Bachelor + Master Publishing
810 Bachelorarbeiten, 531 Masterarbeiten, 10.101 Diplomarbeiten

Alterns- und altersgerechtes Personalmanagement vor dem Hintergrund demografischer Veränderung

Schritte zur Umsetzung des Tarifvertrags 'Lebensarbeitszeit und Demografie' der chemischen Industrie

Alterns- und altersgerechtes Personalmanagement vor dem Hintergrund demografischer Veränderung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Florian M. Naporra
  • Abgabedatum: August 2009
  • Umfang: 186 Seiten
  • Dateigröße: 3,6 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
  • Bibliografie: ca. 245
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4324-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Naporra, Florian M. August 2009: Alterns- und altersgerechtes Personalmanagement vor dem Hintergrund demografischer Veränderung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Demografie, Personalwirtschaft, Tarifvertrag, Personalmanagement, Lebensarbeitszeitkonto

Diplomarbeit von Florian M. Naporra

Problemstellung:

Mit teilweise bedrohlich klingenden Schlagzeilen wie ‘Das Demographie-Problem‘ (Süddeutsche Zeitung, 20.8.2006), die ’Demografiefalle‘ (Die Zeit, 16.5.2007) oder ’Überalterung‘ (Hamburger Abendblatt, 23.10.2007) wird in der Presse immer wieder auf die beiden zentralen demografischen Trends hingewiesen, die Unternehmen in den kommenden Jahren bewältigen müssen: Die Erwerbsbevölkerung wird immer älter und bei der strategischen Ressource qualifizierter Arbeitskräfte ist eine ernst zu nehmende Knappheit absehbar.

Diese Veränderungen erfordern ‘einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel in der Personalpolitik’. Das Personalmanagement steht deswegen vor großen – und teilweise vollkommen neuartigen – Herausforderungen.

‘Problematisch wirkt sich der demografische Wandel insbesondere dann aus, wenn Unternehmen nicht frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um darauf zu reagieren’. Die Sozialpartner der chemischen Industrie in Deutschland haben deswegen 2008 den Tarifvertrag ‘Lebensarbeitszeit und Demografie’ abgeschlossen. Er zielt darauf ab, ‘durch zukunftsfähige Rahmenregelungen eine nachhaltige und vorausschauende Personalpolitik zu ermöglichen’ (Präambel des TLD). Für die Unternehmens- und Personalleitung der Dr. R. Pfleger Chemische Fabrik GmbH gibt der Tarifvertrag einen zusätzlichen Anstoß und Anregungen für die ohnehin geplante, stärker an der demografischen Entwicklung orientierte, Ausgestaltung des personalpolitischen Handelns.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Diplomarbeit unterstützt diesen Veränderungsprozess und die Umsetzung der verpflichtenden Elemente des Tarifvertrags in vier Schritten:

Als erster Schritt (Abschnitt 2.1) erfolgt eine detaillierte Analyse der erwarteten demografischen Veränderungen in Deutschland und im räumlichen Umfeld des Unternehmenssitzes Bamberg. Zielsetzung aus personalpolitischer Sicht ist, deren Auswirkungen auf die zukünftige Altersstruktur und Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu erörtern. Mit Blick auf die Verwendungsalternativen des Demografiefonds werden zudem die absehbaren Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung der Rentenhöhe analysiert.

Die Alterung der Gesellschaft und ein steigendes, durchschnittliches Renteneintrittsalter führen dazu, dass der Altersdurchschnitt von Beschäftigten in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird. Unternehmen stehen deshalb vor der Situation, ihre Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit mit immer mehr älteren Mitarbeitern gewährleisten zu müssen. In einem zweiten Schritt (Abschnitt 2.2) wird deshalb untersucht, wie sich Altern und ein höheres Alter auf Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und damit auf die Produktivität von Mitarbeitern auswirken können. Diese zu erhalten, ist eine zentrale – aber durchaus bewältigbare – Herausforderung für erfolgreiches Personalmanagement. Ziele und allgemeine Handlungsansätze dafür präzisiert Abschnitt 2.3, der auch die Handlungsfelder aufzeigt, die der Tarifvertrag zu diesem Zweck vorsieht.

