Alterns- und altersgerechtes Personalmanagement vor dem Hintergrund demografischer Veränderung
Schritte zur Umsetzung des Tarifvertrags 'Lebensarbeitszeit und Demografie' der chemischen Industrie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Florian M. Naporra
- Abgabedatum: August 2009
- Umfang: 186 Seiten
- Dateigröße: 3,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
- Bibliografie: ca. 245
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4324-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Naporra, Florian M. August 2009: Alterns- und altersgerechtes Personalmanagement vor dem Hintergrund demografischer Veränderung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Demografie, Personalwirtschaft, Tarifvertrag, Personalmanagement, Lebensarbeitszeitkonto
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Diplomarbeit von Florian M. Naporra
Problemstellung:
Mit teilweise bedrohlich klingenden Schlagzeilen wie ‘Das Demographie-Problem‘ (Süddeutsche Zeitung, 20.8.2006), die ’Demografiefalle‘ (Die Zeit, 16.5.2007) oder ’Überalterung‘ (Hamburger Abendblatt, 23.10.2007) wird in der Presse immer wieder auf die beiden zentralen demografischen Trends hingewiesen, die Unternehmen in den kommenden Jahren bewältigen müssen: Die Erwerbsbevölkerung wird immer älter und bei der strategischen Ressource qualifizierter Arbeitskräfte ist eine ernst zu nehmende Knappheit absehbar.
Diese Veränderungen erfordern ‘einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel in der Personalpolitik’. Das Personalmanagement steht deswegen vor großen – und teilweise vollkommen neuartigen – Herausforderungen.
‘Problematisch wirkt sich der demografische Wandel insbesondere dann aus, wenn Unternehmen nicht frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um darauf zu reagieren’. Die Sozialpartner der chemischen Industrie in Deutschland haben deswegen 2008 den Tarifvertrag ‘Lebensarbeitszeit und Demografie’ abgeschlossen. Er zielt darauf ab, ‘durch zukunftsfähige Rahmenregelungen eine nachhaltige und vorausschauende Personalpolitik zu ermöglichen’ (Präambel des TLD). Für die Unternehmens- und Personalleitung der Dr. R. Pfleger Chemische Fabrik GmbH gibt der Tarifvertrag einen zusätzlichen Anstoß und Anregungen für die ohnehin geplante, stärker an der demografischen Entwicklung orientierte, Ausgestaltung des personalpolitischen Handelns.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Diplomarbeit unterstützt diesen Veränderungsprozess und die Umsetzung der verpflichtenden Elemente des Tarifvertrags in vier Schritten:
Als erster Schritt (Abschnitt 2.1) erfolgt eine detaillierte Analyse der erwarteten demografischen Veränderungen in Deutschland und im räumlichen Umfeld des Unternehmenssitzes Bamberg. Zielsetzung aus personalpolitischer Sicht ist, deren Auswirkungen auf die zukünftige Altersstruktur und Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu erörtern. Mit Blick auf die Verwendungsalternativen des Demografiefonds werden zudem die absehbaren Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung der Rentenhöhe analysiert.
Die Alterung der Gesellschaft und ein steigendes, durchschnittliches Renteneintrittsalter führen dazu, dass der Altersdurchschnitt von Beschäftigten in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird. Unternehmen stehen deshalb vor der Situation, ihre Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit mit immer mehr älteren Mitarbeitern gewährleisten zu müssen. In einem zweiten Schritt (Abschnitt 2.2) wird deshalb untersucht, wie sich Altern und ein höheres Alter auf Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und damit auf die Produktivität von Mitarbeitern auswirken können. Diese zu erhalten, ist eine zentrale – aber durchaus bewältigbare – Herausforderung für erfolgreiches Personalmanagement. Ziele und allgemeine Handlungsansätze dafür präzisiert Abschnitt 2.3, der auch die Handlungsfelder aufzeigt, die der Tarifvertrag zu diesem Zweck vorsieht.
