich braucht eine große Brücke“ 68
Zusammenfassung 72
Anhang: Standorte der Amerikahäuser in Deutschland 77
Abkürzungsverzeichnis 80
Literaturliste 81

Automatisiert erstellter Textauszug:

42 ansprachen, sondern mehr und mehr die Nähe zu den Universitäten und anderen Instituten suchten. Einige Amerikahäuser wurden auch direkt den Generalkonsulaten als Kulturabteilungen angegliedert, so beispielsweise das ehemalige Haus in Bremen. Die damit einhergehende Reduzierung auf einige „Kern-Amerikahäuser“ gewährleistete schließlich eine gewisse Vergleichbarkeit der Häuser und ihrer neuen Aufgaben, die im nun Folgenden genauer untersucht werden. In dieser „Periode der Entspannung“106 vor den turbulenten späten 1960er Jahren vollzog sich der Wandel der Amerikahäuser, deren Hauptaufgabe danach in der Public Diplomacy lag. Hinter diesen Entwicklungssträngen – Reduzierung der Amerikahäuser und Lesesäle durch Schließungen beziehungsweise Umwandlungen in andere Einrichtungen sowie Spezialisierung hin zu institutioneller Programmarbeit – standen generelle politische Veränderungen. Die Amerikaner gewährten der jungen Bundesrepublik des auf einigen Gebieten sich. hinzu. mehr [...]

41 2.) Zeitenwende: Die Amerikahäuser in einer Übergangsphase Die positiven Nachwehen der Blütezeit der Amerikahäuser dauerten noch die gesamten 1950er Jahre an.102 Obwohl die Zahl der Amerikahäuser und Lesesäle drastisch reduziert wurde, stieg die Beliebtheit der übriggebliebenen Einrichtungen weiter an. Wer die Angebote in den Häuser einmal kennen gelernt hatte, kehrte meistens wieder regelmäßig dorthin zurück. Der Report 181 des Office of the High Commissioner nannte Mitte Juli 1953 folgende Zahlen: Etwa die Hälfte aller Deutschen in der Bundesrepublik kannte die Amerikahäuser, und wiederum 84 Prozent davon konnten sagen, welche Veranstaltungen dort stattfanden.103 Zum zehnjährigen Bestehen des Frankfurter Amerikahauses veröffentlichte die „Frankfurter Rundschau“ Anfang Mai 1956 einige Zahlen, die dafür sprechen, dass die Angebote in dieser Einrichtung zu der Zeit immer noch überdurchschnittlich gut angenommen wurden. In zehn Jahren seien insgesamt rund 2,6 Millionen Besucher gekommen, und derzeit würden etwa 30.000 bis 40.000 Menschen pro Monat in das Amerikahaus kommen.104 „Wir waren das einzig echte Gemeindezentrum in Frankfurt“105, meinte Hans N. Tuch, der das Frankfurter Haus von 1949 bis 1955 leitete. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen war die Zeit der Amerikahäuser als eine Art Gemeindezentren jedoch spätestens Ende der 1950er Jahre vorbei. 1953 wurde das gesamte amerikanische Kultur- und Informationsprogramm für Deutschland von der United States Information Agency (USIA) beziehungsweise deren Auslandsbüros, den United States Information Services (USIS), übernommen, die unter anderem für Organisation, Struktur und Ausrichtung der Amerikahäuser zuständig waren. Die Häuser entwickelten sich allmählich zu einer Art Kulturkonsulate, die nicht mehr das breite Publikum [...]

39 Versuch, die deutsche Bevölkerung mit Hilfe des Vorbildes Amerika von westlichen Werten wie Demokratie, Freiheit und Frieden zu überzeugen. Nach Ausbruch des Kalten Krieges verteidigten die Amerikaner die genannten westlichen Werte in den Amerikahäusern nicht mehr als Gegenstück zur Nazidiktatur, sondern als Gegenstück zum Sowjetkommunismus. Mit der enormen quantitativen Ausdehnung der Amerikahäuser und Lesesäle sowie dem Beginn der eigentlichen Programmarbeit, kurzum mit der Blütezeit dieser Einrichtungen, begann auch ihre stark antikommunistische Ausrichtung. Hierbei muss aber wieder beachtet werden, dass die Einrichtungen niemals direkte und schnelle Mittel der Propaganda, wie etwa Radio oder Fernsehen, sein konnten. Im Sinne des Grass Roots Approach versuchten die Amerikaner weiterhin, die Deutschen mit Veranstaltungen in deutscher Sprache über amerikanische Themen anzulocken. Zu dieser Herangehensweise gehörten auch die Bookmobiles, mobile Büchereien, welche die Bevölkerung auf dem Land mit den Materialien aus den Amerikahäusern versorgten und unterhielten. Die enorme Ausdehnung der Amerikahäuser und Lesesäle mit Zusatzangeboten wie Bookmobiles hatte zur Folge, dass die Amerikaner, zu dieser Zeit unter dem Einfluss McCarthys stehend, stärker kontrollierten, was in den amerikanischen Zentren angeboten wurde. Die Überprüfungen sollten unter anderem rechtfertigen, dass das enorme Engagement in Deutschland nicht umsonst war. Die Inspektionsreise der Gesandten Cohn und Shine, die unter anderem konkret auf die bundesdeutschen Amerikahäuser abzielte, führte zu einer Propagandakrise. Cohn und Shine, deren Verhalten in ganz Europa auf Protest stieß, sortierten auch in Deutschland großzügig vermeintlich kommunistisches Gedankengut aus. Diese erste Krise in der Geschichte der Amerikahäuser in Deutschland war kein Intermezzo, sondern Resultat des sich verschärfenden Ost-WestKonfliktes. Gleichzeitig war sie allerdings nur einer von vielen Gründen, die zur Wende in der amerikanischen Amerikahaus-Politik führten. Die Amerikaner hatten erkennen müssen, dass sie die Deutschen dort nicht direkt umerziehen konnten. Und tatsächlich lag der große Erfolg der Amerikahäuser und Lesesäle nach dem Krieg größtenteils darin begründet, dass es die ersten [...]

Arbeit zitieren:
Lehnert, Martin Juni 2002: Zwischen Amerikabegeisterung und Antiamerikanismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kluturbeziehungen, Amerikanisierung, Umerziehung, Public Diplomacy, Bookmobile

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