Als dritter Schritt werden die beiden Aufgaben des Tarifvertrags abgearbeitet, für die eine zeitliche Befristung bis Ende 2009 verbindlich geregelt ist. Das ist erstens (Kapitel 3) die interne ‘Demografieanalyse’ bzw. die Untersuchung der Altersstruktur(en) im Unternehmen und eine Abschätzung von deren voraussichtlicher Entwicklung. Ihre Ergebnisse fließen in die weiteren Ausführungen ein. Zweitens ist die Verwendung des ‘Demografiefonds’ festzulegen, für den das Unternehmen ab 2010 zunächst 300 € pro Mitarbeiter bereitstellen muss (Kapitel 4). Dazu werden die fünf zulässigen Alternativen zur Verwendung dieser Mittel detailliert geprüft, beurteilt und mit ihren Vor- und Nachteilen einander gegenübergestellt.

Kapitel 5 greift die in Abschnitt 2.3 bereits kurz eingeführten personalpolitischen Handlungsfelder auf, da diese Arbeit als vierten Schritt den Zweck verfolgt, einem stärker an den demografischen Herausforderungen ausgerichteten Personalmanagement über den Tarifvertrag hinaus ein wissenschaftliches Fundament zu geben. Personalmanagement wird dabei verstanden als ‘arbeitsteiliger und integrativer Prozess, der die Personalabteilung ebenso betrifft wie die Linienführungskräfte’. Dazu werden die Anforderungen erläutert, welche die einschlägige Literatur an die Gestaltung der Auswirkungen des demografischen Wandelsim Unternehmen stellt, und geeignete Handlungsansätze, sowie auch einige konkrete Maßnahmen in den relevanten Handlungsfeldern dazu aufgezeigt. Die Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung, Arbeitsinhalt und Arbeitszeit, ein geeigneter Personaleinsatz, gute Führung und betriebliche Gesundheitsförderung sind zentrale Handlungsfelder eines alterns- und altersgerechtenPersonalmanagements. Darüber hinaus beleuchtet Kapitel 5 die Aspekte Rekrutierung, Qualifizierung und Bindung von Mitarbeitern, sowie den notwendigen Wissenstransfer v. a. beim Ausscheiden von Wissensträgern. Die Hauptzielsetzung entsprechender Handlungsansätze ist der Erhalt einer leistungsfähigen Belegschaft. Hier gilt es absehbare ‘Verrentungswellen’ zu bewältigen, wenn die ‘Babyboomer’ das Rentenalter erreichen – bei einem zeitgleichen Mangel von qualifizierten Nachwuchskräften am Arbeitsmarkt.

Parallel zu den vier genannten Schritten soll diese Diplomarbeit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Unternehmensleitung, Führungskräfte und Betriebsrat über notwendige (und zum Teil bereits geplante) personalpolitische Veränderungen und Maßnahmen zu informieren und sie für deren Notwendigkeit zu sensibilisieren. Das gleiche gilt für alle Mitarbeiter, die sich für die Thematik interessieren oder in den Umsetzungsprozess eingebunden werden.