Als dritter Schritt werden die beiden Aufgaben des Tarifvertrags abgearbeitet, für die eine zeitliche Befristung bis Ende 2009 verbindlich geregelt ist. Das ist erstens (Kapitel 3) die interne ‘Demografieanalyse’ bzw. die Untersuchung der Altersstruktur(en) im Unternehmen und eine Abschätzung von deren voraussichtlicher Entwicklung. Ihre Ergebnisse fließen in die weiteren Ausführungen ein. Zweitens ist die Verwendung des ‘Demografiefonds’ festzulegen, für den das Unternehmen ab 2010 zunächst 300 € pro Mitarbeiter bereitstellen muss (Kapitel 4). Dazu werden die fünf zulässigen Alternativen zur Verwendung dieser Mittel detailliert geprüft, beurteilt und mit ihren Vor- und Nachteilen einander gegenübergestellt.
Kapitel 5 greift die in Abschnitt 2.3 bereits kurz eingeführten personalpolitischen Handlungsfelder auf, da diese Arbeit als vierten Schritt den Zweck verfolgt, einem stärker an den demografischen Herausforderungen ausgerichteten Personalmanagement über den Tarifvertrag hinaus ein wissenschaftliches Fundament zu geben. Personalmanagement wird dabei verstanden als ‘arbeitsteiliger und integrativer Prozess, der die Personalabteilung ebenso betrifft wie die Linienführungskräfte’. Dazu werden die Anforderungen erläutert, welche die einschlägige Literatur an die Gestaltung der Auswirkungen des demografischen Wandelsim Unternehmen stellt, und geeignete Handlungsansätze, sowie auch einige konkrete Maßnahmen in den relevanten Handlungsfeldern dazu aufgezeigt. Die Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung, Arbeitsinhalt und Arbeitszeit, ein geeigneter Personaleinsatz, gute Führung und betriebliche Gesundheitsförderung sind zentrale Handlungsfelder eines alterns- und altersgerechtenPersonalmanagements. Darüber hinaus beleuchtet Kapitel 5 die Aspekte Rekrutierung, Qualifizierung und Bindung von Mitarbeitern, sowie den notwendigen Wissenstransfer v. a. beim Ausscheiden von Wissensträgern. Die Hauptzielsetzung entsprechender Handlungsansätze ist der Erhalt einer leistungsfähigen Belegschaft. Hier gilt es absehbare ‘Verrentungswellen’ zu bewältigen, wenn die ‘Babyboomer’ das Rentenalter erreichen – bei einem zeitgleichen Mangel von qualifizierten Nachwuchskräften am Arbeitsmarkt.
Parallel zu den vier genannten Schritten soll diese Diplomarbeit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Unternehmensleitung, Führungskräfte und Betriebsrat über notwendige (und zum Teil bereits geplante) personalpolitische Veränderungen und Maßnahmen zu informieren und sie für deren Notwendigkeit zu sensibilisieren. Das gleiche gilt für alle Mitarbeiter, die sich für die Thematik interessieren oder in den Umsetzungsprozess eingebunden werden.
Ergänzend wird ein Teil der zitierten Fachliteratur im Unternehmen in Form einer kleinen ‘Bibliothek zum demografischen Wandel’ bereitgestellt. Im Literaturverzeichnis sind die dafür ausgewählten Quellen gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGEN | 7 | |
| 1. | PROBLEMSTELLUNG UND GANG DER UNTERSUCHUNG | 9 |
| 2. | DIE DEMOGRAFISCHE ENTWICKLUNG ALS HERAUSFORDERUNG FÜR UNTERNEHMEN | 12 |
