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Alternde Belegschaften im internationalen Vergleich

Eine kritische Diskussion der Ausgangssituationen und möglicher Konsequenzen

Alternde Belegschaften im internationalen Vergleich
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Michael Hohmann
  • Abgabedatum: Februar 2006
  • Umfang: 88 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9708-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9708-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9708-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hohmann, Michael Februar 2006: Alternde Belegschaften im internationalen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ältere, demografisch, Arbeitsfähigkeit, Beschäftigungsfähigkeit, Ländervergleich

Diplomarbeit von Michael Hohmann

Zusammenfassung:

„Die Struktur von Modernisierung und Verjüngung der Industrie-, Verwaltungs- und Dienstleistungsorganisationen suggeriert immer stärker die Nutzlosigkeit von Kompetenz und Leistungsfähigkeit und -willigkeit älterer Arbeitnehmer.“ So oder ähnlich wird die nach wie vor in Deutschland weit verbreitete Einschätzung älterer Arbeitnehmer häufig beschrieben, die impliziert, dass die Älteren eine Problemgruppe des Arbeitsmarktes darstellten. Auf Unternehmungsebene wird dieses Problem häufig dadurch gelöst, dass möglichst viele Jüngere beschäftigt werden, denn diese gelten im Gegensatz zu Älteren als gesund, physisch belastbar, flexibel, mobil und innovativ und werden daher oft als leistungsfähigere Mitarbeiter angesehen.

Wie aber ist diese Praxis im Umgang mit älteren Arbeitnehmern aufrecht zu erhalten, wenn es in den kommenden Jahrzehnten eine Veränderung der demografischen Zusammensetzung geben wird, so dass das Erwerbspersonenpotenzial stetig älter und das Angebot an Arbeitskräften insgesamt sinken wird? Möglicherweise kann durch die aktuelle hohe Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern alles beim Alten bleiben, da trotz Rückgang des Arbeitskräfteangebots weiterhin genügend Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Möglicherweise ist aber auch ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel bei der Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen und betrieblichen Handlungen notwendig, um die Nachfrage der Unternehmungen an leistungsfähigen Arbeitnehmern weiterhin befriedigen zu können.

Die beschriebene Problematik besteht nicht nur in Deutschland, sondern ist ein Phänomen, das vor allem in den Industrienationen in allen Teilen der Welt zu finden ist. In der vorliegenden Diplomarbeit wird daher untersucht, wie sich die Situationen der demografischen Entwicklungen in anderen Ländern darstellen, und auf welchem Stand sich die Ausprägungen personalpolitischer Konzepte zur Begegnung alternder Belegschaften befinden. Anhand des Vergleichs kann die Position Deutschlands im internationalen Kontext eingeordnet werden, um möglichen Handlungsbedarf auf politischer und insbesondere betrieblicher Ebene zu ermitteln.

Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, die internationalen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der demografischen Entwicklungen des Erwerbspersonenpotenzials darzustellen, um den daraus resultierenden betrieblichen Handlungsbedarf abzuleiten und den internationalen Stand der Umsetzung personalpolitischer Maßnahmen im Vergleich zu Deutschland zu untersuchen.

Gang der Untersuchung:

Eingeleitet wird die Arbeit durch die Festlegung von Grundlagen, die im gesamten Kontext Gültigkeit besitzen, wobei zunächst die Länder festgelegt werden, die im weiteren Verlauf miteinander verglichen werden. Die Ausgangssituationen, die auf betrieblicher Ebene zu Konsequenzen führen können, werden auf der Makroebene vom Arbeitsmarkt festgelegt. Dieser determiniert das Potenzial, aus dem die Unternehmungen Erwerbspersonen gewinnen.

Es folgt daher eine detaillierte Betrachtung der unterschiedlichen Entwicklungen der Arbeitskräfteangebote in den verglichenen Ländern. Der daraus resultierende Handlungsbedarf auf betrieblicher Ebene bildet daraufhin den zweiten Schwerpunkt. Diskutiert werden dort die möglichen Konsequenzen bezüglich der zuvor ermittelten Veränderungen auf der Makroebene.

Die Arbeit ist in der Form strukturiert, dass die internationalen Vergleiche jeweils direkt innerhalb der festgelegten Ebenen in empirischer oder qualitativer Form stattfinden. Es werden, sofern nicht anders gekennzeichnet, die jeweils aktuellsten zur Verfügung stehenden Daten für die Vergleiche verwendet. Verzichtet wird in dieser Arbeit größtenteils auf eine Differenzierung zwischen Branchen, Unternehmungsgröße und geschlechtsspezifischen Unterschieden, da eine allgemeine Betrachtung der Thematik vorgenommen wird. Ist einer dieser Faktoren von grundlegender Bedeutung, so wird darauf hingewiesen.