Ergänzend wird ein Teil der zitierten Fachliteratur im Unternehmen in Form einer kleinen ‘Bibliothek zum demografischen Wandel’ bereitgestellt. Im Literaturverzeichnis sind die dafür ausgewählten Quellen gekennzeichnet.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGEN 7
1. PROBLEMSTELLUNG UND GANG DER UNTERSUCHUNG 9
2. DIE DEMOGRAFISCHE ENTWICKLUNG ALS HERAUSFORDERUNG FÜR UNTERNEHMEN 12
2.1 Demografischer Wandel in Deutschland, Bayern und Bamberg 12
2.1.1 Begriffe, Abgrenzungen und Einschränkungen 12
2.1.2 Entwicklungen auf der Ebene der Gesamtbevölkerung 13
2.1.2.1 Fertilität und Mortalität 13
2.1.2.2 Migration 15
2.1.2.3 Größe und Struktur der Gesamtbevölkerung 16
2.1.3 Entwicklungen auf der Ebene der Erwerbsbevölkerung 19
2.1.3.1 Größe und Struktur der Erwerbsbevölkerung 19
2.1.3.2 Entwicklungstendenzen am Arbeitsmarkt 22
2.1.3.3 Die Entwicklung der Erwerbs- und Beschäftigungsquoten 23
2.1.4 Die wichtigsten Auswirkungen im Kontext dieser Arbeit 26
2.1.4.1 Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften 26
2.1.4.2 Auswirkungen auf die gesetzliche Altersversorgung 28
2.2 Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Produktivität älterer Mitarbeiter 30
2.2.1 Begriffe 31
2.2.2 Einflussfaktoren der Arbeitsleistung und Auswirkungen von Arbeit 32
2.2.3 Der Einfluss von Altern und Alter auf Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft 35
2.2.3.1 Funktionelle Leistungsfähigkeit und Gesundheit 36
2.2.3.2 Qualifikation und berufliche Handlungskompetenz 39
2.2.3.3 Leistungsbereitschaft 40
2.2.3.4 Stärken und Schwächen jüngerer und älterer Mitarbeiter 41
2.3 Zielsetzungen und Handlungsfelder zur Gestaltung der Auswirkungen des demografischen Wandels 42
2.3.1 Allgemeine Notwendigkeit und Zielsetzung 42
2.3.1.1 Erhalt von funktioneller Leistungsfähigkeit und Gesundheit 43
2.3.1.2 Erhalt von Qualifikation und beruflicher Handlungskompetenz 44
2.3.1.3 Erhalt der Leistungsbereitschaft 45
2.3.2 Handlungsfelder des Tarifvertrags ‘Lebensarbeitszeit und Demografie’ der chemischen Industrie 45
2.3.3 Bewertung und Durchsetzung von Maßnahmen 46
3. UNTERNEHMENSPRÄSENTATION UND INTERNE DEMOGRAFIEANALYSE 48
3.1 Die Dr. R. Pfleger Chemische Fabrik GmbH 48
3.1.1 Unternehmen 48
3.1.2 Organisations- und Qualifikationsstruktur 48
3.2 Interne Demografieanalyse 49
3.2.1 Tarifliche Vorgaben und Zielsetzung 49
3.2.2 Analyse der Gesamtbelegschaft 50
3.2.3 Analyse verschiedener Funktionsgruppen 53
3.2.4 Zwischenfazit 54
4. VERWENDUNG DES DEMOGRAFIEFONDS 55
4.1 Allgemeine Regelungen und Überblick 55
4.2 Betriebsvereinbarung zum Demografiefonds 56
4.3 Beurteilung der Alternativen zur Gestaltung eines vorzeitigen oder gleitenden Übergangs in den Ruhestand 56
4.3.1 Optionen außerhalb des Demografiefonds 57
4.3.1.1 Individuelle betriebliche Förderung 58
4.3.1.2 Vorzeitiger Zugriff auf die betriebliche oder private Altersversorgung 58
4.3.1.3 Vorzeitiger Zugriff auf die gesetzliche Altersrente 59
4.3.2 Langzeitkonten 63
4.3.3 Altersteilzeit 67
4.3.4 Teilrente 70
4.3.4.1 Förderung von Teilrente bei Teilzeitarbeit 70
4.3.4.2 Förderung von Teilrente bei Freistellung 72
4.4 Beurteilung der Vorsorgemodelle 74
4.4.1 Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Chemie (BUC) 74
4.4.2 Tarifliche Altersvorsorge 76
4.4.2.1 Allgemeine tarifliche Förderung der betrieblichen Altersvorsorge 76
4.4.2.2 Durchführungswege der Altersvorsorge bei Pfleger und deren bisherige Inanspruchnahme 76
4.4.2.3 Förderung durch den Demografiefonds 78
4.5 Fazit zur Verwendung des Demografiefonds 79
5. ANSATZPUNKTE EINES DEMOGRAFIEORIENTIERTEN PERSONALMANAGEMENTS 81
5.1 Gestaltung der Arbeit 81
5.1.1 Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung 81