| 2.1 | Demografischer Wandel in Deutschland, Bayern und Bamberg | 12 |
| 2.1.1 | Begriffe, Abgrenzungen und Einschränkungen | 12 |
| 2.1.2 | Entwicklungen auf der Ebene der Gesamtbevölkerung | 13 |
| 2.1.2.1 | Fertilität und Mortalität | 13 |
| 2.1.2.2 | Migration | 15 |
| 2.1.2.3 | Größe und Struktur der Gesamtbevölkerung | 16 |
| 2.1.3 | Entwicklungen auf der Ebene der Erwerbsbevölkerung | 19 |
| 2.1.3.1 | Größe und Struktur der Erwerbsbevölkerung | 19 |
| 2.1.3.2 | Entwicklungstendenzen am Arbeitsmarkt | 22 |
| 2.1.3.3 | Die Entwicklung der Erwerbs- und Beschäftigungsquoten | 23 |
| 2.1.4 | Die wichtigsten Auswirkungen im Kontext dieser Arbeit | 26 |
| 2.1.4.1 | Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften | 26 |
| 2.1.4.2 | Auswirkungen auf die gesetzliche Altersversorgung | 28 |
| 2.2 | Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Produktivität älterer Mitarbeiter | 30 |
| 2.2.1 | Begriffe | 31 |
| 2.2.2 | Einflussfaktoren der Arbeitsleistung und Auswirkungen von Arbeit | 32 |
| 2.2.3 | Der Einfluss von Altern und Alter auf Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft | 35 |
| 2.2.3.1 | Funktionelle Leistungsfähigkeit und Gesundheit | 36 |
| 2.2.3.2 | Qualifikation und berufliche Handlungskompetenz | 39 |
| 2.2.3.3 | Leistungsbereitschaft | 40 |
| 2.2.3.4 | Stärken und Schwächen jüngerer und älterer Mitarbeiter | 41 |
| 2.3 | Zielsetzungen und Handlungsfelder zur Gestaltung der Auswirkungen des demografischen Wandels | 42 |
| 2.3.1 | Allgemeine Notwendigkeit und Zielsetzung | 42 |
| 2.3.1.1 | Erhalt von funktioneller Leistungsfähigkeit und Gesundheit | 43 |
| 2.3.1.2 | Erhalt von Qualifikation und beruflicher Handlungskompetenz | 44 |
| 2.3.1.3 | Erhalt der Leistungsbereitschaft | 45 |
| 2.3.2 | Handlungsfelder des Tarifvertrags ‘Lebensarbeitszeit und Demografie’ der chemischen Industrie | 45 |
| 2.3.3 | Bewertung und Durchsetzung von Maßnahmen | 46 |
| 3. | UNTERNEHMENSPRÄSENTATION UND INTERNE DEMOGRAFIEANALYSE | 48 |
| 3.1 | Die Dr. R. Pfleger Chemische Fabrik GmbH | 48 |
| 3.1.1 | Unternehmen | 48 |
| 3.1.2 | Organisations- und Qualifikationsstruktur | 48 |
| 3.2 | Interne Demografieanalyse | 49 |
| 3.2.1 | Tarifliche Vorgaben und Zielsetzung | 49 |
| 3.2.2 | Analyse der Gesamtbelegschaft | 50 |
| 3.2.3 | Analyse verschiedener Funktionsgruppen | 53 |
| 3.2.4 | Zwischenfazit | 54 |
| 4. | VERWENDUNG DES DEMOGRAFIEFONDS | 55 |
| 4.1 | Allgemeine Regelungen und Überblick | 55 |
| 4.2 | Betriebsvereinbarung zum Demografiefonds | 56 |
| 4.3 | Beurteilung der Alternativen zur Gestaltung eines vorzeitigen oder gleitenden Übergangs in den Ruhestand | 56 |
| 4.3.1 | Optionen außerhalb des Demografiefonds | 57 |
| 4.3.1.1 | Individuelle betriebliche Förderung | 58 |
| 4.3.1.2 | Vorzeitiger Zugriff auf die betriebliche oder private Altersversorgung | 58 |
| 4.3.1.3 | Vorzeitiger Zugriff auf die gesetzliche Altersrente | 59 |
| 4.3.2 | Langzeitkonten | 63 |
| 4.3.3 | Altersteilzeit | 67 |
| 4.3.4 | Teilrente | 70 |
| 4.3.4.1 | Förderung von Teilrente bei Teilzeitarbeit | 70 |
