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Altersregeln und Sexualnormen in ausgewählten Erzähltexten Arthur Schnitzlers

Altersregeln und Sexualnormen in ausgewählten Erzähltexten Arthur Schnitzlers
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Silke Philipsen
  • Abgabedatum: Juli 1996
  • Umfang: 117 Seiten
  • Dateigröße: 6,2 MB
  • Institution / Hochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2078-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2078-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2078-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Philipsen, Silke Juli 1996: Altersregeln und Sexualnormen in ausgewählten Erzähltexten Arthur Schnitzlers, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte:

Magisterarbeit von Silke Philipsen

Einleitung:

Altersregeln und Sexualnormen in ausgewählten Erzähltexten Arthur Schnitzlers - mit dieser Fragestellung sind zwei zentrale Themen des Schnitzlerschen (Eueres berührt, die in unterschiedlichsten Varianten immer wieder erscheinen.

Die Relevanz der Erotikthematik im Werk ist unübersehbar, doch steht Schnitzler damit keineswegs allein, sondern ist in das kulturelle Wissen seiner Ära einzuordnen. Unter Heranziehung der textexternen Voraussetzungen der Jahrhundertwende läßt sich belegen, daß die Auseinandersetzung mit der menschlichen Sexualität durchaus dem Zeitgeist entsprach, daß das Erotische "auf breiteste[r] Basis hoffähig" wurde und sich "als bedeutsamer Bestandteil des Literaturbetriebs" konstituierte. Einen Überblick über jenen "Siegeszug der Sexualität" liefert die "Geschichte des privaten Lebens":

Um 1860 fängt die Geschichte der modernen Sexualität an. Ein unterirdisches Grollen erschütterte die traditionelle Kultur; die erotische Vorstellungswelt wandelte sich. Der Bürger, eingeschlossen in seiner Privatheit, beginnt, unter seiner Moral zu leiden [...].

Gleichzeitig entwickelte sich die Sexualwissenschaft; die "kommende Herrschaft des Sexuellen zeichnete sich ab". Diese scientia sexualis "gliederte das Feld der Erotik, kodifizierte Perversionen und verwarf Verhaltensweisen als pathologisch. Der Bogen spannt sich von Otto Weiningers pseudowissenschaftlicher Abhandlung "Geschlecht und Charakter" über Paul Möbius' Ausführungen "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes" bis zu Richard Kram-Ebings "Psychopathia Sexualis"", die sich in extenso den Formen der als krankhaft empfundenen sexuellen Abweichungen widmet. Eine Außenseiterposition in dieser Reihe bekleidet Lou Andreas-Salome, nicht nur weil sie eine Frau ist, sondern vorrangig weil sie von einer Dämonisierung der Sexualität Abstand nimmt: "Man soll [...] der Erotik ruhig zugestehn, was sie schön und gefahrvoll macht!".

Der Anstieg der ausgesprochen heterogenen Auseinandersetzung mit der Sexualität ist Spiegelbild der latenten Krise des Werte- und Normensystems in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die die Dichter der Frühen Moderne - unter ihnen Arthur Schnitzler - aufgreifen und thematisieren, indem der erotische Normverstoß regelrecht zur Pflicht wird.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 4
1.1 "Der Siegeszug der Sexualität" 4
1.2 Alter und Jugendmythos 5
1.3 Die Arthur Schnitzler-Forschung 7
2. "Leben" und "Nicht-Leben" als "höchste ideologische Werte" in den Texten der Frühen Moderne 14
3. Die Altersklassen und ihre Relation zur Erotik 17
3.1 Kindheit: Kinder als Produkt einer erotischen Verbindung 17
3.2 Das Schwellenalter des Übertritts: Die Pubertät und die Sonderrolle des Abenteurers in der Abenteurernovelle 20
3.3 "Jugend" - das epochale 24
3.3.1 Die temporär befristete Herstellung der Synchronität von metaphorischer und biologischer Jugend in der Traumnovelle 25
3.3.2 Die gesellschaftlichen Normen und die Verhinderung von Erotik 28
3.3.2.1 Normadäquates Verhalten als Ehefrau und Mutter: Absenz von Erotik und Jugend 29
3.3.2.2 Die Witwe und die Relevanz von sexueller Erfahrung 33
3.3.2.3 Die bürgerlichen Berufe als Maßstab für die Altersklassenzuordnung 35
3.3.3 Die nicht-bürgerliche Lebensweise des Künstlers und des Abenteurers als Potential für Jugend und Erotik 38
3.4 Die Alternden 43
3.4.1 Das Schwellenalter des Übertritts 44
3.4.1.1 Frau Berta Garlan 45
3.4.1.2 Doktor Gräsler. Badearzt 47
3.4.2 Die Raumstrukturen 48
3.4.2.1 Das Modell der zweiten Wahl: Rückzug in die Provinzstadt als Antwort auf den Alterungsprozeß 48
3.4.2.2 Die disjunkten Teilräume "oben" versus "unten" 51
3.4.3 Weg-Ziel-Modelle 56
3.4.3.1 Die Parallelisierung von Alters- und Jugendselbstfindung in Frau Beate und ihr Sohn 56
3.4.3.2 Die ambivalente Zwischenphase: Optimismus - Desillusion 60
3.4.3.3 Die endgültige Tilgung von Jugend als spezifisches Problem der Altersselbstfindung 66
3.4.3.3.1 Resignative Selbstfindung am Beispiel von Doktor Gräsler. Badearzt und Frau Berta Garlan 67
3.4.3.3.2 Selbstverlust in Der Tod des Junggesellen und Frau Beate und ihr Sohn 70
4. Die besondere Problematik des Alterns für den erotischen Abenteurer in Casanovas Heimfahrt 75
4.1 Selbstbild(er) und Fremdbilder) 77
4.2 Gesprochene Sprache versus Körpersprache: Aufbau von Scheinwelten 83
4.2.1 Entlarvung der Selbsttäuschung durch Träume 87
4.3 Casanovas Weg-Ziel-Modell 88
4.3.1 Die Defizienzerfahrungen des Umweges 89
4.3.1.1 Das Erotikmodell der zweiten Wahl 89
4.3.1.2 Erzwungene Sexualität 91
4.3.1.3 Die Räume: Der Turm als Phallussymbol versus Marcolinas Zimmer 94
4.3.1.4 Die Funktionalisierung von Politik und Philosophie 97
4.3.2 Das Ziel: Pseudoselbstfindung als Problemlösung der Selbstfindung im Alter 99
5. Fazit 102
6. Literaturverzeichnis 105
6.1 Primärliteratur 105
6.1.1 Arthur Schnitzler 105
6.1.2 Zeitgenössische Texte 105
6.2 Wissenschaftliche Literatur 106
6.2.1 Allgemeine wissenschaftliche Literatur und Hilfsmittel 106
6.2.2 Literaturwissenschaftliche Literatur 106

Arbeit zitieren:
Philipsen, Silke Juli 1996: Altersregeln und Sexualnormen in ausgewählten Erzähltexten Arthur Schnitzlers, Hamburg: Diplomica Verlag

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