Ambulante Pflegedienste in der Krise
Situationsanalyse und erste Überlegungen zur Problembewältigung
- Art: Studienarbeit
- Autor: Marko Stephan
- Abgabedatum: Dezember 2001
- Umfang: 66 Seiten
- Dateigröße: 1,7 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Plauen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5262-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5262-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5262-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stephan, Marko Dezember 2001: Ambulante Pflegedienste in der Krise, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Pflegeversicherung, Controlling, Wirtschaftlichkeit, Qualitätssicherung, Ambulanter Pflegedienst
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Studienarbeit von Marko Stephan
Einleitung:
In Zeiten vermehrter Reformen im Sozialbereich wird der Trend zu mehr Eigenverantwortung seitens der Leistungserbringer sowie der Leistungsempfänger immer deutlicher. Ambulante Pflegedienste müssen ihre Leistungen seit Einführung der Pflegeversicherung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten qualitätsgesichert anbieten. Auch ein verstärktes Werben um den Pflegebedürftigen, der immer mehr die Rolle des Kunden annimmt - und die damit einhergehende Konkurrenz zwischen den Pflegediensten - sind Zeichen eines sich öffnenden Pflegemarktes. Die daraus resultierenden Ansprüche sind Herausforderung und Schwierigkeit zugleich.
Inhalt dieser Studienarbeit sind die Analyse und Darstellung der Auswirkungen, die in Folge der praktischen Umsetzung der Pflegeversicherung zu erkennen sind. Vor allem das Spannungsfeld aus Wirtschaftlichkeit, Qualitätssicherung und Kundenorientierung ist Betrachtungsgegenstand. Zur Lösung dieser Problemfelder ist der Einsatz von wirtschaftlichen Instrumenten notwendig. Im Rahmen der Studienarbeit wird dabei das Controlling als ein möglicher Lösungsansatz vorgestellt. Aufgrund der speziellen Bedingungen des ambulanten Pflegemarktes macht sich eine Modifizierung des klassischen Controllingverständnisses erforderlich. Diese Anpassung der Controllingsichtweise wird im letzten Teil der Arbeit einführend beschrieben.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Wesen und Angebot der ambulanten Pflegedienste | 6 |
| 2.1 | Bedeutung und Definition der ambulanten Pflegedienste | 6 |
| 2.2 | Leistungen und Leistungsträger der ambulanten Pflegedienste | 9 |
| 2.2.1 | Gesetzliche Krankenversicherung | 10 |
| 2.2.2 | Soziale Pflegeversicherung | 11 |
| 2.2.3 | Sozialhilfeträger | 11 |
| 2.2.4 | Selbstzahler | 12 |
| 3. | Veränderte rechtliche Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die ambulanten Pflegedienste | 13 |
| 3.1 | Problematik der Festpreise | 15 |
| 3.2 | Verlagerung von Zuständigkeiten der Leistungsträger | 17 |
| 3.3 | Nicht refinanzierbare Leistungen | 21 |
| 4. | Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die ambulanten Pflegedienste | 23 |
| 4.1 | Zunehmende Konkurrenz auf dem Pflegemarkt | 23 |
| 4.2 | Wirtschaftliche Auswirkungen der Qualitätssicherung | 26 |
| 4.3 | Verstärkte Orientierung am Pflegebedürftigen | 31 |
| 5. | Ansätze zur Lösung wirtschaftlicher Problemstellungen | 37 |
| 5.1 | Notwendigkeit der wirtschaftlichen Betrachtungsweise | 37 |
| 5.2 | Controlling als ein möglicher Ansatzpunkt | 40 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 44 |
| Literaturverzeichnis | 47 | |
| Verzeichnis der Abbildungen und Anlagen | 50 | |
| Anlage 1: Häusliche Pflegeleistungen der Pflegekasse in Übersicht | 51 | |
| Anlage 2: Ambulanter Leistungskatalog Freistaat Sachsen | 52 | |
| Anlage 3: Konspekt zur Monographie: Gabanyi, Monika: | 55 |