| 4.3.4.2 | Förderung von Teilrente bei Freistellung | 72 |
| 4.4 | Beurteilung der Vorsorgemodelle | 74 |
| 4.4.1 | Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Chemie (BUC) | 74 |
| 4.4.2 | Tarifliche Altersvorsorge | 76 |
| 4.4.2.1 | Allgemeine tarifliche Förderung der betrieblichen Altersvorsorge | 76 |
| 4.4.2.2 | Durchführungswege der Altersvorsorge bei Pfleger und deren bisherige Inanspruchnahme | 76 |
| 4.4.2.3 | Förderung durch den Demografiefonds | 78 |
| 4.5 | Fazit zur Verwendung des Demografiefonds | 79 |
| 5. | ANSATZPUNKTE EINES DEMOGRAFIEORIENTIERTEN PERSONALMANAGEMENTS | 81 |
| 5.1 | Gestaltung der Arbeit | 81 |
| 5.1.1 | Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung | 81 |
| 5.1.1.1 | Allgemeine ergonomische Anforderungen | 82 |
| 5.1.1.2 | Spezifische Gestaltungshinweise für Büroarbeit und Außendienst | 82 |
| 5.1.1.3 | Einsatz geeigneter Arbeitsmittel | 83 |
| 5.1.1.4 | Gestaltung der Arbeitsumgebung | 84 |
| 5.1.2 | Gestaltung von Arbeitsaufgabe bzw. -inhalt | 84 |
| 5.1.3 | Alternsgerechter Personaleinsatz | 86 |
| 5.1.3.1 | Individuelle Laufbahnplanung | 87 |
| 5.1.3.2 | Job-Rotation | 89 |
| 5.1.3.3 | Spezielle Einsatzfelder für ältere Mitarbeiter | 90 |
| 5.1.3.4 | Betriebliches Eingliederungsmanagement | 91 |
| 5.2 | Gestaltung der Arbeitszeit | 91 |
| 5.2.1 | Alterns- und altersbedingte Herausforderungen an die Arbeitszeitgestaltung | 92 |
| 5.2.2 | Allgemeine Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung im Innendienst | 93 |
| 5.2.2.1 | Flexible Einteilung der individuellen Arbeitszeit | 93 |
| 5.2.2.2 | Individuelle Verringerung der Regelarbeitszeit | 94 |
| 5.2.2.3 | Optionen für Freistellungen von der Arbeit | 95 |
| 5.2.2.4 | Gewährung von Erholungspausen | 96 |
| 5.2.2.5 | Gleitender und vorzeitiger Übergang in den Ruhestand | 96 |
| 5.2.3 | Alternsgerechte Ausgestaltung der Schichtarbeit | 97 |
| 5.2.3.1 | Spezifische Belastungen durch Schichtarbeit | 97 |
| 5.2.3.2 | Schichtplangestaltung | 99 |
| 5.2.3.3 | Berücksichtigung individueller Faktoren | 100 |
| 5.2.3.4 | Weitere verhältnispräventive Ansatzpunkte | 101 |
| 5.2.3.5 | Entwicklung und Implementierung neuer Schichtmodelle | 101 |
| 5.2.4 | Gestaltung der Arbeitszeit im Außendienst | 102 |
| 5.3 | Betriebliche Gesundheitsförderung | 103 |
| 5.3.1 | Begriffe und Abgrenzungen | 103 |
| 5.3.2 | Verhaltenspräventive Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung | 104 |
| 5.3.2.1 | Förderung des individuellen Gesundheitsbewusstseins | 104 |
| 5.3.2.2 | Stressprävention | 105 |
| 5.3.2.3 | Förderung von Bewegung | 105 |
| 5.3.2.4 | Förderung einer gesunden Ernährung | 106 |
| 5.3.2.5 | Suchtprävention und Nichtraucherschutz | 106 |
| 5.3.2.6 | Vorsorgeuntersuchungen und individuelle Gesundheitsberatung | 107 |
| 5.3.2.7 | Spezielle Empfehlungen für Mitarbeiter im Schichtdienst | 107 |
| 5.3.2.8 | Spezifische Angebote für Mitarbeiter im Außendienst | 108 |
| 5.4 | Qualifizierung der Mitarbeiter | 108 |
| 5.4.1 | Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs und Qualifizierungsplanung | 108 |