5.1.1.1 Allgemeine ergonomische Anforderungen 82
5.1.1.2 Spezifische Gestaltungshinweise für Büroarbeit und Außendienst 82
5.1.1.3 Einsatz geeigneter Arbeitsmittel 83
5.1.1.4 Gestaltung der Arbeitsumgebung 84
5.1.2 Gestaltung von Arbeitsaufgabe bzw. -inhalt 84
5.1.3 Alternsgerechter Personaleinsatz 86
5.1.3.1 Individuelle Laufbahnplanung 87
5.1.3.2 Job-Rotation 89
5.1.3.3 Spezielle Einsatzfelder für ältere Mitarbeiter 90
5.1.3.4 Betriebliches Eingliederungsmanagement 91
5.2 Gestaltung der Arbeitszeit 91
5.2.1 Alterns- und altersbedingte Herausforderungen an die Arbeitszeitgestaltung 92
5.2.2 Allgemeine Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung im Innendienst 93
5.2.2.1 Flexible Einteilung der individuellen Arbeitszeit 93
5.2.2.2 Individuelle Verringerung der Regelarbeitszeit 94
5.2.2.3 Optionen für Freistellungen von der Arbeit 95
5.2.2.4 Gewährung von Erholungspausen 96
5.2.2.5 Gleitender und vorzeitiger Übergang in den Ruhestand 96
5.2.3 Alternsgerechte Ausgestaltung der Schichtarbeit 97
5.2.3.1 Spezifische Belastungen durch Schichtarbeit 97
5.2.3.2 Schichtplangestaltung 99
5.2.3.3 Berücksichtigung individueller Faktoren 100
5.2.3.4 Weitere verhältnispräventive Ansatzpunkte 101
5.2.3.5 Entwicklung und Implementierung neuer Schichtmodelle 101
5.2.4 Gestaltung der Arbeitszeit im Außendienst 102
5.3 Betriebliche Gesundheitsförderung 103
5.3.1 Begriffe und Abgrenzungen 103
5.3.2 Verhaltenspräventive Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung 104
5.3.2.1 Förderung des individuellen Gesundheitsbewusstseins 104
5.3.2.2 Stressprävention 105
5.3.2.3 Förderung von Bewegung 105
5.3.2.4 Förderung einer gesunden Ernährung 106
5.3.2.5 Suchtprävention und Nichtraucherschutz 106
5.3.2.6 Vorsorgeuntersuchungen und individuelle Gesundheitsberatung 107
5.3.2.7 Spezielle Empfehlungen für Mitarbeiter im Schichtdienst 107
5.3.2.8 Spezifische Angebote für Mitarbeiter im Außendienst 108
5.4 Qualifizierung der Mitarbeiter 108
5.4.1 Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs und Qualifizierungsplanung 108
5.4.2 Qualifizierungsangebote für Pfleger-Mitarbeiter 109
5.4.3 Motivierung älterer Mitarbeiter zur Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen 110
5.4.4 Aspekte einer altersgerechten Didaktik 111
5.4.5 Arbeitsintegriertes Lernen 114
5.5 Gewinnung neuer Mitarbeiter 115
5.5.1 Förderung des Arbeitgeberimages 115
5.5.2 Berufsausbildung 115
5.5.3 Rekrutierung von Fach- und Führungskräften 115
5.5.4 Langfristige Personalbedarfsplanung 117
5.5.5 Gestaltung der Altersstrukturen im Betrieb 118
5.6 Erfahrungs- und Wissenstransfer 118
5.6.1 Wissen 118
5.6.2 Wissenstransfer als Herausforderung zur Sicherung des Betriebswissens 119
5.6.3 Barrieren des Wissenstransfers 120
5.6.4 Organisatorische Umsetzung des Wissenstransfers 121
5.7 Führung, Motivierung und Bindung bestehender Mitarbeiter 122
5.7.1 Gute Führung und deren zentrale Bedeutung 122
5.7.2 Merkmale einer altersgerechten Führung 124
5.7.3 Handlungsempfehlungen für Pfleger 125
5.7.4 Retention Management zur Mitarbeiterbindung 125
5.8 Abschließende Umsetzungsempfehlungen 127
5.8.1 Sensibilisierung von Mitarbeitern und Führungskräften für die Notwendigkeit einer demografieorientierten Personalpolitik 127
5.8.2 Implementierung eines weit gefassten betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) 128
5.8.2.1 BGM als ‘Dachkonzept’ für alterns- und altersgerechtes Personalmanagement 128
5.8.2.2 Einbindung von Mitarbeitern und externen Experten 129
5.8.2.3 Ablauf und Inhalte von BGM-Projekten 130
5.8.3 Umsetzung weiterer Handlungsansätze 132
6. FAZIT UND AUSBLICK 133
VERSICHERUNG 135
LITERATURVERZEICHNIS 136
ABBILDUNGEN 152
TABELLEN 154
ANHANG A: ERGÄNZUNGEN 155
ANHANG B: GESETZESTEXTE 179