4.3 Verstärkte Orientierung am Pflegebedürftigen Eng verbunden mit den Anforderungen zur Qualitätssicherung sind die Kundenorientierung und Kundenzufriedenheit. Durch die Öffnung des Pflegemarktes begann auch ein Werben um die Pflegebedürftigen und Patienten. Der Patientenbegriff wandelte sich dabei zum Begriff des potentiellen Kunden, der als Versicherungsnehmer leistungsberechtigt ist. Eine ebenfalls starke Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Angehörigen der Pflegebedürftigen, die sozusagen als Mittler zum Pflegedienst fungieren. Nach Auffassung von KUJAWA68) müssen Pflegedienste sich dahingehend ändern, dass sie weg von der reinen Pflegeleistung und hin in ein Dienstleistungsverhältnis mit dem Pflegebedürftigen kommen. Jener muss vom passiv Betroffenen zum aktiv Beteiligten gemacht und auch so verstanden werden. Dies geschieht bisher leider zu wenig. Um den Pflegebedürftigen als potentiellen Kunden zu gewinnen, ist die Präsentation des Pflegedienstes hinsichtlich Leistungsangebot, Pflegeberatung, vorhandene Kapazitäten u. ä. m. Voraussetzung.69) Untersuchungen haben ergeben, dass nur mit einer ausführlichen Beratung Kunden gewonnen werden können.70) Hierbei entstehen nun schon Kosten (vor allem Lohnkosten für die Pflegedienstleitung, die meist dieses Erstgespräch führt) für den Pflegedienst, ohne dass überhaupt ein Vertragsverhältnis zustande gekommen wäre. Auch können diese Kosten – im Falle eines Vertragsabschlusses – nur teilweise von der Pflegekasse refinanziert werden. (Siehe hierzu auch Punkt 3.3). Ein weiteres Problem liegt in der Orientierung der Pflegebedürftigen an den Obergrenzen der Leistungsübernahme seitens der Pflegeversicherung.71) Die Pflegebedürftigen bzw. die Angehörigen werden versuchen, die Leistung der Pflegedienste nur soweit zu beanspruchen, dass sie mit den Obergrenzen der Pflegeversicherung auskommen. [...]
SCHÜLKE, Vorstandssprecher des Arbeitgeber- und Berufsverbandes Häusliche Krankenpflege e. V. (ABVP), bemerkt zum Thema Pflegequalität: „Der Markt wird langsam quantitativ größer und schnell qualitativ anspruchsvoller. Insbesondere durch das Pflege-Qualitätssicherungsgesetz (PQsG) steigen die Anforderungen im organisatorischen und im Verwaltungsbereich erheblich. Die Pflegedienste sind gut beraten, sich dem Thema Qualitätsmanagement systematisch zuzuwenden.“67) Zusammenfassend sei erwähnt, dass gerade die Konsolidierung des Bereiches der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements mit juristisch-bürokratischen Vorschriften zu einer kontraproduktiven und den Erfordernissen unangepassten Ausrichtung führt. Qualitätssicherung wird hierbei zum Druckmittel und nicht zur Hilfe im allseitigen Interesse. Bei aller erforderlichen Gratwanderung darf m. E. nicht nur die Knappheit der verfügbaren finanziellen Mittel entscheiden. Schließlich zwingen nicht Sachen, sondern Menschen, die hinter den Sachen stehen. In einer Gesellschaft könnten Wertentscheidung unter Umständen auch anders ausfallen: Was ist uns denn bei all den zu bedienenden Erwartungen wichtig und was weniger wichtig? Welchen Stellenwert hat der nicht mehr „produktiv“ tätige Mensch? Richtig verstandenes Qualitätsmanagement führt letztlich zu Wirtschaftlichkeit. Um dieses jedoch praktizieren zu können, müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen stimmen. Und dies ist derzeit nicht der Fall! [...]
Zunächst muss dabei eine Qualitätsminderung nicht zwangsläufig auffallen. Tendenziell wird solch ein Pflegedienst aber die Zufriedenheit der Mitarbeiter verringern und damit wiederum die Personalfluktuation begünstigen.62) An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Träger der freien Wohlfahrtspflege bei Konzipierung der Pflegeversicherung vorschlugen, nur einen geringen Anteil des Personals als geringfügig Beschäftigte zuzulassen und dies auch im Gesetz so zu verankern. Jedoch fand der Entwurf keine gesetzliche Beachtung.63) Aus rein betriebswirtschaftlicher Betrachtungsweise könnte man schließlich ableiten, dass ein Pflegedienst möglichst niedrig qualifiziertes Personal einsetzen und die Pflegezeiten auf ein Mindestmaß beschränken sollte, um die noch nicht berücksichtigten Koordinations- und Organisationskosten abzudecken. Auf längere Sicht würde sich das jedoch als Trugschluss erweisen, denn: „(...) Qualität und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze, sondern sie bedingen sich gegenseitig. (...) Je höher der wirtschaftliche Druck, umso notwendiger ist eine breit angelegte Qualitätssicherung (...).“64) Gerade auch im Hinblick auf das Inkrafttreten des Pflege- [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832452629
Arbeit zitieren:
Stephan, Marko Dezember 2001: Ambulante Pflegedienste in der Krise, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Pflegeversicherung, Controlling, Wirtschaftlichkeit, Qualitätssicherung, Ambulanter Pflegedienst