| 5.4.2 | Qualifizierungsangebote für Pfleger-Mitarbeiter | 109 |
| 5.4.3 | Motivierung älterer Mitarbeiter zur Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen | 110 |
| 5.4.4 | Aspekte einer altersgerechten Didaktik | 111 |
| 5.4.5 | Arbeitsintegriertes Lernen | 114 |
| 5.5 | Gewinnung neuer Mitarbeiter | 115 |
| 5.5.1 | Förderung des Arbeitgeberimages | 115 |
| 5.5.2 | Berufsausbildung | 115 |
| 5.5.3 | Rekrutierung von Fach- und Führungskräften | 115 |
| 5.5.4 | Langfristige Personalbedarfsplanung | 117 |
| 5.5.5 | Gestaltung der Altersstrukturen im Betrieb | 118 |
| 5.6 | Erfahrungs- und Wissenstransfer | 118 |
| 5.6.1 | Wissen | 118 |
| 5.6.2 | Wissenstransfer als Herausforderung zur Sicherung des Betriebswissens | 119 |
| 5.6.3 | Barrieren des Wissenstransfers | 120 |
| 5.6.4 | Organisatorische Umsetzung des Wissenstransfers | 121 |
| 5.7 | Führung, Motivierung und Bindung bestehender Mitarbeiter | 122 |
| 5.7.1 | Gute Führung und deren zentrale Bedeutung | 122 |
| 5.7.2 | Merkmale einer altersgerechten Führung | 124 |
| 5.7.3 | Handlungsempfehlungen für Pfleger | 125 |
| 5.7.4 | Retention Management zur Mitarbeiterbindung | 125 |
| 5.8 | Abschließende Umsetzungsempfehlungen | 127 |
| 5.8.1 | Sensibilisierung von Mitarbeitern und Führungskräften für die Notwendigkeit einer demografieorientierten Personalpolitik | 127 |
| 5.8.2 | Implementierung eines weit gefassten betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) | 128 |
| 5.8.2.1 | BGM als ‘Dachkonzept’ für alterns- und altersgerechtes Personalmanagement | 128 |
| 5.8.2.2 | Einbindung von Mitarbeitern und externen Experten | 129 |
| 5.8.2.3 | Ablauf und Inhalte von BGM-Projekten | 130 |
| 5.8.3 | Umsetzung weiterer Handlungsansätze | 132 |
| 6. | FAZIT UND AUSBLICK | 133 |
| VERSICHERUNG | 135 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 136 | |
| ABBILDUNGEN | 152 | |
| TABELLEN | 154 | |
| ANHANG A: ERGÄNZUNGEN | 155 | |
| ANHANG B: GESETZESTEXTE | 179 |
Textprobe:
Kapitel 4.3.3, ALTERSTEILZEIT:
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Altersteilzeit ein bewährtes Modell ist, das sich aufgrund der arbeitnehmerfreundlichen Regelungen hoher Akzeptanz erfreut, und das als einzige Regelung des Tarifvertrags ein vollständiges Ausscheiden schon ab 61 Jahren ermöglicht (bei 4 Jahren Altersteilzeit im Blockmodell zwischen 59 und 63 Jahren, und anschließender vorgezogener Altersrente). Auch bei Pfleger ist davon auszugehen, dass der Bedarf für ein früheres Ausscheiden bei vielen Mitarbeitern aus mehr oder weniger zwingenden Gründen vorhanden ist. Die extrem hohen, tariflich festgelegten Kosten des Einzelfalls würden aber eine Beschränkung auf einen kleinen Teil der daran Interessierten notwendig machen – beispielsweise nur auf Mitarbeiter, bei denen ein früheres Ausscheiden aus gesundheitlichen Gründen unabwendbar ist. Eine dementsprechende Zugangs-Regelung zu konstruieren, für die Betriebsvereinbarung auszuformulieren, und praktikabel umzusetzen scheint jedoch kaum möglich zu sein.