Abgeschlossen werden die Abschnitte 3 und 4 jeweils durch eine kritische Diskussion der zuvor gewonnenen Erkenntnisse sowie einer expliziten Einordnung Deutschlands in den internationalen Kontext.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Problemeinführung 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau 2
2. Grundlagen 3
2.1 Auswahl der Vergleichsländer 3
2.2 Definition: Ältere Arbeitnehmer 3
2.3 Leistungspotential älterer Arbeitnehmer 5
2.4 Alterns- versus altersorientierte Personalarbeit 7
3. Erwerbspersonenpotenziale im demografischen Wandel 7
3.1 Der demografische Wandel 7
3.2 Entwicklungen der Erwerbspersonenpotenziale 10
3.3 Arbeitsmarktsituationen älterer Arbeitnehmer 16
3.4 Kritische Betrachtung und Deutschlands Position im internationalen Vergleich 22
4. Betriebliche Maßnahmen im internationalen Vergleich 25
4.1 Ziele und Handlungsebenen betrieblicher Maßnahmen 25
4.2 Ansatzpunkte alterns- und altersorientierter Personalarbeit 28
4.2.1 Verhinderung von Altersdiskriminierung 28
4.2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung 31
4.2.3 Auswahl, Entwicklung und Beurteilung des Personals 35
4.2.4 Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung 42
4.2.5 Unternehmungskultur, Führung und Motivation 48
4.3 Kritische Betrachtung und Deutschlands Position im internationalen Vergleich 57
5. Fazit 60
Literaturverzeichnis 61
Verzeichnis der Gesetze 80

Automatisiert erstellter Textauszug:

Messbar wird der gesundheitliche Zustand der Arbeitnehmer insbesondere durch die krankheitsbedingten Fehlzeiten, die im internationalen Vergleich erhebliche Unterschiede aufweisen. In Deutschland ist seit Jahren ein kontinuierlicher R¨ckgang der Krankschreiu bungen zu verzeichnen. Aktuell liegt der Krankenstand mit 3,3 % durchschnittlicher Ausfallzeit je Arbeitnehmer bezogen auf die gesamte j¨hrliche Arbeitszeit so niedrig wie nie a ¨ zuvor.135 Ahnliche Zahlen liegen f¨r Großbritannien und Finnland vor, w¨hrend die USA u a einen deutlich geringeren Anteil mit fast 2 % vorweisen k¨nnen. F¨r Japan liegen keine o u Zahlen vor, f¨r Frankreich lediglich aus dem Jahre 1988 mit einer Quote von 7 %, die aber u aufgrund ihrer mangelnden Aktualit¨t f¨r den Vergleich nicht verwendbar ist.136 Das Beia u spiel der USA zeigt aber, dass nach wie vor ein Verbesserungspotenzial in Deutschland vorhanden ist, obwohl die Unterschiede vielf¨ltige, nicht nur rein medizinische, Gr¨nde a u haben k¨nnen. Die Arbeitssicherheit und Genesungsdauer spielen eine Rolle, aber auch o Faktoren wie die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und der Umfang der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.137 Insgesamt sind die Fehlzeiten in allen Industriel¨ndern seit a Jahren r¨ckl¨ufig, vor allem Deutschland befindet sich hier auf einem guten Weg. Dennoch u a bedeuten diese Fehlzeiten nicht nur einen vor¨bergehenden Verlust der Arbeitsf¨higkeit, u a sondern auch Kosten f¨r die Unternehmungen sowie negative Auswirkungen auf die Prou duktion, so dass die Fehlzeiten weiter reduziert werden m¨ssen.138 u Neben den vor¨bergehenden Ausf¨llen ist aber der endg¨ltige Verlust der Arbeitsf¨higkeit u a u a von noch entscheidenderer Bedeutung. Als Indikator dienen hier die Zahlen der Rentenzug¨nge wegen verminderter Erwerbsf¨higkeit. Zwar sind hier nur Daten aus Deutscha a land, Finnland und den USA verf¨gbar, sie lassen aber dennoch einen Trend erkennen. u In Deutschland sind 2004 insgesamt 133.850 Menschen aufgrund von Arbeitsunf¨higkeit a in den fr¨hzeitigen Ruhestand getreten, das sind 0,35 % aller Erwerbst¨tigen.139 In Finnu a land waren es 2003 insgesamt 28.056 Personen, entsprechend 1,2 %140 , und ebenfalls im Jahr 2003 in den USA 506.740 Arbeitnehmer, also 0,4 %141 . Deutschland und die USA bewegen sich demnach auf einem ¨hnlichen Level, Finnland hat im Vergleich dazu eine a deutlich h¨here Anzahl an krankheitsbedingten Fr¨hverrentungen. In allen L¨ndern liegt o u a die Rate auf einem insgesamt sehr geringen Niveau. Dies verdeutlicht wiederum, dass die [...]

