Alternative Attraktionen
Eine empirische Untersuchung zum Einfluss der Gelegenheitsstrukturen auf das Ehescheidungsrisiko
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Oliver Schmitz
- Abgabedatum: Februar 2001
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 790,2 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4969-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4969-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4969-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schmitz, Oliver Februar 2001: Alternative Attraktionen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Partnerschaft, Familie, Trennung
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Magisterarbeit von Oliver Schmitz
Problemstellung:
Die steigenden Scheidungszahlen einerseits und die Tatsache, dass Ehe und Familie den Menschen immer wichtiger werden andererseits, geben der Frage, warum Beziehungen scheitern, eine besondere Relevanz. Diese Studie versucht auf der Grundlage aktueller und informativer Daten mittels neuester statistischer Verfahren Faktoren ausfindig zu machen, die das Ehescheidungsrisiko beeinflussen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei die Frage, inwieweit außereheliche Beziehungen sowie Chancen der Ehepartner, andere Partnerschaften eingehen zu können, Einfluss auf die Stabilität von Ehen haben. Macht Gelegenheit also Liebe?
Es wird sich beispielsweise zeigen, dass Frauen, die in Berufen tätig sind, die einen hohen Kundenkontakt aufweisen (z.B. Kellnerinnen), einem besonders hohen Scheidungsrisiko unterliegen. Im einzelnen geht diese Studie u.a. diesen Fragestellungen nach:
Wie wichtig sind den Menschen Beziehungen heute?
Wie verlaufen die Ehescheidungszahlen in Deutschland seit Anfang des 20. Jahrhunderts?
Wie versuchen aktuelle soziologische Theorien Ehescheidungen zu erklären?
Welche Bedeutung haben außereheliche Beziehungen in diesem Zusammenhang?
Warum ist der Arbeitsplatz ein günstiger „Partnermarkt?” Lassen sich Menschen, die nach einer Scheidung erneut heiraten, genauso oft scheiden wie Menschen, die nur einmal geheiratet haben?
Hängt die Scheidungswahrscheinlichkeit auch mit dem eigenen Bildungsniveau und dem des Elternhauses zusammen?
Hat der Erwerb von Hauseigentum einen Einfluss auf das Scheidungsrisiko?
Werden Ehen eher geschieden, wenn sich die Eltern der Ehepartner bereits haben scheiden lassen?
Sind Ehen, die in relativ jungen Jahren geschlossen werden, stabiler als „späte Ehen”.
Spielt die Konfessionszugehörigkeit heute noch eine Rolle im Hinblick auf die Scheidungszahlen?
Welche Bedeutung haben Kinder bezogen auf die Ehestabilität ihrer Eltern?
Kommen Ehescheidungen in Großstädten häufiger vor als in ländlichen Regionen?
Hat ein Überschuss von unverheirateten Frauen (im Vergleich zu unverheirateten Männern) auf gesellschaftlicher Ebene einen Effekt auf Ehen?
Haben Frauen in Frauenberufen ein höheres Scheidungsrisiko als Frauen in Männerberufen?
Sind Ehen von Menschen, die in größeren Betrieben arbeiten, scheidungsanfälliger als Ehen von Menschen, die in Kleinbetrieben beschäftigt sind?
Welche Berufe sind am scheidungsanfälligsten bei Männern und Frauen?
Wie unterscheiden sich Männer und Frauen bezogen auf die hier vorgestellten Faktoren?
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Ehescheidung aus soziologischer Perspektive | 7 |
| 2.1 | Die Lebensrelevanz von Paarbeziehungen | 7 |
| 2.2 | Ehescheidungen in Deutschland | 9 |
| 2.3 | Aktuelle soziologische Theorien ehelicher Instabilität | 11 |
| 2.3.1 | Strukturell-funktionale Theorie | 11 |
| 2.3.2 | Die Austauschtheorie | 13 |
| 2.3.3 | Der ökonomische Ansatz zur Erklärung von Ehescheidungen | 15 |
| 2.3.4 | Diskussion | 18 |
| 3. | Alternative Attraktionen | 19 |
| 3.1 | Die Bedeutung von alternativen Partnern im Hinblick auf die Ehestabilität | 19 |
| 3.1.1 | Außereheliche Beziehungen | 19 |
| 3.1.2 | Chancen auf dem Heiratsmarkt | 24 |
| 3.1.3 | Diskussion | 30 |
| 3.2 | Der Arbeitsplatz als lokaler (Wieder-)Heiratsmarkt | 31 |
| 3.2.1 | Charakteristika des Arbeitsplatzes als lokaler (Wieder-)Heiratsmarkt | 31 |
| 3.2.2 | Das Geschlechterverhältnis im Betrieb | 36 |
| 3.2.3 | Diskussion | 40 |
| 4. | Ehestabilität und sozialstrukturelle Einflussfaktoren | 41 |
| 4.1 | Ehestabilität | 42 |
| 4.2 | Sozialstrukturelle Faktoren | 43 |
| 4.2.1 | Alternative Attraktionen | 43 |
| 4.2.2 | Barrieren | 44 |
| 4.2.3 | Voreheliche Faktoren | 45 |