Gravierende Konflikte zwischen Mitarbeitern, Betriebsrat und Personalleitung über die Zulassung zur Altersteilzeit wären die zu erwartende Folge – möglicherweise ergänzt durch einen Anreiz für Mitarbeiter, frühzeitig gesundheitliche Beschwerden durch unnötige Arztbesuche und Fehlzeiten zum Ausdruck zu bringen. Deshalb wäre eine Entscheidung für die Altersteilzeit mit Risiken in Bezug auf Betriebsklima und Produktivität verbunden. Altersteilzeit wurde daher einvernehmlich abgelehnt, obwohl sie zu Beginn der Analyse von den Betriebsparteien favorisiert wurde.
TEILRENTE:
Nach §10 TLD sieht der Tarifvertrag als dritte Verwendungsmöglichkeit des Demografiefonds eine Förderung bei Inanspruchnahme von Teilrente vor. Dass dazu keinerlei weitere Regelungen getroffen wurden, ist vermutlich auf deren geringe Popularität zurückzuführen. So wird Teilrente auch von Verbands- wie Gewerkschaftsseite stiefmütterlich behandelt und ihre Förderung durch den Demografiefonds kaum ernsthaft in Erwägung gezogen. Eine sehr intensive interne Auseinandersetzung damit zeigte jedoch, dass Teilrente in bestimmten Fällen hochattraktiv sein kann – ohne Förderung (s. o.) oder mit einer Förderung durch den Demografiefonds. Diese würde einfach in Aufstockungszahlungen bestehen. Nach Absprache mit Renten- und Krankenversicherungsträgern werden diese als ‘freiwillige Unterstützungsleistungen’ bezeichnet. Ihre Höhe und Bedingungen wären im Rahmen der Betriebsvereinbarung vollkommen frei festlegbar. Denkbar sind etwa fixe Förderbeträge pro Person und Monat, Beträge proportional zum Einkommen oder eine Aufstockung auf 85% des bisherigen Nettoentgelts (analog zur Altersteilzeit). Damit sind unter Beachtung der Hinzuverdienstgrenzen folgende drei Parameter festzulegen: Umfang der Teilzeitarbeit (ggf. vollständige Freistellung), Höhe der Teilrente und Höhe der Förderung durch den Demografiefonds. Daraus ergeben sich zahllose Variationsmöglichkeiten, deren Komplexität eines der Argumente gegen die Wahl von Teilrente war.
Kapite 5.1.2, GESTALTUNG VON ARBEITSAUFGABE BZW. –INHALT:
‘Der Arbeitsinhalt ist der wichtigste Motivator’ und einer der zentralen Bestimmungsfaktoren v. a. für die psychische Arbeitsbelastung, der Mitarbeiter ausgesetzt sind. Eine mangelhafte Aufgabengestaltung bedeutet deshalb eine Gefährdung der psychischen Gesundheit. Damit die Arbeitsaufgabe motivations-, persönlichkeits- und gesundheitsförderlich ist, sollten bestimmte Gestaltungsempfehlungen beachtet werden. ‘Die zentrale psychologische Dimension … ist [dabei] die Erweiterung des Handlungsspielraums’, weil diese auch die anderen Merkmale mit bedingt. Entsprechend dem auch in der Berufspädagogik angestrebten Prinzip der ‘vollständigen Handlung’ sollten vollständige Arbeitsaufgaben möglichst durch folgende Merkmale bzw. Elemente charakterisiert sein: Selbstständiges Setzen von Zielen, Handlungsvorbereitungen und Auswahl der Mittel zur Zielerreichung, selbstständige Kontrolle und Feedback von außen. Eine solche, vertikale ‘Bereicherung’ oder ‘Anreicherung’ der Arbeit durch vor-, nach- und nebengelagerte Teilaufgaben wird als ‘Job-Enrichment’ bezeichnet. Es trägt zur Befriedigung der ‘menschlichen Bedürfnisse nach Verantwortung, Selbstbestimmung, Leistung , … Selbstverwirklichung und nach Gefordertsein’ bei. Für ältere Berufstätige sind Autonomie und Selbstständigkeit noch wichtiger als für Jüngere.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836643245
Arbeit zitieren:
Naporra, Florian M. August 2009: Alterns- und altersgerechtes Personalmanagement vor dem Hintergrund demografischer Veränderung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Demografie, Personalwirtschaft, Tarifvertrag, Personalmanagement, Lebensarbeitszeitkonto