Die Gesundheit der Arbeitnehmer ist die Basis der Arbeitsf¨higkeit, ohne die alle a personalpolitischen Handlungsm¨glichkeiten nicht einsetzbar sind. Sie ist deshalb nach o Einsch¨tzung der gr¨ßten deutschen Unternehmungen Grundvoraussetzung f¨r eine ala o u ternsorientierte Personalpolitik.127 Gesundheit definiert sich dabei nach der Formulierung der Ottawa-Charta zur Gesundheitsf¨rderung der WHO von 1986 als k¨rperliches, seeo o lisches und soziales Wohlbefinden.128 Der Erhalt der Gesundheit wird vor allem durch den individuellen Lebensstil beeinflusst. Aber auch die Unternehmungen haben die M¨glichkeit zur Intervention auf betrieblicher Ebene. Von entscheidender Bedeutung ist o insofern die funktionale Kapazit¨t, die als Summe aller physischen, psychischen und soziaa len Funktionen, die ein Mensch in einer bestimmten Situation und in einem bestimmten Alter wahrnehmen kann, definiert wird.129 Das Alter stellt dabei eines der wichtigsten Pr¨diktoren f¨r die Krankheitsanf¨lligkeit dar. Diese ist aber keineswegs eine Konstante a u a sondern eine beeinflussbare Variable.130 So besteht z.B eine Abh¨ngigkeit vom Bildungsa grad und Berufsstatus der Arbeitnehmer, aber auch von der betrieblichen Gesundheitspolitik, dem F¨hrungsverhalten und der Organisation innerhalb der Unternehmung.131 Dass u ein langes zufriedenes Arbeitsleben die Gesundheit bis ins hohe Alter st¨rkt, beweist eia ne britische Studie, der zu Folge die Lebenserwartung von bis dato k¨rperlich gesunden o Personen, die bereits mit 55 Jahren in den Vorruhestand gehen, wesentlich geringer ist als bei Personen, die erst mit 60 oder 65 Jahren die Rente antreten.132 Ebenso ist bei arbeitslosen Menschen ein hoher Krankenstand festzustellen. So lag vor allem die Dauer der Krankschreibungen bei dieser Gruppe in Deutschland dreimal so hoch wie bei krankheitsbedingten Ausf¨llen von Arbeitenden.133 Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass a Arbeitslosigkeit urs¨chliche Auswirkungen auf die Entwicklung schwerwiegender Kranka heiten hat, verursacht durch ungesunde Lebensweise, soziale Probleme und schlechtere Lebensbedingungen.134 [...]

bei der betrieblichen Weiterbildung oder bei Stellenausschreibungen aus. Auch der amerikanische ADEA“, der die Frage nach dem Alter bei Einstellungen verbietet, kann nicht ” verhindern, dass bei der Personalauswahl bspw. durch chronologische Lebensl¨ufe auch a ohne konkrete Altersangabe relativ leicht nach Alter selektiert werden kann. Gesetze allein k¨nnen also die Altersdiskriminierung nicht verhindern.120 Es muss in den Personalabteio lungen vielmehr der Wille vorhanden sein, ¨ltere Arbeitnehmer einzustellen, zu f¨rdern a o und langfristig zu halten. ¨ Der wichtigste Aspekt ist dabei, dass ¨ltere Arbeitnehmer nicht als notwendiges Ubel a sondern als betriebliches Erfolgspotenzial angesehen werden, wie es in den USA als Teil des Diversity-Ansatzes verbreitet ist.121 In Großbritannien ist in diesem Zusammenhang im Jahre 1999 der Code of Practice for Age Diversity“ eingef¨hrt worden, der eine unu ” verbindliche Richtlinie der Regierung im Rahmen der Age Positive Campaign“ 122 ist ” ¨ und positive Effekte f¨r die Einstellung Alterer erreichen soll.123 Solche Maßnahmen, die u keine rechtliche Bindung haben, sondern an das Bewusstsein der Agierenden appellieren und eher einen Leitfaden f¨r den betriebswirtschaftlichen Nutzen darstellen, werden in der u Praxis ganz anders wahr- und angenommen. Einen solchen Ansatz schl¨gt die OECD auch a ¨ f¨r Deutschland vor.124 Sinnvoll ist sicherlich auch eine Sensibilisierung der Offentlichkeit, u wodurch ein gewisser moralischer Druck auf die Unternehmungen erzeugt werden kann. So kann es sich z.B. in den USA kaum eine Unternehmung erlauben, den Verdacht der Diskriminierung einer Zielgruppe zu erzeugen, da dies einen extremen Imageschaden zur Folge h¨tte.125 Ein Ansatzpunkt in diese Richtung k¨nnte in Deutschland das im Dea o zember 2005 gegr¨ndete Forum Demographischer Wandel“ des Bundespr¨sidenten in u a ” Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung sein.126 Ziel dieser Initiative ist es, die ¨ Bedeutung der Thematik in das Bewusstsein der Offentlichkeit zu r¨cken. Es sollen zuu dem Konzepte und konkrete Handlungsvorschl¨ge zur Bew¨ltigung der demografischen a a Ver¨nderungen f¨r die Bereiche Familie, Wirtschaft und Soziales sowie Bildung und Wisa u senschaft erarbeitet werden. [...]

Arbeit zitieren:
Hohmann, Michael Februar 2006: Alternde Belegschaften im internationalen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ältere, demografisch, Arbeitsfähigkeit, Beschäftigungsfähigkeit, Ländervergleich

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