| 4.2.4 | Weitere Kontrollvariablen | 47 |
| 5. | Empirische Analyse | 48 |
| 5.1 | Ereignisdatenanalyse | 48 |
| 5.2 | Datenbasis | 49 |
| 5.3 | Ehescheidungsraten | 49 |
| 5.4 | Der Einfluss von Risikofaktoren auf die Ehescheidungsrate | 52 |
| 5.4.1 | Mehrfachehen | 53 |
| 5.4.2 | Voreheliche Faktoren | 54 |
| 5.4.2.1 | Bildungsniveau des Vaters | 54 |
| 5.4.2.2 | Scheidung der elterlichen Ehe | 55 |
| 5.4.2.3 | Heiratsalter | 56 |
| 5.4.2.4 | Bildung | 57 |
| 5.4.2.5 | Hauseigentum | 58 |
| 5.4.3 | Barrieren | 58 |
| 5.4.3.1 | Religionszugehörigkeit | 58 |
| 5.4.3.2 | Elternschaft | 59 |
| 5.4.4 | Alternative Attraktionen | 61 |
| 5.4.4.1 | Wohnortgröße | 61 |
| 5.4.4.2 | Geschlechterproportion in der Gesamtgesellschaft | 62 |
| 5.4.4.3 | Geschlechterproportion im Betrieb | 64 |
| 5.4.4.4 | Betriebsgröße | 69 |
| 5.4.5 | Geschlechtsspezifische Unterschiede des Ehescheidungsrisikos | 70 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 71 |
| 7. | Anhang | 73 |
| 8. | Literatur | 88 |
Nach der Fokustheorie von Feld (1981) sind soziale Beziehungen zwischen homogenen Personen Ergebnis der Gelegenheitsstruktur. Personen begegnen sich in Foki, d.h. in sozialen, psychologischen oder phys ischen Einheiten, um die herum gemeinsame Aktivitäten von Personen orientiert sind. Diese Foki führen Personen zusammen, die sich in vielerlei Hinsicht ähnlich sind. Da – nach Homans – häufig belohnende Interaktionen zu positiven Gefühlen zwischen Personen führen, wirkt sich die Struktur eines Fokus auf die Wahrscheinlichkeit aus, dass Personen sich verbunden fühlen: „As a consequence of interaction associated with their joint activities, individuals whose activities are organized around the same focus will tend to become interpersonally tied and form a cluster“ (Feld 1981: 1016). 25 So gesehen kann man also auch von einem „Arbeitsfokus“ sprechen, der soziale Homogamie hervorbringt. [...]
Zu beachten bleibt bei der Diskussion über den Einfluss alternativer Partner zudem, dass neben der reinen Quantität der potenziellen Partner auch deren Qualität für das (Wieder-) Heirats- und Scheidungsverhalten von Bedeutung ist. Nach Wilson (1987) wird vor allem bei einem Mangel an Männern mit Vollzeitbeschäftigung das Verlangen der Frauen zu heiraten abnehmen, da sie sich in dieser Situation von einer Ehe weniger Gewinn versprechen. Auch Lichter et al. (1992) betonen, dass sich ein für Frauen günstiger Partnermarkt gerade aus Männern, die erwerbstätig sind und die eine hohe Bildung haben, zusammensetzt. Die Vorlieben von Männern seien weniger eindeutig zu bestimmen, jedoch scheint sich auch hier ein günstiger Partnermarkt aus erwerbstätigen Frauen zu bilden (South 1991). South/Lloyd (1995) konnten in bezug auf Ehescheidungen zeigen, dass Ehen eher geschieden werden, wenn in den Heiratsmärkten ein hoher Anteil unverheirateter, erwerbstätiger Frauen vorzufinden ist. Damit werde es nicht nur wahrscheinlicher, dass Männer eine neue Partnerin am Arbeitsplatz kennen lernen; durch die Erwerbstätigkeit der Frauen nehme zudem deren Heiratsalter zu, wodurch der Anteil unverheirateter Frauen zunehme und somit die Chance für Männer, neue Partnerinnen kennen zu lernen, steige. Der Effekt dieser Gelegenheitsstruktur habe auch Bestand bei Kontrolle von Individualvariablen (u.a. Anzahl der Kinder, Hauseigentum, Heiratsalter). [...]
Zum „Framing“-Konzept siehe Esser (1990; 1996): „Menschen vereinfachen die Überkomplexität der Informationen in einer Situation durch eine rahmende ‚Definition‘ eines leitenden Gesichtspunktes. [...] Frames wirken als eingebaute Verzögerungen und Dämpfungsmechanismen gegen unmittelbare Reaktionen auf Turbulenzen in der Umwelt. Diese Verzögerungen verhindern, dass gut eingespielte Lösungen für wiederkehrende Probleme zu rasch über Bord geworfen werden.“ Esser knüpft dabei an Überlegungen von Alfred Schütz (1972) an. Demnach sei die Funktion dieser „vertrauenswerten Rezepte“, „ermüdende Untersuchungen auszuschließen, indem sie fertige Gebrauchsanweisungen anbieten, um die schwer zu erreichende Wahrheit durch bequeme Wahrheiten zu ersetzen und um das Selbstverständliche mit dem Fragwürdigen zu vertauschen“ (Schütz 1972: 58). [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832449698
Arbeit zitieren:
Schmitz, Oliver Februar 2001: Alternative Attraktionen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Partnerschaft, Familie, Trennung