Textprobe:

Kapitel 4.3.3, ALTERSTEILZEIT:

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Altersteilzeit ein bewährtes Modell ist, das sich aufgrund der arbeitnehmerfreundlichen Regelungen hoher Akzeptanz erfreut, und das als einzige Regelung des Tarifvertrags ein vollständiges Ausscheiden schon ab 61 Jahren ermöglicht (bei 4 Jahren Altersteilzeit im Blockmodell zwischen 59 und 63 Jahren, und anschließender vorgezogener Altersrente). Auch bei Pfleger ist davon auszugehen, dass der Bedarf für ein früheres Ausscheiden bei vielen Mitarbeitern aus mehr oder weniger zwingenden Gründen vorhanden ist. Die extrem hohen, tariflich festgelegten Kosten des Einzelfalls würden aber eine Beschränkung auf einen kleinen Teil der daran Interessierten notwendig machen – beispielsweise nur auf Mitarbeiter, bei denen ein früheres Ausscheiden aus gesundheitlichen Gründen unabwendbar ist. Eine dementsprechende Zugangs-Regelung zu konstruieren, für die Betriebsvereinbarung auszuformulieren, und praktikabel umzusetzen scheint jedoch kaum möglich zu sein.

Gravierende Konflikte zwischen Mitarbeitern, Betriebsrat und Personalleitung über die Zulassung zur Altersteilzeit wären die zu erwartende Folge – möglicherweise ergänzt durch einen Anreiz für Mitarbeiter, frühzeitig gesundheitliche Beschwerden durch unnötige Arztbesuche und Fehlzeiten zum Ausdruck zu bringen. Deshalb wäre eine Entscheidung für die Altersteilzeit mit Risiken in Bezug auf Betriebsklima und Produktivität verbunden. Altersteilzeit wurde daher einvernehmlich abgelehnt, obwohl sie zu Beginn der Analyse von den Betriebsparteien favorisiert wurde.

TEILRENTE:

Nach §10 TLD sieht der Tarifvertrag als dritte Verwendungsmöglichkeit des Demografiefonds eine Förderung bei Inanspruchnahme von Teilrente vor. Dass dazu keinerlei weitere Regelungen getroffen wurden, ist vermutlich auf deren geringe Popularität zurückzuführen. So wird Teilrente auch von Verbands- wie Gewerkschaftsseite stiefmütterlich behandelt und ihre Förderung durch den Demografiefonds kaum ernsthaft in Erwägung gezogen. Eine sehr intensive interne Auseinandersetzung damit zeigte jedoch, dass Teilrente in bestimmten Fällen hochattraktiv sein kann – ohne Förderung (s. o.) oder mit einer Förderung durch den Demografiefonds. Diese würde einfach in Aufstockungszahlungen bestehen. Nach Absprache mit Renten- und Krankenversicherungsträgern werden diese als ‘freiwillige Unterstützungsleistungen’ bezeichnet. Ihre Höhe und Bedingungen wären im Rahmen der Betriebsvereinbarung vollkommen frei festlegbar. Denkbar sind etwa fixe Förderbeträge pro Person und Monat, Beträge proportional zum Einkommen oder eine Aufstockung auf 85% des bisherigen Nettoentgelts (analog zur Altersteilzeit). Damit sind unter Beachtung der Hinzuverdienstgrenzen folgende drei Parameter festzulegen: Umfang der Teilzeitarbeit (ggf. vollständige Freistellung), Höhe der Teilrente und Höhe der Förderung durch den Demografiefonds. Daraus ergeben sich zahllose Variationsmöglichkeiten, deren Komplexität eines der Argumente gegen die Wahl von Teilrente war.

Kapite 5.1.2, GESTALTUNG VON ARBEITSAUFGABE BZW. –INHALT:

‘Der Arbeitsinhalt ist der wichtigste Motivator’ und einer der zentralen Bestimmungsfaktoren v. a. für die psychische Arbeitsbelastung, der Mitarbeiter ausgesetzt sind. Eine mangelhafte Aufgabengestaltung bedeutet deshalb eine Gefährdung der psychischen Gesundheit. Damit die Arbeitsaufgabe motivations-, persönlichkeits- und gesundheitsförderlich ist, sollten bestimmte Gestaltungsempfehlungen beachtet werden. ‘Die zentrale psychologische Dimension … ist [dabei] die Erweiterung des Handlungsspielraums’, weil diese auch die anderen Merkmale mit bedingt. Entsprechend dem auch in der Berufspädagogik angestrebten Prinzip der ‘vollständigen Handlung’ sollten vollständige Arbeitsaufgaben möglichst durch folgende Merkmale bzw. Elemente charakterisiert sein: Selbstständiges Setzen von Zielen, Handlungsvorbereitungen und Auswahl der Mittel zur Zielerreichung, selbstständige Kontrolle und Feedback von außen. Eine solche, vertikale ‘Bereicherung’ oder ‘Anreicherung’ der Arbeit durch vor-, nach- und nebengelagerte Teilaufgaben wird als ‘Job-Enrichment’ bezeichnet. Es trägt zur Befriedigung der ‘menschlichen Bedürfnisse nach Verantwortung, Selbstbestimmung, Leistung , … Selbstverwirklichung und nach Gefordertsein’ bei. Für ältere Berufstätige sind Autonomie und Selbstständigkeit noch wichtiger als für Jüngere.

Arbeit zitieren:
Naporra, Florian M. August 2009: Alterns- und altersgerechtes Personalmanagement vor dem Hintergrund demografischer Veränderung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Demografie, Personalwirtschaft, Tarifvertrag, Personalmanagement, Lebensarbeitszeitkonto

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren